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die bank 07 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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ó FINANZMARKT „Es kommt auf Empowerment an” fi INTERVIEW Markus Heidrich kam 2012 als Partner zur Kerkhoff Consulting, einem auf Einkauf, Beschaffung und Supply-Chain-Management spezialisierten Beratungsunternehmen. Zuvor hatte der heute 48-jährige Betriebswirt als Vice President bei der Frankfurter Unternehmensberatung Driving Growth Group internationale Projekte zur Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung mit Schwerpunkt im Bereich indirekter Einkauf gesteuert. Zudem hat er Unternehmen in der strategischen Neuausrichtung beraten. Heidrich: Zunächst einmal muss allen Beteiligten klar sein, dass Veränderungsbedarf besteht und von der Führung des Undiebank: Wie stark ist das Thema strategische Einkaufsoptimierung bei Unternehmen insgesamt angekommen? Heidrich: Die Industrie im Allgemeinen hat ihre Lernschritte von der Automobilund Lebensmittelindustrie abgeschaut und überwiegend gemacht. Der Dienstleistungssektor hinkt hinterher. Allerdings liegen neben den Einkaufsersparnissen die größten Potenziale im Prozess. Potenzial ist reichlich vorhanden – in der Industrie, wie im Dienstleistungssektor. diebank: Wie gut haben die Banken ihren Einkauf im Griff? Heidrich: Bislang war der strategische Einkauf kein Fokusthema im Bankensektor, die Aufmerksamkeit galt vielmehr Umsatz und Kundengewinnung. Banken sind aufgrund strenger Regularien in ihren Kernprozessen gut aufgestellt bzw. haben diese permanent im Fokus der Optimierung. In den angrenzenden Unternehmensprozessen besteht hingegen nicht selten erhebliches Entwicklungspotenzial. diebank: In Anbetracht der angespannten Wettbewerbssituation müsste doch ein großes Interesse daran bestehen, diese Potenziale auszuschöpfen. Heidrich: Der Einkaufsreifegrad, den wir als Berater im Blick unserer Arbeit haben, ist im Vergleich mit dem produzierenden Gewerbe nicht hoch ausgeprägt – unabhängig ob klein oder groß. Die großen privaten und öffentlich-rechtlichen Institute mit ihren dezentralen Strukturen haben die Synergiepotenziale grundsätzlich zwar erkannt, haben aber ihre Entwicklungsschritte noch zu gehen. In den einzelnen Niederlassungen bestehen oftmals „Herzogtümer“, die aufgrund anderer Prioritäten in den Kernprozessen noch nicht angegangen werden (können), wie wir oft hören. diebank: Herzogtümer, die sich von niemand hereinreden lassen möchten? Heidrich: Genau. In einem ersten Schritt muss deshalb Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Vorteile aus Prozesseffizienz und Einsparungen eines strategischen Einkaufs bekannt zu machen. In einem zweiten Schritt gilt es, die zentrale Einkaufsabteilung mit den Fachbereichen zu vernetzen. Erfolg hat dieses Vorgehen vor allem dann, wenn die oberste Führungsriege hinter dem Projekt steht. Wir achten in unseren Projekten besonders auf eine kontinuierliche interne Kommunikation, die Grundlage jeder Veränderungsbereitschaft und den Projekterfolg ist, da die Mitarbeiter mitgenommen werden müssen. diebank: In welchen Bereichen lässt sich erfahrungsgemäß am schnellsten Einsparpotenzial realisieren? Heidrich: Die Bereiche IT und Marketing sind naturgemäß die größten Kostenblöcke einer Bank, daher liegen hier die größten Potenziale. Gerade wegen der Kernkompetenz und des Fachwissens in diesen Fachbereichen sind aber Etablierung und Integration des strategischen Einkaufs als interner Dienstleister herausfordernd. Zudem bieten „der Bestellprozess“ und „die richtige Organisation“ einen elementaren Hebel für Effizienz und Einsparungen. diebank: Was sind die wichtigsten Erfolgskriterien, damit die gewünschten Einsparungen tatsächlich erzielt werden? 48 diebank 7.2015

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó ternehmens auch gewünscht wird. Nur wenn dann der zentrale Einkauf und die Fachabteilungen miteinander anstatt gegeneinander arbeiten, werden Einsparungen erzielt. Das überzeugendste Argument liefern immer Leuchtturmprojekte, die aufzeigen, was möglich ist. diebank: Was sind die häufigsten Fehler, die gemacht werden? Heidrich: Top-Down-Entscheidungen ohne Einbindung der Bedarfsträger ebenso wie Alleingänge einzelner Einkaufsabteilungen ohne Rückendeckung des Managements – beides führt zu Unverständnis und maximal kurzfristigen Veränderungen. Nachhaltigkeit ist dann nicht gegeben. diebank: Kerkhoff begleitet auch viele Einkaufsprojekte bei Banken und arbeitet dabei eng mit den zuständigen Mitarbeitern zusammen. Wie gut sind diese für die komplexe Aufgabe qualifiziert? Heidrich: Die Erfahrung zeigt: Kompetenz und Motivation sind vorhanden, es kommt auf „Empowerment“ an, also Managementunterstützung. Unsere Aufgabe ist es, durch begleitende Beratung die Motivation wieder herzustellen, Management, Einkauf und Fachabteilungen zusammenzubringen. diebank: Welche Rolle spielt heute schon und künftig E-Procurement? Was kann die Digitalisierung hier leisten? Heidrich: E-Procurement wird zunehmend wichtiger, auch bei Banken. Die Digitalisierung vereinfacht Bestell- und Kontrollprozesse im Einkauf. Nicht selten ist es aber so, dass es z. B. bereits elektronische Bestellkataloge gibt, diese aber wenig Akzeptanz bei den Mitarbeitern finden, da sie als zu kompliziert empfunden werden oder man mal wieder nicht das findet, was man sucht. Einmal aufgesetzt, müssen solche unterstützenden Systeme kontinuierlich gepflegt und an die sich wandelnde Bedarfsstruktur angepasst werden. Fachabteilungen und Einkauf müssen hier Hand in Hand arbeiten. Herr Heidrich, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. Webinar am 25. Juni 2015, 16:00 -17:30 Uhr Projektmanagement MiFID II Optimale Planung von Budget, Personal und Zeit Weitere Informationen und Anmeldung: Stefan Lödorf: 0221/5490-133 | events@bank-verlag.de | www.die-bank-trainings.de Jetzt anmelden Bank-Verlag GmbH | Wendelinstraße 1 | 50933 Köln | www.die-bank.de 7.2015 diebank 49

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