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die bank 07 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 | Anzahl

MARKT 1 | Anzahl Kreditinstitute nach Finanzplätzen – nur Stadtgebiet (2018) 300 278 250 200 150 100 50 105 101 94 83 73 53 43 0 Frankfurt München Hamburg Berlin Düsseldorf Stuttgart Köln Hannover im Zuschlag für den De:Hub InsurTech zum Ausdruck kam. Auch in München bildet sich ein größeres FinTech- und InsurTech-Ökosystem heraus, wenngleich die klassischen Finanzdienstleistungen eine ungleich größere standortpolitische Bedeutung haben. In München standen die BayernLB und die HRE in der Finanzkrise zwar im Feuer, dennoch überlebte die Bayerische Landesbank – anders als die Düsseldorfer WestLB – die Finanzkrise. Auch die Deutsche Pfandbriefbank als Nachfolgeinstitut der HRE ist heute wieder ein wichtiger Akteur am Bankenstandort München. Die bayerische Landeshauptstadt hat sich inzwischen nach Bilanzsumme zum zweitgrößten Bankenstandort in Deutschland entwickelt und verfügt mit der State Street International Bank und im Versicherungsgewerbe mit der Allianz und der Munich Re über international tätige Finanzschwergewichte. ÿ 1 Und in anderen Städten? Stuttgarts starke Stellung als Finanzplatz fußt vor allem darauf, dass die LBBW als größte deutsche Landesbank und die Börse Stuttgart dort ihren Sitz haben. Hamburg hat zuletzt durch seine überraschend gute Platzierung im internationalen Finanzplatzranking der Z/Yen Gruppe Aufmerksamkeit erregt. Mit knapp 100 Kreditinstituten und etwa 18.000 Beschäftigten im Kreditgewerbe ist Hamburg der drittgrößte Bankenstandort in Deutschland, wenngleich die HSH-Nordbank durch den Verkauf vorläufig auf Schrumpfkurs ist, was die Mitarbeiterzahl angeht. Das FinTech-Ökosystem in Hamburg entwickelt sich weitestgehend unter dem Radar, wenngleich die Stadt für Herbst 2018 mit finhaven einen eigenen FinTech-Hub plant. Mit großen Playern, wie Kreditech, Deposit Solutions oder Finanzcheck gehört Hamburg in jedem Fall zu den großen FinTech-Standorten in Deutschland. Die Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung der hiesigen Finanzplatzakteure durch den Finanzplatz Hamburg e.V. als regionale Finanzplatzinitiative stärkt außerdem die Wahrnehmung Hamburgs als Finanzplatz und FinTech-Standort. Hannover behauptet sich als Finanzplatz dadurch, dass große Versicherungen wie die Talanx und die VGH Versicherung dort ihren Sitz haben. Zudem profitiert der Finanzplatz von der NORD/LB als einem der größten Finanzplatzakteure. Während die Eigentümer der HSH-Nordbank gezeigt haben, dass die Privatisierung einer Landesbank grundsätzlich möglich ist, ist die Zukunft der NORD/ LB noch unklar. Im Bereich FinTechs gilt sie allerdings als Primus unter den Landesbanken, wenngleich andere Landesbanken wie die Helaba nachziehen. Die Helaba ist etwa Partner des Tech-Quartiers und beteiligt sich am Capnamic Ventures Fonds II der unter anderem in FinTechs investiert. Zuletzt hat die Helaba eine Tochtergesellschaft gegründet, mit der sie sich an FinTechs, PropTechs und RegTechs beteiligen will, um das Geschäftsmodell der Landesbank zu ergänzen. Beispiele für FinTech-Ökosysteme Im Vergleich zu anderen Finanzplätzen haben in Berlin mehr Kreditinstitute eine Niederlassung oder ihren Hauptsitz, als mancher glauben mag. Neben der wirtschaftlichen Relevanz spielt Berlin als politisches Machtzentrum eine Rolle dabei, dass Banken dort verstärkt vertreten sind. So liegt die Hauptstadt mit 94 Kreditinstituten noch vor Düsseldorf. Die mit Abstand größten Institute sind die DKB, die Berliner Sparkasse und die Berlin Hyp. Als FinTech-Hauptstadt hat sich Berlin in den letzten Jahren durch eine besonders dynamische Entwicklung etabliert. Durch den Verlust von Industriearbeitsplätzen und Entscheidungs- und Steuerungszentralen großer Unternehmen nach der Wiedervereinigung konzentrierte sich die Berliner Politik auf innovative Wirtschaftssegmente. Dadurch konnte sich eine kreative, innovative Start-up- Szene schneller herausbilden als an anderen deutschen Finanzplätzen. Das zog im hohen Maß kreative und junge Menschen an. Die Entwicklung des Berliner Startupund FinTech-Ökosystems weist inzwischen selbstverstärkende Effekte auf, die auf eine Pfadabhängigkeit schließen lassen. Wichtige Faktoren stellen die Internationalität und Attraktivität der Stadt dar sowie der Zugang zu einem breitgefächerten, gut ausgebildeten und international erfahrenen Talentpool. FinTechs in Berlin profitieren von dem existierenden Start-up-Umfeld und von Mitarbeitern, die bereits Erfahrung im Aufbau von Start-ups gesammelt haben. Das Vor- 18 07 // 2018

MARKT 2 | Anzahl FinTechs nach Finanzplätzen – nur Stadtgebiet (2017) 160 140 145 120 100 80 76 74 70 60 40 20 12 9 21 6 0 Frankfurt München Hamburg Berlin Düsseldorf Stuttgart Köln Hannover handensein zahlreicher qualifizierter Fachkräfte geht unter anderem darauf zurück, dass besonders technik- und digital-affine Ausbildungsgänge an unterschiedlichen Hochschulen und Universitäten in Berlin entstanden sind. Außerdem zeigte bereits das Beispiel des Internet-Start-up-Sektors, dass besonders junge, hochqualifizierte und kreative Menschen von städtischen Einrichtungen wie Theatern, Bars, Restaurants oder Clubs angezogen werden. Lebensqualität und Kulturangebote sind also ein weiteres wichtiges Element für Start-up-Ökosysteme. Zudem spielen für die Finanzbranche Face-to-Face-Kontakte und räumliche Nähe eine wesentliche Rolle. Auch für FinTechs sind solche Netzwerkveranstaltungen, Events, Meet-ups und Stammtische, aber auch informelle Gespräche von großer Bedeutung. Gerade in den verschiedenen Co-Working-Spaces und FinTech- Hubs, die in den letzten Jahren in Frankfurt zum Beispiel im Tech-Quartier und im Beehive entstanden sind, aber auch im jüngst eröffneten H:32 in Berlin, in dem unter anderem FinLeap untergebracht ist, ist der Wissensaustausch möglich. Die Nähe zu den Investoren und die Anzahl der Venture-Capital-Geber in Berlin ist ein zentraler Faktor für die FinTechs in der Stadt. Das Berliner FinTech-Ökosystem hat sich mit überregional bekannten Unternehmen etabliert, wie die Beispiele N26 und Solarisbank zeigen, die zu ernstzunehmenden Marktteilnehmern heranwachsen. Der weitere Erfolg ist aber vom Wachstum erfolgversprechender FinTechs abhängig, die sich auch langfristig als Finanzplatzakteure etablieren. Das FinTech-Ökosystem der Stadt Frankfurt ist im Vergleich zu Berlin wesentlich übersichtlicher, was die Anzahl der Akteure angeht. Allerdings ist Frankfurt inzwischen auch auf der FinTech-Weltkarte verortet, wie der aktuelle Global Start-up Ecosystem Report 2018 belegt. Auch die Tatsache, dass die Silicon Valley Bank sich in der Mainmetropole niederlässt, stärkt nicht nur das FinTech- Ökosystem Frankfurt, sondern den gesamten Risikokapitalmarkt in Deutschland. ÿ 2 In Frankfurt haben sich zudem viele Corporate Ventures herausgebildet, wie der Main Incubator, der Unibator der Goethe-Universität und der Accelerator Frankfurt, die Fin- Techs Know-how und Ressourcen durch firmeneigene Programme zur Verfügung stellen. Insgesamt verfügt Frankfurt über eine relativ hohe Anzahl von FinTechs im B2B-Segment. Für die FinTech-Branche ergibt sich daraus eine natürliche Nähe zu Banken, die oft in Partnerschaften mündet, wie das Beispiel der Commerzbank zeigt. Dass sich das FinTech- Ökosystem in Frankfurt verzögert entwickelte, wird unter anderem auch damit erklärt, dass in Frankfurt zahlreiche alternative und gut bezahlte Jobs, vor allem bei Banken und Finanzdienstleistern vorhanden sind. Ein wesentlicher Standortvorteil Frankfurts ist auch die sehr gut ausgebaute physische Infrastruktur. Die Stadt verfügt zudem mit der Deutschen Commercial Internet Exchange (DE-CIX) über den größten Internetknoten der Welt, was ein ausgesprochener Standortvorteil für Unternehmen und Startups im Bereich Finanz- und Big-Data-Technologien sein kann. FAZIT Nach der Finanzkrise erholten sich die deutschen Finanzplätze unterschiedlich. Wenngleich Düsseldorf hart getroffen wurde, belegt die Anzahl der dort aktiven Kreditinstitute die Attraktivität des Finanzplatzes. Weitaus besser performen aber die Finanzplätze Frankfurt, Berlin, Hamburg und München. Während Berlin sich vor allem durch FinTechs profiliert, entwickelte München sich sowohl für Banken, Versicherungen als auch für FinTechs zu einem bedeutenden Finanzplatz in Deutschland. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die deutschen FinTechs inzwischen an allen Finanzstandorten auf dem Weg zu gleichberechtigten Finanzplatzakteuren befinden und damit das Erscheinungsbild von Finanzplätzen nachhaltig verändern. Autor Tobias R. Finke ist MSc. Geographie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsund Finanzgeographie und als Mitarbeiter in der Konzernentwicklung bei der Deutschen Apothekerund Ärztebank eG in Düsseldorf tätig. 07 // 2018 19

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