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die bank 08 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING abwicklung

ó BANKING abwicklung liegt bei der Deutschen Bank Wealth Management (Deutsche Bank AG). Einige Anbieter aus der FinTech-Szene haben bereits einen Erfahrungsvorsprung: Die Online-Plattform JustETF beispielsweise ist bereits im Jahr 2011 gestartet und verwaltet nach eigenen Angaben in verschiedenen europäischen Ländern ein virtuelles Kundenportfolio von rund 1,9 Mrd. €. Inwieweit die neuen Spieler aber langfristig neue Kundenpotenziale in der Wertschöpfungskette erschließen oder ob es sich bei den Robo Advisors eher um eine Randerscheinung handelt, ist noch umstritten. Ungeachtet dessen befindet sich die „Vermögensverwaltung 2.0“ weltweit auf dem Vormarsch, betont das TME Institut für Vertrieb und Transformationsmanagement e.V. Denn mithilfe der neuen digitalen Plattformen erschließen die Robo Advisors auch den Markt der weniger vermögenden Kunden, um frisches Kapital bei speziellen Wealth-Management-Anbietern einzusteuern. Kostengünstige Strukturen Als Zielgruppe dafür infrage kommt vor allem eine jüngere, gut ausgebildete und technisch experimentierfreudige Klientel, die an der Gestaltung ihres eigenen „Finanzbiotops“ mitarbeitet. Ganz neu ist der Trend auf Basis von automatisierten Lösungsansätzen allerdings nicht, denn längst nutzen auch klassische Anbieter wie Broker oder Direktbanken die Robo Advisory. Für die Verwaltung und Steuerung des Geldkreislaufs sind hier wie dort neben dem eventuell dahinter liegenden manuellen Management mehr oder minder ausgeklügelte Algorithmen zuständig. Die Vorteile aus Nutzersicht bei dieser neuen Generation der automatisierten Anlageberatung liegen vor allem in der damit verbundenen Kosten- und Zeitersparnis: Durchschnittlich 0,4 bis 1,4 Prozent an Gebühren verlangen die Anbieter, im Vergleich zu den meist mehreren Prozentpunkten bei aktiv gemanagten Aktienfonds. Auch mit dem Vorteil der Einfachheit und Kundenfreundlichkeit punkten die neuen Lösungsansätze. Denn die Kundennachfrage nach transparenten Finanzprodukten setzt sich ungebrochen fort. Mit Blick auf die Börse stoßen vor allem Indexfonds (ETF) auf wachsendes Interesse der Anleger. Robo-Advisory-Plattformen weisen in den USA und in Großbritannien bereits eine beachtliche Erfolgsgeschichte auf. In den USA verwaltet die noch junge Szene der Anbieter mehrere Milliarden US-Dollar. In Deutschland bilden sich vergleichbare Angebote gerade heraus. Dazu zählen beispielsweise Scalable Capital, Vaamo und Ginmon. Ob die Durchschlagskraft der neuen Protagonisten ausreicht, um eine signifikante Marktrolle zu spielen, ist fraglich. Die weitere Expansion der amerikanischen Anbieter nach Deutschland könnte aber auch den großen Anbietern von Publikumsfonds weitere Marktanteile streitig machen. Denn statt eines langen Beratungsgesprächs mit dem Vermögensberater, können die Kunden auf den Plattformen nun online innerhalb von wenigen Minuten eigenständig ein Chancen-Risiko-Profil erstellen, um anschließend das angelegte Geld vollautomatisch verwalten zu lassen. Mithilfe von automatisierten Prozessen setzen die Robo-Advisory-Anbieter darauf, diese vormals kostspieligen Dienstleistungen einer breiten Kundengruppe schmackhaft zu machen. Als einer der aussichtsreichen Kandidaten in der noch jungen deutschen Szene gilt Scalable Capital: Das Unternehmen wurde im vergangenen Jahr gegründet und beschäftigt derzeit mehr als 30 Mitarbeiter in München und London. Das Fin- Tech verfügt über einige Besonderheiten im Vergleich zu zahlreichen anderen Start-ups, die meist weniger eine eigenständige Produkt-Philosophie verfolgen, sondern in erster Linie als Makler zwischen Anleger und Fondsanbieter auftreten, also Kundengelder direkt an andere Fondsanbieter weitervermitteln. Demgegenüber besitzt Scalable Capital als bankenunabhängiger Robo-Advisor eine BaFin-Lizenz. Damit kann der neue Spieler sich als regulierter Vermögensverwalter direkt um die Verwaltung der Kundengelder kümmern. Am Markt punkten will man neben dem klaren geschäftlichen Fokus auf ETF-Produkte zudem durch eine individuell entwickelte professionelle Risikomanagement-Technologie, die nun auch für Privatinvestoren zugänglich sein soll. Möglicherweise greift hier eine Behavorial Finance jenseits der klassischen Kundensegmentierung. Der durchschnittliche Kunde bei Scalable Capital ist knapp über 40 Jahre alt, gut ausgebildet und beruflich stark beansprucht, und verfügt deshalb nur über wenig Zeit, sich selbst um die Geldanlage zu kümmern, beispielsweise indem er ein Konto bei einem Online-Broker eröffnet. Als weiterer Aufsteiger findet Ginmon in Fachkreisen Beachtung. Das Unternehmen setzt bei seiner Robo-Advisory- Lösung auf global verfügbare kostengünstige und transparente Indexfonds. Ziel ist quasi die Nische in der Nische: Ein Zielkonflikt zur klassischen Finanzberatung ab einer Investition im niedrigen fünfstelligen Bereich ergibt sich nicht. Ginmon sieht das eigene Angebot aus Kundensicht eher als Ergänzung zur klassischen Produktpipeline – ein Umstand, der von einer in Finanzfragen vorsichtig agierenden Kundenklientel auch so eingeschätzt wird. Mit anderen Worten: Der Bankberater oder Vermögensverwalter wird nicht automatisch überflüssig, es handelt sich um eine kreative Ergänzung der bereits existenten Produktpipelines. Schwammiger Begriff Welche Business Intelligence steckt dahinter? Der Begriff Robo Advisory beschreibt 38 diebank 08.2016

BANKING ó zunächst nur in allgemeiner Form ein breites Spektrum an FinTech-Start-ups, die sich in den letzten Jahren auf die Bereiche Wealth Management, Social Trading und indexbasierte Anlageinstrumente spezialisiert haben. Im Gegensatz zur manuell konstruierten und verwalteten Vermögensanlage erfolgen konkrete Anlageentscheidungen dabei ausschließlich auf Basis von Algorithmen. Der Vorteil: Laut den Anbietern bergen die automatisierten Anlageroboter den Vorteil, menschliche Emotionen und damit das Risiko von „Panikhandlungen“ auszuschließen. Denn Entscheidungen über Marktanpassungen und zukünftige Investitionen basieren in der Regel auf wissenschaftlich erprobten Theorien rund um das Portfolio Management, also nicht von individuellen Erfahrungen. Allerdings beruhen auch die Selektionsmuster und Entscheidungsprozesse bei konventionellen Anlagen letztlich meist auf computerbasierten Algorithmen, weshalb hinsichtlich eines wissenschaftlich fundierten Performancevergleichs offen bleibt, inwieweit die Erfolgsbilanz eines erfahrenen Fondsmanagers gerade in Zeiten starker Preisschwankungen an den Kapitalmärkten grundsätzlich nachteiliger zu bewerten ist. Der Begriff Robo Advisory ist außerdem missverständlich, denn der Anbieter übt im rechtlichen Sinn auf Basis der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in der Regel keine Beratungsleistung aus. Anders als konventionelle Vermögensverwalter führen die Anbieter der digitalen Portfolioverwaltung keine Angemessenheits- und Geeignetheitsprüfung durch. Diese beschränken sich vielmehr auf einen meist einfach gehaltenen Fragenkatalog. Diverse Robo Advisors berufen sich dabei auf das „Execution Only“- Prinzip. Demnach setzen sie rechtlich gesehen als Online-Plattform lediglich den Kaufauftrag des Kunden um. Was mit Blick auf die geringeren Abschlussgebühren und laufenden Kosten noch plausibel erscheint, etwa im Vergleich mit aktiv gemanagten Aktienfonds, das hält somit auf den zweiten Blick, nicht immer dem selbst formulierten Anspruch stand. Denn für den Kunden macht das Vertrauensverhältnis zu einem Robo Advisor keineswegs eigene Finanzentscheidungen überflüssig. Wie bei jeder Geldanlage, so hat der Kunde auch bei automatisierten Produkten letztlich die Qual der Wahl, durch seine dem Anbieter vorgegebenen Handlungsraster. Das Prozedere: Der Klient erstellt im selbst erarbeiteten Fragebogen ein möglichst exaktes und realistisches Chancen- Risiko-Profil zu seinem eigenen Anlageverhalten, passend zum jeweiligen Marktumfeld. Kommt es hier zu unvollständigen oder sachlich ungenauen Angaben, sinkt nicht nur die Chance des Anlegers auf eine höhere Rendite, auch die Verlusttoleranz kann laut vorgegebener Präferenzen nicht dem tatsächlichen Wunschbild entsprechend ausfallen. Letztlich ersetzen weder Maschine noch Algorithmus die menschliche Anlegerintelligenz. Intelligente Produktsteuerung und Timing bleiben vorrangig: Gerade mit Blick auf eine langfristig erfolgreiche Performance – wie bei ETF- Produkten ohnehin sinnvoll – gibt es diverse Erfolgsbarrieren zu überwinden. Erstellt ein Klient beispielsweise in Zeiten steigender Kurse ein neues Benutzerkonto, so könnte dieser bei einer allgemein herrschenden Euphorie dazu geneigt sein, eine höhere Risikobereitschaft anzugeben. Oder aber der Kunde gibt aufgrund von aktuell fallenden Kursen eine zu pessimistische Prognose ab, was wiederum die gewünschte Zielrendite schmälert. Mit anderen Worten: Erst ein rasch auftretender Abwärtssog an den Börsen erweist sich als Härtetest für die neuen Anbieter, ob ein Robo Advisor auch in einem stark volatilen Umfeld in der Lage ist, die vom Anleger gewünschte Zielrendite zu erwirtschaften. 08.2016 diebank 39

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