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die bank 07 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT CORPORATE

MARKT CORPORATE BROKERAGE Gefragt ist ein echter Kulturwandel Historisch bedingt hat sich Issuer Paid Research in England etabliert – in Deutschland gibt es dagegen viele Vorbehalte gegen bezahltes Research. Unser Autor erläutert, warum auch aus Sicht der Banken ein Umdenken notwendig ist. 26 07 // 2021

MARKT In Großbritannien hat Corporate Brokerage eine lange Tradition: Investmentbanken betreuen auf der Insel Unternehmen kontinuierlich und umfassend bei allen Fragen, die den Kapitalmarkt betreffen. Besonders kleinere börsennotierte Gesellschaften sind auf Corporate Brokerage angewiesen, da es ihnen die Sichtbarkeit verschafft, die sie sonst am Kapitalmarkt nicht erzielen würden. Das heißt aber nicht, dass sich nur Small Caps auf dem Gebiet engagieren: Auch praktisch jedes größere börsennotierte Unternehmen verfügt über Corporate Broker, oft sogar mehrere. Edison Research und Numis Capital sind nur zwei prominente Beispiele für derartige Dienstleister. Sie haben die Aufgabe, das Ohr des betreffenden Unternehmens am Kapitalmarkt zu sein – sowie ganzheitliche und langfristig orientierte Kapitalmarktberatung zu bieten. Die Analysten untersuchen Unternehmensprofile aus Kapitalmarktsicht, bringen Einschätzungen und Erwartungen von Investoren in Erfahrung und prüfen kritisch, ob die Unternehmensstrategie auch von den Kapitalgebern akzeptiert wird. Zudem erhöhen Corporate Broker die Wahrnehmung eines Unternehmens im Markt, verbessern das Verständnis von bestehenden und potenziellen Investoren für unternehmerische Entscheidungen und schärfen gegebenenfalls das Unternehmensprofil bei Marktteilnehmern. Dafür stehen die Broker kontinuierlich im Austausch mit dem betroffenen Unternehmen, beraten den Vorstand und halten engen Kontakt mit Investoren. Dieses Konzept, das auf Beratung bei der Beziehung zwischen Aktienmarkt, Investoren und Unternehmen setzt, ist hierzulande am ehesten mit dem der Hausbank vergleichbar. Auch dort arbeiten Bank und Kunde oft jahrzehntelang zusammen. Dabei ist selbstverständlich, dass Corporate Broker für ihre Dienste bezahlt werden. Denn es steht außer Frage, dass die erbrachte Dienstleistung wertvoll für alle Teilnehmer am Kapitalmarkt ist: So beschränkt sich die Arbeit der Corporate Broker nicht auf die Vermarktung einer Aktie im Primärmarkt, sondern sie beinhaltet auch eine umfassende Beratung im Sekundärmarkt. Für Investoren hat das einen entscheidenden Vorteil: Ihnen wird es erleichtert, sich einen umfassenden Einblick in die Lage eines Unternehmens zu verschaffen. Und auch die Unternehmen profitieren: Sie wiederum erhalten eine Bühne, die es ihnen erlaubt, sich potenziellen Investoren zu präsentieren. Dass Corporate Brokerage in Großbritannien etabliert ist, liegt auch daran, dass alle börsennotierten Unternehmen auf der Insel historisch bedingt verpflichtet waren, auf einen Broker zurückzugreifen, der sie bei den Regulierungsbehörden vertritt. In weiten Teilen ist diese Vorgabe zwar mittlerweile hinfällig, dennoch hat dies der Beliebtheit von Corporate Brokerage in Großbritannien keinen Abbruch getan: Von den aus dem FTSE100 bekannten Werten gaben lediglich Shell und Glencore an, sich nicht auf die Dienste von Corporate Brokern zu verlassen. In den 2000er-Jahren haben britische Investmentbanken daher versucht, das Erfolgsmodell des Corporate Brokerage nach Kontinentaleuropa zu exportieren. Doch der Plan ist nicht aufgegangen. Bis heute hat Corporate Brokerage in Deutschland nicht den Durchbruch geschafft. Woran liegt das, wo doch die Vorteile auf der Hand liegen, wie sich am Beispiel Großbritannien ablesen lässt? Andere Tradition in Deutschland Gerade in Deutschland hat sich Research völlig anders entwickelt als in Großbritannien: Lange Jahre wurden die Kosten dafür transaktionsbezogen abgerechnet. Das bedeutet, dass sie indirekt mit den Handelsgebühren beglichen wurden – und damit aus dem Fondsvermögen. Da dies in der Regel groß ist, hatten die Gebühren keine nennenswerten Auswirkungen auf die Performance. Angesichts dessen, dass diese Kommissionsbeträge in der Vergangenheit sehr auskömmlich waren, konnten die Investmentbanken bei ihrer Arbeit, dem Research, in Vorleistung gehen. So boten Analysten auch für weniger gehandelte Aktien Berichte an, auch wenn dies im Einzelfall ökonomisch nicht profitabel war. Zugute kam dies besonders kleineren und mittleren Unternehmen, die sich damit einer breiten Öffentlichkeit präsentieren konnten. Mit MIFID II wurde alles anders Dies hat sich 2018 vollkommen geändert: Mit MIFID II hat sich das sogenannte Unbundling von Execution und Bezahlung von Research durchgesetzt. Um mehr Transparenz auf dem Kapitalmarkt zu schaffen, schreiben die Aufseher seither vor, dass Research-Kosten nicht mehr indirekt mit den Handelsgebühren beglichen werden dürfen. Investoren müssen für diese Kosten nun selbst aufkommen. Werden Corporate Broker in Großbritannien transparent für ein breites Bündel an Dienstleistungen bezahlt, darunter auch Research, hat sich dieses Konzept in Deutschland nie in der Breite durchgesetzt. Die ökonomische Bedeutung von Research ist für deutsche Banken damit erheblich größer als für Institute in UK – mit dramatischen Folgen: So ist mit der MIFID II die Bezahlung für Research deutlich geschrumpft. Den Ausfall konnten Banken nicht mit anderen bezahlten Dienstleistungen aus einem Corporate-Brokerage-Paket kompensieren. Daher 07 // 2021 27

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