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die bank 09 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT Für

MARKT Für die Börsenkultur hat dies zur Folge, dass in der Fläche keine oder nur eingeschränkte Anlageberatung zur Verfügung steht. 8 Die entstehende Lücke versuchen Direktbanken, Direktbroker und vor allem FinTechs mittels Robo Advice zu schließen. Ihre Marktauftritte stützen sich auf einen hohen Standardisierungsgrad, einfache Lösungen ohne persönliche Beratung und kostengünstige Abwicklung über Internet-Plattformen. Ob Nachbesserungen bzw. eine Neuauflage der Finanzmarktrichtlinie auf der künftigen Regulierungsagenda stehen wird, und wie lange die Finanzbranche und der Verbraucher auf überarbeitete Regeln zu warten haben, bleibt offen. Die Regelungen der MiFID II sind nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht geeignet, um zehn Jahre nach den bitteren Erfahrungen der weltweiten Finanzkrise verlorenes Kundenvertrauen zurückzugewinnen. Trotz einiger Fortschritte in den Bereichen Transparenz, Marktstabilität und Anlegerschutz konnte sich die Wertpapierkultur durch die Richtlinie nicht verbessern. Das Gegenteil ist der Fall: Banken und Sparkassen reduzieren ihr Engagement, um das vorhandene Potenzial ihrer Kunden für Wertpapiergeschäfte zu heben. 9 Lösungsansätze Durch gezielte Aufklärungsarbeit und Wissenstransfer sollte frühzeitig, beginnend in den Schulen, ein homogenes Basiswissen geschaffen werden. In diesem Zusammenhang bietet sich ein Brückenschlag zur Vermögensbildung und Altersvorsorge an. Da die umlagefinanzierte staatliche Rente an die Grenzen ihrer Leistbarkeit und Finanzierbarkeit stößt und keine staatlichen Neuvorstöße absehbar sind, gilt es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Aktienanlage mit ihrer überlegenen langfristigen Performance unschlagbar ist. ÿ 2 Dabei sind Werbe- und Aufklärungsaktionen durch die Branche und Interessenverbände generell förderlich. Dienlich wäre eine Bündelung der Aktivitäten über die Institutsgruppen hinaus. Dies könnte durch koordinierte neutrale Marktauftritte erfolgen, bis hin zu einem gemeinsam getragenen Universalprodukt, das leicht verständlich, breit und renditestark aufzustellen ist. Denkbar wäre die Ausstattung mit einer langfristigen Renditegarantie, getragen durch einen gemeinsam getragenen Unterstützungsfonds der Branche, der durch Zuführungen in renditeschwachen Perioden eine Anlagekontinuität gewährleistet. Damit ließe sich ein lukratives Altersvorsorgeprodukt entwickeln. Parallel zu diesen privatwirtschaftlichen Anreizaktionen ist der Staat in seiner Fürsorgepflicht in besonderem Maße gefordert, geeignete Schritte gegen Altersarmut zu unternehmen. Basis ist die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen. In erster Linie sollte die steuerliche Diskriminierung der Aktie beseitigt werden. Die politische Diskussion hierzu verläuft bislang eher enttäuschend. Mit der Einführung einer Finanztransaktions- bzw. Börsensteuer wird ein entgegengesetzter Weg mit Verteuerung beim Aktienkauf eingeschlagen. Zudem verläuft die Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie (Arug II) enttäuschend, da nach derzeitigem Stand nicht die Rechte der Aktionäre, sondern der Gesellschafter und ihrer Organe gestärkt werden. Auch gilt es, die mit der Umsetzung von Mi- FID II erfolgten Benachteiligungen durch die Regulatorik sowohl auf der Anbieter- als auch Nachfrageseite zu beseitigen. Die Regelungen zur Wertpapierberatung gehören auf den Prüfstand. Die Förderung der Honorarberatung sollte weiterverfolgt werden. Kernpunkt einer staatlich gelenkten Verbesserung der Aktienkultur sind aber finanzielle Anreize. Neben direkter Förderung durch Zulagen für be- 12 09 // 2018

MARKT 2 | Konzertierte Aktion Verbesserung Aktienkultur Ebenen Ziele Akteure Privatwirtschaftliche Aktivitäten » Aufrüstung Finanzbildung » Bündelung und Schärfung Basis- und Spezialwissen » Gesamte Branche und Interessenverbänden » Bildungsträger » Kapitalmarkt » Gemeinsames „Universalprodukt” mit Garantie und Zuschüssen » Gesamte Branche inkl. Börsen » FinTechs » Qualifizierte Anlageberatung » Hohe freiwillige Standards » Flächendeckende persönliche individuelle Beratung » Anlageberater » Honorarberater Staatliche Aktivitäten » Bildungswesen » Bundesweiter Inhaltsabgleich inkl. Qualitätsstandards » Schulen und Hochschulen » Bildungsträger » Aufsicht/Regulatorik » Korrektur MiFID II/Priips » Korrektur Umsetzung Aktionärsrechterichtlinie (Arug II) » Bundesbank » Ministerien » BaFin » Besteuerung » Beseitigung steuerlicher Diskriminierung » Überdenken „Börsensteuer” » Finanzministerium » Kommission Verlässlicher Generationenvertrag » Finanzielle Förderung » Nachfolgeprodukt Riester-Rente » Leadership KfW » Neupositionierung Landesbanken » Kommission Verlässlicher Generationenvertrag stimmte Formen des Aktiensparens sollte ein neu zu konzipierendes Riester-Nachfolgeprodukt auf den Weg gebracht werden nach dem Vorbild der skandinavischen Vermögensbildungs- und Staatsfonds. Als Träger bietet sich die KfW-Bankengruppe an, denkbar wäre auch ein Mitwirken der Landesbanken. Autor Dr. Klaus Fleischer ist spezialisiert auf Veränderungen und deren Folgen im Finanzdienstleistungssektor. Er ist Professor für Finanz-, Bank- u. Investitionswirtschaft an der Hochschule München und Initiator des dortigen FinTech Meetup sowie Of Counsel bei Baker Tilly. FAZIT Um die deutsche Aktienkultur zu verbessern, gilt es bestehende Defizite zu beseitigen und innovative Strategien zu verwirklichen. Dies erfordert ein mehrschichtiges Lösungspaket mit attraktiven Rahmenbedingungen. Durch Anreizsysteme sind breite Anlegerkreise davon zu überzeugen, dass Aktienanlagen lukrativ für den Vermögensaufbau sind. Letztlich wird entscheidend sein, inwieweit es gelingen wird, privatwirtschaftliche und staatliche Interessenslagen und die Einbringung von Ressourcen aufeinander abzustimmen, um dem gemeinsamen Ziel – einem Mehr an deutscher Aktienkultur – näherzukommen. 1 Vgl. Deutsche Bundesbank: Zur Entwicklung der realen Portfoliorenditen privater Haushalte in Deutschland. Monatsbericht August 2018, S. 33-38. 2 Netto-Zinseneinbußen = Zinseinbußen ./. Zinsersparnisse Kredite. Vgl. DZ-Bank: Weiter wachsende Zinseinbußen privater Haushalte in Deutschland. Studie 22.05.2017, S.18 ff. 3 Vgl. Union Investment: Anleger verspüren keinen Handlungsdruck durch Inflation. Pressemitteilung 13. März 2018. 4 Vgl. Allianz-Studie zur finanziellen Grundbildung in Europa. Presse v. 27.01.2017, S. 1. 5 Vgl. Deutsches Aktieninstitut (DAI): Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts 2017. Frankfurt 19. Februar 2018, S.5. 6 Zukunftsszenarien gibt auch das von Prognos und dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betriebene Online-Tool „Rentenminister“. Vgl. https://rentenminister.gdv.de/. 7 Vgl. PPI AG: MiFID-II-Readiness : Chancen und Herausforderungen für Banken nach Inkrafttreten der MiFID-II. August 2018, S. 4. 8 Vgl. Bankenverband (BdB): Peters beim Pressegespräch des Vorstands Frühjahr 2018 v. 16. April 2018. 9 Investors Marketing: IM-Privatkundenstudie. Banken und Sparkassen lassen Chancen im Wertpapiergeschäft ungenutzt. Juni 2018. 09 // 2018 13

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