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die bank 09 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING beitrugen.

ó BANKING beitrugen. Von der Genauigkeit der Gutachten hängt aber die zu erwartende Rendite ab. Als die Policen dann nicht in der erhofften Zahl fällig wurden, machte sich Ernüchterung breit. Ausschüttungen fielen aus und Prämien mussten länger als erwartet geleistet werden. Dadurch sind einige US-Zweitmarktfonds in eine Schieflage geraten, was bei den Anlegern zu einem massiven Vertrauensverlust führte. ¾¾ DIE CHEFS Seit der Gründung der North Channel Bank GmbH & Co. KG stehen Volker Bellmann als Sprecher der Geschäftsführung und Uwe Jablonka als Geschäftsführer an der Spitze des Instituts. Uwe Jablonka (im Foto links) startete seine Karriere bei der Stadtsparkasse Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) als Kundenbetreuer in den Bereichen Hypotheken und Unternehmensfinanzierung. Von 1987 bis 2007 arbeitete der heute 55-Jährige in verschiedenen Positionen bei der WestLB, zuletzt als Leiter der Retail Hypotheken bei der Westdeutsche ImmobilienBank, die nach der Zerschlagung der WestLB zunächst an die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) übertragen wurde und seit 2015 zur Aareal Bank Gruppe gehört. Nach einer kurzen Zwischenstation bei der GMAC-RFC Bank GmbH kam der gebürtige Münsterländer 2009 zur Immo- Kasse GmbH im bayrischen Oberhaching, die sich auf die Entwicklung und Vermittlung von Finanzprodukten für die Generation 60+ konzentriert hat. Als erstes Unternehmen in Deutschland bot die ImmoKasse die Umkehrhypothek an, die es Menschen im Ruhestand ermöglichte, ein Darlehen auf eine selbst genutzte Immobilie aufzunehmen, ohne laufende Zahlungen leisten zu müssen. Das Institut meldete Anfang 2013 Insolvenz an. Zu dem Zeitpunkt war Jablonka jedoch bereits bei der North Channel Bank. Volker Bellmann startete seine Karriere in der Wertpapierabteilung der ZG Bank Saar AG. 1983 wechselte der gebürtige Saarländer als Leiter der Finanzbuchhaltung zur Saarberg Oel und Handel GmbH und 1987 schließlich als Leiter der Finanzabteilung zur ASKO Deutsche Kaufhaus AG. Zwischen 1999 und 2009 folgten Stationen als Group Treasurer bei der Divaco Beteiligungs AG & Co. KG (Joint Venture von Metro, Deutsche Bank und Gerling Lebensversicherung), als Managing Director bei der GMAC-RFC Bank GmbH und als Managing Director bei der Brean Murray Carret GmbH. Beide Geschäftsführer leben unter der Woche in Mainz und am Wochenende bei ihren Familien im Saarland bzw. im Münsterland. Bellmann ist begeisterter Jäger und Motorradfahrer, Jablonka hält sich mit Radfahren fit. diebank: Als die North Channel Bank 2009 in diesem Geschäftsfeld startete, litt der Markt also unter seinem schlechten Ruf. Erschwerend hinzu kam 2007/2008 die weltweite Finanzkrise, die auch nicht die Risikobereitschaft erhöht hat. Was hat Ihre Investoren bewogen, trotzdem in diese Anlageklasse einzusteigen? Bellmann: Auf die Missstände hat zunächst die amerikanische Politik reagiert. Der US- Life-Settlement-Markt wurde zwischen 2008 und 2010 in nahezu allen US-Bundesstaaten gesetzlich reguliert. Zudem wurde seit 2009 eine neue Sterbetafel benutzt, die zum Beispiel berücksichtigt, dass Aids anders als früher nicht mehr unbedingt lebensverkürzend ist. Damit können die Gutachter heute die Lebenserwartung viel genauer einschätzen. Auch wurden die Berechnungsmethoden der Anbieter von Lebenserwartungsgutachten professionalisiert, indem der Pool der relevanten Daten deutlich vergrößert wurde. diebank: Wie ist Ihnen als junger Bank mit Firmensitz in Deutschland der Einstieg in den Zweitmarkt für US-Risikolebensversicherungen überhaupt gelungen? Man kannte die North Channel Bank doch gar nicht ... Jablonka: Wir haben seit unserer Gründung mit der NorthStar Life Services im kalifornischen Irvine zusammengearbeitet. North- Star ist einer der führenden Dienstleister in dieser Asset-Klasse, der Beratungs-, Service- und Due-Diligence-Dienstleistungen für institutionelle Investoren anbietet. 2013 haben wir die NorthStar übernommen, um unsere Position als Spezialfinanzierer im 32 diebank 09.2016

BANKING ó US-Life-Settlement-Markt zu stärken. Marketingaktivitäten für diese Assetklasse betreiben wir so gut wie keine. Wir sind Mitglied beim Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL) und nehmen dort regelmäßig an Veranstaltungen sowie an anderen Fachkonferenzen teil. Letztlich werden die Investoren durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf uns aufmerksam. diebank: Das A und O des Geschäfts ist die möglichst korrekte Einschätzung der Lebenserwartung der Versicherten, weil von ihr die laufenden Zahlungen und die Auszahlungssumme abhängen, sprich die Rendite. Wie gehen Sie vor? Jablonka: Für das erfolgreiche Investment im Zweitmarkt für US-Lebensversicherungen sind fundiertes Wissen und die tiefe Kenntnis der Mechanismen entscheidend. Nur so können die Risiken über die Laufzeit der Policen intelligent gesteuert werden.Wir schauen uns zum Beispiel sehr genau die Übertragungshistorie an, also ob die Policen rechtsgültig veräußert wurden. Entscheidend ist auch die Beurteilung der medizinischen Situation. Es gibt immer wieder Fälle, dass nach einem Arztwechsel der Policeninhaber plötzlich viel kränker als vorher ist, sodass der Wert des Vertrags gegebenenfalls zu hoch angesetzt würde. In den USA gibt es schwarze Listen mit den Namen von Ärzten, die auffallend oft bei solchen Bewertungen beteiligt sind. Um uns abzusichern, holen wir immer mindestens zwei Lebenserwartungsgutachten ein. diebank: Letztlich hoffen die Käufer der US-Risikolebensversicherungen auf ein früheres Ableben der Policeninhaber, um deren Todesfallsumme zu kassieren. Das Geschäft wird deshalb immer wieder als „Wette auf den Tod“ kritisiert. Berührt Sie das? Jablonka: Ja, das hören wir immer wieder. Aber eine deutsche Renten- oder Lebensversicherung ist letztlich auch eine statistische Berechnung, die den Todesfall als einen Faktor einbezieht. Alle kalkulieren in der gleichen Weise und arbeiten zur Berechnung von Prämien mit der Lebenserwartung des Versicherungsnehmers und nutzen hierfür Statistiken. diebank: Die North Channel Bank finanziert seit sechs Jahren den Ankauf von US-Risikolebensversicherungspolicen. Wie hat sich das Geschäft entwickelt? Bellmann: Infolge der Regulierung in den USA, der deutlich gestiegenen Expertise im Markt und der besseren medizinischen Einschätzung der Menschen ist diese Anlageklasse attraktiv und nach wie vor vom restlichen Kapitalmarkt unabhängig. Vor dem fl Unsere konservative Refinanzierungspolitik wird also bestraft. Um noch wirtschaftlich zu sein, müssen wir uns risikoreicher positionieren. Das ist doch paradox. Hintergrund der andauernden Niedrigzinsphase gewinnt sie an Attraktivität. Schließlich sind alle Investoren auf der Suche nach Produkten, die eine hohe Rendite abwerfen. Die Nachfrage der Investoren steigt. Der Zweitmarkt meldet sich zurück. diebank: Woher bekommen Sie Ihre Einlagen, das Privatkundengeschäft betreiben Sie ja nicht? Bellmann: Über Makler haben wir Zugang zu institutionellen Anlegern – in erster Linie Körperschaften, also zu Städten, Gemeinden, Zweckverbänden und Pensionskassen. Wir haben nur solche Großeinlagen und kein Retail-Geschäft. Wir refinanzieren uns mit Termingeldern und Schuldscheindarlehen, die zwischen einem Monat und zwölf Jahren Laufzeit haben. Wichtig ist für uns dabei, dass wir mindestens fristenkongruent refinanziert sind. Wir haben in der Regel sogar einen leichten Passivüberhang. Das kostet zwar Geld, ist allerdings auch ein Luxus, den wir uns leisten und dank der auskömmlichen Margen in unserem Kreditgeschäft auch leisten können. Als junge Bank wollen wir zeigen, dass wir sehr konservativ an dieses Thema herangehen. diebank: Wenn Sie so konservativ kalkulieren werden die Negativzinsen der EZB ja ein besonderes Ärgernis für Sie sein? Jablonka: Die Negativzinsen belasten uns stark. Wir wollen eine hohe Liquidität sicherstellen. Wenn wir das Geld bei der EZB parken, müssen wir aktuell minus 0,4 Prozent an negativen Einlagenzinsen zahlen. Unsere konservative Refinanzierungspolitik wird also bestraft. Um noch wirtschaftlich zu sein, müssen wir uns risikoreicher positionieren. Das ist doch paradox. diebank: Nachdem sich die North Channel Bank zunächst auf die US-Risikolebenspolicen fokussiert hatte, haben Sie 2014 begonnen, zu diversifizieren. Warum und in welche Geschäftsbereiche? Jablonka: Um weiter zu wachsen und unser Risikoprofil zu verbessern, wollen wir das Geschäft auf mehrere Säulen stellen. Heute bietet die Bank neben der Finanzierung von US- Lebensversicherungen deshalb auch individuelle Leistungen im Wertpapiergeschäft an. Mit diesem richten wir uns seit zweieinhalb Jahren vor allem an Asset Manager, Hedgefonds, Pensionsfonds und professionelle Investoren sowie Family Offices – und dies jeweils im kleineren bis mittleren Anlagevolumen. Wir bieten den gesamten Handels- und Abwicklungsservice für europa- und weltweit agierende institutionelle Kunden. Der Service beinhaltet alle Prozesse vom Handel, der Abwicklung und der Verwaltung und Verwahrung. In beiden Kerngeschäftsfeldern sehen wir unsere Stärke darin, unseren Kunden exklusive und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen anzubieten. 09.2016 diebank 33

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