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die bank 10 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

nitors aus dem Jahr 2015

nitors aus dem Jahr 2015 nahe. Bei den 80 größten Banken des Euroraums war die Kreditvergabe vor allem durch drei Einflussfaktoren bestimmt. Zum einen durch die Erhöhung der Eigenkapitalquoten, welche viele Banken durch eine 1 Kreditvergabe an Unternehmen und Engagements der Banken in Staatsanleihen Wachstumsraten, in Prozent pro Jahr 14,0 12,0 10,0 8,0 6,0 4,0 2,0 0,0 -2,0 -4,0 -6,0 5,3 6,7 4,6 9,7 6,8 -0,7 -0,2 2004-2006 2007-2009 2010-2012 2013-2014 2015-2016 Staatsanleihen Quelle: Europäische Zentralbank, eigene Berechnung. 2 5,5 Unternehmenskredite Home Bias bei Staatsanleihen in den Bankbilanzen Anteil des Werts der heimischen Staatsanleihen in Relation zum Wert des gesamten Staatsanleihen-Portfolios in Prozent Euro-Kern: AT, BE, DE, FI, FR, LU, NL — Euro-Peripherie: ES, GR, IE, IT, PT 100,0 90,0 80,0 70,0 60,0 50,0 40,0 1998-6 1999-6 2000-6 2001-6 2002-6 2003-6 2004-6 2005-6 Quelle: Europäische Zentralbank, eigene Berechnung. Euro-Kern 2006-6 2007-6 2008-6 2009-6 Euro-Peripherie -3,9 12,0 2010-6 2011-6 2012-6 2013-6 2014-6 2015-6 2016-6 Rückführung ihrer Risikoaktiva erreicht haben, durch den Bestand an notleidenden Krediten in ihren Bilanzen und eben durch ihre Profitabilität. Da die negativen Zinsen die Profitabilität belasten und damit den Eigenkapitalaufbau der Banken behindern, reagieren die Banken über eine noch stärkere Rückführung ihrer Risikoaktiva auf den Negativzins. Am stärksten ist hiervon die Langfristkreditvergabe betroffen. Denn die langfristige Kreditvergabe zu einem Festzins ist bei dem aktuell sehr niedrigen Zinsniveau wenig profitabel. Die regulatorische Bevorzugung von Staatsanleihen ist nicht nur deshalb problematisch, weil sie die Anlageentscheidungen der Banken verzerrt und damit die Vergabe von Krediten an Unternehmen belastet. Die Kombination aus Regulierung und Niedrigzinsumfeld kann schnell in eine Abwärtsspirale führen. So führt die künstlich hohe Nachfrage nach Staatsanleihen zu noch stärker negativen Renditen. Das senkt die Profitabilität der Banken weiter und erschwert ihren Eigenkapitalaufbau, worauf die Banken mit einer noch restriktiveren Kreditvergabe reagieren werden. Dies führt dann wiederum zu einer höheren Nachfrage nach Staatsanleihen und darüber zu noch niedrigeren Zinsen. Bevorzugung von Staatsanleihen erhöht die Risiken für Banken Die regulatorische Bevorzugung von Staatsanleihen hat zudem einen negativen Einfluss auf die Stabilität der Banken, denn sie macht sie anfälliger für Staatsschuldenkrisen. Die Schuldenquoten der Staaten sind nur bei den ohnehin bonitätsstarken Staaten – wie beispielsweise Deutschland – rückläufig. In den hochverschuldeten Ländern des Euroraums hat ein Schuldenabbau bisher trotz niedriger staatlicher Finanzierungskosten nicht stattgefunden. Die Anfälligkeit der Banken für Staatsschuldenkrisen ist vor allem ein europäisches Phänomen. Das zeigt ein Vergleich der Staatsschuldenkrisen von Griechenland und von Puerto Rico. Beide Länder sind Teil einer Währungsunion, haben ein ähnlich hohes BIP pro Kopf und eine ähnlich hohe Staatsschuldenquote. Während 24 diebank 10.2016

die griechische Staatsschuldenkrise und die damit verbundenen Schuldenschnitte für die europäischen Banken problematisch waren, ist die Schuldenkrise Puerto Ricos für die US-amerikanischen Banken ebenso verkraftbar, wie die staatlichen Insolvenzen von Kalifornien und Detroit. Der Grund liegt darin, dass die US-amerikanischen Banken keine Konzentrationsrisiken in ihren Staatsanleihen-Portfolien aufweisen, sodass sich bei einer Schuldenkrise auffangbare Verluste über viele Banken verteilen und nicht große Verluste für einige wenige Banken anfallen. Ein Grund für die starke Diversifikation der US-amerikanischen Banken ist, dass diese in der Vergangenheit gelernt haben, dass es keine Rettung einzelner Bundesstaaten geben wird. Die Banken des Euroraums haben nun aber begriffen, dass eine Rettung angeschlagener Staaten durchaus möglich ist. Eigentlich wäre damit zu rechnen gewesen, dass die Lehre aus der europäischen Staatsschuldenkrise eine stärkere geografische Diversifikation der Anleiheportfolien ist. Stattdessen haben die Banken ihre Engagements bezüglich den Staatsschulden ihres Heimatstaats sogar noch verstärkt ” 2. Traditionell ist dieser Home Bias bei den Banken der Peripherieländer stärker ausgebaut als bei den Banken im Rest des Euro-Raums. Dies mag teilweise auch auf politischen Druck ihres Heimatstaats zurückzuführen sein. Der Home Bias ist im Zug der europäischen Staatsschuldenkrise aber sowohl bei den Banken der Peripherieländer als auch bei denen im restlichen Euro-Raum angestiegen. Bei letzteren spiegelt sich eine Flucht in sichere Häfen wider. So führt der Anstieg des Home Bias zu einem Rückgang der Finanzmarktintegration und macht den Euro-Raum anfälliger gegenüber Bankenkrisen, die aus einer Staatsschuldenkrise resultieren. Die starke Verbindung von Banken und Staaten kann entweder dadurch gelockert werden, dass Banken ihre Anleiheportfolien stärker geografisch diversifizieren, oder aber dadurch, dass Banken weniger stark an Staaten und mehr an Unternehmen verleihen. Beide Lösungswege machen eine Reform der Bankenregulierung erforderlich. Förderlich für die Stabilität des europäischen Bankensektors wäre, dass Staatsanleihen genauso wie Unternehmensanleihen oder Unternehmenskredite in Relation zum Ausfallrisiko mit Eigenkapital unterlegt werden müssten. Die bisherige Bankenregulierung sieht bei Unternehmenskrediten eine Großkreditbeschränkung vor, bei der eine Bank maximal bis zur Höhe von 25 Prozent des Eigenkapitals an einen einzelnen Schuldner verleihen darf. Diese Großkreditbeschränkung sollte auch für Staatsanleihen gelten, um Konzentrationsrisiken einzudämmen. Fazit Ohne eine Reform der regulatorischen Behandlung von Staatsanleihen ist ein Ende der Niedrigzinsphase nur schwer absehbar. Solange die Inflationsrate weit unterhalb des Inflationsziels der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent liegt, wird diese ihre Geldpolitik fortführen. Dabei wird sie versuchen, über Negativzinsen und Liquiditätsmaßnahmen die Kreditvergabe der Banken weiter anzustoßen. Solange sich die Banken aber in einem Prozess des Eigenkapitalaufbaus befinden, werden sie ihre Kreditvergabe nur zögerlich ausweiten und stattdessen ihre Engagements in Staatsanleihen ausbauen, die weniger stark negativ als der Einlagensatz der EZB rentieren. Diese künstlich hohe Nachfrage nach Staatsanleihen wird das bisherige Niedrigzinsumfeld noch weiter verstärken. Zudem befördert dies einen Teufelskreis. Denn die Niedrigzinsen belasten die Gewinne der Banken, was deren Eigenkapitalaufbau und darüber deren Kreditvergabe beeinflusst. Bei einer schleppenden Kreditvergabe kann sich aber keine Normalisierung der Inflationsrate einstellen, sodass die EZB ihre geldpolitischen Maßnahmen aufrechterhalten oder auch verstärken muss. Dies führt wiederum zu einer noch höheren Nachfrage nach Staatsanleihen, was deren Renditen weiter senkt. fl Die regulatorische Bevorzugung von Staatsanleihen ist deshalb problematisch, weil sie die Anlageentscheidungen der Banken verzerrt und damit die Vergabe von Krediten an Unternehmen belastet. Schnell wird eine Situation erreicht, in der der EZB kaum noch zulässige Anleihen für ihr Kaufprogramm zur Verfügung stehen. Womöglich wird dann der Ruf nach einer höheren Staatsverschuldung laut. Dies kann aber nicht die Lösung der bestehenden Probleme sein. Eine Normalisierung von Zinsniveau, Inflationsrate und Wirtschaftswachstum kann nur über eine Normalisierung der Kreditvergabe an Unternehmen erreicht werden. Dies setzt voraus, dass die Kreditvergabe an Unternehmen und Staaten in der Bankenregulierung gleichgestellt werden und dass die Eigenkapitalanforderungen sich ausschließlich an den Ausfallrisiken der Engagements orientieren. Wichtig ist, dass die Regulierung den Banken eine höhere Profitabilität erlaubt und so den Banken den Aufbau von Eigenkapital erleichtert, was wiederum unabdinglich für die Normalisierung der Kreditvergabe ist. ó Autor: Dr. Markus Demary ist Senior Economist im Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. 10.2016 diebank 25

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