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die bank 10 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Refinanzierung von

Refinanzierung von FinTechs VERBRIEFUNG UND STRUCTURED FINANCE Nahezu alle FinTech-Unternehmen starten ihren Geschäftsbetrieb mit einer reinen Equity-Finanzierung und durchlaufen die klassischen Finanzierungsrunden. Nur wenigen Start-ups gelingt es aber, rechtzeitig ein ertragreiches Geschäftsmodell zu betreiben, bevor das Eigenkapital vollständig aufgebraucht ist. In jüngerer Zeit beteiligen sich nun auch vermehrt Banken sowohl in der Seedphase als auch bei späteren Finanzierungsrunden am Eigenkapital von FinTechs. Der vorliegende Beitrag untersucht, welche Möglichkeiten sich FinTech-Unternehmen aktuell zur mittel- und längerfristigen Finanzierung bieten. Dietmar Helms | Michael F. Spitz Keywords: Unternehmensfinanzierung, Digitalisierung Eine klare Definition des Begriffs Fin- Tech existiert bisher nicht. Als Kombination aus den Worten Financial Services und Technology versteht man unter Fin- Techs gemeinhin junge Unternehmen, die mithilfe technologiebasierter Systeme spezialisierte und besonders kundenorientierte Finanzdienstleistungen anbieten. Sie verbindet die Zielsetzung, mit moderner Technologie und höherer Nutzerfreundlichkeit Bank- und Finanzdienstleistungen einschneidend zu verändern. Die neuen Möglichkeiten, die Big Data, Cloud-Technologie und Distributed Ledger-Technologien bieten, sollen auf Smartphones und anderen mobilen Geräten eine einfachere, intuitivere Bedienung sowie radikal schnellere Prozesse ermöglichen. Damit enden die Gemeinsamkeiten aber auch: die Bandbreite der einzelnen Geschäftsmodelle deckt sehr unterschiedliche Bereiche ab, etwa die Abwicklung von Zahlungsdienstleistungen (grenzüberschreitende Überweisungen, wie sie z. B. TransferWise erbringt), Robo Advice (z. B. automatisierte, durch Algorythmen gesteuerte Verwaltung eines Wertpapierdepots durch Unternehmen wie Ginmon), Kryptowährungen, Finanzierungen und Kreditvergabe an Konsumenten für den Erwerb von Immobilien und Unternehmen. Beschränken sich einige FinTechs auf einzelne Service-Dienstleistungen (z. B. ein Video-basiertes Identifizierungsverfahren durch die Unternehmen WebID und IDnow, die die umständliche, zeitaufwendige Identifikation bei einer Kontoeröffnung durch das Post-Identverfahren vereinfachen und beschleunigen), treten andere Fin- Techs am Endkundenmarkt mit Full-Service-Dienstleistungen auf. So vielfältig die Geschäftsmodelle der FinTechs sind, so unterschiedlich stellt sich auch ihr Finanzierungsbedarf dar. Dieser Beitrag beschränkt sich daher notwendigerweise auf die FinTech-Unternehmen, für die strukturierte Finanzierungen bzw. Verbriefungstransaktionen von besonderer Bedeutung sind bzw. sein werden ” 1. Start meist mit Eigenkapital Praktisch alle FinTech-Unternehmen starten ihren Geschäftsbetrieb mit einer reinen Equity-Finanzierung und durchlaufen die klassischen Finanzierungsrunden. Die Gründungsphase (Seed) stützt sich auf die Kapitalbeiträge der Gründungsgesellschafter. Daneben beteiligen sich Bekannte und Familienangehörige (Friends & Family) an dem jungen Unternehmen. Überzeugt die Geschäftsidee externe Kapitalgeber, z. B. im Rahmen eines Gründerwettbewerbs, beteiligen sich vielleicht schon sehr früh sogenannte Seed- Investoren bzw. lokale Inkubatoren, die dem Start-up damit bereits einen wichtigen Vertrauensbeweis für später folgende Finanzierungsrunden aussprechen. Daneben gelingt es manchen Neugründungen, öffentliche Preis- bzw. Fördergelder zur Finanzierung zu gewinnen. Die frühe Anlaufphase ist für die Eigenkapitalgeber mit einem hohen Risiko verbunden. Nur wenigen Start-ups gelingt es, rechtzeitig ein so ertragreiches Geschäftsmodell zu betreiben, bevor das Eigenkapital vollständig verbraucht ist. Die Suche nach Finanzierungsalternativen Gelingt hingegen die Umsetzung der Geschäftsidee und der Aufbau eines für größere Investoren interessanten und nachgewiesenen Geschäftsmodells, beteiligen sich in der darauffolgenden Wachstumsphase Venture-Capital-Investoren, die bei dem inzwischen mittleren bis geringen Geschäftsrisiko eine höhere Unternehmensbewertung akzeptieren. In jüngerer Zeit beteiligen sich nun auch vermehrt Banken sowohl in der Seedphase als auch bei späteren Finanzierungsrunden am Eigenkapital von FinTechs. Zunächst standen sie deren Aufstreben skeptisch gegenüber; inzwischen haben viele größere Bankinstitute eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, die vor allem neue Denk- 26 diebank 10.2016

anstöße zur Modernisierung von Geschäftsmodellen in den Fokus nehmen. Auch in dieser etwas reiferen Phase gelingt es aber immer noch sehr wenigen FinTechs, neben der reinen Eigenkapitalfinanzierung andere Finanzierungsalternativen zu erschließen, obwohl das Unternehmenswachstum mit stark zunehmendem Kapitalbedarf einhergeht: die Mitarbeiter- und Marketingkosten steigen. Für einen klassischen Bankkredit sind die Unternehmen oft noch zu jung; Banken scheuen häufig das Ausfallrisiko, das mit der geringen Historie verbunden ist. Allenfalls Venture-Debt-Finanzierer stehen zur Verfügung, mit hochverzinsten Darlehen weitere Anschubfinanzierungen bereitzustellen. Besonders kritisch ist die rechtzeitige Umstellung auf geeignete Fremdkapitalfinanzierungen für FinTechs, die Online- Darlehen an Konsumenten und Kleinunternehmen vergeben bzw. vermitteln. Viele Plattformen beginnen mit dem Einwerben von Geld bei Privatinvestoren (sog. Crowdlending bzw. Peer-To-Peer). In begrenztem Umfang mag dieses Geschäftsmodell als reine Vermittlungsplattform ohne nennenswerten eigenen Kapitaleinsatz funktionieren, solange hinreichend viele Crowdlending-Investoren angeworben können, deren Investments sich durch die Kreditplattform an Darlehensnehmer vermitteln lassen. Bekannte Plattformen in Deutschland sind etwa Auxmoney, Lendico und FundingCircle, die dieses Geschäftsmodell praktizieren. Aber bislang ist die Zahl dieser Crowdlending- Investoren begrenzt und erlaubt der Plattform regelmäßig nicht, im angestrebten Umfang das Volumen der ausgereichten Kredite zu skalieren. Um die Kreditnachfrage zu erfüllen, bedienen sich die Plattformen in der Regel immer stärker auch institutioneller Investoren. Noch dringender ist der Zugang zu Fremdkapital-Refinanzierungen für die Balance Sheet Lender, wie z. B. das Hamburger Unternehmen Kreditech oder das in London ansässige Iwoca, die selbst Darlehen vergeben und nicht nur als Vermittler zwischen Investoren und Darlehensnehmern auftreten. Verbriefung der Kreditforderung In der anhaltenden Niedrigzinsphase finden sich jedoch zunehmend institutionelle Investoren und Family Offices, die großvolumigere Anlagen über die etablierten Marketplace Lender tätigen. Der vergleichsweise hohe Zinssatz, den die Plattformen für die vermittelten Kredite (abhängig von der Risikoklasse) verlangen, erlaubt ihnen, auch nach Abzug der eintretenden Ausfälle von Kreditnehmern, eine interessante Zinsmarge zu verdienen. Aufgrund der Granularität der Portfolien und des standardisierten Geschäftsmodells der Plattformen bietet sich daneben die Verbriefung der Kreditforderung als Finanzierungsalternative an. Zunächst geschieht dies häufig durch nicht öffentliche, privat platzierte Transaktionen. Öffentliche Verbriefungen sind hingegen im europäischen Kapitalmarkt – anders als in den USA – noch rar: Nur FundingCircle ist bislang mit einer öffentlichen, gerateten Verbriefungstransaktion in England an den Markt gegangen. Obgleich einige Verbriefungen in Deutschland privat platziert wurden und weitere in Vorbereitung sind, gab es bisher keine öffentlich angebotene Verbriefung. Bislang ist die Zahl der Investoren, die in diese Verbriefungstransaktionen investieren, noch überschaubar. Die Anlageklasse ist neu und die meisten durch Marketplace Lender originierten Darlehen haben noch keinen vollständigen Kreditzyklus durchlaufen. Mit Ausnahme fl Bislang ist die Zahl dieser Crowdlending-Investoren begrenzt und erlaubt der Plattform nicht, im angestrebten Umfang das Volumen der ausgereichten Kredite zu skalieren. von Zopa haben alle Newcomer ihre Kreditvergabe in einem günstigen wirtschaftlichen Marktumfeld begonnen. Echte Belastungsproben während einer Rezession bzw. Wirtschaftskrise sind noch ausgeblieben. Daher ist noch nicht hinreichend getestet worden, wie stabil die Ausfallraten ihrer Kreditportfolien in echten Stressszenarien sein werden. Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Entwicklung dieser Assetklasse ist vor allem der Aufbau von Vertrauen in die Kreditvergabeprozesse. Diskussionen um Unregelmäßigkeiten bei einem US-Marktführer haben jedoch augenblicklich zu einer Verunsicherung in diesem Marktsegment geführt. Strukturell erinnert das Geschäftsmodell einiger Marktteilnehmer an die fatalen Entwicklungen im Subprime-US-Hypothekenmarkt, der vor zehn Jahren in eine weltweite Finanzkrise mündete: Auch die Marketplace Lender werden nur durch „skin in the game“ einen Gleichlauf ihrer Interessen an einem raschen Geschäftswachstum mit dem Sicherheitsbedürfnis ihrer Eigenund Fremdkapitalinvestoren erreichen. Sollen sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, sind strukturell vertrauensbildende Maßnahmen erforderlich. Diese können zum einen am Intensivierungsmodell ansetzen, etwa wenn die Plattform ihre Vermittlungsprovision ausschließlich bei Performing Loans verdient und nicht dazu verleitet, alleine umsatzgetrieben die Provisionen zu vergrößern. Zum anderen aber auch durch das Erfordernis eines echten Risikoeinbehalts (Risk Retention), mit der die Plattform entsprechend den CRR-Regelungen an den Ausfallrisiken unmittelbar beteiligt wird. Sollten die Marketplace Lender 10.2016 diebank 27

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