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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION Modernisierung der Finanzund Risikoarchitektur REGULIERUNG Es ist eine mittlerweile eine Binsenweisheit, dass die Bankenbranche heute wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgesetzt ist, die vor zehn Jahren kaum denkbar erschienen. Aber nicht nur die Marktseiten der Banken stehen unter Druck, auch die Funktionen der Konzernsteuerung müssen die nach wie vor wachsenden regulatorischen Anforderungen wie BCBS 239, IFRS9 oder AnaCredit meistern. Dies ist keine einfache Aufgabe – die neuen Richtlinien der Regulatoren sind vielschichtig, haben meistens die Erhöhung der Datengranularität, Qualität oder Frequenz der jeweiligen Meldungen im Fokus und müssen trotz des wachsenden Kostendrucks zügig umgesetzt werden. Vladimir Smoljaninov | Christian Bohr | Jörn Rehbock Keywords: IT-Systeme, Meldewesen, Risikomanagement Die Anforderungen von Kunden, Investoren und Regulatoren einerseits sowie die tatsächlichen Möglichkeiten der vorhandenen IT-Systeme andererseits klaffen oft weit auseinander. Viele Banken leiden unter einer veralteten und unflexiblen Systemlandschaft. Daten sind auf viele in Silos organisierte Systeme verteilt, die durch ein komplexes System von Schnittstellen miteinander kommunizieren. Neben den dadurch verursachten hohen Kosten schlägt sich dies auch in einer erhöhten Anfälligkeit für Fehler nieder, die wiederum zu Datenqualitätsmängeln und Inkonsistenzen führen, auf die dann mit weiteren Querverbindungen reagiert wird – eine schwer aufzulösende Abwärtsspirale. Veraltete Strukturen in der IT-Landschaft stellen somit einen „Luxus“ dar, den sich Banken angesichts des immer stärker werdenden Kostendrucks und der steigenden Ansprüche der Regulatoren nicht mehr leisten können ” 1. All dies ist nicht wirklich neu. Nicht umsonst wird seit vielen Jahren über integrierte Datenhaushalte auf granularer Ebene gesprochen. Oft ist dies aber bereits in den Ansätzen stecken geblieben, waren doch die technischen Herausforderungen immens – eine integrierte, konzernweite Finanzarchitektur auf Einzelgeschäftsbasis erfordert die Verarbeitung von vielen Terrabyte an Informationen in den engen Zeitfenstern der Bilanzierungs- und Abschlussprozesse und war damit bis vor kurzem eine kaum zu meisternde Aufgabe. Moderne Datenarchitekturen für Finance & Risk In den letzten Jahren ist aber nicht nur durch weitere Anforderungen der Handlungsdruck weiter gewachsen, auch neue Technologien haben sich erfolgreich etabliert. In-Memory-Datenbanken sind vom Newcomer fast schon zum Standard geworden, und auch die Leistungsfähigkeit konventioneller Datenbanktechnologien hat sich in beeindruckender Weise erhöht, etwa durch hoch-optimierte Appliance-Lösungen, in denen die Komponenten eines Systems wie Datenbank, CPU, Speichermedien und Betriebssystem optimal aufeinander abgestimmt sind. Damit eröffnet sich nun die einzigartige Chance, den lange angestrebten Wunsch nach einer modernisierten Datenarchitektur zu realisieren und damit auch die IT-Kosten durch die Abschaltung kostenintensiver Altsysteme nachhaltig zu reduzieren. Viele Geldinstitute im deutschsprachigen Raum haben dies erkannt und befassen sich inzwischen intensiv mit der Modernisierung ihrer Finanz- und Risikoarchitekturen. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf die folgenden Fragestellungen: Vereinheitlichung der Datenstrukturen Die Daten der Altsysteme sind durch zahlreiche unterschiedliche Strukturen gekennzeichnet, die die Konsolidierung stark erschweren. Vor allem bei komplexen Konzernstrukturen mit Töchtern und Auslandseinheiten ist dies von besonderer Bedeutung, verwendet doch traditionell jede Einheit voneinander abweichende Methoden, um Daten zu Geschäften und Kunden abzulegen. Dies muss nicht zwangsläufig zu einem vollständig einheitlichen bankweiten Datenmodell mit seinen hohen Anforderungen an eine übergreifende Governance führen, eine gewisse Harmonisierung für die Kernbereiche der Bankensteuerung ist aber unabdingbar. Zusammenwachsen von Accountingund Risikodaten Auch die Trennung der Datenhaushalte in Daten für klassische Finance-Funktionen 64 diebank 07.2016

IT & KOMMUNIKATION ó wie Accounting und separate Daten für Funktionen aus dem Risikomanagement ist zunehmend problematisch. Immer mehr drängen die Regulatoren auf eine ganzheitliche Sicht. So spielen für die Bilanzierung nach IFRS9 klassische Risikokennzahlen wie der Expected Loss (EL) eine Rolle, und Ad-hoc-Anfragen der Regulatoren nehmen nicht auf die organisatorischen Grenzen zwischen Finance und Risikomanagement Rücksicht. Eine moderne Datenarchitektur muss dies bewerkstelligen können und hier eine Harmonisierung anstreben. Konsequente Ausrichtung von Investitionsentscheidungen am Zielbild Der Aufbau einer neuen Datenarchitektur ist komplex und kaum in einem Schritt realisierbar, sondern erfordert eine mehrjährige Initiative. Nicht selten werden in diesem Zeitraum weitere Einzelprojekte notwendig werden, die es in die vorhandene Planung zu integrieren gilt. Damit dies sinnvoll möglich ist und fällige Investitionen möglichst vollständig dem angestrebten Ziel zugutekommen, ist eine konsequente Steuerung und Governance notwendig, in der Entscheidungen systematisch auf ihre Auswirkungen auf das Zielbild hin geprüft und hinterfragt werden. Schneller Rückbau der Alt-Systeme Die Vorteile einer neuen, modernen Systemlandschaft werden erst vollständig realisiert, wenn gleichzeitig konsequent die Altsysteme abgeschaltet werden. Die hierfür notwendigen Anstrengungen werden häufig unterschätzt. Oft wird auf einen vorhandenen Datenbestand von einer hohen Anzahl von anderen Systemen zugegriffen, die alle auf die neue Architektur umgestellt werden müssen, bevor die Abschaltung erfolgen kann. Ein stringentes Management und die Bereitschaft, falls notwendig harte Entscheidungen zu treffen, sind erforderlich, um zu verhindern, dass wenige noch nicht umgestellte Abnehmer die Abschaltung unnötig lange hinauszögern. Zukunftsfähigkeit und Ausbauoptionen Gerade im Bereich Daten entwickelt sich die Technologie mit hoher Geschwindigkeit weiter. Big-Data-Technologien wie Hadoop machen heute den Umgang mit Datenmengen möglich, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren, In-Memory-Technologien werden weiter ausgebaut, und auch für die Leistungssteigerungen konventioneller Datenbanktechnologien ist kein Ende in Sicht. Dies ermöglicht völlig neue Einsatz- und Nutzungsbereiche. War vor kurzem ein hohes Datenvolumen noch eine Herausforderung und eine Architektur oft auf die Reduktion der Volumina hin optimiert, ermöglichen diese Technologien nun, Daten als das zu behandeln, was sie sind – ein Asset für das Unternehmen, das es zu nutzen gilt. Eine zukunftsfähige Architektur muss dies im Blick haben und offen gegenüber modernen Technologien und ihren Einsatzbereichen sein. Data Warehouse als gemeinsame Basis Gleichwohl: Banken sind keineswegs untätig. Viele Institute befinden sich bereits in Umsetzungsprojekten oder in deren Planung und reagieren auf die beschriebenen Herausforderungen nicht nur mit vereinzelten marginalen Anpassungen, sondern mit einer vollständigen Neuausrichtung der gesamten Finanz- 07.2016 diebank 65

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