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die bank 10 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE AT THE

BERUF & KARRIERE AT THE TOP [ ELIZABETH ASHBURN DUKE ] Die Feuerwehrfrau Seit unserem letzten Treffen sind sieben Jahre vergangen. Damals stand Elizabeth Ashburn Duke noch in den Diensten der Federal Reserve Bank, der allgewaltigen US-Notenbank. Sie war seinerzeit dem Ruf von Präsident George W. Bush gefolgt und füllte ihren Job als Member of the Board of Governors der Fed von 2008 bis 2013 mit Hingabe aus. Zuvor und auch anschließend hat sie zahlreiche andere wichtige Aufgaben im US-Finanzwesen übernommen; denn ihr umfangreiches und detailliertes Wissen ist in der Szene gefragt. Im Oktober 2016 übernahm Duke Aufgaben im Board der Wells Fargo Bank, und jetzt steigt sie hier noch weiter empor und erhält weitere Verantwortung übertragen. Sie soll zur Retterin der in den vergangenen Quartalen negativ in die Schlagzeilen geratenen US- Großbank werden und das aufseiten der Kunden und der breiten Öffentlichkeit hell lodernde Feuer der Entrüstung löschen helfen. Duke übernimmt zum 1. Januar 2018 die Rolle der Präsidentin und eines Chairman of the Board von Stephen Sanger, dessen Stellvertreterin sie seit dem Oktober 2016 war. In der New Yorker Wall Street munkeln Fachleute, die Gremien und Aktionäre der Bank seien unzufrieden mit Sanger gewesen. Dieser habe beim notwendigen Großreinemachen die Erwartungen nicht erfüllt. Konkrete Vorwürfe gegen Sanger sind in diesem Kontext aber weder in New York noch in der Firmenzentrale zu vernehmen. Was war geschehen? Die Bank hatte vor einigen Quartalen zugeben müssen, Millionen von nicht authorisierten Einlagen- und Kreditkarten-Konten eröffnet und auch mehr als 500.000 Versicherungsverträge abgeschlossen zu haben – all das erwies sich offensichtlich als ein Fake Business. Jetzt gilt es für das neue Management, den angerichteten Schaden zu beheben und die Scherben zu beseitigen. Illegale Verkaufspraktiken passen nicht zum Image der US-Großbank mit einer langen Tradition. Da kommt Elizabeth Duke als „Feuerwehrfrau“ ins Spiel. Ich treffe sie im Rahmen einer Veranstaltung in San Francisco. Ihre Körpersprache verrät ob der neuen Aufgabe eine gewisse Anspannung. Elizabeth Duke hat auf einem Schleudersitz Platz genommen und weiß um die hochgesteckten Erwartungen. Sie hofft dabei auf die Hilfe der Belegschaft und der anderen Mitglieder des Managements. „Ich wünsche mir einen reibungslosen Übergang“, gibt sie offen zu und bedankt sich artig bei ihrem Vorgänger. „Unser Ziel ist es jetzt, Wells Fargo zu einem besseren Unternehmen zu machen“, so die knapp formulierte Zielsetzung. So hat sie auch in der Vergangenheit stets agiert. Kurz und knackig – ohne große Umschweife. „Betsy“, wie Duke von Freunden genannt wird, ist kein Lautsprecher der Bankenszene. Sie glänzt auch nicht durch die großen spektakulären Auftritte, sondern durch Sachlichkeit, Fachwissen und Kompetenz. Sie weiß, dass es gilt, Versprechen nach Möglichkeit einzuhalten und wählt ihre Worte daher mit Bedacht. Für viele in der US-Bankenszene gilt die ehemalige Notenbankerin mit Blick auf die enorme Aufgabe als die beste Lösung. Sie hat sich während ihrer Karriere zahlreichen als gefährlich und „hoch explosiv“ geltenden Aufgaben gestellt und diese in der Regel auch erfüllt – nicht selten mit Bravour. Die Gremien der Wells Fargo haben sich bei der Besetzung von Führungsposten in diesem Kontext rasch der zweifelsfrei außerordentlichen Fähigkeiten Dukes erinnert. Beim als dringend notwendig erachteten Großreinemachen trauen nicht nur die Kontrollorgane der Bank, sondern auch ihr Vor- 78 10 // 2017

BERUF & KARRIERE Elizabeth Ashburn Duke, 65, wechselt zum Jahresbeginn an die Spitze von Wells Fargo in San Francisco. Ihre bemerkenswerte Karriere begann sie im Jahr 1978 als Vice-President und CFO der Bank of Virginia Beach in ihrem US-Heimatstaat. Später wechselte sie als Director zur Federal Reserve Bank of Richmond und bekleidete Vorstandsposten in der Virginia Bankers Association und der American Bankers Association. Schließlich führte sie ihr Weg in die US-Notenbank, wo Duke Member of the Board of Government wurde. Bei Wells Fargo stieg sie 2016 als Vizepräsidentin ein. gänger Stephen Sanger der aus Virginia stammenden Bankerin das Erarbeiten passender Lösungen zu. „Auf Betsy fiel die einstimmige Wahl“, sagt Sanger, der davon überzeugt ist, dass Elizabeth Duke dazu beitragen wird, das Vertrauen von Aktionären, Bankkunden und anderen Beteiligten in die Bank wieder herzustellen. Duke habe in der Vergangenheit schon oft bewiesen, „dass sie mit eisernen Besen kehren kann, ohne dabei gleichzeitig Porzellan zu zerstören“, sagt ein befreundeter Finanz-Journalist. Elizabeth Ashburn Duke hat im Jahr 1952 in Portsmouth / Virginia das Licht der Welt erblickt. Nach ihrer Geburt ist sie schon bald mit den Eltern nach Virginia Beach gezogen, wo sie ihre Kindheit verbracht hat. Ihre Hochschul-Ausbildung hat sie mit einem Physik- Studium an der North Carolina State University begonnen, bevor sie später den Bachelor- Abschluss in Kunst – Fachrichtung Drama – an der University of North Carolina in Chapel Hill ablegte. Über diese Umwege schnupperte sie dann bei der Old Dominion University mit einem MBA-Abschluss in die faszinierende und bunte Wirtschafts- und Bankenszene hinein. Dazu hat sie dabei einen Teilzeit-Job bei der First and Merchants National Bank in Virginia angenommen. „Ich brauchte einen Job – das war damals halt so“, lautet ihre kurze Erklärung. Und in ihrem Heimatstaat Virginia sind sie mächtig stolz auf die Finanz-Expertin. Ihre Karriere im Banking ist nicht unbeachtet geblieben. In der Ehrengalerie „Virginia Women in History“ steht sie als eine von gerade einmal acht Frauen. Das passt zu ihrem Werdegang, schließlich war sie auch eine von nur sieben Frauen, die jemals Aufgaben im Federal Reserve Board der USA übernahmen. In ihrem CV hat Elizabeth Duke einige beachtliche Stationen vorzuweisen. 1978 wurde sie Vizepräsidentin und Finanzchefin (CFO) der Bank of Virginia Beach. 1985 wechselte sie in der gleichen Position zur Bank of Tidewater, wo sie im Jahr 1987 (also während der damaligen Finanzkrise) die Rolle der Präsidentin übernahm und im Jahr 1991 auch zur Vorstandschefin berufen wurde. Diese Rollen füllte sie auch aus, nachdem die Bank of Tidewater dann durch den South Trust und dieser wiederum später durch die Bank Wachovia übernommen wurde. 1998 wurde Duke zum Director der Federal Reserve Bank of Richmond ernannt, 1999 zum Director der Virginia Bankers Associati- on. In den Jahren 2004 bis 2005 war sie Chairwoman der American Bankers Association, bevor sie als Senior Executive Vice- Präsidentin und COO zur Towne Bank wechselte. Danach schloss sich das Engagement im Fed-Board an und schließlich der Sprung zur Wells Fargo mit Sitz in San Francisco. Dass nicht wenige Frauen in Finanzfragen offensichtlich besser – weil besonnener und risikobewusster – agieren als viele Männer, das zeigt zuletzt auch Janet Yellen als aktuelle US-Notenbankchefin. In New York wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass sich mit Mary Jo White auch eine einflussreiche Frau aus der US-Finanzszene für die Ernennung Dukes ausgesprochen haben soll. White ist die ehemalige Chefin der amerikanischen Wertpapier-Aufsichtsbehörde SEC. Wie andere führende Manager, so stellt auch Elizabeth Duke ihr Fachwissen und ihre enormen Fähigkeiten ehrenamtlich bei zahlreichen Einrichtungen vornehmlich in ihrem Heimat-Bundesstaat Virginia zur Verfügung. Langweilig dürfte es der Expertin in den kommenden Jahren also kaum werden. Autor: Jonas Dowen 10 // 2017 79

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