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die bank 10 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT ge Jahre

ó FINANZMARKT ge Jahre die einzige, die sowohl den Maklerhandel als auch ein elektronisches System angeboten hat. Die Düsseldorfer kaufen auch grundsätzlich keine Wertpapieraufträge (Orders) an, weil das Risiko besteht, dass die Anleger bei Quergeschäften zwischen Banken und einzelnen Marktplätzen schlechtere Kurse erhalten. München lässt sich gar nicht in die Bücher schauen und hält sich bei den Geschäftszahlen bedeckt. „Wir veröffentlichen grundsätzlich keinen Jahresabschluss und geben auch keine Zahlen über Umsatz oder Erlöse bekannt“, so Pressesprecher Ulrich Kirstein gegenüber unserer Redaktion. Besser läuft es derweil in Berlin. Entsprechend gern und zufrieden geben die Vorstände, Jörg Walter und Artur Fischer, Auskunft. „Wir waren die erste Regionalbörse, die zwei Handelsplätze betreibt“, sagt Walter. Mit einem Gesamtumsatz beider Handelsplätze von 54,6 Mrd. € habe die Börse im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das sei immerhin ein Zuwachs von 13,4 Prozent. Die aus Sicht Walters relevante Zahl der Geschäfte stieg sogar um 28,3 Prozent auf acht Millionen deutlich. Diese gute Entwicklung habe sich im laufenden Jahr fortgesetzt. Laut den zuletzt veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal legten Umsatz (26 Prozent) und Geschäfte (21 Prozent) insgesamt zweistellig zu. Dabei hat die Börse Berlin, die auf dem maklergestützten Marktplatz Xontro sowie der paneuropäischen vollelektronischen Handelsplattform Equiduct handelt, ihren aktuellen Schwung Equiduct zu verdanken. Auf der zurzeit ausschließlich außerhalb Deutschlands aktiven Plattform wurde 2014 ein Umsatzsprung von 21,6 Prozent auf 45,6 Mrd. € verbucht, die Anzahl der Geschäfte erhöhte sich um 29,5 Prozent auf 7,9 Millionen. Auch im zweiten Quartal 2015 ging es weiter aufwärts mit plus 35 Prozent (Umsatz) und plus 21 Prozent (Geschäfte). Auf Equiduct werden Privatanlegern und institutionellen Investoren Aktien und Exchange Traded Funds (ETFs) angeboten. Für Vorstand Fischer besteht die „Einzigartigkeit dieser Handelsplattform“ darin, dass „für jede einzelne Order europaweit der beste Preis garantiert wird.“ Dank Equiducts paneuropäischem konsolidierten Orderbuch könnten Broker ihren Best-Execution-Verpflichtungen gegenüber Privatanlegern nachkommen und die Order zu Kosten ausführen, die immer rund 20 Prozent unter denen der Heimatbörse lägen. Equiduct ermögliche zudem sowohl die Auslieferung von umfassenden Realtime-Daten als auch von maßgeschneiderten Indizes und Analysewerkzeugen. Vor allem letztere könnten das Geschäft auf Equiduct künftig noch beflügeln, ist Fischer überzeugt. „Da wir für die Berechnung des europaweit besten Preises bereits die Orderbücher aller europäischen Handelsplätze analysieren, können wir für unsere Mitglieder ohne Zusatzaufwand Reports erstellen, die die europaweite beste Ausführung Order für Order dokumentieren und beweisen.“ Und genau das müssen die Institute im Zuge der verschärften Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die 2017 in Kraft tritt, gegenüber ihren Kunden und den Aufsichtsbehörden nachweisen. Um die Vorzüge von Equiduct den Banken nahezubringen, ist Fischer viel unterwegs und braucht Geduld. Viel Geduld. Vom ersten Gespräch bis zum ersten Trade auf Equiduct vergehen laut Fischer in der Regel zwölf Monate. Zunächst einmal gilt es, den ausländischen Gesprächspartnern darzustellen, wie Equiduct tickt und dass es sich um eine für den regulierten Markt zugelassene Plattform (Vollbörse) handelt. Mit steigendem regulatorischen Aufwand seien die Banken jedoch daran interessiert, die Zahl der Börsenplätze, an denen sie handeln würden, zu reduzieren, weiß Fischer. „Als Anbieter kann man durchaus damit punkten, wenn man zum Beispiel Services anbietet, die den Dokumentationsaufwand senken.“ Fischers Beharrlichkeit und fester Glaube an den Erfolg von Equiduct zahlen sich aus. Zu den Neuzugängen zähle die französische Großbank BNP Paribas, wie der Manager nicht ohne Stolz erzählt. Aktuell haben sich 38 Marktteilnehmer in sechs Ländern (Frankreich, Belgien, Italien, Großbritannien, Niederlande, Spanien) der Plattform angeschlossen. In weiteren zwei Ländern hofft Fischer, mittelfristig an den Start zu gehen. Gleichwohl sind die Berliner in Europa noch ein kleiner Player, wie ein Blick auf BATS Trading (www.batstrading.co.uk) zeigt. Danach dominieren das europäische Handelsgeschehen die Börsenplätze BATS Chi-X Europe mit rund 23 Prozent, gefolgt von der LSE Group (London, Mailand) mit 19,8 Prozent, Euronext (Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon) mit 14,3 sowie Xetra mit 10,8 Prozent. Equiduct brachte es Mitte August gerade einmal auf 0,48 Prozent. Den Wert, der aktuell zwischen 0,5 und einem Prozent schwankt, ruft Fischer regelmäßig ab. Je mehr gehandelt wird, desto leichter lassen sich Kunden schließlich von der Anbindung an die Plattform überzeugen. Erster Versuch scheiterte Zunächst hatte das Projekt Equiduct nicht gerade nach einer Erfolgsstory ausgesehen. „Der erste Versuch, den die Berliner Börse im Jahr 2003 gemeinsam mit dem US-Börsenbetreiber Nasdaq unternahm, scheiterte“, erinnert sich Walter. Zum ersten Mal wollte damals eine deutsche Regionalbörse in direkten Wettbewerb mit der Deutschen Börse und deren elektronischer Handelsplattform Xetra treten. Privatanleger sollten laut Walter eine „echte Alternative“ haben und von der neuen Wettbewerbssituation profitieren. Für Walter waren „günstigere Transaktionskosten, eine sofortige und volle Ausführung und die bestmögliche Preisfindung“ die hervorstechenden Merkmale 34 diebank 10.2015

FINANZMARKT ó der neuen Plattform. Das Projekt sei dann aber gescheitert, vor allem weil die Nasdaq im Jahre 2003 infolge der geplatzten Dot.com-Blase ihre europäischen Aktivitäten vollständig einstellte. Für die ebenfalls an der Innovation beteiligte Bremer Börse bedeutete dies im Jahr 2007 das Aus. Im selben Jahr nahmen die Berliner unter dem neuen Vorstand Artur Fischer einen zweiten Anlauf, indem sie eine Mehrheitsbeteiligung am europäischen Nasdaq- Ableger Easdaq NV übernahm und damit auch die vollelektronische Handelsplattform Equiduct. 2009 gaben sie den größten Teil ihrer Beteiligung an den Hedgefonds und Handelssystembetreiber Citadel wieder ab – aktuell halten die Berliner rund 34 Prozent. Nachdem die Plattform, auf der heute rund 2.175 europäische Blue Chips gehandelt werden, einige Jahre kaum Umsätze erzielte, macht sie seit Anfang 2013 unter Vorstand Fischer Tempo. Das Geld zur Finanzierung des Börsenbetriebs verdienen die Berliner größtenteils im maklergestützen Xontro-Handel, den alle Regionalbörsen in Deutschland gemeinsam betreiben und der sich auf den inländischen Privatanleger konzentriert. „Mit den Xontro-Gewinnen können wir den überwiegenden Teil der Kosten decken“, sagt Walter. Rund 50 Prozent aller auf Xontro handelbaren Werte in Berlin seien Aktien. Der Schwerpunkt liege dabei auf ausländischen Unternehmen. So werden in Berlin alle Nasdaq-Werte gehandelt, aber auch Unternehmen aus China oder Südafrika stehen auf dem Kurszettel. Ob internationale Blue Chips oder Nebenwerte, insgesamt standen auf Xontro Mitte Juli 2015 gut 9.460 Aktien aus rund 100 Ländern zur Auswahl. Hinzu kamen gut 20.200 Anleihen, 1.077 ETFs, 34 ETCs und 4.546 Fonds. Besonders gut läuft Xontro allerdings nicht. Im vergangenen Jahr wurden 164.881 Geschäfte abgeschlossen, 9,5 Prozent weniger als 2013. Der Umsatz verringerte sich um 16,7 Prozent auf Die Börse 1685 Die Börse Berlin wird durch ein Edikt des Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, gegründet. Hier versammeln sich zunächst die Gilden der Krämer und Gewandschneider, um Preisabsprachen zu treffen. 1805 zieht die Börse in ein eigenes Gebäude im Lustgarten, zuvor hatte man sich an gleicher Stelle in der Grotte, einem Gartenhaus oder unter freiem Himmel getroffen. Börsensitzungen hießen deshalb auch „Morgensprachen“. 1863 bezieht die Börse einen repräsentativen Bau von Friedrich Hitzig an der Burgstraße und sorgt kurz darauf für Schlagzeilen. In den Gründerjahren nutzen neue Baugesellschaften die zunehmende Wohnraumverknappung in Berlin zur Platzierung von Aktien, realisieren jedoch nie ihre Bauvorhaben. Die Börse erlässt nach scharfer Kritik in der Presse deshalb strengere Handels-Regularien. 1918 Nach dem Ersten Weltkrieg steigt der Börsenhandel in Berlin im Zuge der Industrialisierung sprunghaft an. Täglich zählt die Börse gut 6.000 Besucher, 1913 waren es 3.400. Ab 1925 zählen IG Farbindustrie und Vereinigte Stahlwerke zu den Spitzenwerten. 1927 Eine verfehlte Wirtschafts- und Kreditpolitik sowie massive Zahlungsbilanzschwierigkeiten lösen extreme Kurseinbrüche aus. 1929 folgen die Weltwirtschaftskrise und 1931 eine Bankenkrise in Deutschland. 1933 Unter den Nationalsozialisten verliert die Börse ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Notierung ausländischer Werte wird 1937 eingestellt, die Metallbörse schließt 1939. 1943 regelt eine Verordnung, dass der Reichswirtschaftsminister die Preise für Wertpapiere festsetzt. Im Krieg wird das Gebäude fast vollständig zerstört. 1950 Der Wertpapierhandel startet zunächst in Form des Geregelten Freiverkehrs. Zwei Jahre später folgt der amtliche Handel. Mitte1955 zieht die Börse in ein neues Gebäude in der Fasanenstraße in Charlottenburg. 1965 können Privatanleger erstmals das Börsengeschehen von zuhause aus live verfolgen. Der SFB überträgt das Börsengeschehen seitdem im Fernsehen. 1974 Börsengeschäfte werden elektronisch mit einer modernen Datenverarbeitungsanlage abgewickelt. Ab 1984 werden die Kurse digital angezeigt. 1987 starten mit dem Geregelten Markt und dem Freiverkehr zwei neue Marktsegmente. Am geregelten Markt stellen freie Makler die Preise fest. Den Freiverkehr kann die Börse selbst regulieren, die Zulassungshürden sind niedriger als im Amtlichen Markt. 1992 Die Börse Berlin nutzt das elektronische, maklergestützte Handelssystem Xontro, über das alle Parkettbörsen in Deutschland ihre Geschäfte abwickeln. 1996 Die Börse zieht in das neue Ludwig Erhard Haus in der Fasanenstraße. 1997 Die Börse geht online und vier Jahre später einen in Deutschland einmaligen Schritt: Sie öffnet die Orderbücher der Makler auf ihrem Portal und bietet Anlegern damit Transparenz beim Handeln. Der Service wird 2008 aus technischen Gründen eingestellt. 1999 Nach osteuropäischen und russischen Titeln werden alle an der Nasdaq gehandelten Papiere auch in Berlin gehandelt. Die Börse etabliert sich als Spezialist für ausländische Werte und verlängert die Handelszeiten von 8 bis 20 Uhr. 2006 Die Börse schließt ihren Handelssaal. 1998 war die Präsenzpflicht für Freimakler weggefallen, diese handelten seitdem zunehmend von ihren Niederlassungen aus. 2007 Im Zuge der Umsetzung von MiFID werden der Amtliche Handel und der Geregelte Markt zum Regulierten Markt zusammengeführt. Dessen Regularien entsprechen denen des ehemaligen Amtlichen Handels. 2007 Die Börse Berlin übernimmt die Mehrheit an der Easdaq NV, die unter der Marke Equiduct aktiv ist. Der Handel auf dieser paneuropäischen Plattform startet 2009. 10.2015 diebank 35

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