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die bank 07 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Königliche

ó BANKING Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin Sein erstes KPM-Service leistete sich Jörg Woltmann mit 28 Jahren, „Kurland“ für acht Personen, 60 Teile. Schon als kleines Kind hatte er gelernt, dass die Marke mit dem kobaltblauen Zepter aus dem Kurbrandenburgischen Wappen etwas ganz Besonderes ist. Denn nur sonntags aß die Familie vom guten Geschirr und das durften weder er noch sein Bruder Frank abräumen, geschweige denn abspülen. Knapp 40 Jahre später übernahm der Berliner Bankier die traditionsreiche Manufaktur und mit ihr ein wirtschaftliches Wagnis. „Ich habe das einzige Unternehmen auf dieser Welt, das zuvor sieben Königen und Kaisern gehörte“, sagt der heutige Eigentümer nicht ohne Stolz. Doch die 1793 von Friedrich dem Großen in Berlin gegründete Manufaktur steckte in tiefroten Zahlen, der Absatz stockte, im Ausland war die Marke so gut wie nicht präsent. Woltmann kaufte KPM im Februar 2006 und wies sofort die Telefonistinnen an, sich fortan nicht mehr mit dem Kürzel KPM zu melden, sondern mit dem vollen und schweren Namen: Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Seine Frau tröstete er mit dem Scherz: „Wenn’s nicht klappt, nennen wir die KPM Kerstins Porzellan-Manufaktur.“ Unter Woltmann konzentrierte sich das Unternehmen auf hochpreisige Ware, eröffnete eigene, repräsentative Läden und kurbelte vor allem das Exportgeschäft an, das heute 20 Prozent zum Umsatz beiträgt. Für sein unternehmerisches Engagement erhielt der Sanierer 2011 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Durch sein Handeln sei ein kostbares Kulturerbe wieder zu einem weltweit gefragten Produkt geworden, hieß es in der Ehrung. 2015 folgte der Verdienstorden des Landes Berlin. Doch den Aufwand für den Erhalt des Kulturguts hat Woltmann unterschätzt, wie er offen zugibt. „Es ist schwieriger, als ich gedacht habe. Es ist wie beim Hausbau: Es dauert länger und wird teurer.“ Entmutigen lässt sich der Porzellan-Liebhaber aber nicht. „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass das Unternehmen wirtschaftlich profitabel wird. Und das dauert nicht mehr lange. Im Augenblick ist es noch Mäzenatentum.“ Ob die KPM in Familienbesitz bleibt, steht noch nicht fest. Möglich wäre auch ein Stiftungsmodell, nennt Woltmann eine Alternative. „Es ist das älteste Unternehmen in Berlin und auch ein Aushängeschild für die Stadt. Mir geht es darum, die Manufaktur für Berlin und für Deutschland zu erhalten und nicht an einen Großkonzern im Ausland zu verkaufen.“ lich einen Rolls Royce reparieren können, obwohl sie nur Käfer- Kunden haben, dann kann das nicht geleistet werden. diebank: Ihre Bank ist personell sehr schlank aufgestellt. Die Mitarbeiter sind nicht spezialisiert auf Compliance-Fragen. Wie kommen Sie mit der Situation klar? Woltmann: Wir haben auch neue Mitarbeiter einstellen müssen und wenn intern Kapazitäten frei wurden, diese gleichsam für das Thema Regulatorik eingesetzt. Außerdem müssen wir uns externe Hilfe von Beratern zukaufen. diebank: Als Folge der steigenden Kosten gehen auch die mittelständischen Banken dazu über, Bereiche wie IT, WP-Abwicklung oder Depotführung auszulagern. Welche Kooperationen gibt es bei der ABK? Woltmann: Wir kooperieren zum Beispiel mit dem DBB Beamtenbund, um neue Kunden zu gewinnen. diebank: Eine der Mega-Trends in der Finanzbranche ist die Digitalisierung. Welche Rolle spielt Sie bei Ihnen? Woltmann: Die digitalen Kanäle werden auch für uns immer wichtiger. Unsere Kunden können alle Bankgeschäfte online tätigen: Neue Kunden können über das PostIdentverfahren ein Konto eröffnen. diebank: Welche digitalen Produkte sind geplant? Woltmann: Schon heute wird der Löwenanteil unseres Kreditgeschäfts über unterschiedliche Kanäle des Direktmarketings erreicht. Die meisten Kreditanträge werden mittlerweile online abgewickelt. Auf dieser Basis wird die weitere Digitalisierung vorangetrieben: Über eine neue IT-Konfiguration wird künftig die operative Abwicklung von Prozessen schlanker und einfacher erfolgen und auch das Thema Big Data optimiert angegangen. Über neue Services wie Online-Identifizierung (Video-Ident), Online-Unterschrift und Online-Hochladen von Unterlagen werden wir den Kunden einen noch besseren Service bieten. Dies wollen wir bis Ende 2016 organisieren. diebank: Sie werden im nächsten Jahr 70. In einem Interview haben Sie gesagt, dass man mit 75 bis 80 Jahren aufhören sollte. Welche Pläne haben Sie für Ihre Nachfolge in der Bank? Woltmann: Ich bin gerade dabei, eine Regelung zu finden. Es gibt mehrere Modelle, angefangen von der Gründung einer Genossenschaft bis zum Verkauf. Ein Börsengang scheidet aus. Mein Lebenswerk soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Ich spüre auch eine hohe soziale Verantwortung gegenüber meinen 85 Mitarbeitern, von denen viele schon sehr lange im Unternehmen sind. diebank: Herr Woltmann, vielen Dank für das Gespräch. 28 diebank 07.2016

BANKING ó Zwischen Konsens und Komplexität PRUDENT VALUATION Die in der CRR geforderte vorsichtige Bewertung von zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Finanzinstrumenten hat in den vergangenen Jahren in den betroffenen Instituten zu großen fachlichen und technischen Umsetzungsaufwänden geführt. Für den Beitrag wurde eine Umfrage bei direkt von der EZB beaufsichtigten Institutsgruppen in Deutschland und Österreich zur Range of Practice bei der Prudent Valuation durchgeführt. Die Ergebnisse bieten ein umfassendes Bild der aktuellen Marktpraxis in den Dimensionen Grundsatz, Betroffenheit und Methodik. Sie können den betroffenen Instituten als Wegweiser in der Beurteilung ihrer eigenen Situation dienen. Martina Brück | Tassilo Christ | Hans Peter Wächter Keywords: Regulierung, Handelsaktivitäten, Bilanzierung Die in der CRR geforderte vorsichtige Bewertung aller zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Finanzinstrumente hat Institute in den letzten Jahren vor große methodische und technische Herausforderungen gestellt und umfangreiche Umsetzungsaufwände mit sich gebracht. Aufgrund der Breite und Komplexität des Themenbereichs, der Neuartigkeit der Anforderungen insbesondere auch für deutsche und österreichische Institute, und der bis dato noch nicht abschließend entwickelten Prüfungspraxis verbleiben trotz der Konkretisierung der Anforderungen durch den in einer delegierten Verordnung (EC 2015) im Februar dieses Jahres bindend gewordenen technischen Regulierungsstandard vielfache Interpretationsspielräume und methodische Unsicherheiten. Eine anonymisiert durchgeführte Umfrage mit 38 Fragen in den Dimensionen Grundsatz, Betroffenheit und Methodik unter von der EZB direkt beaufsichtigten Institutsgruppen in Deutschland und Österreich hat gezeigt, dass die Anforderungen der delegierten Verordnung zur Prudent Valuation bereits grundsätzlich umgesetzt wurden. Ihre Vorbereitungen schätzen alle Institute im Simplified Approach, jedoch nur ein Drittel der Institute im Core Approach als ausreichend ein. Handlungsbedarf wird insbesondere noch bei der Umsetzung der im Artikel 19 der delegierten Verordnung erörterten Governance-Aspekte gesehen. Kernkapitalbelastung und Personalaufwand Die Mehrzahl der Institute rechnet damit, dass die Anforderungen der Prudent Valuation dauerhaft zu einem geringen Mehraufwand in ihren Linienprozessen führen werden. ” 1 zeigt den geschätzten Mehraufwand in Vollzeitäquivalenten. Die im Rahmen der Prudent Valuation zu bestimmenden Additional Valuation Adjustments (AVAs) für verschiedene Kategorien von Bewertungsunsicherheiten und künftigen Kosten sind bei der Ermittlung des harten Kernkapitals als Abschlag zu berücksichtigen und führen folglich zu einer erhöhten Kapitalbelastung für die Institute. Im Durchschnitt ergibt sich im Verhältnis zu der unsaldierten Summe der zeitwertbilanzierten Aktiva und Passiva ein Gesamt- AVA von 0,26 Prozent. ” 2 zeigt die Aufteilung des Gesamt- AVA auf die einzelnen AVA-Kategorien. Uneinheitliche Auslegungen methodischer Anforderungen Hinsichtlich konkreter Umsetzungsalternativen und der Ausübung von Wahlrechten zeigen die Ergebnisse der Umfrage eine deutliche Streuung, was aufgrund der Neuartigkeit der Anforderungen und der noch nicht entwickelten Prüfungspraxis plausibel erscheint. Beispielsweise zeigte eine Frage nach den von den einzelnen Instituten aus der Prudent Valuation ausgeschlossenen Positionen ein differenziertes Bild. Zwei Institute nehmen keinerlei Vorabausschlüsse vor. Alle anderen Institute wenden die Öffnungsklauseln der delegierten Verordnung in unterschiedlichem Maß an. ” 3 gibt einen Überblick über die von der Prudent Valuation ausgeschlossenen Positionen. Integration in bestehende Steuerungskreise Eine Verzahnung der Ergebnisse der vorsichtigen Bewertung mit anderen regulatorischen Vorgaben oder eine Integration in die bestehende Steuerung außerhalb 07.2016 diebank 29

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