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die bank 10 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Wandel der

Wandel der Finanzierungsmuster im Mittelstand CORPORATE FINANCE In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen in der Finanzwirtschaft und damit die Finanzierungsinstrumente für Unternehmen nachhaltig verändert, da Banken infolge der Finanzkrise Teile ihrer Geschäftsmodelle anpassten. Gleichzeitig verlief die Finanzierung der Unternehmen in Deutschland relativ unproblematisch. Diese positive Entwicklung ist mehreren Faktoren zuzuschreiben. An erster Stelle ist sicherlich die besondere Wachstumsdynamik – insbesondere größerer mittelständischer Unternehmen – zu nennen. Frank Schaum Keywords: Unternehmensfinanzierung, Verbriefung, Kapitalmarkt Insbesondere mittelständische Unternehmen setzen seit der Krise 2006/07 eine breitere Palette an Finanzierungsinstrumenten ein. Damit einher geht eine Diversifikation bei der Wahl der Finanzierungsbausteine, was bei den Großunternehmen in Deutschland schon seit den Neunzigerjahre zu beobachten war. Daraus resultieren veränderte Herausforderungen an das Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Hausbank sowie den neuen Finanzierern und Investoren. Der Kredit, insbesondere der langfristige öffentliche Fördermittelkredit, ist nach wie vor wichtiger Finanzierungsbaustein im Mittelstand, jedoch haben Kapitalmarktfinanzierungen in einem Maß an Bedeutung gewonnen, das vor einer Dekade noch nicht denkbar gewesen wäre ” 1. Der Bestand an Unternehmenskrediten hat in den letzten Jahren stetig abgenommen, laut Bundesbank von rund 900 Mrd. € im Jahr 2008 auf aktuell rund 847 Mrd. €. Hier sind allerdings nach Unternehmensgröße deutliche Unterschiede zu beobachten: für kleinere Firmen unter 150 Mio. € Umsatz ist der Kredit nach wie vor der wichtigste Finanzierungsbaustein. Aber bei größeren, international ausgerichteten Unternehmen ist ein ausgeprägtes Interesse an Kapitalmarktfinanzierungen zu erkennen. Gleichzeitig haben sich auf der Anlegerseite neue Liquiditätsquellen für kapitalmarkwillige und -fähige Unternehmen eröffnet, motiviert etwa durch Rendite- und Diversifizierungsüberlegungen (Abkehr von Staats- und Investment-Grade-Unternehmensanleihen). Dieses Interesse schlägt sich in der steigenden Anzahl an Schuldschein- und Anleiheemissionen nieder ” 2. Der Anteil dieser Instrumente an den Finanzierungsbausteinen der größeren Mittelständler hat zugenommen und den klassischen Langfristkredit und auch den öffentlichen Förderkredit ein Stück weit verdrängt. Dies ist auch das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von IKB Deutsche Industriebank und Creditreform, in die insgesamt rund 6.400 Unternehmen mit Jahresumsätzen zwischen 25 Mio. € und 5 Mrd. € einbezogen wurden. Über Anleihe-Emissionen und Schuldscheindarlehen sind dem Unternehmenssektor in den letzten Jahren insgesamt höhere Beträge zugeflossen als über Bankkredite. Regulatorisch angestoßene Disintermediation Die Kapitalmarktöffnung wird nachhaltig durch neue aufsichtsrechtliche Anforderungen an die Banken beschleunigt. Banken reagieren darauf mit eher zurückhaltender Kreditvergabe und mit einer Einschränkung des Angebots an längeren Laufzeiten, da zusätzliche regulatorische Anforderungen erfüllt werden müssen, die das Angebot verteuern. Die regulatorischen Rahmenbedingungen des Basel III- und zukünftig Basel IV-Regelwerks unterstützen somit die europäische Banken-Disintermediation nachhaltig. Die neuen Rahmenbedingungen lösen einen langfristigen strukturellen Wandel aus, der in der Zukunft dazu führen kann, dass sich in Europa der Anteil an Nicht-Banken-Finanzierungen (in Prozent der KMU- Finanzierungen) von aktuell weniger als 40 Prozent auf mehr als 80 Prozent entwickeln kann – wie in den USA schon seit längerem zu beobachten ist ” 3. Die zunehmende Bedeutung von Private Debt zeigt sich auch in einer Veröffentlichung der BaFin vom 12. Mai 2015, in der die Verwaltungspraxis zur Vergabe von Darlehen durch Kreditfonds im Gleichklang mit von der Kommission geförderten Europäischen Langfrist Investmentfonds (ELTIF) geändert wurde. Zukünftig können Alternative Investment Funds (AIF) unter bestimmten Voraussetzungen die Vergabe, Restrukturierung und Prolongation von Darlehen umsetzen. Bis zum Veröffentlichungsdatum war die Kreditvergabe ausschließlich In- 6 diebank 10.2015

dest-Rendite ermöglicht. Dies ist vergleichbar mit der Eigenkapitalrendite (RoE), die eine Bank aus ihrem Kreditgeschäft erwartet. Nach Abzug von Risikokosten beträgt die minimale Renditeanforderung an Private Debt, die sich aus der Verbindlichkeitenstruktur europäischer Versicherer und Pensionsfonds ergibt, ca. 2 bis 4 Prozent. Die Brutto-Verstituten mit Banklizenz vorbehalten. Die Übertragung an Kreditfonds erfolgte im Nachgang über True Sale oder auf synthetischem Weg. Alternative Anbieter Die durch die Banken-Disintermediation entstehende Lücke wird durch Investoren wie Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds, Versorgungswerke und vereinzelt Family Offices geschlossen, die zunehmend Interesse an der Assetklasse Mittelstandskredit oder allgemein Unternehmenskredit als alternative Anlagemöglichkeit zeigen. Im angelsächsischen Ausland und Frankreich ist das Produkt Private Debt, auch Direct Lending genannt, schon seit längeren in den Anlagefokus institutioneller Investoren gerückt. Im deutschsprachigen Raum ist zu beobachten, dass in vielen Unternehmen der Versicherungsbranche über die Ausweitung des Anlagespektrums nachgedacht wird, da im Rahmen von Solvency II das Private-Debt-Produkt anstelle von heute 45 Prozent nur noch bis zu 18 Prozent Eigenkapitalunterlegung erfordert. Damit kann Private Debt zunehmend an Bedeutung als Finanzierungsinstrument für europäische Mittelständler gewinnen, da sich die Investoren schon heute vermehrt darum bemühen, eine Verbindung zwischen ihren langfristigen Einlagen und der Kreditnachfrage der Unternehmen herzustellen. In der Vergangenheit wurde die Finanzierungslücke in Europa – also der Unterschied zwischen unternehmerischem Finanzierungsbedarf und dem Angebot klassischer Bankenfinanzierung – oftmals durch Bündelung von Forderungen in synthetischen Kreditverbriefungen zur Entlastung des Eigenkapitals (CLO, CDO) geschlossen. Diese wurden dann in öffentlich gerateten tranchierten Wertpapieren bei institutionellen Investoren platziert, damit diese das Kreditprodukt im Anlagefokus abdecken konnten. Die Solvency-II-Regelwerke scheinen auf Basis des heutigen Diskussionsstands 1 Veränderung des Unternehmenskreditbestands 1) und des Umlaufs von Unternehmensanleihen 2) ; in Mrd. € 60 50 40 30 20 10 0 -10 -20 -30 -40 -50 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Bankkredite Unternehmensanleihen 1) Kredite an Unternehmen und Selbstständige, ohne Wohnungsbau und Finanzierungsinstitutionen 2) Inländische Schuldverschreibungen nicht-finanzieller Kapitalgesellschaften Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen. 2 Emission von Schuldscheindarlehen; in Mrd. € 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Quelle: eigene Berechnungen. einem Wiedererstarken dieses Markts durch die geänderten Eigenkapitalvorschriften entgegenzuwirken. Damit tritt der Kreditfonds als Nachkrisenprodukt in diese Marktnische, da er aus Investorensicht eigenkapitalschonender, transparenter und leichter zu bewerten ist und den Versicherungen und Pensionsfonds die für ihre Anlagen erforderliche Min- 10.2015 diebank 7

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