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die bank 10 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT

ó FINANZMARKT Europäische Währungsunion vor 150 Jahren LATEINISCHE MÜNZKONVENTION Vor 150 Jahren gründeten vier europäische Staaten die Lateinische Münzunion. Auf der Basis des französischen Francs entstand ein gemeinsamer Währungsraum, dem sich weitere Länder anschlossen und der schließlich große Teile Europas umfasste. Als mit dem Ersten Weltkrieg das Zeitalter der klassischen Goldwährung zu Ende ging, zerbrach auch die Währungsunion. Bernd Sprenger Keywords: Geschichte, Währungsunion, historische Münzen Am 23. Dezember 1865 schlossen Frankreich, Italien, Belgien und die Schweiz in Paris die Lateinische Münzkonvention. Grundlage des Vertrags war der französische Franc, der als Währungseinheit Anfang des 19. Jahrhunderts auf 4,5 Gramm Silber beziehungsweise 0,29 Gramm Gold festgelegt worden war. Diese Werte ergaben sich aus dem französischen Münzgesetz von 1803, wonach aus einem Kilogramm Silber mit 90-prozentigem Feingehalt 200 Francs an Silbermünzen und aus einem Kilogramm Gold mit 90-prozentigem Feingehalt 3.100 Francs an Goldmünzen hergestellt werden sollten. 1 Frankreich besaß damit eine Doppelwährung. Gold und Silber standen in einem festen Verhältnis von eins zu 15,5, das heißt ein Gramm Gold hatte einen Wert von 15,5 Gramm Silber. Das Königreich Belgien richtete unmittelbar nach seiner Gründung 1831 sein Geldwesen nach französischem Vorbild aus. Die Schweizer Republik stellte ihre Währung mit Bundesgesetz vom 7. Mai 1850 auf den französischen Franc um, unterteilt in 100 Cent oder Rappen, prägte jedoch zunächst nur Silbermünzen sowie Bronzekleingeld und erklärte die Goldmünzen Frankreichs zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Das 1861 geeinte Königreich Italien führte landesweit die Lira als Währungseinheit ein, die mit dem französischen Franc gleichgesetzt wurde. So besaßen die vier Gründerstaaten faktisch schon vor 1865 eine gemeinsame Währungszone. Die Pariser Münzkonvention sollte die Währungsunion vervollkommnen, das heißt für eine einheitliche Münzprägung mit einheitlicher Stückelung bei Gold- und Silbermünzen sorgen, Unterschiede beim Feingehalt der Silberscheidemünzen beseitigen, die gegenseitige Annahme der nach wie vor nationalen Prägungen bei öffentlichen Kassen regeln, Umtauschmodalitäten von Scheidemünzen in Kurantmünzen (vollwertiges Geld) festlegen und anderes mehr. 2 Ziel war es, Gold- und Silbermünzen der Vertragspartner in den beteiligten Ländern unbeschränkt umlaufen zu lassen. Die Vertrag von 1865 sah vor, Goldmünzen in Stückelungen zu 100, 50, 20, 10 und 5 Francs (in Italien hieß die Währungseinheit weiterhin Lire) zu prägen sowie an Silberkurantgeld 5-Franc-Stücke. Silbermünzen vom 2-Franc-Stück abwärts sollten mit einem niedrigeren Feingehalt als Scheidemünzen hergestellt werden. Frankreich als politisch dominante Macht setzte seine seit 1803 bestehende Doppelwährung durch, während die anderen Länder die Goldwährung favorisierten, bei der Silbermünzen grundsätzlich nur als Scheidemünzen angesehen wurden. Drei Jahre nach Vertragsabschluss trat Griechenland dem Lateinischen Münzbund bei. Kaiser Napoleon III. von Frankreich (1852-1870) hatte die Vorstellung, die Währung seines Landes zu einer Weltwährung weiterzuentwickeln. „Die Lateinische Münzunion mit ihrem französischem Zentrum und europäischen Staaten mit hohem ökonomischen Niveau als Mitglieder sollte der Beginn und innere Kern der Weltwährungsordnung sein.“ 3 Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Es blieb bei den fünf Vertragsstaaten. Allerdings übernahmen Spanien, Rumänien, Bulgarien, Serbien und Finnland den Münzfuß und das Münzsystem des Lateinischen Münzbunds, ohne sich der Konvention von 1865 offiziell anzuschließen. Auf diese Weise dehnte sich der gemeinsame Währungsraum doch auf weite Teile Europas aus ” 1. Darüber hinaus wurde in den afrikanischen Kolonien der Teilnehmerländer sowie in Teilen Mittel- und Südamerikas nach dem Münzfuß der Lateinischen Konvention geprägt, sodass die Währungszone über Europa hinausging. Für die 1865 beschlossene Münzunion, die von Außenstehenden „Union monétaire latine“ oder kurz „Union latine“ genannt wurde, spielte es keine Rolle, ob die nationale Geldeinheit Franc, Peseta, Dinar, Lev oder Leu hieß ” 1. Entschei- 38 diebank 10.2015

FINANZMARKT ó Devisenspekulationen und Abwanderungen des Münzgelds Im Jahr 1866, kurz nach Abschluss der Lateinischen Münzkonvention, nahm Italien an der Seite Preußens am Krieg gegen Österreich teil. Der Kriegseintritt veranlasste Italien 1866 „zur Bestreitung der Kriegskosten die italienische Nationalbank um ein Darlehen von 600 Mill. Lire anzugehen, zu dessen Beschaffung die Anstalt ermächtigt wurde, ihren Nodend war, dass sich die assoziierten Länder bei ihrer Münzprägung an die Standards der Lateinischen Münzkonvention hielten, sodass französische 20-Franc- Stücke gleichwertig neben Goldmünzen zu 20 Pesetas, 20 Drachmen oder 20 Dinar umlaufen konnten, eben weil sie alle den gleichen Goldgehalt besaßen. Die großen Industrienationen England und Deutschland blieben außen vor. Großbritannien besaß mit dem Pfund Sterling eine weltweit anerkannte Währung und dachte nicht daran, zum französischen Franc zu wechseln. Deutschland war 1865 noch territorial und geldpolitisch zersplittert. Auch hier gab es kein Interesse, den Franc einzuführen. Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erhielten die deutschen Staaten vielmehr – unter dem Dach der politischen Einigung – als neue einheitliche Währung die Mark zu 100 Pfennig. Schon nach kurzer Zeit traten Spannungen in der Lateinischen Münzunion auf. Der ab 1873 nachhaltig sinkende Wert des Silbers verschob das Wertverhältnis der Edelmetalle zugunsten des Goldes. Da Gold und Silber in der Währungsunion aber in einem festen Wertverhältnis standen (Doppelwährung), bestand die Sorge, mit Silbermünzen überflutet zu werden. Die Vertragsstaaten sahen sich daher gezwungen, die freie Ausprägung von Silberkurantmünzen auszusetzen. Eine Zusatzkonvention vom 31. Januar 1874 limitierte die Herstellung der silbernen 5-Franc-Stücke, wobei für jedes Teilnehmerland ein festes Prägekontingent festgelegt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Prägekontingente neu verhandelt, 1878 die Prägung der silbernen 5-Franc-Münzen vollständig eingestellt. 4 So ging man faktisch von der Doppelwährung zur Goldwährung über, denn Goldmünzen blieben nun das einzige unbegrenzt ausprägbare Kurantgeld. Es war freilich eine „hinkende“ Goldwährung, da die vorhandenen 5-Francs- Münzen aus Silber weiterhin offiziell als Kurantgeld galten, obwohl deren Metallwert aufgrund des Silberpreisverfalls längst deutlich unter dem Nennwert lag, sodass sie de facto zu Scheidemünzen degradiert waren. Lange wurde auch über die Frage verhandelt, wie im Falle einer Auflösung des Münzbunds mit den noch umlaufenden silbernen 5-Francs- Stücken aus den Mitgliedsländern der Union zu verfahren sei. Weitere Probleme entstanden durch die nationale Ausgabe von Papiergeld. Hierzu hatte die Lateinische Münzkonvention keine Vereinbarungen getroffen. Im Idealfall waren Banknoten und Staatspapiergeld bei den auf Edelmetall basierenden Währungen vor 1914 in Kurantmünzen eintauschbar (egal ob Gold-, Silber- oder Doppelwährung). Das funktionierte aber nur, wenn die Papiergeldemissionen maßvoll blieben und die Emissionsstellen, also Notenbanken und Staatskassen, eine ausreichende Deckung der ausgegebenen Scheine durch Edelmetall vorhielten. Die Versuchung war für die Regierungen jedoch auch damals schon groß, die Notenpresse zur Finanzierung der Staatshaushalte einzusetzen und zu missbrauchen. Dann musste mangels ausreichender Deckung die Einlösung des Papiergelds in Metallgeld suspendiert und ein Zwangskurs für Papiergeld festgesetzt werden. Zu viel Papiergeld im Zahlungsverkehr führte nicht nur zur Inflation, sondern auch zu Wechselkursschwankungen. 5 Francs, Belgien 1870 (37 mm Durchmesser) Die größte und wichtigste Silbermünze der Lateinischen Münzunion im Nennwert von 5 Francs (5 Lire, 5 Drachmen) wog 25,0 g. Bei einem Feingehalt von 90,0 % betrug der Silberanteil dementsprechend 22,5 g. 20 Franken, Schweiz 1897 (21 mm Durchmesser) Das Nominal zu 20 Francs oder Franken war die Standardgoldmünze der Lateinischen Münzunion. Das Gewicht betrug 6,45 g, der Feingehalt 90,0 %, der reine Goldanteil damit 5,80 g. Diese Münzen wurden in großen Stückzahlen geprägt und sind auch heute noch als Bankware erhältlich. 20 Lire, Italien 1865 (21 mm Durchmesser) Aus dem Gründungsjahr der Lateinischen Münzunion stammt dieses italienische 20-Lirestück. Es entsprach nach Gewicht, Fein- und Goldgehalt der 20-Francsmünze. 20 Drachmen, Griechenland 1884 (21 mm Durchmesser) Diese Münze war ebenfalls dem 20-Francsstück gleichgesetzt, besitzt also 5,80 g Gold bei einem Gesamtgewicht von 6,45 g. Griechenland prägte Goldmünzen nur in verhältnismäßig kleinen Stückzahlen. 100 Francs, Frankreich 1903 (35 mm Durchmesser) Mit einem Gewicht von 32,26 g und einem Goldanteil von 29,03 g (Feingehalt 90,0 %) war dieses Nominal die größte Goldmünze der Lateinischen Münzunion. Umgerechnet in die damalige Goldwährung Deutschlands hatten 100 Francs einen Wert von 81 Mark – etwa das Monatseinkommen eines Arbeiters. 10.2015 diebank 39

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