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die bank 10 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Geldvermögen der Deutschen übersteigt 5,3 Bio. € SPARER TROTZEN ZINSTIEF Die Zinsen sind niedrig wie nie zuvor. Doch die Deutschen sparen unverdrossen weiter. Um 236 Mrd. € oder knapp fünf Prozent nahm das Geldvermögen der privaten Haushalte im vergangenen Jahr zu. Ein erheblicher Teil davon ist freilich die Folge von Kurssteigerungen an den Aktienbörsen. Bernd Sprenger Keywords: Privatkunden, Volkswirtschaft Die extrem niedrigen Zinsen sind ohne historisches Beispiel. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten sich Ende 2015 nur noch mit 0,6 Prozent, im Juni 2016 geriet die Rendite erstmals (sogar) ins Minus. Ähnlich niedrige Zinsen sucht man in der deutschen Wirtschaftsgeschichte vergebens. Nie zuvor konnte sich eine Regierung zu dermaßen günstigen Konditionen verschulden. In der Zeit des klassischen Goldstandards vor dem Ersten Weltkrieg waren Zinsen von immerhin über 3 Prozent üblich. In der Bundesrepublik Deutschland betrug die Rendite festverzinslicher Wertpapiere in den 1950er- und 1960er- Jahren – also der Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders – im Schnitt etwa 6 bis 7 Prozent. In den 1970er- und Anfang der 1980er- Jahre überschritten sie zeitweise sogar 10 Prozent. Trotz des anhaltend niedrigen Zinsniveaus stieg 2015 das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland nach Angaben der Deutschen Bundesbank um 236 Mrd. € auf insgesamt 5.318 Mrd. €. Den stärksten Zuwachs wiesen dabei Anlagen in Aktien und Investmentfonds mit jeweils fast 10 Prozent sowie Bargeld mit 11 Prozent auf. So nahm die Bargeldhaltung im Laufe des vergangenen Jahrs von 128 Mrd. auf 142 Mrd. € kräftig zu. Bankeinlagen (Sicht-, Termin-, Spareinlagen und Sparbriefe) sowie Ansprüche an Versicherungen und Pensionskassen stiegen zwar 2015 ebenfalls, doch ihr Anteil am Geldvermögen nahm leicht ab. Absolut und relativ am stärksten sanken Anlagen der privaten Haushalte in Schuldverschreibungen, vornehmlich festverzinsliche Wertpapiere, was angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase naheliegend ist ” 1. Die historisch niedrigen Zinsen haben aber bisher nicht zu einer deutlichen Verlagerung in renditestärkere Anlagen geführt. Mit 10,5 Prozent ist der Anteil des Geldvermögens, der in Aktien und anderen Anteilsrechten (z. B. GmbH-Anteile oder Genossenschaftsanteile) investiert ist, nach wie vor verhältnismäßig niedrig. Die Zunahme in diesem Bereich von knapp 10 Prozent geht zudem im Wesentlichen auf Kurssteigerungen zurück. Allein der DAX legte im Jahr 2015 um etwa 9 Prozent zu. Nach einer aktuellen Studie der Deutschen Bundesbank, die auf einer Befragung im Jahr 2014 beruht und die im Monatsbericht März 2016 veröffentlicht wurde, können die meisten Bundesbürger ohnehin nicht von der Renditestärke der Aktie profitieren. Denn hiernach besitzt nur jeder zehnte private Haushalt in Deutschland überhaupt Aktien oder andere Anteilsrechte. Über Sparkonten verfügen dagegen immerhin etwa drei Viertel der Haushalte. Hier tendiert die Verzinsung jedoch inzwischen gegen null. Der hohen Risikoaversion deutscher Sparer entspricht auch der hohe Anteil der Versicherungen am Geldvermögen. So stiegen die Ansprüche an Versicherungen und Pensionskassen, die überwiegend der privaten und betrieblichen Altersvorsorge zuzurechnen sind, 2015 erstmals über 2 Bio. €. Das sind 38,6 Prozent des Geldvermögens. In diesem Bereich hat das anhaltend niedrige Zinsniveau gravierende Folgen. Die den Kunden ehemals avisierten Überschusszinsen lassen sich längst nicht mehr realisieren. Die gegenüber früheren Prognosen massiv reduzierten Auszahlungen der Lebensversicherer und Pensionskassen beeinträchtigen erheblich die Vorsorgeplanungen vieler Bundesbürger für den Altersruhestand. Zu einer Vermögensbilanz gehört grundsätzlich auch die Schuldenseite. Die Deutsche Bundesbank summiert die aufgenommenen Kredite und sonstigen Verbindlichkeiten der privaten Haushalte in Deutschland für Ende 2015 auf 1.622 Mrd. €. Damit verbleibt „unter dem Strich“ ein „Nettogeldvermögen“ von annähernd 3,7 Bio. €. Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass der überwiegende Teil der Kredite für den Wohnungsbau aufgenommen wurde. Diesen Schulden steht demnach ein (beträchtli- 70 diebank 10.2016

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó ches) Sachvermögen in Form von Immobilien gegenüber. Im statistischen Durchschnitt verfügte ein privater Haushalt in Deutschland nach der bereits erwähnten Studie der Bundesbank im Jahr 2014 über ein Sachund Geldvermögen von brutto rund 240.000 €. Nach Abzug der Schulden verblieben immerhin im Schnitt knapp 215.000 €. Allerdings ist die Vermögensverteilung sehr ungleich. Teilt man die privaten Haushalte in eine ärmere und eine reichere Hälfte, so liegt der sogenannte Median, der diese beiden Hälften teilt, bei einem Bruttovermögen von 77.200 €. Zu den „reichsten“ 5 Prozent der privaten Haushalte gehört man nach Angaben der Bundesbank ab einem Bruttovermögen von über 817.000 €. Bei mehr als 522.000 € kann man sich zu den 10 Prozent der wohlhabensten Haushalte rechnen. Auf der anderen Seite verfügen 30 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland über weniger als 14.200 € Geld- und Sachvermögen. Bei einer Betrachtung nach Altersgruppen wird ein deutlicher Anstieg des Vermögens mit zunehmendem Lebensalter bis zum Renteneintritt erkennbar ” 2. Während die Haushalte junger Erwachsener im Alter von 25 bis 34 Jahre über ein durchschnittliches Bruttovermögen (Immobilien, sonstiges Sachvermögen und Geldvermögen ohne Abzug von Schulden) von etwa 66.000 € verfügen, besitzen die Haushalte der 55- bis 64-Jährigen im Schnitt gut 400.000 €. Das ist das höchste Vermögen aller Altersgruppen. Im Rentenalter kommt es zu einem allmählichen Vermögensabbau. So beträgt das durchschnittliche Bruttovermögen der Haushalte von über 74-Jährigen noch etwa 184.000 €. ó 1 Geldvermögen der privaten Haushalte Ende 2014 Ende 2015 Mrd. € Prozent Mrd. € Prozent Bargeld 128 2,5 142 2,7 Bankeinlagen (einschl. Sparbriefe) 1.870 36,8 1.942 36,5 Schuldverschreibungen 162 3,2 140 2,6 Aktien und andere Anteilsrechte 509 10,0 556 10,5 Investmentfondsanteile 443 8,7 485 9,1 Ansprüche an Versicherungen und Pensionskassen 1.971 38,8 2055 38,6 Insgesamt 5.082 100 5.318 100 Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen. 2 Durchschnittliches Bruttovermögen pro Haushalt nach Altersgruppen (Stand 2014) 16 bis 24 Jahre 42.700 € 25 bis 34 Jahre 66.300 € 35 bis 44 Jahre 221.600 € 45 bis 54 Jahre 291.500 € 55 bis 64 Jahre 403.200 € 65 bis 74 Jahre 287.400 € 75 Jahre und älter 184.000 € Autor: Dr. Bernd Sprenger ist Dipl.-Volkswirt und Wirtschaftshistoriker. Das Bruttovermögen setzt sich zusammen aus dem Sachvermögen (Immobilien, Fahrzeuge, Sammlungen, Schmuck usw.) und dem Geldvermögen, ohne Abzug von Schulden. Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 2016, S. 77. 10.2016 diebank 71

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