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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION cher technologischer Modernisierungsbedarf, allerdings nicht um den Preis einer strategischen Fehlinvestition in die schöne neue digitale Welt. Eine repräsentative Befragung der Unternehmensberatung Bain zeigt die schwierige Gratwanderung. Befragt wurden mehr als 2.500 private Kunden der führenden deutschen Versicherungsanbieter. Für rund 60 Prozent der Bundesbürger ist das Internet künftig der wichtigste Kanal zur Versicherung, um mit ihr zu interagieren. Die Kernfrage lautet also, wie die Versicherer ihre teils unproduktiven IT-Altlasten in die Erfordernisse der digitalen Agenda übertragen. Offenbar ist das Problem in weiten Teilen erkannt. Die Mehrzahl der deutschen Assekuranzunternehmen will in den nächsten zwei Jahren einen erheblichen Anteil ihres Budgets in Digitalisierungsprojekte investieren. Bei Maklern sind dies nur acht Prozent. Dieses Ergebnis einer Erhebung von Sopra Steria Consulting darf insofern kaum überraschen, als der Versicherungsmarkt derzeit von einer Vielzahl innovativer Produktideen aus der FinTech-Szene geradezu überschwemmt wird und der Druck auf die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle erheblich gestiegen ist. „Unternehmen müssen rechtzeitig lernen, welchen Mehrwert Massendaten in Zukunft generieren können. Die reine Datenerhebung stellt hierbei das geringere Problem dar – die eigentliche Herausforderung liegt vielmehr im sinnvollen und effizienten Umgang mit dem gewonnenen Informationsschatz“, weiß Janina Röttger, Senior Manager bei Sopra Steria Consulting. Darauf aufbauende additive Zusatzdienste, auch neben dem klassischen Versicherungsgeschäft, werden im Wettbewerb schon bald eine entscheidende Bedeutung haben. Technische und methodische Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, massenhaft erhobene Kundendaten in Echtzeit auszuwerten und die für das jeweilige Geschäftsmodell relevanten Informationen ebenso schnell zu aggregieren. Noch sind Big-Data- und Business-Intelligence-Technologien in der Assekuranzwirtschaft aber eher die Ausnahme als die Regel. Legacy-Problematik: Unproduktive Altsysteme ablösen Unabhängig davon, ob es sich um Beratung, Vertragsabschluss oder Schadensmeldung handelt, die Versicherten setzen von ihrem Anbieter weit über die klassische Webseite hinaus ein umfassendes digitales Angebot voraus. Die Kunden sehen beispielsweise Smartphones mit dementsprechend vereinfachten mobilen Webseiten sowie Apps, Online-Chats und -Communities als wichtige neue Zugangswege zu ihrer Versicherung an. Jedoch sind auch klassische Vertriebswege nicht zu vernachlässigen. Gefragt ist somit die sinnvolle Verknüpfung zwischen stationären, internetbasierten bzw. mobilen Dienstleistungen. Kurz: Die persönliche Betreuungs- und Beratungsqualität bleibt laut Bain für nahezu drei Viertel der Befragten von hoher Priorität. Vom Anbieter ihrer Wahl erwarten die Konsumenten aber nicht nur ein umfassendes digitales Angebot, sondern auch die einfache, intuitive Bedienbarkeit. „Convenience“, sprich der Faktor Benutzerfreundlichkeit, wird zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal im digitalen Zeitalter. Mobile Anwendungen, beispielsweise über App oder via QR-Code, die den Postweg ersetzen, weisen hier den Weg zu neuen Umsatzpotenzialen in der Kundengewinnung und -bindung. Versicherung 2.0: Der Kunde übernimmt die Regie Einige Anbieter haben den Paradigmenwechsel in Richtung „digitale Versicherung 2.0“ bereits eingeleitet. Die Auswirkungen der Digitalisierung erfassen jedoch nicht nur den Vertrieb und die Schnittstellen zum Kunden, sondern den gesamten Betrieb. Der Schlüssel für erhoffte Effizienzgewinne liegt in der Anpassung operativer Kernaktivitäten wie der Schadensmeldung und -regulierung sowie der Prämienkalkulation. Dies gilt vor allem für die 60 diebank 07.2016

IT & KOMMUNIKATION ó Übernahme ganzer Wertschöpfungsschritte durch die Kunden. Praxisnahe Beispiele sind etwa die automatisierte Meldung von Kfz-Schäden per App oder die Einreichung digitaler Rechnungen bei der Krankenversicherung. Je einfacher und intuitiver der Kunde diese Arbeiten via Smartphone oder Tablet-Computer erledigen kann, desto größer ist seine Bereitschaft, auf klassische Kommunikationswege zu verzichten, mit entsprechend hohen Effizienzgewinnen für die Versicherer, etwa bei der Schadensabwicklung per App-Unterstützung nach einem Autounfall. Parallel können diese Daten aber auch verwendet werden, um Betrugsdelikte leichter aufzudecken oder das Risikoprofil einzelner Versicherungsprodukte weiter zu schärfen. Community-Sourcing erfolgreich meistern Bislang gelingt es allerdings nur wenigen InsurTech-Start-ups, auf dem Markt wirklich Fuß zu fassen. Das auf einer sozial vernetzten Community basierende Geschäftsmodell von Friendsurance erinnert etwa an die Anfänge des Versicherungsgeschäfts. Gleichgesinnte schließen sich zusammen und decken kleinere Schäden selbst ab. Bei größeren Summen schalten diese eine Drittpartei ein. Der Clou: Den wesentlich höheren Selbstbehalt dieser Versichertengruppe honorieren die Anbieter mit Beitragsnachlässen. Derartige Gestaltungsansätze zur Versicherungspolice der nächsten Generation der internetaffinen Kundenklientel ge- nießen mittlerweile auch den Rückenwind der Investoren: So konnte das Berliner InsurTech Friendsurance einen zweistelligen Millionenbetrag an frischem Wagniskapital einsammeln, obwohl es die Geschäftsmodelle der meisten InsurTechs nicht selten an Klarheit und Durchschlagskraft vermissen lassen. Bislang ist aber auch bei Friendsurance der Ansturm auf die attraktiven Rabatte ausgeblieben. Denn ein derartiges Modell erfordert von den Kunden ein hohes Maß an Eigeninitiative, Disziplin und Vertrauen, gibt die Unternehmensberatung Bain zu bedenken. Unabhängig vom Markterfolg unterstreichen die neuen Geschäftsmodelle aber den deutlichen Bewusstseinswandel – und die Verschiebung in Richtung Konsumentenmacht am Markt. Anders ausgedrückt: In den Daten im Netz steckt der Schlüssel zum künftigen Erfolg. Da das Gros der InsurTechs überwiegend auf App-basierte Lösungen setzt, bleiben mittelständisch geprägte, innovative IT- Dienstleister sowohl via Insourcing als auch über selektive Outsourcing-Modelle weiterhin eine gefragte Größe für die großen Spieler aus der Versicherungswirtschaft. Denn während die neuen Anbieter zwar das Ende der Wertschöpfungskette – die unmittelbare Kundenbeziehung – mit ihren Lösungen adressieren, benötigt die Branche vor allem ausgereifte Gesamtkonzepte, um Back und Front Office in einem sinnvollen Multikanalansatz zu orchestrieren, einschließlich der dafür erforderlichen Business Intelligence. ó InsurTechs – Revolution oder Evolution? INTERVIEW mit Christian Mylius, Managing Partner beim Beratungsunternehmen Innovalue Management Advisors GmbH, über InsurTech-Geschäftsmodelle, die Eigenheiten des deutschen Versicherungsmarkts und Start-ups mit besonders disruptivem Potenzial. diebank: Herr Mylius, manche Experten sprechen von einer Fin- Tech-Revolution, andere sehen eher eine komplementäre Entwicklung zwischen Bankenbranche und Start-ups, wie ist das aktuelle Geschehen im Bereich „InsurTech“ zu bewerten? Mylius: Während die Bankenbranche und Anbieter im Bereich Zahlungsverkehr bereits seit einigen Jahren im Fokus der Start-up-Szene stehen, sprießen Start-ups in der Versicherungsbranche erst seit drei bis vier Jahren aus dem Boden. Bei den Versicherern herrscht momentan sicherlich eine hohe Aufmerksamkeit – allerdings spielen die InsurTechs in der Wahrnehmung der Endkunden und gemessen an den Geschäftsvolumina bisher nur eine sehr untergeordnete Rolle. diebank: Der Hype scheint also reichlich überzogen? Mylius: Wir beobachten den Markt intensiv und mit großem Interesse, sehen aber konkret im Bereich der InsurTech-Geschäftsmodelle in Deutschland bisher wenig echte Disruptionen. Die Start-ups bespielen zwar die Kundenschnittstelle mit guten Ideen und ansprechendem User Interface, aber alle dahinter liegenden Prozesse sind noch als eher holprig zu bewerten. Allerdings müssen die Institute schon aufpassen, dass sie beispielsweise beim Thema User Experience, also der Gestaltung moderner Nutzeroberflächen z. B. in Apps oder Web-Portalen, nicht den Anschluss verlieren. 07.2016 diebank 61

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