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die bank 09 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT GELDANLAGE

MANAGEMENT GELDANLAGE WIRD WEIBLICH Die Frauenversteherinnen „Das Vermögen der Frau wird durch die Eheschließung der Verwaltung ihres Mannes unterworfen.“ So wollte es der Gesetzgeber bis 1958. Seither hatten die Frauen 60 Jahre lang Zeit, um zu lernen, wie man das Geld selber mehrt. Das hat offenbar nicht so gut funktioniert. Die Finanzbranche macht bei Anlegerinnen große Wissenslücken beim Thema Geld aus, testiert Risikoscheu und zu wenig Eigeninitiative. Mit Investmentplattformen oder Finanzprodukten für Frauen wollen Banken und Expertinnen die finanzielle Fitness steigern. Schaden kann es nicht, aber hilft es auch? Wie viel verdienst Du?“ Selbst wenn Frauen ihren Freundinnen diese Frage stellen, ernten sie als Reaktion meist nur Kopfschütteln oder Erstaunen, aber selten eine klare Antwort. „ „Über Geld spricht man nicht. Beim Gehalt scheint das für Frauen noch mehr zu gelten als für Männer“, sagt Sabine Schoon. Die Bereichsleiterin Corporate Strategy & Consulting bei der Commerzbank-Tochter comdirect hat über das Thema Finanzen mit Kolleginnen und Freundinnen diskutiert – viel und intensiv. Wer hat Erfahrungen mit Investments in Aktien? Wer hat schon einmal eine Immobilie finanziert? Wie stelle ich sicher, dass ich im Alter gut versorgt bin? Mag das Thema Gehalt für viele ein Tabu sein, die Finanzen allgemein sind es keinesfalls, so das Fazit der Bankerin. Anfang 2018 startete deshalb die Finanzinitiative „finanz-heldinnen“ mit einem Online-Portal. Gegründet von comdirect-Frauen für Frauen. Mit Texten über Sparen und Notgroschen, Wertpapierhandel, Fonds, nachhaltige Investments, Risk Profiling, Altersvorsorge, Erben ohne Trauschein und offenbar mit dem festen Willen, für jede Lebenslage den richtigen Rat parat zu haben: „Beim Hauskauf schon an Trennung denken“ oder „Ehe nach Maß – Erst der Gang zum Altar – dann der Gang zum Notar?“, lauten Titel von Artikeln in der „Finanz- Lounge“. Alle sind leicht verständlich geschrieben, kurz gehalten, im vertraulichen Du und eigentlich keinesfalls nur Frauensache. Abgerundet wird das Service-Paket durch Live-Talks bei Facebook, bundes weite Afterwork-Treffen und eine kostenfreie Infoline. Nach knapp einem Jahr sind Schoon und ihre Mitstreiterinnen überrascht, wie gut die „finanz-heldinnen“ einen Nerv treffen – ohne allerdings konkrete Zahlen, wie etwa Klicks, zu nennen. Was ist der größte Fehler, den Frauen bei der Geldanlage machen? „Nichts zu tun“, sagt Schoon. Schwachstelle „Klassische Rollenverteilung“ Das können sich Frauen aber eigentlich gar nicht leisten. Denn sie verdienen weniger, bekommen folglich weniger Rente und erben sogar weniger. Laut Berechnungen der comdirect liest sich das in Zahlen so: Der durchschnittliche Stundenverdienst liegt 20 Prozent unter dem der Männer. Bei der Rente sind es 21 Prozent weniger. Und auch beim Er- ben setzt sich der Gender Gap fort: Frauen wird rund 25 Prozent weniger vermacht. Schon im Kindesalter startet die Ungleichheit. Vier- bis fünfjährige Mädchen bekommen 17 Prozent weniger Taschengeld als gleichaltrige Jungen, hat die „Kinder-Medien-Studie 2017“ ergeben. Dass sich die finanzielle Situation nicht grundlegend ändert, hat für Dr. Mechthild Upgang einen einfachen Grund. „Der Klassiker ist doch immer noch, dass Absolventinnen nach dem Studium einige Jahre arbeiten, dann heiraten, Kinder bekommen, in Elternzeit gehen und schließlich ihren Job in Teilzeit fortsetzen.“ Die wenigsten Paare würden sich gleichberechtigt Job und Kinder teilen, beobachtet die Finanzberaterin aus Bonn, die sich schon vor 25 Jahren auf die weibliche Zielgruppe fokussiert hat und den jüngsten Hype als Wiederholung eines Trends sieht, den es schon einmal vor 15 Jahren gegeben habe. Upgangs Aussage zur immer noch klassischen Rollenverteilung untermauert eine Studie der deutsch-schwedischen Allbright Stiftung. Danach arbeitet in Deutschland nur die Hälfte der berufstätigen Frauen Vollzeit oder vollzeitnah, bei jeder fünften Frau sind es weniger als 20 Stunden in der Woche. In Schweden etwa sind immerhin zwei Drittel in Vollzeit beschäftigt. Das fördert der dortige Staat mit entsprechenden Rahmenbedingungen. Das Ehegattensplitting hat er abgeschafft, eine flächendeckende kostengünstige Ganztagsbetreuung eingeführt ebenso wie eine bezahlte Elternzeit mit verpflichtenden Vätermonaten. Eng wird es für deutsche Frauen vor allem dann, wenn nach Jahren in Teilzeitjobs mit ca. 50 Jahren eine Scheidung folgt. Oftmals gelingt ihnen dann die Rückkehr in eine gut bezahlte Vollzeittätigkeit nicht. Umso wichtiger, dass sie sich frühzeitig um einen langfristigen Vermögensaufbau kümmern und gerade in Zeiten von Niedrigzinsen und Inflation nicht nur – wie in der Regel von ihnen bevorzugt – Sparbuch und Girokonto, sondern auch Aktien und Wertpapiere in Betracht ziehen, finden nicht nur die „finanz-heldinnen“. Gerade einmal 9,5 Prozent ihres Vermögens hätten Anlegerinnen in Aktien (direkt und Fonds) angelegt, bei Männern seien es mit 21,2 Prozent mehr als doppelt so viele. Auch Fondsmanagerin Anne E. Connelly, Ex-Bundesbankerin Claudia Müller und FinTech-Gründerin Karolina Decker sind überzeugt, dass pralle Konten keinesfalls Männersache bleiben dürfen. 22 09 // 2018

MANAGEMENT Viele Frauen sind zu blauäugig Anne E. Connelly, ehemalige Deutschlandchefin des US-Analysehauses Morningstar, startete 2017 das Finanzportal „herMoney“. „Viele Frauen überlassen die Geldanlage während ihrer Ehe viel zu blauäugig ihren Männern. Im Fall einer Scheidung droht dann das böse Erwachen“, sagt die 53-jährige Geschäftsführerin, die sich darüber wundert, wie bereitwillig viele auch heute noch auf eine Karriere verzichten. Auch Connelly will mit ihrem neuen Portal die finanzielle Fitness ihrer Geschlechtsgenossinnen verbessern und zu mehr Eigen-Initiative schon in jungen Jahren inspirieren. Wann was zu tun ist, erklärt das Portal getrennt nach Lebensphasen – etwa für die wilden Zwanziger, die anderen Umstände (30+) oder Midlife ohne Krise (40+). In Kooperation mit der Zeitschrift Brigitte bietet herMoney zudem bundesweit kostenpflichtige Veranstaltungen an. Finanzprodukte empfiehlt das Portal zwar nicht, schaltet aber Werbung inklusive Sponsored Posts. Das ebenfalls 2017 gestartete „Female Finance Forum“ der ehemaligen Bundesbankerin Claudia Müller hat als Zielgruppe neben den Anlegerinnen auch die Unternehmen im Visier. Ihr Kalkül: „Frauen fehlt oft der Antrieb, sich mit Finanzen zu beschäftigen. Wenn der Arbeitgeber ein Angebot macht, ist die Hemmschwelle niedriger.“ Davon profitierten nicht nur die Mitarbeiterinnen, sondern auch die Unternehmen. Die ver- 09 // 2018 23

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