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die bank 07 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG LIQUIDITY

REGULIERUNG LIQUIDITY COVERAGE RATIO (LCR) Der Preis der Liquidität Die neuen Baseler Liquiditätsstandards zwingen Banken dazu, wesentlich mehr und sehr viel hochwertigere, liquide Anlagen vorzuhalten als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig wird es in der vorherrschenden Zinslandschaft immer schwerer zu verhindern, dass mit „High Quality Liquid Assets“ (HQLA-Assets), die höchsten Bonitäts- und Liquiditätsansprüchen genügen, nur eine sehr niedrige oder gar eine negative Rendite erzielt wird. Die europäischen Banken machen Fortschritte bei der Erfüllung der Liquiditätsquote (LCR), die ihnen Basel III vorschreibt. Ab 2019 muss die LCR zu 100 Prozent erreicht werden, bis dahin gelten im Übergang stufenweise Quoten von 60 (im Jahr 2015) bis 90 Prozent (im Jahr 2018). Doch bereits in ihrem jüngsten Bericht, der die Liquiditätsquote zum 30. Juni 2016 darlegt, bescheinigt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den 100 großen und international tätigen Banken, die von ihr als „Gruppe 1“ beobachtet werden, im Schnitt eine Quote von 126 Prozent. Bei den Banken, die noch unterhalb ihrer Ziele für 2019 liegen, summiert sich die Lücke auf 26,5 Mrd. €. Im Vergleich zum Halbjahr 2015 hat sich der zusätzliche Kapitalbedarf damit mehr als halbiert (2015: 55,5 Mrd. €). Auch die sieben zur Gruppe 1 gehörenden großen Häuser in Deutschland erfüllen im Mittel bereits heute ihre LCR zu 115,8 Prozent; die Bundesbank weist in ihrem „Basel III Monitoring“ vom Februar 2017 einen zusätzlichen Kapitalbedarf von lediglich 1,3 Mrd. € aus. Treasurer von Banken sind damit in einer Zwickmühle: Einerseits können sie zufrieden sein, dass sie es schon während der Übergangsfrist geschafft haben, genug hochliquide Aktiva (HQLA-Assets) vorzuhalten, um die in einem 30-tägigen Stressszenario zu erwartenden Nettozahlungsmittelabflüsse abzudecken. Andererseits stellt sich die Frage, was sie mit den kurzfristig liquidierbaren Mitteln machen sollen, wenn gleichzeitig die EZB-Einlagen mit Negativzins belegt werden, und erstklassige Staatsanleihen wie die Schuldtitel der Bundesrepublik Deutschland erst ab einer Laufzeit ab acht Jahren positive Renditen abwerfen. Hinzu kommt, dass die Definition, was überhaupt ein LCR-fähiges Asset ist, hochkomplex ist. Eine eigene Verordnung legt fest, nach welchen Regeln für Bonität und Liquidität die Papiere der Quote zugerechnet werden dürfen – und das sind nicht unbedingt die Vorgaben der Ratingagenturen. So erfahren griechische und portugiesische Staatsanleihen beispielsweise keinen Abschlag auf die Anrechnung als HQLA, obwohl sie von den Ratingagenturen schlechter als manche Unternehmensanleihen bewertet sind. Alle Risikoprämien ausschöpfen Die Herausforderung für den Treasurer besteht also darin, Portfolios zusammenzustellen, die trotz höchster Bonitäts- und Liquiditätsansprüche die Bank nicht belasten, sondern im Gegenteil auch noch Ertrag erwirtschaften. Die Lösung liegt in der optimalen Ausschöpfung aller den Anleihen innewohnenden Risikoprämien; dabei helfen quantitative Methoden, das Risiko zu begrenzen. Die Prämie für die Übernahme des Kreditrisikos muss definitionsgemäß bei „sicheren“ Schuldnern gering ausfallen. Gleichwohl erlaubt eine Allokation nach dem Risikobeitrag des jeweiligen Schuldners anstatt – wie es herkömmliche Indizes tun – nach dem ausstehenden Schuldenvolumen eine Verbesserung des Risiko-/Ertragsprofils eines HQLA-Portfolios. Risikobasiertes Investieren, eine Methode ähnlich dem „Risk Parity“-Ansatz, bietet hier eine Lösung. Vorher festgelegte Risikobudgets setzen den Rahmen für eine Verteilung, die in Schuldner mit hoher Volatilität und hoher Korrelation weniger investiert als in Schuldner mit geringer Volatilität und Korrelation zum Markt. Diese Allokation wird dynamisch je nach Veränderung der Marktbedingungen angepasst und erlaubt so eine Erweiterung des Investmentspektrums auf ertragreichere Schuldner, weil deren Volatilität und Sensibilität auf allgemeine Marktveränderungen streng gemanagt werden. Auch beim Ausschöpfen der Prämie für das Liquiditätsrisiko gibt es im Rahmen eines Portfolios, das eben gerade Liquidität sicherstellen soll, naturgemäß wenig Spielraum. Umso wichtiger sind hier ausgefeilte Methoden, um die Transparenz über die Liquidität von Anleihen zu verbessern. Schließlich werden Bonds hauptsächlich „Over the counter“ (OTC) gehandelt, und mangels eines zentralen Clearings gibt es keine veröffentlichten Zahlen. Wer das Risiko eingeht, dass es in Stresssituationen möglicherweise keinen Markt gibt, kann etwa die Prämie von 25 Basispunkten nutzen, die 10-jährige Anleihen der KfW gegenüber der Bundesanleihe in den letzten drei Jahren gebracht haben. Um dieses Risiko besser einschätzen zu können, hat Lyxor zusammen mit Euroclear, mit einem Gesamtwert der abgewickelten Wertpapiergeschäfte in Höhe von 675 Bio. € pro Jahr der führende Anbieter von Post-Trading-Services, ein eigenes Tool entwickelt: „E-Data-Liquidity“ nutzt echte Nachhandelsdaten aus Transaktionen, die über Euroclear abgewickelt werden. Indikatoren wie das durchschnittliche Transaktionsvolumen je Zeitabschnitt oder die durchschnittliche Größe je Ticket können jeder Wertpapierkennnummer zugeordnet werden und unterstützen die Investitionsentscheidung. 54 07 // 2017

REGULIERUNG Das aktive Management der Wertpapierleihe (Repo Transactions) stellt eine dritte Risikoprämie dar. Hat die Bank A überschüssige HQLA-Assets kann sie durch das zeitweise Verleihen an eine andere Bank B, die gerade ein Defizit an HQLA aufweist, eine Prämie vereinnahmen. Um eine solche Transaktion zu besichern, wird Bank B Wertpapiere (z. B. Aktien) als Pfand abtreten, wobei der Ausfall der Bank B sowie der Wertverlust des Pfands ein Risiko darstellen. Die Bewertung des Ausfallrisikos und die Qualität der Besicherung sind dabei entscheidend. Hierzu liegt ein Modell vor, das z. B. die Korrelation zwischen Ausfallrisiko und der Besicherung analysiert. Darüber hinaus helfen elektronische Plattformen wie „Elixium“ beim Finden einer geeigneten Gegenpartei und bei der Festlegung der Bedingungen für die Transaktion. Die wichtigste Renditequelle von Anleihenportfolios ist üblicherweise das Durationsrisko. Doch gerade hier drohen angesichts der aktuell rekordniedrigen Zinsen allfällige Abwertungen, sollten die Zinsen wieder anziehen. So trauen sich viele Treasurer nicht, in längere Laufzeiten zu investieren und damit höhere Kupons zu erzielen. Eine Lösung ist die Absicherung des Zinsänderungsrisikos durch Swaps. Damit können Treasurer ihr Portfolio über das gesamte Laufzeitspektrum diversifizieren und höher verzinsliche Anleihen ins Portfolio nehmen, ohne das Zinsänderungsrisiko signifikant zu erhöhen. Zusätzlich verstärkt dieser Ansatz die Flexibilität des Treasurers bei der Umsetzung seiner Anlagestrategie (z. B. Momentumstrategien oder Mean-Reverting- Strategien), da durch Ausschluss des Zinsänderungsrisikos ein deutlich größeres Anleiheuniversum zur Verfügung steht. Mit dem aktiven Management der genannten Risikoprämien (Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko, Reporisiko, Zinsänderungsrisiko) ist es möglich, einen Ertrag von bis zu 50 Basispunkten über der passiven Benchmark EONIA zu erwirtschaften. Allerdings können kleinere Institute mit der Komplexität dieses Ansatzes überfordert sein; Asset Management gehört nicht immer zu ihren Kernkompetenzen. Und größere Häuser nehmen die Herausforderung zwar selber an, suchen aber auch nach einem Vergleichsmaßstab für die Leistung ihrer eigenen Treasuryabteilung. Aus diesen beiden Quellen speist sich die starke Nachfrage nach der Strategie von Lyxor. Innerhalb von nur drei Jahren konnte die Asset-Management-Tochter der Société Générale damit 10 Mrd. € einsammeln, sei es in Form von ausgelagerten Fondslösungen oder von Beratungsmandaten für bei den Kunden verbleibende Portfolios. FAZIT Die bessere Ausstattung von Banken mit Eigenkapital und Liquidität ist ein wichtiger Schritt zu einem stabileren Finanzsystem. Als mögliche Nebenwirkung droht jedoch deren Ertragskraft geschwächt zu werden: Einlagen bei der Zentralbank werden mit Negativzins bestraft, hochwertige ältere Anleihen im Bestand mit positiver Rendite laufen aus, und so laufen die nach Basel III vorzuhaltenden „High Quality Liquid Assets“ Gefahr, hohe zusätzliche Kosten zu verursachen. Eine intelligente Bewirtschaftung dieser Portfolios mit ausgefeilten quantitativen Methoden kann dies verhindern. Autor: Guillaume Lasserre ist Chief Investment Officer bei Lyxor Asset Management. 07 // 2017 55

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