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die bank 08 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT INTERVIEW

MANAGEMENT INTERVIEW „Wir müssen den Anschluss halten“ Wenn sich FinTechs zu Wort melden, ist auch Jens Spahn oft vor Ort. Seit Juli 2015 ist der 37-Jährige Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Erst im März 2017 rief sein Ministerium einen FinTechRat ins Leben. Auch bei der SolarisBank schaute Spahn schon persönlich vorbei und diskutierte mit Vorstand Andreas Bittner über deren Geschäftsmodell. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Landesbank in Münster hatte Spahn kurz als Bankkaufmann gearbeitet. Seit 2002 sitzt das CDU-Mitglied im Bundestag. diebank: Herr Spahn, was bedeutet das Erstarken der FinTechs für die deutsche Volkswirtschaft? Spahn: In den letzten Jahren haben Fin- Techs enorm an Schwung und Attraktivität gewonnen. Insgesamt weist die Branche in Deutschland eine hohe Wachstumsdynamik auf. Das sind erfreuliche Nachrichten, Deutschland ist in diesem Zukunftsmarkt gut vertreten. Davon profitieren die deutsche Volkswirtschaft, die Bürger insgesamt und jeder einzelne Kunde. diebank: Das BMF hat 2016 die erste umfassende Studie zum FinTech-Markt in Deutschland in Auftrag gegeben und Ende des Jahres präsentiert. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse? Spahn: Kooperation ist der Weg zum Erfolg. 87 Prozent der Banken, die an der FinTech-Studie teilgenommen haben, wollen kooperieren. Statt Herausforderer oder Konkurrenten zu sein, wachsen FinTechs und etablierte Banken verstärkt zusammen. Sie brauchen sich gegenseitig. FinTechs haben häufig die innovativen Ideen, sind agil und schlank strukturiert. Banken verfügen über Erfahrung, eine große Kundenbasis, regulatorisches Know-how und auch immer noch einen Vertrauensvorsprung. FinTechs haben zu einem Entwicklungsschub bei den etablierten Banken beigetragen. Die Banker haben erkannt, dass Innovations- und Digitalisierungsstrategien keine Option, sondern ein Muss sind, um dauerhaft Kunden zu binden. Einige traditionelle Anbieter mussten da ja schon etwas zum Jagen getragen werden. diebank: Welche Ergebnisse haben Sie persönlich am meisten überrascht? Spahn: Was mich vor allem freut: In Deutschland entwickeln sich an mehreren Standorten starke FinTech-Ökosysteme, etwa in Berlin, München, Frankfurt und Hamburg. Das zeigt, dass wir in der Breite gut aufgestellt sind und die verschiedenen Regionen ihre individuellen Stärken ausspielen können. diebank: Die Studie kommt zu dem Schluss, dass aktuell keine systemischen Risiken von FinTechs in Deutschland ausgehen. Weiter heißt es jedoch: Sollte das dynamische Wachstum der Branche weiter anhalten und das sehr große Wachstumspotenzial ausgeschöpft werden, könnten sich systemische Risiken entwickeln. In welchem Zeitraum halten Sie das für möglich? Die Studie hat immerhin die Marktentwicklung für die Jahre 2020, 2025 und 2035 prognostiziert. Spahn: Die Wahrung der Finanzstabilität ist für uns eine zentrale Aufgabe. Hier heißt es: Vorsorge verhütet Nachsorge. Deshalb beschäftigen wir uns nicht erst seit heute auch auf internationaler Ebene sehr intensiv mit FinTechs und den möglichen systemischen Auswirkungen der neuen Geschäftsmodelle. So haben wir unter der deutschen G20-Präsidentschaft das Thema „Digital Finance“ erstmals auf die Ebene der G20 gehoben. Dort wurden Chancen und Risiken von FinTechs analysiert, gerade um potenziellen systemischen Risiken frühzeitig zu begegnen. diebank: Vertreter von FinTechs ebenso wie die von kleineren Privatbanken in 48 08 // 2017

MANAGEMENT Deutschland fordern eine entschlackte Regulierung für ihre Institute. Laut Ihrer Eröffnungsrede beim ersten FinCamp legen andere Länder, etwa Luxemburg, Regulatorik großzügig aus, um sich als bevorzugter Standort für FinTechs in Stellung zu bringen. Können auch deutsche FinTechs mit einer Lockerung rechnen? BaFin-Präsident Hufeld hatte kürzlich auf der Jahres-PK seines Instituts ein Konzept für Erleichterungen etwa mit Blick auf Eigenkapitalanforderungen angekündigt, das gemeinsam mit Bundesbank und Bundesfinanzministerium erarbeitet werde. Spahn: Weder in Europa noch in Deutschland haben wir bislang eine spezielle Fin- Tech-Regulierung. Wir folgen dem Ansatz: Gleiche Geschäfte mit gleichem Risiko werden gleich reguliert. Das Geschäftsmodell ist also der regulatorische Ansatzpunkt und nicht die Art des Unternehmens. Gleichwohl achten wir bei der Gesetzgebung und dem Vollzug darauf, dass den unterschiedlichen Risiken und Komplexitätsgraden Rechnung getragen wird. Für FinTechs haben wir in Deutschland neben der Regulierung auch noch andere Stellschrauben, um ein unterstützendes Umfeld und förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ich nenne nur die Innovationsförderung. Die sehr gute Stellung des Standorts Deutschland im europäischen und auch im internationalen Vergleich beweist, dass wir einiges richtiggemacht haben. Darauf dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen. Die Innovationsgeschwindigkeit in anderen Regionen, zum Beispiel in China, ist enorm. Wir müssen aufpassen, den Anschluss zu halten. diebank: Bei der Vorstellung des im März 2017 gegründeten FinTechRats haben Sie angekündigt, dies sei ein weiterer Schritt, um Deutschland als FinTech- Hub Nr. 1 in der EU zu etablieren. Was muss geschehen, damit Deutschland die Spitzenposition erreicht? Und welche Rolle spielt dabei der Brexit? Spahn: Wir müssen weiterhin Innovationen und Gründergeist fördern und gleichzeitig neue Risiken im Auge behalten. Die richtige Balance ist hier der Weg zum Erfolg. Ob und in welchem Ausmaß sich der Brexit auswirken wird, lässt sich derzeit noch schwer beziffern. Ob etwa britische FinTechs verstärkt umziehen werden, hängt ganz wesentlich von den genauen Bedingungen des Ausscheidens Großbritanniens ab. Insgesamt ist der Standort Deutschland gut aufgestellt, und wir arbeiten stets daran, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. Die Regulierung ist hier gar nicht die größte Baustelle. Viel wichtiger für den Standort ist, ob es uns gelingt, die richtigen Talente für uns zu begeistern. Auf der einen Seite halte ich es für erforderlich, dass wir mehr IT- Fachkräfte selber ausbilden. Auf der anderen Seite gilt es, für ausländische Experten, und damit meine ich nicht nur die EU, attraktiv zu sein. Wir müssen hier die richtigen Rahmenbedingungen für diese Experten schaffen. diebank: Herr Spahn, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. 08 // 2017 49

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