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die bank 08 // 2018

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG 1 |

DIGITALISIERUNG 1 | Derzeit gibt es zwei typische Ansätze für die technische Umsetzung des SCT-Inst-Schemes am Markt „Bolt-on"-Strategie Ergänzung des Legacy-Systems um ein Instant-Payment-Modul „Rip-and-Replace"-Strategie Implementierung eines völlig neuen Payment Hubs » Ermöglicht Integration neuer, vorkonfigurierter Anwendungen in Legacy Systeme » Schnellere „Time-to-Market“ » Signifikante Kosteneinsparungen » Maximaler Grad an Individualisierung » Unabhängigkeit von Drittanbietern » Aktualisierung veralteter IT-Infrastruktur » Wenig fallspezifische Entwicklungen » Abhängigkeit zu externen Providern » Langfristig geringere Flexibilität aufgr. geringeren Individualisierungsgrads » Komplexe Ablösung bestehender Systeme » Kosten-/ zeitintensive Umsetzung » Teure / komplexe Instandhaltung Steigende Individualisierung | Kosten | Komplexität Sinkende(r) Time-to-Market | Implementierungsaufwand Quelle: © Capgemini Consulting. Bisher entsprechen die Entwicklungen der Anzahl der Transaktionen und das Transaktionsvolumina den Erwartungen an die SCT-Inst-Lösung. So sind in den ersten drei Monaten seit der Einführung etwa 500.000 Instant-Payment-Transaktionen mit einem Gesamttransaktionsvolumen von ca. 300 Mio. € getätigt worden. Dem stehen im Vergleich durchschnittlich täglich 29,7 Mio. Lastschriften und 17,4 Mio. Überweisungen in Europa gegenüber. Der noch geringe Anteil der Instant-Payment-Transaktionen in Europa zeigt auch, welches Potenzial besteht. So können bspw. Länder wie Dänemark oder das Vereinigte Königreich mit 28 bzw. 21 Prozent Marktanteil der Echtzeitzahlungen am Gesamtmarktvolumen bereits beachtliche Zahlen aufweisen. Möglich wäre aber auch ein Marktanteil von nur 10 Prozent, wie für Schweden bis 2020 laut der teilnehmenden und derzeit planenden Banken geschätzt. Einführung von Instant Payments ist eine Herausforderung für Banken Um Echtzeitzahlungen künftig reibungslos anbieten zu können, müssen die Banken neben der entsprechenden Vermarktung ihrer jeweiligen Lösung vor allem Modifikationen in der IT-Architektur, den Geschäftsprozessen, der Organisation und im Produktmanagement vornehmen. 1. Anpassung der IT-Architektur Banken haben unterschiedliche Ausgangslagen und Erfordernisse, wenn es um die Implementierung der technischen Anforderungen des SCT- Inst-Schemes geht. Es stellt sich somit die Frage, welche Wege Banken bei der technischen Umsetzung der notwendigen Anforderungen verfolgen können. Hier haben sich in der Praxis zwei divergente Strategien abgegrenzt. ÿ 1 Ergänzung des Legacy-Systems um ein Instant-Payments-Modul („Bolt-on“-Strategie): Ein Großteil der sich bereits in der Implementierungsphase befindenden Banken setzt Instant Payments anhand gezielter, modularer Lösungen um (sog. Frameworks). Dieser Ansatz ermöglicht die Integration neuer, vorkonfigurierter Anwendungen in die Legacy-Systeme und erweitert diese um zusätzliche Funktionen. Bei dieser Form der Umsetzung liegt der Vorteil in einem schnelleren Time-to-Market, gekoppelt mit künftig geringen Kosten kundenspezifischer Entwicklungen, da keine Komplettlösungen aufgebaut werden müssen. Der Nachteil ist jedoch eine stärkere Abhängigkeit von externen Service Providern, insbesondere wenn es darum geht, neue Produkte und Dienste funktionsfähig an den Markt zu bringen und aufgrund von einzelnen Kundenwünschen hohe Flexibilität gefragt ist. Implementierung eines völlig neuen Payment Hubs („Rip and Replace“-Strategie): Instant Payments stellt für Banken seit langem die beste Gelegenheit dar, sich von veralteten IT-Architekturen und Legacy- Zahlungssystemen hin zu einer moderneren Infrastruktur 66 08 // 2018

DIGITALISIERUNG 2 | Zahlreiche Anpassungen im E2E-Zahlungsprozess durch die Implementierung der Instant-Payment-Lösung KYC Prozesse anpassen Senden einer SCT Inst Investigationsprozess einrichten SCT-Inst- Initiierung (Channels) Instant Engine Fraud Embargo Disposition Clearing Empfang der Zahlungsbestätigung Empfängerkonto Check Transaktion Empfängerkonto Bestätigung Zahlungsbestätigung Buchungsservice Bestätigungsnachricht an Zahler IT-Strategie festlegen Limite festlegen Bank des Kunden Clearing- und Settlement- Mechanismen (CSM) Empfänger-Bank Bank des Kunden Anpassungsbedarfe der Senderbank Quelle: © Capgemini Consulting. zu entwickeln. Es müssen jedoch deutlich höhere Kosten für die Entwicklung und Einführung der IT-Architektur kalkuliert werden. Allein für die Implementierung eines vollwertigen Payment Hubs schätzen die Banken Kosten im zweistelligen Millionenbereich. Vorteil einer modernen IT-Architektur ist aber, dass ein maximaler Grad an Funktionsfähigkeit und notwendiger Flexibilität erreicht werden kann, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen bei der Gestaltung digitaler Zahlungsverkehrsprodukte. Weiterhin bietet die Modernisierung die Chance, dass künftige Neuentwicklungen in der Regel vollumfänglich auf die spezifischen Bedürfnisse der Bank und des Kunden zugeschnitten sind. Insellösungen werden damit vermieden. Eine große Hürde dieses Lösungswegs besteht in der über Jahrzehnte gewachsenen Komplexität der existierenden IT-Architektur und der bestehenden Legacy-Systeme, insbesondere deren Vernetzung innerhalb der globalen IT-Architektur der Banken. Somit bedingt eine Entscheidung der Ablösung alter Infrastrukturen das Risiko eines langwierigen und kostenintensiven Unterfangens, was im Zeitalter flexibler und schneller Produktentwicklungszyklen wettbewerbsnachteilig ist. Ein Großteil der Banken, unabhängig vom Bilanzvolumen, hat sich bei der Umsetzung von Instant Payments bisher für eine „Bolt-on“-Strategie entschieden. Die Gründe dafür sind z. B. der zeitliche Druck, noch in diesem Jahr eine Lösung anzubieten, die Abhängigkeit von Dienstleistern bei der Entwicklung von eigenen Lösungen sowie der Business Case, der bei der „Rip and Replace“-Strategie noch nicht positiv ausfällt, da u. a. Erfahrungswerte mit den möglichen zu erhebenden Gebühren fehlen. Die Entscheidung, welche der beiden Strategien im konkreten Anwendungsfall verfolgt werden sollte, ist letztlich allerdings in Abhängigkeit der Komplexität der IT-Architektur und Legacy-Zahlungssysteme sowie den allgemeinen Geschäftszielen der jeweiligen Bank zu bewerten. 2. Prozessuale und organisatorische Anpassungen Die Festlegung der IT-Strategie bezüglich der Implementierung der IT- Lösung ist allerdings nicht der einzige Aufwandstreiber. Viele Prozesse im Rahmen von Standard SEPA-Überweisungen finden auch für Instant-Zahlungen Anwendung. ÿ 2 Es gilt jedoch, zusätzliche Anforderungen zu beachten. Know Your Customer Echtzeitzahlungen erfordern auch schnellere Kontrollmechanismen im Rahmen der Embargo-, Geldwäsche-, Fraud- und Kontodeckungsprüfungen. Banken müssen somit in Technologien investieren, die es ermöglichen, Betrugsversuche intelligenter und schneller aufzudecken und zu verhindern als bisher. Ein Weg dorthin könnte der Einsatz von Biometrie sein, Technologien mit Fingerabdruck- oder Iris-Scanning sowie Gesichtserkennung. Mithilfe des Smartphones könnten diese zur Betrugsprävention eingesetzt werden. Insbesondere die Umsetzung der PSD 2 und die damit verbundenen RTS (Regulatory Technical Standards) unterstützen diese Entwicklungen mit der Forderung einer starken Kundenauthentifizierung bei elektronischen Zahlungen sowie einer umfassenden Transaktionsüberwachung ab dem 14. September 2019. Verarbeitet die Empfängerbank Instant Payments? Hat der Kunde eine Echtzeitzahlung bei seiner Bank ausgelöst, muss diese in wenigen Sekunden verifizieren, ob die Empfängerbank auch in der Lage ist, Instant Payments zu verarbeiten. Dies kann anhand von Erfahrungswerten oder Registrierungslisten erfolgen. Sind diese nicht vorhanden und ist keine Rückmeldung von der Empfängerbank innerhalb der erforderlichen Zeitspanne (geschätzt drei Sekunden) erfolgt, kann die Senderbank vorerst keine weiteren Aktivitäten einleiten. Trifft hingegen die Rückmeldung ein, dass die Empfängerbank eine Echtzeitzahlung nicht prozessieren kann, wird die Transaktion im Format einer SEPA-Überweisung ausgeführt. Der Kunde muss in 08 // 2018 67

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