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die bank 10 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT KONSOLIDIERUNG

MARKT KONSOLIDIERUNG (II) - EUROPA GESAMT Zahl der Fusionen und Übernahmen dürfte wachsen Durch eine erhöhte Geschwindigkeit der Branchenkonsolidierung ist mit einem Anstieg der M&A-Tätigkeiten in vielen Segmenten in einem Großteil der europäischen Länder zu rechnen, auch im Finanzsektor. Der Handlungsdruck der Institute dürfte in den nächsten Monaten, getrieben durch die Digitalisierung, Niedrigzinsen und Renditedruck, deutlich wachsen. Wenn die Aufsichtsbehörden ihre regulatorischen Hürden für grenzüberschreitende Bankenfusionen abbauen, könnte die Konsolidierung an Fahrt gewinnen. Bedingt durch die ökonomischen und strukturellen Auswirkungen der Corona-Krise bereiten sich viele europäische Banken auf eine Fusionswelle vor. Großzusammenschlüsse vom Kaliber Caixabank und Bankia, die in Spanien zum neuen Marktführer werden, sind allerdings von zusätzlichen Unwägbarkeiten begleitet, die sich insbesondere aus der unsicheren volkswirtschaftlichen Entwicklung unter dem Eindruck der Corona- Pandemie ergeben. Nichtsdestotrotz könnte sich eine europäische Marktdynamik entwickeln, durch die sich auch nationale Häuser unter Zugzwang gesetzt sehen könnten. 2021 – Das Jahr der Konsolidierungen im Bankensektor? Vergangenen Krisen sei regelmäßig ein sprunghaft gestiegener Anteil feindlicher M&A-Aktivität gefolgt, ist einer Studie von Goldman Sachs zu entnehmen. Dazu gebe es klare Hinweise, dass Fusionen und Übernahmen durch Digitalisierung und andere Faktoren beeinflusst werden. Banken wie Goldman Sachs gehen davon aus, dass es spätestens im Jahr 2021 zu einem deutlichen Anstieg bei M & A kommen wird. Der Schwerpunkt werde zunächst auf der Konsolidierung im Inland liegen, zumindest dort, wo dies wegen der Marktkonzentration noch möglich ist, sagt Philipp Wackerbeck, Partner bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC, der ein Zeitfenster für weitere Konsolidierungen in den nächsten sechs bis 18 Monate sieht. Erste Beispiele seien bereits in Italien, Spanien und Deutschland sichtbar. Wackerbeck denkt aber, dass auch die Zeit für die ersten Cross-Border-Zusammenschlüsse in Europa reif sei. Nach diversen Einsparungsrunden der letzten Jahre seien Potenziale zur Eigenoptimierung nur noch begrenzt vorhanden. Da durch eine Integration oft 25 bis 45 Prozent der Kosten des kleineren Partners als Synergie eingespart werden können, sei eine Integration häufig ein großer Hebel zur Kostenreduktion und Profitabilitätssteigerung, betont auch Erich Suess, Partner bei BCG. Angesichts der Tatsache, dass der Druck seitens der Regulatoren nicht zuletzt wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nachzulassen scheint, dürfte die Bankenkonsolidierung wieder stärker in den Blickpunkt rücken – zuerst lokal, dann überregional, heißt es in einer Studie der UBS. Der durch die negativen Zinssätze ausgelöste chronische Gewinndruck habe den offiziellen Fokus von den Risiken der Bankenkonsolidierung auf die Risiken des Status quo verlagert. Denn ein Bankensystem, dessen Erträge die Kosten nicht mehr decken kann, werde – unabhängig von seinen Bilanzkennzahlen – zu einer Gefahr, sind sich die UBS-Analysten sicher. Die interne Konsolidierung sei dazu der erste Schritt. Auswirkungen auf den deutschen Bankenmarkt Weitere Zusammenschlüsse werden insbesondere in stärker fragmentierten Märkten, wie dem deutschen, den Instituten Potenziale eröffnen, Filialnetze zurückzubauen und Verwaltungskosten zu reduzieren, sagt Bernhard Held, Analyst bei Moody’s. Insbesondere auf der Ebene der Primärbanken des genossenschaftlichen und des Sparkassensektors seien solche Zusammenschlüsse seit Jahren an der Tagesordnung. Dass deutliche Kosteneinsparungen auch unabhängig von Fusionen möglich sind, zeigten die deutlichen Einschnitte, die einzelne Häuser bereits im deutschen Markt durchgeführt haben und sich damit in der Regel auf einem guten Weg befinden. Neben der gescheiterten Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank im vergangenen Jahr könnte die Spekulation um eine engere Zusammenarbeit oder gar die Fusion von Dekabank und Helaba neue Nahrung erhalten. Nach Einschätzung von Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg (SVBW), wird es diese mögliche Fusion wohl nicht vor 2022 geben. Der Verband ist mit rund 16 Prozent an der Dekabank beteiligt. Den größten Zusammenschluss im genossenschaftlichen Bankensektor hat es im Jahr 2016 zwischen der WGZ Bank und DZ Bank gegeben. Hat Europa zu viele systemrevante Banken? Viele der sogenannten Wholesale Banks werden nach Einschätzung der UBS-Analysten in ihrer jetzigen Form nicht mehr global wettbewerbsfähig sein. Diese Banken würden künftig mehr Potenzial im Privat- und Geschäftskun- 14 10 // 2020

MARKT dengeschäft benötigen, um ihre Präsenz auf den globalen Märkten zu untermauern. So habe Europa mit acht global systemrelevanten Banken so viele G-SIBs wie die USA und doppelt so viele wie China. Das werde sich auf Dauer als nicht nachhaltig erweisen. Wenngleich die hohen regulatorischen Hürden größere grenzüberschreitende Zusammenschlüsse auf dem europäischen Bankenmarkt bisher erschwert haben, könnte die immer freundlicher werdende Haltung der Bankenaufsicht gegenüber Zusammenschlüssen darauf hindeuten, dass eine Konsolidierung zumindest auf nationaler Ebene möglich und inzwischen von den Bankenaufsehern sogar erwünscht ist. So wird Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht, nicht müde, die immer noch bestehenden Überkapazitäten im Bankgewerbe anzuprangern. Konsolidierungen könnten hingegen sichere und stabilere Banken schaffen. 10 // 2020 15

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