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die bank 07 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT diebank: Wie viel Vermögen muss ein Kunde heute mitbringen, damit ihn das Bankhaus Herzogpark persönlich betreut? Krieglmeier: In einer Vermögensverwaltung mit ETFs geht das ab 250.000 €. diebank: Wie würden Sie die Eckpunkte Ihrer Anlagephilosophie beschreiben? Krieglmeier: Wir stützen unsere Anlageentscheidungen auf vier Megatrends, die sicher auch noch in den kommenden zehn Jahren aktuell sind. Erstens wird die Weltbevölkerung deutlich wachsen. Davon profitieren vor allem die Ernährungs- und die Baubranche. Zweitens ist der Gesundheitssektor interessant, da die Bevölkerung in vielen Ländern überaltert. Drittens spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle und damit Firmen, die erfolgreiche Produkte und Lösungen anbieten. Und viertens halten wir die Bereiche Logistik und Transport für vielversprechend, weil die zahlreichen im Internet bestellten Waren zum Kunden gelangen müssen. diebank: In Ihrer Öffentlichkeitsarbeit sind Sie wie die meisten kleinen Privatbanken ohnehin eher zurückhaltend. Auf der Homepage wurden in der Rubrik Aktuelles zuletzt 2016 Texte veröffentlicht. Auch die jüngsten Blog-Einträge stammen aus dieser Zeit. Krieglmeier: 2017 hatten wir ein Luxusproblem. Nach 43 neuen Kunden im Jahr 2016 kamen im vergangenen Jahr weitere 59 hinzu. Außerdem haben uns die regulatorischen Anforderungen mit Blick auf MiFID II viel stärker in Beschlag genommen, als wir zunächst gedacht hatten. Da fehlte einfach die Zeit für regelmäßige Veröffentlichungen. Und ja, es stimmt, dass wir uns zurückhalten. Wir haben keinen Pressesprecher und geben zwischen zwei und drei Interviews pro Jahr. Mehr nicht. diebank: Das Bankhaus ist auch bei Twitter und Facebook präsent. Welche Rolle spielen die Sozialen Medien für die Gewinnung von Kunden bei einer Privatbank? Krieglmeier: Für unsere heutigen Kunden bräuchten wir die Sozialen Medien nicht. Wenn wir aber im Rahmen unserer Digitalstrategie auch weniger vermögende Kunden ansprechen wollen, sind diese Kanäle wichtig, um unsere Dienstleistungen zu kommunizieren. Deshalb bauen wir, unterstützt durch einen professionellen Anbieter, eine Fangemeinde auf, die wir dann gezielt und kostenlos erreichen, ohne bei Google Anzeigen schalten zu müssen. diebank: Laut Elite-Report galten 2017 gerade mal zwölf Prozent der untersuchten 352 Vermögensverwalter als empfehlenswert. Im Jahr zuvor waren es auch nur 13 Prozent. Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine erfolgreiche Vermögensverwaltung aus? Krieglmeier: Sie brauchen ein exzellentes, gut funktionierendes Team, in dem sich die Mitarbeiter ergänzen und an einem Strang ziehen. Der Kunde muss den Investitionsprozess verstehen und nachvollziehen können. Und schließlich brauchen sie ein dicht geknüpftes Netzwerk. Sie müssen viele vermögende Leute kennen. Und die legen vor allem Wert auf zweierlei: eine kontinuierliche Betreuung durch denselben Mitarbeiter und einen Zuwachs ihres Vermögens. diebank: .... ein Zuwachs, der möglichst nicht durch zu hohe Gebühren geschmälert wird. Wie schaffen Sie es, schlank und effizient zu arbeiten? Krieglmeier: Man darf nicht eitel sein und alles selber machen wollen. IT, Wertpapierabwicklung, Zahlungsverkehr, Revision, Datenschutz und Geldwäscheprävention haben wir an externe Dienstleister ausgelagert. Wir verzichten zudem auf teure Dienstwagen und exklusive Events. Unsere Kunden wollen auch nicht in Nobelrestaurants oder zu Golfturnieren eingeladen werden. Sie bevorzugen schlanke Prozesse. So behalten wir die Kosten im Griff. Davon profitieren auch die Kunden. diebank: Ein stetes Ärgernis sind für Bankkunden die oftmals intransparenten Gebühren. Wie rechnet das Bankhaus Herzogpark ab? Krieglmeier: Wir sind unabhängig von Provisionszahlungen, da wir ausschließlich eine All-in-Fee berechnen, die von der Höhe 24 07 // 2018

MANAGEMENT Bankhaus Herzogpark AG des verwalteten Vermögens, den Anlageklassen, der Anlagestrategie und dem damit verbundenen Aufwand abhängt. Der Kunde kann also genau nachvollziehen, mit welchem Honorar er rechnen muss. Am Gewinn sind wir nicht beteiligt. Steigt das Vermögen, verdienen wir über das Honorar mit. diebank: Haben sich der Informationsbedarf und das Informationsniveau der Kunden als Folge der Finanzkrise verändert? Krieglmeier: Ganz klar, ja. Der Kunde will verstehen, was er im Depot hat. Komplizierte Hedgefonds fragt keiner mehr nach. Auch nicht geschlossene Fonds, die einen langfristig binden. Der Kunde ist viel kritischer geworden und schaut genauer auf die Gebühren. diebank: Das Bankhaus Herzogpark liegt in Bogenhausen, einer der exklusivsten Wohngegenden in München. Warum haben Sie sich für diesen Namen entschieden? Krieglmeier: Wir wollten auf jeden Fall Anglizismen und Worte wie Investment vermeiden, die durch die Finanzkrise sehr negativ belegt waren. Ein Mitarbeiter schlug schließlich den Namen vor, weil wir am Herzogpark sitzen. Das klingt bodenständig und passt zu uns. Immerhin kommen rund 90 Prozent unserer Kunden aus Bayern. Der Name hat mir auch gefallen, weil ich zu Beginn meiner Karriere in der Filiale Herzogpark der Hypobank gearbeitet habe. Ich kannte viele Kunden in der Nachbarschaft, die immer noch dort leben. ebank: Viele Privatbanken setzen bei der Einrichtung auf ein sehr exklusives Ambiente. Wie muss man sich das Bankhaus Herzogpark vorstellen? Krieglmeier: Wir sitzen in einem Bürohaus im neoklassizistischen Baustil. Eine Bank vermutet hier niemand, wenngleich wir natürlich am Eingang ein Firmenschild montiert haben. Das Besprechungszimmer sieht eher aus wie ein Wohnzimmer. Hier können wir in einer freundschaftlichen Atmosphäre die Kunden empfangen, die im Übrigen auch gar nicht gern gesehen werden möchten. diebank: Allzu viel Platz brauchen Sie ja auch nicht. Sie beschäftigen aktuell 29 Mitarbeiter und zählen damit zu den kleinen Privatbanken in Deutschland. Noch kommt das Gros der aktuell 420 Kunden aus der Region. Ist eine Expansion denkbar? Krieglmeier: In der Regel bekommen wir neue Mandate, weil uns unsere Kunden weiterempfehlen. Wenn die in anderen Bundesländern sitzen, sind sie natürlich auch willkommen. Sollten genügend Kunden in einer bestimmten Region ansässig sein, wäre ein neuer Standort denkbar. Aber nur dann. Die erhöhten Fixkosten muss schließlich der Anleger bezahlen. Grundsätzlich gilt: Wir folgen den Kunden. Mit dieser Strategie haben wir vom ersten Jahr an Gewinn gemacht. diebank: ...was einigen Ihrer Konkurrenten in Deutschland nicht gelungen ist... Krieglmeier: Ich kenne zum Beispiel keine Schweizer Bank, die mit ihrem aggressiven Expansionskurs hierzulande Geld gemacht hat. Vor vier Jahren hat sich Crédit Suisse zurückgezogen. Vergangenes Jahr folgte das Bankhaus Sarrazin. diebank: Wie würden Sie die Unternehmenskultur des Bankhauses beschreiben? Krieglmeier: Sehr familiär. Mitarbeiter genießen bei uns einen hohen Vertrauensvorschuss und eine sehr große Flexibilität. Viele Angestellte kenne ich schon aus meiner Zeit bei der Hypobank. Auch meine Familie arbeitet mit. Meine Frau schreibt die Rechnungen, meine Schwägerin kümmert sich um das Personal und meine Kinder machen in den Semesterferien den Empfang. diebank: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie am 9. September 2019 Ihr zehnjähriges Firmenjubiläum feiern werden? Krieglmeier: Nein, aber gefeiert wird auf jeden Fall. diebank: Herr Krieglmeier, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Eli Hamacher. 07 // 2018 25

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