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die bank 10 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Der Finanzmarkt der

Der Finanzmarkt der Zukunft INTERVIEW mit Dr. Hartmut Bechtold, Chef der True Sale International GmbH, über die Entwicklung des Verbriefungsmarkts, die Folgen des Brexit und die regulatorischen Änderungen durch die Kapitalmarktunion. diebank: Herr Dr. Bechtold, wie bewerten Sie die Entwicklung des Verbriefungsmarkts in den vergangenen Jahren? Und welches Potenzial sehen Sie für Verbriefungstransaktionen in Deutschland? Bechtold: Der deutsche Verbriefungsmarkt hat in den vergangenen Jahren vor allem bei der Verbriefung von Autofinanzierungen sowie in der Working-Capital-Finanzierung der deutschen Wirtschaft, der Verbriefung von Handels- und Leasingfinanzierung, sein Potenzial unter Beweis gestellt. Zählt man beides zusammen, so kommt man für 2015 auf etwa 30 Mrd. € Finanzierungsbeitrag. Hinzu kommen noch etwa 30 Mrd. € an einbehaltenen Verbriefungstransaktionen, die für reine EZB-Refinanzierungszwecke getätigt wurden, sodass sich insgesamt der deutsche Verbriefungsmarkt bei den Neuemissionen deutlich vor den Pfandbrief geschoben haben dürfte, zumal dieser 2015 überwiegend in dem Ankaufprogramm der EZB landete. Was das Potenzial angeht, so ist bei den Auto-ABS sicher mehr als das doppelte Volumen von 2015 möglich – was etwa 30 bis 40 Mrd. € wären. Und auch bei den Handels- und Leasingforderungen dürfte mittelfristig eine Verdreifachung der jetzigen Zahlen zu erreichen sein. Aber es kommt auf die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen für Originatoren und Investoren an. Hier gibt es noch viel zu tun. diebank: Mit Asset Based Finance und angrenzenden Assetklassen eröffnet sich für das klassische Verbriefungssegment eine ganz neue Dimension. Handelt es sich dabei nur um eine Randerscheinung oder um den Finanzierungsmarkt der Zukunft? Bechtold: Es ist der Finanzmarkt der Zukunft. Investoren suchen sichere Anlagen. Bislang läuft der Großteil der Ersparnisse der privaten Haushalte in Europa in die Staatsanleihen, was aber nicht primär auf deren vermeintlicher Sicherheit beruht, sondern wesentlich regulatorisch getrieben ist, d. h. auf die Nullanrechnung bei der Eigenkapitalunterlegung von Banken und Versicherungen sowie auf die weiteren regulatorischen Ausnahmetatbestände in der Liquidity Coverage Ratio, der Großkreditbehandlung usw. zurückzuführen ist. Alle Formen von Asset-Based-Finance-Finanzierungen, wozu auch die Verbriefungen gehören, bieten aber eine Sicherheit, die über die Einzelbonität eines Schuldners hinausgeht. Natürlich gilt es dabei auch, sich den Forderungspool und die Transaktionsstruktur immer genau anzuschauen. diebank: In diesem Jahr wurde erstmals in Europa eine sogenannte „Peer-to-Peer“- Verbriefung (P2P) des britischen Kreditplattformbetreibers Funding Circle am ABS-Primärmarkt emittiert. Die Kreditvermittlungsplattformen sind ein relativ neues Phänomen, aber zumindest zahlenmäßig in der EU mit über 500 Anbietern schon etabliert. Die langfristige Feuertaufe dieses Geschäftsmodells steht allerdings noch aus. Sind P2P-Verbriefungen mehr Chance oder mehr Risiko? Bechtold: Wohl beides. Während die Verbriefungen von europäischen Banken und Leasinggesellschaften in den letzten fünfzehn Jahren über die Subprime- und Eurokrise hinweg ihre Qualität unter Beweis stellen konnten, fehlen entsprechende Erfahrungen für den jungen Markt der P2P-Verbriefungen noch. Umso aufmerksamer sollten sich alle Beteiligten diesem Markt nähern, um sein großes Potenzial nicht zu verspielen. diebank: Das Projekt einer europäischen Kapitalmarktunion hat bislang noch keine vorzeigbaren Ergebnisse gebracht, obwohl die Fundamente schon 2019 stehen sollen. Das negative Referendum über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens (Brexit) hat das Vorhaben nun zusätzlich verkompliziert. Ungelöst ist bislang auch die Harmonisierung des Insolvenzrechts und Fragen der Bilanzierung mittelgroßer und kleiner Unternehmen. Wo soll angesichts der Vielzahl von Problemen zuerst angesetzt werden? Bechtold: Kontinentaleuropa hängt in der Wirtschaftsfinanzierung wesentlich am Bankkredit. Dies hat viele Ursachen: Keine großen Pensionsfonds, Risikoaversion der Privathaushalte, regulatorische Einschränkungen für Versicherungsanlagen, aber auch eine hohe Dominanz von Unternehmen, die für den Kapitalmarkt entweder zu klein sind oder von ihrer internen Governance als Familienunternehmen nicht kompatibel sind. Es wird Generationen brauchen, um dies zu ändern. Von daher kann man die EU-Überlegungen nur begrüßen, den Bankkredit enger mit dem Kapitalmarkt zu vernetzen. Und ein sehr geeigne- 6 diebank 10.2016

tes Instrument dafür ist die Verbriefung. Ebenso hilft dabei das Instrument der Verbriefung von Handels- und Leasingforderungen. Und es macht auch Sinn, das Vertrauen in das Instrument der Verbriefung bei allen Beteiligten weiter zu stärken, durch eine Regulierung, die zu einer gewissen Standardisierung, Transparenz und einem Level Playing Field mit anderen Anlageformen beiträgt. Von daher ist das Ansinnen der Kommission nur zu begrüßen, bei ihrem Kapitalmarktprojekt mit einer verbesserten Verbriefungsregulierung einzusteigen. Jedoch klaffen Ziel und Umsetzung himmelweit auseinander. Mit ihren aktuellen Regulierungsvorschlägen würden EU- Kommission und EU-Parlament – sollten sie denn so kommen – dem Markt völlig den Garaus machen. Man kann über die Qualität derartiger Entwürfe nur den Kopf schütteln. Es reicht nicht, Visionen zu formulieren, man muss auch machbare und klare Umsetzungspläne haben. Und man fragt sich natürlich auch, wie denn die EU die wesentlich komplizierteren Rechtsfragen des Zivil- und Insolvenzrechts mittelfristig anpacken will, wenn man sich schon bei dem überschaubaren und einfach zu regelnden Bereich einer Verbriefungsregulierung bislang so schwer tut. diebank: Ziel der Kapitalmarktunion ist es, die Unternehmen unabhängiger von Bankkrediten zu machen, das Finanzsystem stabiler zu gestalten und grenzüberschreitende Investitionen zu erleichtern. Der Markt für Verbriefungen, die ein wichtiges Kapitalmarktinstrument sind, könnte hier eine zentrale Funktion übernehmen. Doch die Europäer trauen diesem Instrument nicht, Vorurteile sind weit verbreitet. In den USA dagegen brummt dieser Markt schon wieder, obwohl dort die Ursprünge des Misstrauens gegenüber Verbriefungen zu finden sind. Was ist das eigentliche Problem? Bechtold: Das tiefere Problem in Europa scheint mir zu sein, dass die Ursachen der Finanzkrise von Politik und politischer Öffentlichkeit nie richtig aufgearbeitet wur- fi INTERVIEW den. Man hat stattdessen einfache, wohlfeile Erklärungen herangezogen und nach mehr Regulierung gerufen, ohne überhaupt eine klare Analyse der Malaise voranzustellen. So kommt es, dass wir Jahre danach viele neue Regulierungsinstitutionen geschaffen, zehntausende von Seiten neuer Regulierungstexte verabschiedet haben, aber immer noch über Kernthemen wie Unterkapitalisierung von Banken reden. An keinem Thema kann man das Problem so gut aufzeigen wie an der Verbriefung. Obgleich europäische Verbriefungen sich über zwei Finanzkrisen hinweg bewährten und man auf diesen Erfahrungen in einer Regulierung hätte aufbauen können, führen wir heute noch Diskussionen, die in vielen Punkten eher an Kafka als an eine rationale Politik der dringend notwendigen Kapitalmarktintegration erinnern. Lenker und Ideengeber Dr. Hartmut Bechtold ist seit ihrer Gründung Anfang 2004 Geschäftsführer der True Sale International GmbH, eine von deutschen Banken gegründete Finanzorganisation zur Förderung des deutschen Verbriefungsmarktes. Zuvor war Bechtold mehrere Jahre lang Zentralbereichsleiter Privat- und Geschäftskunden sowie Vertriebsleiter bei der SEB AG. Neben seiner Banklaufbahn war er in der Wirtschaftsberatung, Wissenschaft und Industrie tätig. Bechtold studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und promovierte mit einer von der Universität und DIHK Frankfurt ausgezeichneten, volkswirtschaftlichen Arbeit zur Wirtschaftsgeschichte. Der passionierte Fahrradfahrer hält auch bei der TSI den Lenker fest in der Hand und wirkt als Ideengeber, Interessenvertreter und Fachexperte. diebank: Die EU-Kommission will die Verbriefungsmärkte durch gemeinsame Standards wiederbeleben. Die geplanten Verbriefungsvorschriften könnten helfen, dem Stigma entgegenzuwirken und das Vertrauen in die Verbriefungsmärkte wieder zu stärken. Ein Teil der Initiative besteht darin, Regeln für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen (simple, transparent and standardised securitisations; STS) zu definieren, die nach 2017 überall in Europa emittiert und gehandelt werden können. Es wird das Label „einfache Verbriefung“ geschaffen. Der Originator, der Sponsor und die Zweckgesellschaft dürfen das Label nutzen, wenn die Verbriefung eine Reihe von Anforderungen erfüllt und sie der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) gemeldet wurde. Wo ist der Programmierfehler? Bechtold: Europa hat 28 Länder mit 28 unterschiedlichen Rechtssystemen und kreditpolitischen Gepflogenheiten. Und es gibt für institutionelle Investoren Banken und Leasinggesellschaften sicherlich über 60 nationale und zudem noch einige europäische Regulierungsbehörden. Vor diesem Hintergrund bleiben die STS-Kriterien in den vorliegenden Entwürfen notwendigerweise sehr allgemein. Zudem widersprechen manche noch trotz ihrer Unbestimmtheit dem Machbaren. Die vorliegenden STS-Verordnungen sehen vor, dass der Originator einer Verbriefungstransaktion ohne jede Möglichkeit der Abstimmung seiner Interpretation mit einer verantwortlichen Aufsichtsbehörde oder der Möglichkeit einer rechtlich bindenden Überprüfung durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle verbindlich gegenüber der ESMA erklären muss, dass er alle Kriterien einhält. Umgekehrt sehen die Verordnungsentwürfe 10.2016 diebank 7

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