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die bank 07 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT Inspiration

MANAGEMENT Inspiration dafür, dass man auch das komplexe Bankensystem mit der richtigen Strategie einfach lösen kann.“ Unterstützung bekommt er dabei von seinem Team, das rasch gewachsen ist. Zu den kleinsten Instituten in Deutschland zählt N26 deshalb längst nicht mehr. Auf drei Etagen mit 2.500 Quadratmetern haben sich mittlerweile mehr als 200 Mitarbeiter niedergelassen. Wie in der Berliner Start-up-Szene üblich, hockt auch hier mit 33 Nationalitäten ein äußerst internationales Team beieinander, darunter 20 Bankkaufleute, die bei der N26 Bank GmbH beschäftigt sind. Das Gros, unter ihnen vor allem BWL´er und IT´ler, entwickeln unter Führung von Stalf und Tayenthal neue Produkte, kümmern sich um Marketing und Vertrieb sowie die Technologie. Dicht an dicht sitzen sie in Großraumbüros an winzigen Schreibtischen. Nur die Gründer gönnen sich den Luxus von Einzelbüros, treten diese bei Abwesenheit oder Bedarf aber auch gern mal ab. Meetings finden in voll verglasten Besprechungszimmern statt. Mal ziert diese eine Nachbildung eines Stücks der Berliner Mauer, mal – wie in der Arlberg-Lounge – sorgt österreichisches Berghütten-Flair für Abwechslung. Und natürlich dürfen der bei Start-ups fast schon obligatorische Kicker und die Tischtennisplatte nicht fehlen. Den Quellcode ihrer N26-App hat die Bank auf den Teppichen verewigen lassen. Doch der ist längst nicht mehr aktuell. Zu oft müssen die Programmierer die Inhalte aktualisieren. Vom Banken- zum Kundenschreck Ganz so gradlinig wie Stalf den Aufstieg des Newcomers am deutschen Finanzmarkt beschreibt, ist dieser aber keinesfalls. Dass selbst kleine Banken für großen Wirbel sorgen können, zeigt sich bei N26 seit dem Sommer vergangenen Jahrs. Da wurde der „Bankenschreck“ zum Kundenschreck. Ohne Angabe von Gründen hatte das Institut 400 Karteninhabern gekündigt, weil diese zu oft Geld abgehoben hatten. „Zu oft“, das war laut Stalf zwischen 15- und 30 Mal pro Monat. Bei Kosten von zwei Euro pro Abhebung sei eine Belastung von 30 bis 60 € monatlich entstanden, was eindeutig zu hoch sei. Das sahen die Kunden anders. Deren Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Schnell machte der Vorfall im Netz die Runde. Stalf findet den Vorfall zwar immer noch „ein wenig zu drastisch dargestellt“. Schließlich würde auch die Konkurrenz unter bestimmten Bedingungen Kunden kündigen. Doch er räumt auch ein: „Wir haben den Vorgang damals nicht optimal gemanagt und daraus viel gelernt. Wir müssen unsere Konditionen transparent machen.“ Vertraglich ist seitdem geregelt, dass nur noch maximal fünfmal monatlich kostenlos Geld abgehoben werden kann. Kaum war der erste PR-Gau bewältigt, folgte der zweite. Nach Erhalt der eigenen Banklizenz musste N26 die Konten vom früheren Partner Wirecard Bank auf die eigene Bankplattform migrieren. Das war offenbar komplizierter als erwartet. Überweisungen scheiterten, die Zusendung von Bankkarten verzögerte sich, und der Kundensupport war hoffnungslos überfordert und überlastet. Als wäre das nicht genug, ging das Jahr PR-mäßig noch mies zu Ende. Beim 33. Chaos Communication Congress, dem Top-Event des Chaos Computer Clubs im Hamburger Congress Centrum, berichtete der IT-Sicherheitsforscher Vincent Haupert von gravierenden Sicherheitslücken in den Systemen von N26. Man habe nicht nur den Betrag und das Ziel von Überweisungen in Echtzeit manipulieren können, sondern auch komplette Konten vollständig übernehmen können, so der Experte. Haupert hatte über den Chaos Computer Club schon drei Monate im Vorfeld der Veranstaltung Kontakt zu N26 aufgenommen, die daraufhin laut Stalf die Sicherheitslücken geschlossen hatten. Auf die Bekanntmachung seiner Forschungsergebnisse verzichtete Haupert aber nicht, und der Vorfall machte die Runde im Netz. In seinem Beitrag kritisierte Haupert deutlich, dass N26 der IT-Sicherheit seiner Systeme eine zu geringe Bedeutung beigemessen habe. Zeitgleich gingen die Berliner in die Offensive, starteten ein sogenanntes Bug- Bounty-Programm. Damit lädt das Start-up Hacker-Talente aus der ganzen Welt ein, unter rechtlichen Rahmenbedingungen Sicherheitslücken aufzuspüren und an N26 zu melden. Trotz der Hiobsbotschaften gibt sich Gründer Stalf optimistisch. „In den nächsten Jahren wollen wir auf einige Millionen Kunden wachsen“, so das hochgesteckte, aber auch etwas vage Ziel. Allein im laufenden Jahr sollen 300.000 neue Nutzer für die App gewonnen werden. Das Gros kommt noch über Empfehlungen, Aktionen wie „Kunden werben Kunden“ sowie Werbung auf den Social- Media-Kanälen wie Facebook. Dabei soll es nicht bleiben. „Noch sind wir im deutschen Markt zu wenig bekannt“, gibt Stalf zu und denkt deshalb noch für dieses Jahr über Fernsehwerbung nach. Will Stalf sein Ziel erreichen, muss er nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern auch bestehende binden und das Geschäft mit ihnen ausbauen. Wer ein Konto in acht Minuten eröffnen kann und dafür keine Gebühren zahlt, probiert das vielleicht mal aus, ohne im Anschluss weitere Services in Anspruch zu nehmen, mit denen N26 Geld verdient. Wichtigste Einnahmequellen seien, so der Gründer, das im Oktober 2016 gestartete Premium-Konto mit schwarzer Mastercard, die inklusive diverser Versicherungsleistungen 5,90 € pro Monat kostet. Hinzu kommen Provisionen etwa aus N26 Invest. Der Engpass: Der durchschnittliche Kunde ist gerade mal 33 Jahre alt, bei gebührenfreien Angeboten wird er gern zugreifen, bei kostenpflichtigen jedoch genau rechnen, ob er sich diese überhaupt leisten kann. Stößt das Geschäftsmodell an seine Grenzen, dann sind wie im Fluchtbunker zügig brillante Lösungen gefragt. 30 07 // 2017

MANAGEMENT Die Chefs Sie kannten sich schon seit gut 15 Jahren, als sie 2013 das FinTech Number 26 in Berlin gründeten: Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, beide gebürtige Wiener. Zuvor hatte Valentin Stalf (2. v. l.) in St. Gallen, Tokio und Wien Rechnungswesen und Finanzen studiert und sammelte im Anschluss ein Jahr lang erste berufliche Erfahrungen bei der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet von Oliver Samwer. Eher durch Zufall kam er in dieser Zeit erstmals mit FinTechs in Kontakt. Schnell wurde ihm klar, dass er lieber selbst unternehmerische Verantwortung übernehmen wollte als für andere zu arbeiten. Einen Gleichgesinnten fand der heute 31-Jährige in seinem Freund Maximilian Tayenthal (36, 1. v. l.), der in Wien, Rotterdam und Paris BWL, internationales Management und Jura studiert hatte, bevor er als Strategieberater bei Booz & Company sowie als Assistent des CFO bei der Wiener Versicherungsgruppe und später als Rechtsanwalt seine Karriere startete. Markus Gunter (50, 4. v. l.), CEO der 2016 gegründeten N26 Bank GmbH, und CFO Matthias Oetken (46, 3. v. l.) verstärkten das Gründerteam 2015 bzw. 2016. Nach Erhalt der Vollbanklizenz übernahmen sie die Leitung der N26 Bank GmbH, während sich Stalf und Tayenthal bei der N26 GmbH als CEO bzw. CFO um neue Produkte, Marketing, Vertrieb und neue Technologien kümmern. Gunter, gelernter Bankkaufmann, hatte nach seinem BWL-Studium in Bayreuth die erste Internetplattform einer deutschen Bank, der Hypo Bank AG, initiiert. Als Geschäftsführer baute er schließlich die Fondsgesellschaften Activest und Pioneer Investments auf , bevor er als CEO zur Direktbank DAB nach München ging. Sein Kollege Oetken machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Commerzbank in Frankfurt und studierte im Anschluss BWL in Göttingen. Im Risiko- und Portfoliomanagement sammelte er schließlich 16 Jahre lang Erfahrungen bei diversen Landesbanken (Nord LB, LB Kiel und HSH Nordbank) in Deutschland, Luxemburg und Großbritannien, bevor er zu N26 stieß. 07 // 2017 31

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