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die bank 09 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING fi INTERVIEW

ó BANKING fi INTERVIEW sucht, ist bei uns falsch. Unsere Stärke liegt in der Asset Allocation, in der Aufteilung von großen Vermögen auf die großen Vermögensklassen – Aktien, Anleihen und alternative Anlagen, beispielsweise in Rohstoff- und Immobilienfonds. Wir bieten kein Private Equity an oder andere Beteiligungsformen an Unternehmen, Windkraftparks oder anderen Projekten. Wir konzentrieren uns auf hochliquide Anlagen. diebank: Wie erfahren die Kunden von Ihren Fonds? Klein: Wir machen keine Werbung. Am wichtigsten sind für uns Empfehlungen. An zweiter Stelle stehen Berichte in regionalen und überregionalen Medien, wobei sicher auch unser Name das Interesse von Öffentlichkeit, Presse und Kunden weckt. Traditionell finden zum Beispiel die Bilanzpressekonferenzen auf einem der beiden Schlösser der Eigentümer statt. Last but not least laden wir bestehende und potenzielle Kunden zu Veranstaltungen ein, etwa in die Weinberge der Eigentümerfamilien. diebank: Beim Namen Castell fallen einem als erstes die sehr hochwertigen Stifte der Marke Faber Castell ein. Welche Verbindung gibt es zwischen der Bank und dem Weltmarktführer von Bunt- und Bleistiften? Klein: Die Familien sind miteinander verwandt, aber die Faber Castells haben keine Anteile an der Bank und auch umgekehrt gibt es keine Beteiligung. Es gibt viele Parallelen in den Unternehmen. Der Grundstein für beide wurde mit einem einfachen Produkt gelegt. 1761 startete der Schreiner Kaspar Faber die Produktion des für Faber Castell immer noch typischen grünen Bleistifts. 1774 gründeten die Familien Castell- Castell und Castell-Rüdenhausen die Bank, um den Menschen der Region nach einer schweren Hungersnot aus der Krise zu helfen. Sie garantierten feste Zinsen, was damals ein Novum war. Die damals dominierenden Geldverleiher passten ihre Zinsen der Konjunktur an, sprich in der Krise wurde es teuer. diebank: Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase sinken die Zinsüberschüsse. Ein scharfer Wettbewerb um die Konditionen ist die Folge. Was ist Ihre Strategie? Klein: Notfalls verzichten wir auch mal auf ein Geschäft und machen diesen Wettbewerb nicht bis zum Exzess mit. Anders als bei der Vermögensverwaltung konzentrieren wir uns auch künftig auf die Region. Wir haben 17 Standorte, überwiegend in Süddeutschland. Eine Expansion ist nicht geplant, wir streben eher eine qualitative Verbesserung bei den Krediten an. 2013 hatte ein Abwicklungs- und ein Sanierungsfall die Risikovorsorge auf gut 6 Mio. € nach oben schnellen lassen, 2014 lag sie bei 1,8 Mio. €. diebank: Eingangs haben Sie die Frage aufgeworfen, ob wir überhaupt noch Banken brauchen. Werden Sie bald arbeitslos? Klein: Der Branche fehlt es teilweise an einer kritischen Distanz zu sich selbst. Kein Wunder, dass deshalb die Aufseher zu dem Schluss kommen, dass die Regulatorik immer noch nicht ausreicht. Ein Ende der steigenden Anforderungen an die Kapitalausstattung und Informations- bzw. Dokumentationspflichten sehe ich leider nicht. diebank: Als Chef einer kleinen Bank müsste Ihnen das doch gehörige Kopfschmerzen bereiten. Klein: Dank eiserner Kostendisziplin steht unser Haus heute gut da. Wir haben unsere Informationstechnologie komplett ausgelagert. Dadurch sank der Verwaltungsaufwand von rund 12 Mio. € im Jahr 2010 auf nun knapp 8 Mio. €. Diese Auslagerung der IT hat uns eine jährliche Einsparung von 3 Mio. € gebracht. Darüber hinaus loten wir aus, inwieweit eine lose Zusammenarbeit mit anderen kundenorientierten Banken die regulatorischen Kosten verringern kann. Das ist aber noch ein zartes Pflänzchen. diebank: Das Geldverdienen fällt der Branche zurzeit eher schwer. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Erträge? Klein: Die Fürstlich Castell’sche Bank hat in ihrem 241. Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 5 Mio. € erzielt nach 4,6 Mio. € im Jahr zuvor. Davon wurden 3,1 Mio. € thesauriert. So ist es uns gelungen, dass wir mit einer Kernkapitalquote von aktuell 9,6 Prozent schon weit vor der Zeit die Anforderungen von Basel III erfüllen. Auch das ist sicher ein Meilenstein für unser Haus. Das erfüllt uns mit Stolz und so können wir unseren Kunden zeigen, dass wir nicht bis auf den letzten Drücker warten wollen, sondern um Stabilität bemüht sind. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag 2014 bei 9,5 Prozent nach 9,2 Prozent im Jahr 2013. Damit sind wir zufrieden. diebank: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgskriterien für ein kleines Privatbankhaus? Klein: Als Bank mit einer so langen Tradition steht für uns die Unabhängigkeit an oberster Stelle. Die Eigentümer wollen das Familienunternehmen gesund an die 28 diebank 9.2015

BANKING ó nächste Generation übergeben. Unser Geschäftsmodell wird sich deshalb immer an einer langfristigen Rendite und nicht an der kurzfristigen Gewinnsteigerung orientieren. Entscheidend ist für mich eine gute Führungskultur, die von einem offenen und fl Der Branche fehlt es teilweise an einer kritischen Distanz zu sich selbst. fairen Miteinander der Vorstände sowie dem externen Aufsichtsratschef und den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden aus den Eigentümerfamilien geprägt wird. diebank: Laut Gesetz müssen große Banken ab 2016 im Aufsichtsrat eine Frauenquote von 30 Prozent erfüllen. Bei der Castell-Bank sind Vorstand und Aufsichtsrat fest in der Hand von Männern. Wann kommt die erste Frau? Klein: Wir werden den Vorstand voraussichtlich mittelfristig von zwei auf drei Mitglieder aufstocken. Es ist denkbar, dass einer der neuen Posten von einer Frau besetzt wird. diebank: Zum Abschluss: Einen Lottogewinn von 1 Mio. € würden Sie aktuell wie anlegen? Klein: Materielle Wünsche habe ich weniger. Was mich zum Beispiel überhaupt nicht umtreibt, ist Fernweh. Ich bin froh, wenn ich im schönen Europa bleiben kann. Ich würde das Geld deshalb in einem unserer Vermögensverwaltenden Fonds anlegen, dabei aber schon denjenigen mit der etwas riskanteren Anlagestrategie auswählen. Dann hätte ich ein schönes Polster für meine Tochter. diebank: Herr Klein, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. Die Bank Die Fürstlich Castell’sche Bank Credit Casse AG wurde 1774 als Gräflich Castell Remlingen’sche Landes-Credit-Cassa gegründet, die nach einer schweren Hungersnot den Menschen in der Region finanziell durch diese Krise helfen sollte. Sie gewährte Kredit bis zur nächsten Ernte und legte für ihre Kunden Geld an. 1857 kam die Gräflich Castell‘sche Neue Credit-Casse hinzu, die sich auf das Firmengeschäft und die Vermögensverwaltung konzentrierte. Beide Häuser fusionierten 1941 zur Fürstlich Castell‘schen Bank, kurz Castell-Bank, die immer noch ihren juristischen Sitz in Castell hat, die Hauptverwaltung zog nach Würzburg. Den Aufsichtsrat des Instituts führt aktuell Andreas de Maizière, ehemals Vorstandsmitglied der Commerzbank, und Der Chef In seinem Alter fällt das Wort Ruhestand eher selten. Sebastian Klein verwendet es trotzdem, um zu zeigen, wie gut ihm seine Aufgabe gefällt. „Ich liebe meinen Job. Ich könnte mir gut vorstellen, bei der Castell-Bank alt zu werden.“ Teamwork, Gestaltungsfreiheit, Verantwortung, das seien Vorteile, die er schätze. „Ich nehme mir lieber Zeit für Kunden und intensive Gespräche mit unserem Investment-Komitee als für Gespräche mit unzähligen Stabsabteilungen.“ Klein weiß, wovon er spricht. Auch die Welt der Großbanken ist ihm vertraut. Als der 46-Jährige 2013 an die Spitze einer der ältesten Privatbanken Deutschlands rückt, ist er für die Aufgabe bestens gerüstet. Der Absolvent der privaten Hochschule WHU hatte als Consultant für seit 2008 Partner und Senior Advisor beim M&A-Spezialisten Doertenbach & Co. Der oberste Aufseher ist der ältere Bruder von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Cousin von Lothar de Maizière, dem letzten Ministerpräsidenten der DDR. Als Stellvertreter stehen ihm die Eigentümer (Foto unten) zur Seite: Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen (30), der beim Wirtschaftsprüfer KPMG arbeitet, sowie Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell (50), der die Familienfirmen (Land- und Forstwirtschaft, Weingüter) lenkt. Mit einer Bilanzsumme von zuletzt 1,06 Milliarden Euro und 293 Mitarbeitern ist die Castell-Bank in etwa so groß wie eine mittlere Sparkasse. Das Familienunternehmen befindet sich zu jeweils 50 Prozent im Alleinbesitz der Fürstenhäuser Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen. McKinsey Banken im In- und Ausland beraten, unter anderem die Deutsche Bank bei der Übernahme der auf das Investmentbanking spezialisierten amerikanischen Bankers Trust. Schließlich sammelt der gebürtige Saarländer als Leiter des Private Banking der Commerzbank und an der Spitze von deren Fondsgesellschaft Cominvest Erfahrungen. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Bayerischen Landesbank kommt Klein 2012 als Generalbevollmächtigter zur Castell-Bank, für die er bereits seit 2010 im Aufsichtsrat saß. Er leitet die Bank mit seinem Kollegen Klaus Vikuk. Klein hält sich mit Tennis fit: „Das ist der einzige Sport, den ich annähernd beherrsche.“ Er liest gern und viel, am liebsten Belletristik. 9.2015 diebank 29

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