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die bank 09 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | Kredite der

MARKT 2 | Kredite der Banken in Deutschland an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige von 1991 bis zum 1. Halbjahr 2018 (in Milliarden Euro) 1.500, 1.400, 1.300, 1.200, 1.100, 1.000, 900, 800, 700, 600, 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 H 1 2018 Quelle: Deutsche Bundesbank. schwierigen Situationen ist jede nicht durch anderweitige Ausgaben gebundene Liquidität überlebenswichtig. Darüber hinaus müssen bei einer Finanzierung aus eigenen Mitteln keine Sicherheiten gestellt werden. Auch eine Zweckbindung und eine lange Bearbeitungsdauer bis zur Kreditzusage bestehen nicht, sodass Eigenkapital generell flexibel und kurzfristig im Unternehmen eingesetzt werden kann. Für viele Mittelständler, die in den letzten Jahren aufgrund guter Leistungen und beträchtlicher Gewinne eine hohe Liquidität aufgebaut haben, scheint die Eigenmittelfinanzierung daher eine höchst attraktive Option zu sein. Dass Investoren, die sich mit Eigenkapital beteiligen, gewöhnlich Risikoprämien verlangen und die Eigenkapitalfinanzierung steuerlich unattraktiv ist, scheint die Unternehmen dagegen nicht zu stören. Wer allerdings ausschließlich auf Eigenkapital und aufgebaute Liquiditätspuffer setzt und deshalb nur eine geringe bis gar keine Fremdfinanzierungsquote anstrebt, übersieht häufig einen anderen wichtigen Aspekt, der mitunter fatale Folgen haben kann: In konjunkturellen Aufschwungphasen und gewinnstarken Jahren erfolgen Investitionsentscheidungen nicht selten nur aus dem Grund, die Steuerlast zu drücken. Der Nutzen einer Investition wird dann oftmals nicht mehr hinterfragt. Derart unüberlegte Entscheidungen rächen sich jedoch spätestens dann, wenn sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen eintrüben und die Unternehmen von sinkenden Gewinnen oder gar Verlusten betroffen sind. Die noch verfügbare Liquidität reicht dann oft gerade noch aus, um die laufenden geschäftlichen Ausgaben zu bestreiten. Kommen dann auf die Unternehmen auch noch üppige Steuernachzahlungen für vergangene gewinnträchtige Jahre zu, ist der Liquiditätsengpass meistens vorprogrammiert. Solche erheblichen Liquiditätslücken lassen sich dann häufig nur noch mit teuren Krediten schließen. Ein gesundes Maß an Fremdkapital lässt Unternehmen wachsen Die Deutsche Bank verfolgt einen ähnlichen Denkansatz und hat deshalb jüngst zu einer vermehrten Kreditaufnahme zwecks Schonung der Liquidität geraten. Christoph Grießer, Leiter der Deutschen Bank in Österreich, gab in einem kürzlich erschienenen Interview zu bedenken, dass keine Mittel mehr für wirklich strategische Investitionen bereitstehen, wenn Unternehmen die vorhandene Liquidität ausschließlich in den operativen Alltag stecken. Der Handlungsspielraum wird dadurch erheblich eingeschränkt, und unter Umständen müssen dann wirklich wichtige strategische Investitionen – wie Wachstumsfinanzierungen als einzelfallbezogene Anlässe oder auch Digitalisierungsprojekte sowie Forschungs- und Entwicklungsvorhaben – unterbleiben. Grießer plädiert deshalb dafür, die vorhandene Liquidität nicht suboptimal im Unternehmen zu binden, sondern stets einen strategischen, verfügbaren Liquiditätspuffer vorzuhalten. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass es in vielen Fällen sinnvoller ist, bei größeren und strategisch wichtigen Investitionen angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus günstiges Fremdkapital von vornherein einzuplanen. Mitunter wirkt sich eine maßvolle Fremdkapitalfinanzierung auch auf die Rentabilität des Unternehmens aus. Denn durch die Substitution von Eigen- durch Fremdkapital lässt sich die 16 09 // 2018

MARKT Eigenkapitalrentabilität steigern, sofern der Fremdkapitalzins unter der Gesamtkapitalrentabilität des Investitionsprojekts liegt. In der aktuellen Niedrigzinsphase sollte die Nutzung des Leverage-Effekts sicherlich problemlos möglich sein. Trotz früherer Negativerfahrungen mit einigen Geldhäusern, scheinen etliche Unternehmen den Weg der Fremdfinanzierung über Banken wieder vermehrt zu beschreiten. Dies geht zumindest aus der Statistik der Deutschen Bundesbank hervor. Danach haben die Kreditinstitute zum 1. Halbjahr 2018 Darlehen an inländische Unternehmen und wirtschaftlich selbstständige Privatpersonen in Höhe von knapp 1.446 Mrd. € vergeben. Zum Ende des Jahres 2013 hatte sich die Summe der an diesen Kreis vergebenen Kredite nur auf rund 1.281 Mrd. € belaufen. ÿ 2 Liquiditätspotenziale heben Es ist die Liquidität, die einem Unternehmen erst die notwendigen Perspektiven und Handlungsoptionen verschafft, um letztendlich langfristig erfolgreich zu sein. Stellschrauben, um die Liquidität zu erhöhen, sollten daher nicht ungenutzt beleiben. Ein großes Potenzial für die Freisetzung vorhandener Liquiditätspotenziale liegt etwa in der Optimierung des Kundenforderungsmanagements. Liquiditätssteigernd wirkt sich etwa eine automatisierte Rechnungsstellung, die Etablierung eines lückenlosen Mahnwesens, die Bezahlung per Vorkasse und die Vermeidung von Zahlungszielverlängerungen aus. Zwei weitere Handlungsfelder sind das Lieferantenmanagement und das Lagermanagement. Beim Lieferantenmanagement geht es primär darum, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten möglichst spät auszugleichen, beispielsweise durch das Aushandeln von Zahlungszielen. Beim Lagermanagement werden hingegen die Lagerbestände reduziert, um auch hier möglichst wenig Kapital im Umlaufvermögen zu binden. Die Folge: Die Liquidität wird verbessert, sodass sich die Widerstandskraft des Unternehmens nicht nur erhöht, sondern auch mehr Kapital für wichtige Investitionen verbleibt. FAZIT Die derzeit gute Konjunktur und die damit verbundene gute Profitabilität führen häufig dazu, dass der Unternehmer den Blick für Ineffizienzen verliert und sich in falscher Sicherheit wägt. Die vorhandenen eigenen Mittel werden entweder aus steuerlichen Gründen unüberlegt investiert oder fließen in Projekte des operativen Alltags ein. Recht häufig kommt es dann vor, dass zu wenig Spielraum für wirklich wichtige und gewinnträchtige Investitionsvorhaben verbleibt. In Zeiten, in denen die Kosten für Rohstoffe und Energie nach oben schnellen, die geopolitischen Spannungen und systemischen Risiken in der Welt zunehmen und den Absatz merklich dämpfen können, schafft jedoch gerade die Liquidität die notwenige Flexibilität, um weiterhin erfolgreich und widerstandsfähig gegenüber Wettbewerbern zu sein. Aufgabe der Geldhäuser muss es daher sein, ihre Firmenkunden beim Liquiditätsmanagement und speziell bei der Hebung von Liquiditätspotenzialen umfassend zu unterstützen. Ebenso liegt es in der Hand der Geldhäuser, die Vorteile der Eigenmittelfinanzierung ihren Kunden gegenüber zwar zu kommunizieren, diese zugleich aber auch zu relativieren und skeptische Kunden davon zu überzeugen, dass eine teilweise Fremdfinanzierung in vielen Fällen sinnvoll und ratsam ist. In welcher Höhe Fremdkapital aufgenommen werden sollte, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Dies kommt auf den Finanzierungsanlass und die spezifische Unternehmenssituation an. Dementsprechend sind die unternehmerischen Gegebenheiten in einer Einzelfallbetrachtung von den Experten der Geldhäuser zu analysieren. Maßgebliches Ziel der Beratung sollte es sein, eine optimal auf das Unternehmen abgestimmte und nachhaltige Finanzierungsstrategie zu erarbeiten, die Risiken abdeckt, aber zugleich Raum für wichtige strategische Investitionen läst. Autorin Carmen Mausbach. Die Diplom-Kauffrau ist seit 2002 als freie Wirtschaftsjournalistin tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die redaktionelle Mitarbeit im BuS-Netzwerk für Betriebswirtschaftliche und Steuerliche Fachinformationen. 09 // 2018 17

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