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die bank 09 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING doch

ó BANKING doch insbesondere dann bedeutsam, wenn es gilt, Vertrauen aufzubauen. 2 Nachhaltigkeitsstandards Bereich Unternehmen Nachhhaltige Geldanlagen (Investoren) Finanzsektor Initiative United Nations Global Compact (UNGC) Global Reporting Initiative (GRI) Global Initiative for Sustainable Ratings (GISIR) World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) European Sustainable Investment Forum (Eurosif) Forum für nachhaltige Geldanlagen (FNG) United Nations Environmental Programm Finance Initiative (UNEP FI) Equator Principles (EP) Sustainable Banking Network (SBN) Global Alliance Banking on Values (GABV) Nachhaltige Kreditvergabe Aufgrund der einfacheren Kontrollmöglichkeiten entwickelt sich die nachhaltige Kreditvergabe an Unternehmen (als kleinere und besser kontrollierbare Wirtschaftseinheiten) besser als jene an Länder. Im Juni 2013 wurde diesbezüglich die dritte Version der Equator Principles Association Governance Rules veröffentlicht, die Standards für die teilnehmenden Finanzinstitute darlegen und auf den nachhaltigen Umwelt- und Sozialstandards der International Finance Corporation (IFC) beruhen. Sie ermöglichen Risikoeinschätzungen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien. Denn die Entwicklungen der letzten Dekaden haben demonstriert, wie wichtig es in einer dynamischen und globalisierten Welt ist, Risiken aus einem breiteren Spektrum zu berücksichtigen. 5 Eine konkrete Folge bzw. Maßnahme ist etwa, dass umweltgefährdende Techniken wie die Mountain-Top-Removal-Technik nicht mehr von den teilnehmenden Banken wie der UBS finanziert werden. 6 Deutlich schwieriger hingegen ist es, soziale Nachhaltigkeitskriterien bei der Kreditvergabe zu berücksichtigen, da dies die Entwicklung gemeinsamer Werte und Auffassungen über soziales Handeln bedingt. So gibt es keine Richtlinien von Finanzaufsichten oder für Mitglieder des Baseler Ausschusses, die den Finanzsektor verpflichten würden, ESG-Risiken in die Bonitätsprüfung bei Darlehen aufzunehmen. In der jüngsten Zeit wurden zumeist unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN) eine Vielzahl von Initiativen lanciert, die nachhaltige Entwicklungen unterstützen. Hierbei wurde jedoch auf die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen fokussiert, die im allgemeinen weniger komplex sind als Länder und bei denen sich Anforderungen an Nachhaltigkeit deutlicher bestimmen lassen, was wiederum Vertrauen schafft. Durch diese Initiativen wird eine Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit ökonomisch motiviert und es werden Mittel zur Verfügung gestellt, nachhaltige Entwicklungen zu fördern, die eine Grundlage für Kreditvergaben darstellen ” 2. Ein Beispiel ist die United Global Compact Initiative, an der sich mehr als 8.000 Unternehmen aus über 150 Ländern beteiligen. Die zehn grundlegenden Prinzipien dieser Initiative beziehen sich sowohl auf die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen in Unternehmen als auch auf deren umweltbewusstes Handeln und die Bekämpfung von Korruption. Aufgrund der globalen Vernetzung der Unternehmen können sie auch auf Zulieferer aus Entwicklungsländern ausstrahlen, diesen Prinzipien ebenfalls zu folgen, indem beispielsweise Bedingungen an die Abnahme von Produkten gestellt werden. Zusätzliche Anreize werden dadurch gesetzt, dass den Unternehmen über die Global Reporting Initiative (GRI) die Möglichkeit gegeben wird, darüber zu berichten sowie ein entsprechendes und auch marketingwirksames Rating über die Global Initiative for Sustainable Ratings (GISR) zu erhalten. Dies bietet eine solide Basis für die Bildung von Vertrauen sowie aussagekräftige Informationen und bildet somit strategisch eine geeignete Grundlage für nachhaltige Kreditvergaben. Strategische Gedanken mit Nachhaltigkeit zu verknüpfen liegt nahe, wird derzeit aber hauptsächlich in den entwickelten europäischen Staaten so betrachtet. Unternehmen beanspruchen und nutzen nicht-monetäre Leistungen aus der Gesellschaft, wie z. B. Infrastruktur, Sicherheit, Bildungs- und Sozialsysteme. Deshalb ist es nur gerechtfertigt, wenn von den Unternehmen Gegenleistungen in 32 diebank 9.2015

BANKING ó Form von gesellschaftlicher Verantwortung erwartet werden. Die von Unternehmen verursachten Kosten an Menschen und Umwelt spiegeln sich nicht in den Bilanzen der Unternehmen wider. Es ist bis heute nicht gelungen, die „Ökologie zu ökonomisieren und damit unterzuordnen“ 7 . Eine solche Internalisierung von externen Kosten wird jedoch benötigt, um Nachhaltigkeit auf breiter Front zu forcieren. Dennoch wird von den Unternehmen in den entwickelten Ländern das Thema Nachhaltigkeit höchstens kurzfristig als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet. Langfristig und strategisch wird durch die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien eher beabsichtigt, Kosten zu senken, Margen zu erhöhen, Wettbewerbsvorteile zu generieren und Umsätze wachsen zu lassen, was die Unternehmen dauerhaft stabiler macht. 8 Hinzu kommt, dass Unternehmer heute unter stärkerem Druck stehen, mit ihren Stakeholdern zu interagieren und auf diese einzugehen. Auch ermöglicht vielfach erst nachhaltiges Handeln den Aufbau bestimmter Fähigkeiten oder den Zugang zu bestimmten Ressourcen. 9 Anders sieht es in den Entwicklungsländern aus. Bindet man dort wirtschaftliche Entwicklung durch eine restriktive Kreditpolitik an nachhaltiges Handeln, kann dies im Extremfall auch zu sozialen Fehlentwicklungen führen, die sich langfristig wiederum negativ auf die nachhaltige Entwicklung eines Landes auswirken. Denn die Anreize der Kreditpolitik können von Kreditnehmern nicht aufgenommen werden, weil es für die aufwendiger zu produzierenden und damit teurer werdenden Produkte weniger Abnehmer gibt. Ein Ausweg würde darin bestehen, diese Politik (unter dem Vorbehalt eventueller Wettbewerbsverzerrungen) mit Subventionen oder langfristigen Abnahmeverträgen für diese Länder zu kombinieren. Dies wäre insofern gerechtfertigt, als dass durch nicht nachhaltiges Handeln einzelner Länder globale Risiken entstehen, wie sie sich in der globalen Erwärmung oder auch in der fl Unternehmen beanspruchen und nutzen nicht-monetäre Leistungen aus der Gesellschaft, wie z. B. Infrastruktur, Sicherheit, Bildungs- und Sozialsysteme. Deshalb ist es nur gerechtfertigt, wenn von den Unternehmen Gegenleistungen in Form von gesellschaftlicher Verantwortung erwartet werden. Flüchtlingsproblematik derzeit manifestieren. Auch kann über die internationale Zusammenarbeit wie beispielsweise über Initiativen analog der UNGC auf Entwicklungsländer positiv ausgestrahlt werden. Fazit Es ist schwierig, mit einer Kreditvergabepolitik nachhaltige Entwicklungen in Ländern mit schwachen Wirtschaftssystemen zu steuern, in deren Verhalten man wenig vertrauen kann. Deshalb ist trotz der Bemühungen der OECD seit der Finanz- und Vertrauenskrise eine Tendenz dahingehend festzustellen, dass Investoren eher eigene, weniger komplexe Projekte in Entwicklungsländern umsetzen und gezielte Investitionen vornehmen, um die Verwendung der Geldmittel besser steuern zu können. Auch kann festgestellt werden, dass es bedeutend leichter fällt, eine nachhaltige Kreditvergabepolitik mit Bezug auf Unternehmen in entwickelten Industrienationen mit einer Corporate Governance umzusetzen. Diese Wirtschaftseinheiten sind weniger komplex, besser kontrollierbar und es wird ihnen somit mehr vertraut. So lassen sich auch die ESG-Kriterien besser auf den Bereich der Geldanlage in Projekten und Unternehmen anwenden als auf den Bereich der nachhaltigen Kreditvergabe an Länder. ó Autoren: Dr. Martin Schnauss, CFA, FRM ist als Berater und Dozent an der FHS St.Gallen tätig. Er war zuvor in leitenden globalen Funktionen bei der UBS und der Bank Julius Bär. Georg Rupf, M.A. HSG arbeitet als Dozent an der FHS St. Gallen und war vorher bei der UBS und der St. Galler Kantonalbank. 1 Vgl. Rogall, H. (2013). Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler: Einführung in eine zukunftsfähige Wirtschaftslehre (2. Aufl.). Wiesbaden: Springer VS., S. 126. 2 Vgl. Schnauss, M. (2009). Die Mechanik von Zweckgesellschaften vor dem Hintergrund der Finanzkrise, Sternenfels, Verlag Wissenschaft und Praxis, S. 174. 3 Vgl. Waibel, R. (2015). Die 7 Prinzipien zum Unternehmenserfolg. Einfach, Zukunftsweisend, Praxisorientiert, München: Carl Hanser Verlag, S. 30. 4 Lexikon der Nachhaltigkeit; https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/esg_1609.html. 5 Vgl. White, A. (2014). The right ratings system could make worldwide markets more sustainable, The Guardian News. 6 Vgl. Srinivas, S. (2015). PNC Bank reduces financing for coal mining projects involving mountaintop removal, The Guardian News. 7 Vgl. Bartmann, H. (1996): Umweltökonomie, ökologische Ökonomie. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, S. 13. 8 Vgl. Boerner, H. (2010). Sustainability and corporate responsibility: boards and executives respond to stakeholders. Corporate Finance Review, S. 33. 9 Vgl. Bansal, P. (2005). Evolving sustainability: a longitudinal study of corporate sustainable development. Strategic Management Journal, 26, S. 200. 9.2015 diebank 33

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