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die bank 09 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 | Anzahl der

MARKT 1 | Anzahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds 14.000 12.853 12.000 10.000 8.000 6.789 8.231 3.226 11.828 5.617 7.159 11.549 6.549 11.127 6.081 10.504 5.899 10.796 6.052 10.314 6.074 10.317 6.270 9.317 5.764 8.811 5.187 8.385 4.731 8.477 4.586 9.490 4.958 8.921 4.361 8.441 4.298 9.007 4.598 8.977 4.601 10.061 5.143 6.000 5.601 2.274 4.000 1.681 627 911 1.518 2.748 2.607 2.088 2.086 1.944 2.014 1.874 1.677 1.365 1.405 1.305 1.534 1.662 1.749 1.669 1.516 1.731 2.025 2.000 3.293 3.604 3.487 3.463 3.087 2.912 2.960 2.661 2.730 2.366 2.370 2.188 2.219 2.349 2.357 2.870 2.811 2.474 2.893 2.645 2.893 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 nur Aktien Aktien undAktienfonds nur Aktienfonds Quelle: DAI e. V. Experten befürchten, dass das Rentenniveau zum Jahr 2030 mit den in den Ruhezustand gehenden geburtenstarken Jahrgängen auf etwa 43 Prozent absinken könnte. 6 In der breiten Vermögensbildung und Altersvorsorge tut sich dagegen im Wertpapierbereich wenig. Zu stark ist weiterhin das Sicherheitsdenken und der Wunsch der Bundesbürger nach vermeintlicher Garantie. Darüber hinaus prägt ideologisierter und überzogener Verbraucherschutz das Negativimage der Aktie. Vor diesem Umfeld überrascht es nicht, dass die Bundesbürger weiter unerschütterlich trotz drohender Kapitalvernichtung für ihre Vermögensbildung zu über zwei Dritteln auf Sparbücher, Festgeld und Anleihen setzen. Das von Sicherheit geprägte Anlageverhalten ist derzeit in keiner Weise geeignet, das Mindestziel Substanzerhaltung, geschweige denn einen bescheidenen Vermögensaufbau zu gewährleisten. Von nordischen Staatsfonds lernen Deutschland braucht eine grundlegende staatliche Kurskorrektur in der Vermögensbildungspolitik. Es gilt die Breite der Kleinsparer zu fördern, um die Distanz zu der hohen Aktienkultur in den USA, aber auch europäischer Nachbarstaaten nicht noch größer werden zu lassen. Die Zahlen sind erschreckend: Während in Deutschland etwa jeder sechste Bundesbürger Aktien direkt oder über Investmentfonds besitzt, ist es in den anderen führenden Industrienationen bereits jeder Zweite. Nicht förderlich sind die erschwerten Rahmenbedingungen durch die neuen Restriktionen der MiFID II-Richtlinie. Um die negativen Folgen auf die Privatanleger zu kompensieren, sollte im Pflichtenheft der Politiker die Neuauflage steuerlich geförderter Sparpläne in Verbindung mit der Konzeption neuer, einfacher und kostengünstiger Anlageprodukte stehen. Blaupausen hierfür bieten unsere skandinavischen Nachbarn. Die Erfolge der staatlichen Vermögensbildungsfonds in Schweden und der Staatsfonds in Norwegen ermöglichen einer breiten Bevölkerung einen hohen Vermögenszuwachs bei geringem individuellem Aufwand. Die Produkte eignen sich als Vorbild, um auch in Deutschland durch Aktienbeteiligungen die viel beschworene dritte Säule der Altersvorsorge zu festigen. Denkbar wäre eine KfW-Lösung, die ein effizientes Portfolio deutscher Unternehmen aufbaut und verwaltet. Gleichzeitig ließe sich ein wichtiger Beitrag zur gebündelten Finanzierung von Infrastruktur- und Digitalisierungsprojekten realisieren. Auch könnte der Ausverkauf deutscher Technologieunternehmen an Finanzinvestoren aus Übersee und China sowie ein Know-how-Abfluss von Schlüsseltechnologien gestoppt werden. Digitalisierung begünstigt nicht nur FinTechs Die Fortschritte in der Digitalisierung zeigen große Auswirkungen auf die Börsenkultur und verschärfen den Spagat zwischen persönlichem Anlagegespräch und autonomer Anlageentscheidung. Für Finanzdienstleister lautet die Herausforderung, sich dem Wettbewerb mit Internetplattformen und Finanz-Apps zu stellen. Allerdings fällt es einigen traditionellen Marktteilnehmern schwer, verlorenes Terrain aufzuholen und das Niveau der FinTechs zu erreichen. Aus diesem Grund gehen sie verstärkt Partnerschaften mit Robo Advisors ein. Damit bieten sie einerseits potenziellen Privatanlegern einen 10 09 // 2018

MARKT automatisierten, kostengünstigen Zugang zur Aktienanlage an. Andererseits versuchen sie parallel, die private Anlageberatung mittels ausgewählter Apps, die der Kunde im Vorfeld nutzen kann, aufzurüsten und somit eine stärkere Kundenbindung zu erreichen. Im digitalen Anlagegeschäft gilt es deshalb, den Wildwuchs an App- Angeboten abzuspecken und die nötigen Inhalte und Funktionen zu verdichten. Dies wird auch positiv auf die Aktienkultur ausstrahlen. Priorität hat dabei das Setzen übergreifender Standards, die von allen Anbietergruppen akzeptiert werden. MiFID II bewirkt Flächenrückzug Alle Beteiligten – Politik, Aufsicht und Finanzinstitute – haben offensichtlich die Folgen der Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie auf die Aktienkultur wenig bedacht. Gute neun Monate nach Inkrafttreten von MiFID II bestehen weiter gravierende Planungsdefizite bei einer Vielzahl von Beteiligten. So konnte knapp die Hälfte der Banken und Sparkassen die strengen umfangreichen Vorgaben noch nicht vollständig umsetzen. 7 Als überzogene Regulierungsnorm und deutlich kostenintensiver als geplant werden von der Branche in erster Linie die Pflicht zur Aufzeichnung von Telefongesprächen, die Renditetransparenz (Ex-ante-Kosten) sowie die komplizierte Zielmarktdefinition (Product Governance) genannt. Auch stellt sich vielfach die Frage, ob dem zur Umsetzung erforderlichen Kraftakt mit hohen Projekt- und Folgekosten auch positive Aspekte wie Wettbewerbsvorteile oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder abzugewinnen sind. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass einige Marktteilnehmer bereits geringere Wertpapiererträge in ihren aktuellen Zwischenberichten ausweisen, trotz Steigerung des Depotvolumens der Privatkunden. Mitverantwortlich für den Ertragsrückgang werden die neuen Auflagen durch MiFID II gemacht. Nicht nur das Massengeschäft, sondern auch die Betreuung vermögender Kunden vermelden Einbrüche bei der Ertragslage. So gingen beispielsweise die Erträge im globalen Wealth Management der Deutschen Bank AG im ersten Halbjahr um 21 Prozent zurück. Insgesamt überfrachtet die Erfüllung der neuen Vorschriften das Beratungsgespräch, das dadurch länger dauert und mehr Verwaltungsaufwand erfordert. Die erweiterten Pflichten stellen nicht nur hohe Anforderungen an die Berater, sondern führen auch zu Unmut bei den Kunden. Sie fühlen sich bei der Produktwahl verunsichert – nicht zuletzt aufgrund nicht gelöster Widersprüche beispielsweise in der PRIIPS-Verordnung. So sind in den Basisinformationsblättern schwer nachvollziehbare Angaben über Szenario-Rechnungen Pflicht. Im Ergebnis kann dies teils zu willkürlich anmutenden Prozentwerten erzielbarer Renditen führen. Die Folge der Verschärfung durch MiFID II im Beratungsgeschäft ist eine merkliche Verringerung der Gesprächsfrequenz bei den Anbietern. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, erfolgt eine starke Automatisierung der Prozesse, verbunden mit einer Ausdünnung der Produktpalette bis hin zur Streichung ganzer komplexer Produktgruppen – beispielsweise das Angebot Derivatprodukte, die zur Absicherung der Depots erforderlich sind. 09 // 2018 11

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