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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT DER CHEF

MANAGEMENT DER CHEF Einen großen Teil seines Lebens verbrachte Christian Schneider-Sickert in Großbritannien. Schon mit 13 kam der Sohn eines Arzt-Ehepaars auf die Insel, besuchte westlich von London das traditionsreiche Eton College, auf dem auch mehrere Vertreter des britischen Königshauses und Premierminister ihren Abschluss machten. Nach den A-Levels ging es weiter nach Oxford an die dortige Universität, an der Schneider-Sickert einen Master of Arts in Orientalistik erwarb. Unternehmerisch versuchte sich der gebürtige Ludwigshafener erstmals direkt nach der Uni. Mit anderen gründete der damals 22-Jährige einen Wirtschaftsverlag, die immer noch existierende Oxford Business Group, die sich auf die Veröffentlichung von Berichten über Schwellenländer spezialisierte. Ein Job, für den der Jungunternehmer, der neben Englisch auch fließend Arabisch spricht, Länder wie Syrien, Libanon und Ägypten bereisen konnte, um dort die wirtschaftlichen Strukturen zu analysieren. Nach vier Jahren verließ der Gründer sein erstes Unternehmen, rundete seine Ausbildung an der Harvard Business School mit einem MBA ab. Es folgten Stationen bei Investmentbanken, u. a. bei Goldman Sachs sowie dem Medienkonzern Bertelsmann, bevor Schneider-Sickert im Jahr 2015 in Berlin die Liqid Investments GmbH gründete. Aus seiner England-Zeit stammt auch sein Faible für die britischen Tageszeitungen Financial Times (FT) und Guardian, die er für ihre exzellent recherchierten Artikel schätzt. Den Fall des DAX-Werts Wirecard verfolgt Schneider-Sickert denn auch intensiv in der FT und war mehr als einmal verblüfft über die großen Qualitätsunterschiede zur deutschen Wirtschaftspresse. Auch die Liebe zum Rudern brachte der Manager von der Insel mit. Aufs Wasser treibt es den heute 48-Jährigen zwar in der Regel nicht mehr. Aber zuhause in Charlottenburg-Wilmersdorf trainiert er noch alle zwei Tage an Land und hört auf dem Ergometer Podcasts, am liebsten die von BBC. Christian Schneider-Sickert ist mit einer Anwältin verheiratet, die für NGOs arbeitet – „der gute Teil von mir“ – und hat zwei Töchter. Schon sein allererster Job führte ihn in die digitale Welt. Für eine Schule programmierte der Gymnasiast ein Computerprogramm, mit dem die Lehrer Ergebnisse von Langlauf-Skirennen auswerten wollten. Das sei dann allerdings auch das Limit seiner Programmierfähigkeiten gewesen, sagt der Liqid-CEO. an die Spitze des Markts setzte und, vor allem dank einer Kooperation mit der ING, Ende 2019 AuM im Wert von gut 2 Mrd. € vermeldete. Ein Versprechen eint alle Konkurrenten: Sie wollten den Vermögensaufbau transparenter, einfacher und vor allem deutlich günstiger machen. Naturgemäß sieht Christian Schneider-Sickert die Zukunft des Markts optimistisch. „FinTechs müssen mit der Realität leben, dass sie mittel- und langfristig sehr erfolgreiche Geschäftsmodelle aufbauen können, dass sie aber kurzfristig doch länger als in vielen anderen Bereichen brauchen, bis das Angebot verstanden ist und bis Marken eta- 34 10 // 2020

MANAGEMENT bliert sind.“ Das habe man auch in den USA und in Großbritannien beobachten können, die Deutschland bei der automatisierten Geldanlage um einige Jahre voraus seien. Vorübergehend habe es zudem eine gewisse Explosion bei den Anbietern gegeben, was den Kunden auch verwirrt habe. Wettbewerber wie die Sutor Bank zogen sich bereits aus dem B2C-Segment zurück. Jetzt beobachtet der Liqid- CEO eine stärkere Segmentierung des Markts. Marktführer Scalable etwa gab jüngst bekannt, in den Markt für nahezu kostenloses Wertpapier-Trading einzusteigen. „Unser Ziel war es von Anfang an, dass wir uns als digitale Privatbank etablieren, die ihren Kunden eine breite Palette an Anlageprodukten offeriert und nicht nur punktuelle Bedürfnisse befriedigt.“ Professionelle Vermögensanlage meist zu konventionell Gegründet wurde Liqid im Februar 2015 und damit nur wenige Monate später als Scalable Capital. Zu diesem Zeitpunkt hatte der heute 48-Jährige, der sein halbes Leben in Großbritannien verbrachte, schon lange Jahre Erfahrung bei Unternehmen wie Goldman Sachs und Bertelsmann gesammelt. Zu stark eingebunden in den Job, hatte er zu wenig Zeit, um sich strategisch um sein Vermögen zu kümmern. „Zurück in Deutschland habe ich festgestellt, dass es hier anders als in Großbritannien keinen Anbieter gab, der meine Vorstellungen von einer professionellen Vermögensanlage erfüllte, da man meist nur Konventionelles angeboten bekommt.“ Die Alternative, den klassischen Vermögensverwalter, könnten sich aber viele Anleger nicht leisten, weil man dort mindestens 500.000 € mitbringen müsse. Letztlich haben Schneider-Sickert auch persönliche Erfahrungen mit sehr schlechter Vermögensberatung bestärkt, ein eigenes FinTech zu gründen. Die Zielgruppe, die 100.000 € und mehr anlegen kann, beziffert der Chef in Deutschland auf rund 4 Mio. Menschen. Angebot immer weiter vergrößert Sukzessive haben die Berliner, die Ende 2016 am Markt starteten, ihr Angebot ausgeweitet. Jüngster Neuzugang in der Produktfamilie: Seit Oktober 2020 können Privatanleger über einen Dachfonds in amerikanische Start-ups investieren. Um bei den US-Venture-Capital- Fonds anlegen zu können, müssen die Kunden allerdings mindestens 250.000 US-$ flüssig haben. Auf den ersten Blick eine hohe Summe. Normalerweise liegt die Hürde aber deutlich höher, laut Liqid im mehrstelligen Millionenbereich. Der Fokus der Fonds liegt auf der amerikanischen Technologiebranche in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, Big Data, E-Learning und Gesundheitstechnologie. „Wir wollen in bis zu acht Fonds investieren, sodass ein Portfolio von mindestens 100 Unternehmen entsteht“, sagt Schneider-Sickert. Im Blick hat er mit dem neuen Angebot langfristig orientierte Anleger. Die Laufzeit des Dachfonds endet am 31. Dezember 2035, erste Rückflüsse an die Anleger sind von 2028 an geplant. Als durchschnittliche jährliche Rendite werden nach Abzug der Kosten 10 bis 15 Prozent angestrebt. 10 // 2020 35

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