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die bank 08 // 2018

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

RÜCKBLICK AUF 15 JAHRE

RÜCKBLICK AUF 15 JAHRE MIT HARTMUT BECHTOLD Zum Jahresbeginn steht die Kasse immer bei Null In seinem Gespräch mit „die bank“ lässt Dr. Hartmut Bechtold die vergangenen 15 Jahre aus Sicht der Verbriefung und der TSI Revue passieren und gibt einen Ausblick auf die kommenden Entwicklungen unter der neuen STS-Regulierung. Bechtold ist im März 65 Jahre alt geworden und zieht sich im kommenden Jahr aus der Geschäftsführung der TSI, der er seit ihrer Gründung im Jahr 2004 als Geschäftsführer vorstand, zurück. die bank: Herr Bechtold, fast 15 Jahre waren Sie nun in der Geschäftsführung der TSI. Was war dabei die entscheidendste Erfahrung? Bechtold: Das war zweifelsohne die Finanzkrise 2007. Für mich zeigte sich darin, wie Irrationalität auf Irrationalität traf. So etwas wie US-Subprimekredite und einen weltweiten US-Subprimemarkt hätte es nie geben dürfen. Und um zu verstehen, dass durch geschickte Verpackung von Schrott kein Gold entsteht, braucht man ja nicht unbedingt studiert zu haben. Insofern war der Subprime-Hype in den Jahren vor 2007 nichts anderes als ein extremes Warnsignal total überhitzter Kreditmärkte. Die folgende Finanzkrise war dann eine Bereinigung über alle Marktsegmente hinweg. Doch dass anschließend der Auslöser, der Subprime-Crash, mit der Ursache der Finanzkrise gleichgesetzt und die Krisenursache ausschließlich auf Verbriefungen reduziert wurde, man bis zur Griechenlandkrise 2010 bzw. bis zur Eurokrise 2012 brauchte, um langsam zu begreifen, dass Finanzkrisen nicht dadurch verschwinden, dass man einen Sündenbock benennt – dies alles hat mich doch schon ziemlich überrascht und an Nietzsches These von den vier großen Irrtümern der Menschheit erinnert. Man verwechselte Auslöser mit Ursache, Ursache mit Folge und greift nach der ersten Erklärung die einem über den Weg läuft, um sich anschließend starr daran zu klammern. die bank: Was bedeutete die Finanzkrise nach 2007 und die kritische Diskussion um Verbriefungen für die TSI? Bechtold: So paradox es zunächst klingen mag: Die TSI wurde durch die Krise gestärkt. Unser Geschäftsmodell war ja von Beginn an, deutsche Qualitätsverbriefungen zu fördern. Um dies zu erreichen, drängten wir von Anfang an auf gute und rechtlich sichere Rahmenbedingungen. So hatten wir bereits 2004 eine Qualitätsmarke für deutsche Verbriefungen entwickelt, die auf Transparenz und Ausschluss von „Originate to Distribute“ aufbaute. Diese Marke schaffte ebenfalls Mindeststandards für deutsche Verbriefungszweckgesellschaften (SPV) und baute Dialogforen für die Marktbeteiligten auf. All dies wurde nach 2007 wichtiger denn je, denn Vertrauen wurde zum Schlüsselwort für die weitere Entwicklung der ABS-Märkte. Und Qualität, Wissen und Vertrauen zu schaffen, dies war das Geschäftsmodell der TSI, das sich in diesem Marktumfeld besser denn je entfalten konnte. Unsere Trainings und unsere Veranstaltungen waren plötzlich sehr gefragt. Und auch wenn der öffentliche Markt für ABS-Transaktionen nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 zunächst in einen zweijährigen Dornröschenschlaf verfiel, so boomte doch der Markt von einbehaltenen ABS-Transaktionen, mit denen Banken Sicherheiten schafften, um sich bei der EZB zu refinanzieren. die bank: Wo steht der ABS-Markt heute? Sind die Folgen der Finanzkrise überwunden? Bechtold: Nach 2008 setzte eine lange Phase regulatorischer Unsicherheit ein, die den öffentlichen ABS-Markt stark in Mitleidenschaft zog. Aber die Regulierung ist nicht für alles alleine verantwortlich. Seit der Eurokrise 2012 und der „Whatever it takes“-Politik der EZB sind die Zinsen deutlich gesunken, Kaufprogramme und extrem niedrige Refinanzierungssätze für Banken haben eine Liquidität geschaffen, die es allen Kapitalmarktsegmenten extrem schwer macht, dagegen zu bestehen. Wohin man blickt – Staatsanleihen, Covered Bonds, Corporate Bonds – die EZB macht den Markt. ABS ist dabei noch eine Ausnahme, da der Kaufanteil von ABS am Gesamtmarkt extrem klein ist; 40 08 // 2018

aber natürlich ist in einer Gesamtbetrachtung die hohe und billige Liquidität auch eine allgemeine Rahmenbedingung, die die volle Entfaltung des ABS-Markts ebenfalls behindert. Umso erfreulicher ist es, dass wir seitdem doch wieder einen sehr stabilen Verbriefungsmarkt sehen. Der Term-Markt wird in Deutschland vor allem von der Autoindustrie zur Refinanzierung der Fahrzeugfinanzierung intensiv genutzt und die ABCP-Programme der Banken sehen seit 2010 eine stetig steigende Nachfrage aus Industrie und Handel zur Diversifizierung der Working- Capital-Finanzierung. Dieses Angebot wird im Übrigen auch von Leasinggesellschaften sehr intensiv genutzt. Nimmt man beide Marktsegmente zusammen, so reicht der Verbriefungsmarkt wieder an den Pfandbriefmarkt heran, wenngleich letzterer von der Politik mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. die bank: Es stehen ja grundlegende neue Verbriefungsregulierungen an. Hilft dies dem Markt? Bechtold: Die neue Verbriefungsverordnung, die ab dem 1. Januar 2019 Anwendung findet, hat eine lange Geschichte hinter sich, und ich glaube, jeder der dabei involviert war, ist froh, dass der Prozess nun abgeschlossen ist und langsam wieder Rechtssicherheit einkehrt. Allein dies wird schon Marktimpulse setzen. Es gibt nun für Verbriefungen ein umfassendes Regelwerk, das für alle Beteiligte einen Rahmen setzt, an dem sie sich orientieren können und der Sicherheit schafft. Gut finde ich auch, dass mit dem Artikel 28 die Option geschaffen wird, dass eine aufsichtsrechtlich zugelassene Verifizierungsstelle Transaktionen prüfen und bewerten kann. Damit wird ein Hüter von Qualität installiert, der den Geist dieser Regulierung institutionalisiert, schwierige Interpretationsfragen sachgerecht klären kann sowie den Dialog mit der Aufsicht pflegt. Ich bin davon überzeugt, dass gerade diese Besonderheit der Regulierung, die noch deutlich über die Funktion eines Treuhänders im deutschen Pfandbriefrecht hinausgeht, dem europäischen Verbriefungsmarkt eine besondere Stellung im Kapitalmarkt einräumen wird. die bank: Wird sich die TSI um eine derartige Rolle bewerben? Bechtold: Ja, auf alle Fälle werden wir den Aufbau einer derartigen Prüfstelle betreiben. Aber für uns gilt dabei der Grundsatz: Schuster bleibt bei deinen Leisten. Es geht der TSI nicht um die ganze Breite des europäischen Markts, sondern im Kern um ihre deutschen Kunden aus den Bereichen der Auto- und Konsumentenkredit-Verbriefungen. Aber natürlich auch um die ABCP- Banken und später – wenn dieser Markt wieder anspringt – auch um die SME-Verbriefungen. Selbstverständlich werden wir unsere großen Kunden dabei auch ins europäische Ausland begleiten, wie wir dies bereits mit unserem Qualitätslabel „Deutscher Verbriefungsstandard“ tun, aber wir streben nicht die Zertifizierung originär ausländischer Transaktionen an, wie z. B. holländischer oder spanischer RMBS-Transaktionen. die bank: Wird die Marke „Deutscher Verbriefungsstandard“ denn weitergeführt, nachdem wir nun auf europäischer Ebene eine Regelung von Qualitätsverbriefungen haben? Bechtold: Eine etablierte Qualitätsmarke mit eigenen Qualitätsattributen gibt man nicht auf, nur weil es jetzt eine europäisch gültige, gesetzliche Regelung gibt. Die deutschen und französischen Winzer haben ja auch nicht ihre Marken Sekt und Champagner aufgegeben, als 1992 die europäische Schaumweinverordnung eingeführt wurde. Ich glaube, die Marke wird, wenn sie weiterhin sorgfältig gepflegt und weiterentwickelt wird, zukünftig eher an Bedeutung gewinnen. 08 // 2018 41

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