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die bank 07 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG DIGITALE

DIGITALISIERUNG DIGITALE PREISSTRATEGIEN UNTER PSD II Wie Banken die API monetarisieren können Viele Banken sind den regulatorisch erforderlichen Veränderungen durch PSD II nachgegangen, das „Pflichtenheft“ ist an vielen Stellen in Umsetzung bzw. bereits umgesetzt. Das Thema wird jedoch bisweilen nur als Pflicht und weniger als strategische Chance gesehen. Dabei bringt die disruptive Verpflichtung, Kontodaten über standardisierte Schnittstellen (API) für Drittanbieter zu öffnen, auch neue Monetarisierungspotenziale mit sich. Mithilfe von Application Programming Interfaces (API) kann der Datenschatz einer Bank – in Form der Transaktionsdaten von Konten sowie deren Bezahlfunktion – angezapft werden, sofern der Endkunde zustimmt. APIs erhöhen damit den Wettbewerb im Bereich von (individualisierten) B2C-Angeboten und verlangen geradezu nach digitalen Preismodellen, bringen aber auch den Effekt von zweiteiligen Märkten. Das Phänomen der zweiteiligen Märkte könnte Banken dabei helfen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Zweiteilige Märkte durch Plattformen Gelingt es einer Plattform, viele aktive Kunden anzuziehen, entsteht hierdurch ein zweiteiliger Markt. Zum einen ein B2C-Markt, bei dem Endkunden die Angebote der Plattform nutzen, zum anderen ein B2B- Markt, bei dem Anbieter den Zugang zur Plattform erhalten können. Beispiele hierfür sind die Plattformen von Google sowie des Fahrtenvermittlers Uber. Die Gratisangebote von Google wie „Suche“, „Maps“ und „Mail“ werden von Milliarden Endkunden genutzt. Theoretisch könnte Google längst für den Zugang zur Suchmaschine, die Berechnung und Visualisierung von Navigationsrouten mit Echtzeit-Verkehrsdaten sowie den Mailservice Geld verlangen. Die Monetarisierung erfolgt aber nicht auf der B2C-, sondern auf der B2B-Seite des zweiteiligen Markts. Denn durch die hohe Zahl der Nutzer können Kleinanzeigen in der Suchmaschine und im Mailprogramm sowie Hinweise auf Anbieter in den Kartendaten stark monetarisiert werden. Beim Fahrtenvermittler Uber ist das Geschäftsmodell eher auf der B2C-Seite. Die Endkunden bezahlen für die vermittelte Fahrt. Allerdings sind mittlerweile so viele Fahrer bei Uber registriert, dass es für Unternehmen attraktiv ist, auch auf der B2B-Seite der Plattform aktiv zu werden. Beispielsweise werden Uber-Fahrern von den Automobilherstellern besondere Angebote zu Leasing und Service gemacht. Uber kann demnach auch den Zugang zum Fahrer-Pool monetarisieren. In zweiteiligen Märkten kann nun ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Monetarisierung auf Endkundenseite (B2C) und der Mone- tarisierung auf Drittanbieterseite (B2B) bestehen. Man könnte sogar von einem „Monetarisierungs-Dilemma“ sprechen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Plattform (noch) keinen großen B2C-Kundenstamm angezogen hat: Z Möchte eine Plattform die Kundenseite monetarisieren, können die Preise für Endkunden ein Hemmschuh für das Wachstum der Plattform sein. Der Kundenstamm bleibt klein oder wächst tendenziell weniger stark. Somit ist dieser für Drittanbieter aufgrund geringerer Netzwerkeffekte weniger attraktiv. Z Möchte eine Plattform hingegen die Drittanbieterseite monetarisieren, kann das zu weniger B2B-Angeboten führen. Die Plattform ist dann für die Drittanbieter weniger attraktiv. Darüber hinaus ist kaum ein bzw. nur ein geringfügiger Einkommensstrom auf der B2C-Kundenseite zu erwarten. Ein Beispiel für eine Mischung aus kundenseitiger und drittanbieterseitiger Monetarisierung ist die Networking-Plattform XING. Sie ist regional begrenzt, das Netzwerk allein kann XING nicht umfangreich über Drittanbieter (z. B. Headhunter / Jobmarkt) monetarisieren. Der Basisservice ist für Endkunden zwar kostenfrei, allerdings muss der Endkunde schon für relativ einfache Leistungen einen monatlichen Grundpreis bezahlen. Bedeutung der Plattform-Logik für Banken Wendet man diese Plattform-Logik auf Banken an, ergibt sich ein Kontinuum der Monetarisierungsmöglichkeiten. ÿ 1 Welcher Platz auf dem Kontinuum in Zukunft für Banken der ideale sein wird, ist keineswegs trivial zu beantworten. Auffällig ist jedenfalls, dass umgesetzte B2B-Preismodelle noch sehr selten anzutreffen sind (wie z. B. bei BBVA, siehe als Beispiel im letzten Abschnitt). Immerhin steht API-Pricing bei Banken als strategisches Thema zunehmend auf den Management-Agenden. Folgende Fragen können helfen, eine Standortbestimmung vorzunehmen: Z Welcher Gewinnanteil wird heute aus kundenseitiger vs. drittanbieterseitiger Monetarisierung erzielt? Welche Erwartungen stehen für die Zukunft im Raum? 54 07 // 2018

DIGITALISIERUNG Z Steht Wachstum mit Neukunden oder Monetarisierung des Kundenbestands im Fokus der B2C-Monetarisierungsstrategie? Z Welchen Wert bietet mein Kundenstamm möglichen Drittanbietern auf einer Plattform? Wie soll die Plattform im Hinblick auf diese Frage gestaltet werden? Z Was ist unsere Preisstrategie zur Monetarisierung von Drittanbietern? Seit Mai 2018 kommt eine weitere Komponente hinzu. Möchte ein Unternehmen die Daten eines Kunden monetarisieren, so muss dies DSGVO-konform geschehen. Dem Kunden wird durch die damit verbundene aktive Zustimmung auch zunehmend bewusst, dass seine Daten zu kommerziellen Zwecken genutzt werden. Es bedarf also auch einer Strategie, wie das Vertrauen des Kunden zur Datenfreigabe gewonnen werden kann, um die Monetarisierbarkeit trotz großer Netzwerkeffekte nicht zu gefährden. Digitale Preismodelle Im Rahmen der Plattformen und darüber hinaus sind auch neue (innovative) Preismodelle für zweiteilige Märkte entstanden. Jeder, der schon einmal versucht hat, in New York bei einsetzendem Regen ein Taxi zu 07 // 2018 55

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