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die bank 10 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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MARKT BANKKUNDEN IM VERWÜSTETEN AHRTAL „Der Zins ist nicht allein entscheidend“ Ein Bankchef im Dauerkrisenmodus: Zwischen der Corona-Pandemie und dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine verwüstete eine Hochwasserkatastrophe das Ahrtal. „die bank“ sprach mit Dieter Zimmermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Ahrweiler, über ganz besonders krisengeschüttelte Kunden. die bank: Seit zweieinhalb Jahren müssen Sie die Geschäfte der Sparkasse unter herausfordernden Bedingungen lenken. Wie geht es Ihnen persönlich damit? Dieter Zimmermann: Ich persönlich komme damit schon halbwegs klar. Aber jetzt folgt eine Krise, die deutlich über Corona hinausgeht. Fraglich ist, ob wir uns jahrelang auf eine Mega-Inflation und unsichere Zeiten einstellen müssen. Vor dieser exogenen Krise steht man schon etwas ohnmächtig. Der tiefe Griff ins Portemonnaie, der bereitet unseren Kunden große Sorgen. Und Unsicherheit ist immer der schlechteste Begleiter. die bank: Die Sparkasse und Ihre Kunden haben noch nicht einmal die Flutfolgen komplett bewältigt. Wie ist der aktuelle Stand? Zimmermann: An vielen unserer Standorte inklusive der Hauptstelle merkt der Kunde schon seit Monaten nichts mehr. Zwei größere Filialen sind aber noch geschlossen, wir behelfen uns dort mit provisorischen Containern für das klassische Tagesgeschäft und sind noch in der Planung, wie es dort grundsätzlich weitergeht. Unser Gesamtschaden lag bei 10 Mio. €, die zum Glück versichert waren. die bank: Wie kommen Ihre Privatkunden mit den Krisen klar? Zimmermann: Sehr unterschiedlich. Es gibt mehrere Tausend Menschen, die noch gar nicht zurückgekehrt sind und sich mit Zwischenlösungen behelfen müssen. Und es gibt immer wieder Rückschläge. Auch 15 Monate nach der Flut fällt immer noch die Entscheidung, dass einige Häuser doch abgerissen werden müssen. Die Sorge um die Immobilie, gepaart mit der Rekordinflation und steigenden Lebenshaltungskosten, das trifft die Menschen schwer. die bank: Wie geht es der lokalen Wirtschaft? Zimmermann: Das produzierende Gewerbe bekam relativ schnell wieder Boden unter den Füßen. Mit befreundeten Unternehmen und sogar Wettbewerbern wurden Lösungen gefunden, etwa Produktion ausgelagert. Jetzt kehrt die Produktion zurück. In der für das Ahrtal so wichtigen Hotellerie und Gastronomie haben wir jedoch noch ein diffuses Bild. Erste Leuchttürme sind am Start, aber viele große Hotels und Restaurants sind noch dicht. Das dauert länger als erwartet. Immerhin kommen schon wieder einige Stammkunden zum Wandern und Radfahren. Ich hoffe, dass sich die Lage bis spätestens Ostern 2023 entspannen wird. Im Einzelhandel sind geschätzt erst 40 Prozent der Geschäfte wieder geöffnet. die bank: Die steigenden Kreditzinsen treffen Ihre Kunden jetzt besonders hart … Zimmermann: Das Konsumentenkreditgeschäft ist aktuell tot. Die Privatkunden greifen jetzt verstärkt auf ihr Erspartes zurück. In der Baufinanzierung ist der Neubau zwar gleichfalls sehr verhalten, aber wir haben hohe Investitionen in die energetische Erneuerung, in unserer Region verstärkt auch durch den Wiederaufbau. Bauträger und Investoren fassen Immobilien gleichfalls mit spitzen Fingern an. Die gewerblichen Kunden investieren nicht nur das Geld aus dem Wiederaufbaufonds, sondern investieren zusätzlich in Energetik, Hochwasser- oder etwa Brandschutz. Es wird eigentlich nie nur wieder aufgebaut, sondern die Situation für ein Upgrade genutzt. Die Kunden sind wegen der höheren Zinsen natürlich nicht glücklich, aber sie wollen sich zukunftsträchtig aufstellen. Da ist der Zins nicht allein entscheidend. die bank: Inwieweit hemmt Sie bei der Kreditvergabe die Furcht vor künftigen Ausfällen? Zimmermann: Wir stehen unseren Kunden zur Seite. Da darf man jetzt nicht ängstlich sein. Und man kann ja eigentlich nur staunen, wie der Mittelstand die bisherigen Katastrophen gemeistert hat. Corona und selbst die Flut haben bei uns im Haus keine Bremsspuren hinterlassen. Dabei darf man nicht vergessen, dass es massive Staatshilfen gab. Die jetzige Wirtschaftskrise sorgt mich stärker. Bis 16 10 | 2022

MARKT heute haben wir zwar noch keine Insolvenz oder Schieflage, aber es wäre utopisch zu glauben, dass überhaupt keine Kreditrisiken auf die Banken zukommen. die bank: Wie könnte man gegensteuern? Zimmermann: Man müsste jetzt eigentlich das Instrumentarium aus der Covid- Krise wieder scharf schalten. Wir bräuchten wieder Moratorien, mit denen man Zins- und Tilgungszahlungen aussetzen kann, ohne dass dies aufsichtsrechtliche Konsequenzen hätte. Oder Liquiditätshilfekredite der KfW, und es sollte auf die zusätzlichen Kapitalpuffer in den nächsten Jahren verzichtet werden. Wir können nicht gleichzeitig den Mittelstand begleiten und mehr gebundenes Kapital vorhalten. die bank: Mit welcher Entwicklung beim Nettoertrag rechnen Sie im laufenden Jahr? Zimmermann: Die Zinswende stärkt die operative Ertragslage unserer Bank. Sie wird besser als im Vorjahr sein und besser als geplant. Dieser Trend hält 2023 an. Aber die Zinswende führt auch zu starken Korrekturen im Wertpapierergebnis. Und wir können noch nicht absehen, welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise haben wird. die bank: Herr Zimmermann, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen in den Interviews stellte Eli Hamacher. 10 | 2022 17

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