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die bank 07 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT TERMINMARKTINSTRUMENTE Binaries: Wette oder Option? Mit Binaries können Marktteilnehmer von Wertänderungen ausgewählter Kapitalanlagen profitieren. Angeboten werden diese Wetten von spezialisierten, zumeist englischen, Buchmachern oder Wettbrokern im Internet. Sie finden nicht auf standardisierten Märkten, sondern individuell in den Systemen des Anbieters statt. Als Basistitel dienen Aktienindizes, einzelne Aktien, Währungen sowie Rohstoffe und Waren (Commodities). Marktteilnehmer können mit Binaries (bzw. binären Wetten) darauf setzen, ob der Kurs der Basis in einem vorgegebenen Zeitraum steigt oder fällt. Das Ausmaß der Kursänderung ist dabei nicht relevant, nur die Richtung der Änderung. Die Laufzeit der Wette kann zehn Sekunden, zehn Minuten, eine Stunde, ein Tag und bis zu 365 Tage betragen. Generell unterscheidet man zwischen folgenden Erscheinungsformen von Binaries: Z Up/Down: die häufigst eingegangene Wette. Ein Marktteilnehmer entscheidet hier, ob der Marktpreis der Basis am Ende des Wetthorizonts über oder unter dem aktuellen Marktpreis liegt. Diese Erscheinungsform wird auch Rise-/Fall-Binary genannt. Z Higher/Lower: Hier wetten Marktteilnehmer auf die Höhe der positiven oder negativen Abweichung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder den Beginn der Wette. Z Touch/No-Touch: Hier wetten Marktteilnehmer, ob ein bestimmter Wert der Basis im Zeitablauf durch Kursveränderungen des Indexes tangiert wird. Z In/Out: Bei dieser Wette ist die Frage, ob der Marktpreis des Indexes in T in einem bestimmten Intervall liegt oder nicht. Z Ladder: Der Abrechnungskurs liegt bei oder über einem bestimmten Binary- Strike-Kurs. Beispiele für Floating Binaries Die Wahrscheinlichkeit für eine Veränderung des Basistitels liegt zwischen 0 und 100, woraus sich die Angebotspanne des Brokers ergibt. Ist die Wahrscheinlichkeit einer Änderung hoch, so tendieren auch die Werte der Spanne gegen 100, die Preise der Spanne steigen. Umgekehrt ist es bei einer niedrigen Wahrscheinlichkeit. Binaries lassen sich mit folgendem Beispiel illustrieren: Ein Ereignis, auf das gewettet werden kann, sei hier der Stand des FTSE in t. Gewettet wird, ob der Stand am Handelsende in T mindestens 10 Punkte höher liegt als zu Beginn der Wette. Der Preis für diese Wette ist 80 zu 82. Der Broker bewertet die Wahrscheinlichkeit, dass das gewettete Ereignis eintritt, demnach mit 81 Prozent. Es können Wetten für oder gegen das gewettete Ereignis eingegangen werden, also Wetten gekauft oder verkauft werden. Der Umfang der Wette soll hier beispielhaft 10 Punkte oder Geldeinheiten betragen. Die Berechnung der Gewinne oder Verluste am Ende der Wette ist leicht zu realisieren. Wurde eine Wette gekauft, dann ist vom Schlusskurs ST der Wette der Einstandskurs St zu subtrahieren und mit Wettumfang V zu multiplizieren, (ST – St) * V. Dabei ist ST 100 oder 0, abhängig vom Ergebnis der Wette in T. Wurde die Wette verkauft, dann ist vom Einstandskurs St der Schlusskurs ST zu subtrahieren und mit dem Wettumfang V zu multiplizieren, (St – ST) * V. Wieder ist ST 100 oder 0, abhängig vom Ergebnis der Wette in T. Aus diesem Beispiel ergibt sich: Die Wette wurde zu 82 gekauft und hat ein positives Ergebnis in T durch den gestiegenen Aktienindex, somit ist (100 - 82) * 10 = 180 Punkte oder Geldeinheiten, ein Gewinn wurde realisiert. Hat die Wette ein negatives Ergebnis in T durch einen fallenden Aktienindex, dann ist (0 – 82) * 10 = -820 Punkte oder Geldeinheiten, damit wurde ein Verlust realisiert. Wurde die Wette hingegen zu 80 verkauft und steigt der Aktienindex, dann ist (80 - 100) * 10 = -200 Punkte oder Geldeinheiten – ein Verlust wurde realisiert. Wurde die Wette verkauft und der Aktienindex fällt, dann ist (80 – 0) * 10 = 800 Punkte oder Geldeinheiten, und ein Gewinn wurde erzielt. Die dargestellten Beispiele sind Floating Binaries, bei denen der Preis des Binary zwischen t und T veränderlich ist, der Ausübungspreis jedoch konstant bleibt. Im obigen Beispiel ist der konstante Ausübungspreis der FTSE in t=0 + 10 Punkte. Veränderlich ist im Zeitablauf nur der Preis des Binary, abhängig vom Kursverlauf des Aktienindex. Bei einem Fixed Binary ist hingegen der Preis des Binary fixiert, der Ausübungspreis schwankt jedoch im Zeitverlauf zwischen t und T. Im obigen Beispiel ist der Preis für das Binary immer 80 bis 82, der Ausübungspreis hingegen steigt oder fällt proportional in Abhängigkeit vom Kursverlauf des Index. Bei einem Floating Binary können Marktteilnehmer im Gegensatz zum Fixed Binary ihre Position vor Ablauf der Wette schließen. Sie müssen dazu eine Gegenposition im gleichen Umfang eingehen. Hat ein Marktteilnehmer im obigen Beispiel zu 82 Geldeinheiten die Wette gekauft, dann kann er sie beispielsweise bei positivem Verlauf zu 90 Geldeinheiten verkaufen und so (90 – 82) * 10 = 80 Geldeinheiten Gewinn erzielen. Bei einem negativen Verlauf kann er die Wette auch verkaufen und beispielsweise zu einem Preis von 70 Geldeinheiten den Verlust begrenzen mit (70 – 82) * 10 = -120 Geldeinheiten. Möglich ist auch eine teilweise Schließung der Position, indem nur eine anteilige Gegenposition eingenom- 20 07 // 2018

MARKT 1 | Vergleich Binaries mit Optionen und Futures Binaries/Wette Optionen Futures/Terminkontrakte Vorteil Broker Spread Optionspreis Futuresatz Kalkulation Vorteil Broker 1/2 Spread Optionspreistheorie Futuresatzberechnung, law of one price Bestimmungsdeterminante Vorteil Broker Einschätzung Wahrscheinlichkeit Kursveränderungen Volatilität; Zinssatz Zinssatz Märkte, Handelsplattform Außerbörsliche Systeme der Broker, teilweise standardisiert im OTC-Handel i. d. R. standardisiert, börslich organisiert i. d. R. standardisiert, börslich organisiert Aufsicht FSA oder FCA in England, EZB, BaFin in Deutschland BaFin in Deutschland, HÜST Deutsche Börse Group, Börsenaufsichtsbehörde, EZB BaFin in Deutschland, HÜST Deutsche Börse Group, Börsenaufsichtsbehörde, EZB Hedge-Möglichkeit Ja/Nein Ja Ja Positionen vorzeitig zu schließen Ja, bei Floating Binaries Ja, sonst Gegenposition Ja, sonst Gegenposition Laufend Kurse gestellt Ja, im System der Broker Ja, während des börslichen Handels Ja, während des börslichen Handels Transaktionskosten Nein, nur Bid-Offer-Spread Ja Ja Maximaler Gewinn oder Verlust ist in t bekannt Ja Ja, bei gekauften Optionen, Nein, bei verkauften Optionen Nein, Verlust abhängig von Basis mit möglichen Kursen von Null bis unendlich Gewinn ist steuerpflichtig Ja/Nein Ja Ja men wird, im obigen Beispiel ein Volumen von fünf statt zehn Geldeinheiten. Besonderheiten Binaries – Unterschiede zu Optionen und Futures Binaries wetten nur auf den positiven oder negativen Verlauf des Basiswerts, nicht auf das Ausmaß der Veränderung. Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zu Optionen und Futures. Positionen in Binaries sind schnell einzunehmen, direkt zwischen Broker und Käufer oder Verkäufer der Wette. Das Fehlen von Intermediären wird als vorteilhaft angesehen. Dem Käufer oder Verkäufer der Wette ist in t schon der mögliche maximale Gewinn der Wette in T bekannt. Der Betrag kann nicht über 100 * Wettbetrag steigen oder fallen. Binaries sind daher indirekt als Hedge-Instrument für Positionen in Basistiteln geeignet. Binaries benötigen keine Bewertungstheorien, nur eine Schätzung zur Wahrscheinlichkeit der Kursveränderung während des Zeithorizonts. Es werden auch keine externen Determinanten benötigt wie Volatilität oder Zinssatz. Die Darstellung ÿ 1 gibt eine Übersicht der Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Binaries zu Optionen und Futures. Sie stellt die wesentlichen Eigenschaften dar, für eine detailliertere Analyse wäre sie zu erweitern. Für mobiles Wetten stellen Broker eine Trading-App zur Verfügung, um einem weiten Kreis von Marktteilnehmern den Zugang zu Binaries zu ermöglichen. Dieser Umstand ist an deutschen Terminbörsen derzeit nur über spezielle Online-Banken oder FinTechs denkbar. FAZIT Binaries werden verbreitet nur als Wetten oder Spielerei angesehen. Dies umso mehr, weil Binaries von unterschiedlichen, internationalen Brokern im Netz und auf Messen für Glückspiel wie der ICE Totally Gaming in London angeboten werden. Dieser Umstand ist bedenklich, da er traditionell weit verbreitete Wetten und die unverzichtbaren Finanzinstrumente Optionen und Futures gemeinsam diskreditiert. Binaries werden von zahlreichen Marktteilnehmern genutzt. Sie stellen Liquidität zur Verfügung, die mittelbar auch auf Märkte für Optionen und Futures gelangen kann. So sollte auch hier die Devise „Any tool or product that adds flexibility to the financial markets is welcome.“ gelten, sinngemäß: „Willkommen ist alles, was die Finanzmärkte flexibler macht!“ Autor Dr. Ralf Hohmann war als Berater für Financial Management in Frankfurt tätig und arbeitet heute im familieneigenen Unternehmen in Hamburg. Er ist weiter als Berater tätig, Inhaber der Dr. Hohmann Grundstücksverwaltung und veröffentlicht Arbeiten zu Fragen der Finanz- und Bankenbranche. 07 // 2018 21

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