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die bank 07 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Ganzheitliche

ó BANKING Ganzheitliche Vermögensstrategien FAMILY OFFICE Die Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten haben sich in den letzten Jahren stark verändert: Die Komplexität der Märkte nimmt weiter zu, und die niedrigen Zinsen sorgen für neue Herausforderungen. Deshalb arbeiten vermögende Familien gerne mit einer neutralen Instanz zur Steuerung ihres Gesamtvermögens – beispielsweise einem Family Office. Thomas Rüschen Keywords: Strategie, Privatkunden, Großvermögen Die weltweit größten Family Offices kommen aus den USA und sind meist Tochtergesellschaften von großen Banken. Die Geschäftsidee ist dabei nicht neu: Bereits 1838 entwickelte der Vater des berühmten Bankiers J.P. Morgan eine Vermögensverwaltung für die gesamte Familie. In Deutschland werden die ersten Family Offices erst in den 1980er Jahren gegründet, breiten sich mittlerweile aber auch hierzulande immer stärker aus. Zurzeit gibt es in Deutschland mehr als 100 Single-Family- Offices, die jeweils nur das Vermögen eines Mandanten betreuen. Dazu kommen noch knapp 100 Multi-Family-Offices, die sich um mehr als einen Kunden kümmern – Tendenz steigend. Denn die Nachfrage nach einer neutralen Steuerungsinstanz des Familienvermögens wächst: Das Unternehmen Wealth-X schätzt, dass es in Deutschland ungefähr 19.000 Personen mit einem Vermögen von mehr als 30 Mio. US-$ gibt. Doch warum nutzen immer mehr Vermögende den Service eines Family Offices? Eine Erklärung könnte in der Unabhängigkeit von dem Produktangebot eines einzelnen Finanzinstituts liegen. Das hat die Konsequenz, dass der Grad der Kundenorientierung bei einem Family Office als besonders hoch empfunden wird. Es gibt aber noch einen weiteren und wahrscheinlich auch weitaus wichtigeren Grund: Viele traditionelle Banken und Vermögensverwalter können das Leistungsspektrum eines Family Offices in seiner gesamten Breite normalerweise nicht vollumfänglich abdecken. Denn neben der Betreuung des Vermögens ist die Entwicklung einer geeigneten Familienstrategie ein wichtiger Baustein des Leistungsangebots. Family Offices unterstützen eine vermögende Familie generationenübergreifend bei der Steuerung ihrer komplexen Besitztümer, seien es Immobilien, Firmenbeteiligungen oder liquide Anlagen. Dazu übernehmen Family Offices auch die Beratung in generationsübergreifenden Fragestellungen, wie etwa Nachfolgeregelungen, oder entwickeln Lösungsvorschläge hinsichtlich einer Familien-Governance, was beispielsweise die Bildung eines Beirates einschließen kann. Ein Family Office setzt dabei in der Regel eine ganzheitliche Strategie um, wie mit dem Familienvermögen umgegangen werden sollte. Family Offices beraten und betreuen Kunden mit hohem Anspruch: Sie adressieren ein Klientel, dem die persönliche Beziehung zum Betreuer, unabhängige Beratung und ein Höchstmaß an Vertrauen extrem wichtig sind. Zum Kreis potenzieller Mandanten gehören dabei große Familienvermögen, Stiftungen, kirchliche Organisationen sowie kleine und mittlere Institutionen – jeweils mit in der Regel komplexen Vermögensstrukturen. Einem Höchstmaß an individuellen Anforderungen begegnen zu können, ist dabei die Stärke eines erfolgreichen Multi-Family-Office, denn die Anlageziele decken ein breites Spektrum ab: vom reinen Kapitalerhalt, der bei manchen Familien im Vordergrund steht, bis zum Wachstumsziel, das bei anderen eine wichtige Rolle spielt. Dabei ist gerade bei der Verwaltung eines Familienvermögens substanziell, dass sich die Partner nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich vertrauen können – ein solches Vertrauensverhältnis zu entwickeln, kann mitunter sehr lange dauern. Diese Beziehungen können dann aber auch über viele Jahre und Jahrzehnte halten. Nur wer ins Risiko geht, kann ein Vermögen aufbauen Die Deutsche Oppenheim kümmert sich um die Vermögen von über einhundert vermögenden Familien in Deutschland. In den Gesprächen mit Kunden fällt dabei immer wieder auf, dass die meisten von ihnen zu Geld gekommen sind, weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben ein Risiko eingegangen sind und eine Firma gegründet haben. Die hohe Zahl erfolgreicher Mittelständler in unserem Land zeigt: Reich werden vor allem Unternehmer – und natürlich ihre Erben. Das von der Deutschen Oppenheim betreute Vermögen liegt bei deutlich mehr als 10 38 diebank 7.2015

BANKING ó Mrd. €. Das Unternehmen ist fester Bestandteil der Drei-Marken-Strategie der Deutschen Bank unter dem Dach der Deutsche Asset & Wealth Management. Die Deutsche Oppenheim operiert allerdings bei der Beratung und Betreuung der Mandanten trotz der Nähe zur Deutschen Bank-Gruppe völlig autark und orientiert sich strikt an den individuellen Bedürfnissen der Kunden und einem eigenständigen Auswahlprozess. Denn das wichtigste Kriterium eines Family Offices muss immer sein, das Angebot auszuwählen, das am besten zu den individuellen Anforderungen des jeweiligen Mandanten passt. Klassischerweise beginnt die Zusammenarbeit mit einem neuen Mandanten mit einer Bestandsaufnahme und Analyse des vorhandenen Vermögens. Dazu zählen sowohl die liquiden Vermögenspositionen, die bei verschiedenen Kreditinstituten gehalten werden, als auch die illiquiden Positionen wie beispielsweise Immobilien oder unternehmerische Beteiligungen. Die Schaffung von Transparenz über das Vermögen durch ein effizientes Reporting und Controlling ist dabei die Grundlage, um im Anschluss die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen. Auch hierbei sollte ein Family Office ihren Mandanten in den verschiedenen Bereichen mit einem umfassenden Angebot zur Seite stehen. Auf dieser Basis schließt sich häufig die Entwicklung oder Überprüfung der Vermögensstrategie an. Diese fußt in der Regel auf einer strategischen Asset-Allokation und setzt auf die Berechnung und Bewertung verschiedener Ertrags-Risiko-Szenarien. Der zuständige Berater der Familie versucht dann in gemeinsamen Gesprächen, eine für den Mandanten sinnvolle Anlagestrategie zu entwickeln. Dabei geht es weniger um die Frage, wie sich der Dollar in den kommenden Monaten entwickeln wird. Im Fokus steht eher, wie viel Rendite ein Mandant in Zukunft mit seinem Vermögen erzielen möchte, und welches Risiko er bereit ist, einzugehen. Auch unter vermögenden Menschen gibt es sowohl konservative als auch offensive Anleger, daher können hier die Vorstellungen von Mandant zu Mandant sehr unterschiedlich sein. Es gibt verschiedene Wege und Strategien, Erfolg am Kapitalmarkt zu suchen. Wichtig ist allerdings, diesen Erfolg auch über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. Die Herausforderungen sind dabei mit denen eines Unternehmens vergleichbar. Diese haben die Aufgabe, Chancen zu erkennen und wenn möglich zu nutzen, ohne die Unternehmenssubstanz zu riskieren. Ein Family Office agiert am Kapitalmarkt ebenfalls streng unternehmerisch. An oberster Stelle steht immer der Vermögenserhalt, aber Risiken können nicht immer vermieden werden – im Gegenteil. Allerdings müssen diese überschaubar und begrenzt sein. Wir werden von unseren Kunden häufig als Risikomanager wahrgenommen; als Experten, die Risiken erkennen und beherrschen. Zu den Hauptaufgaben eines Family Office gehört es, im Sinne der Mandanten ein mögliches Wagnis zu identifizieren, um es bewusst einzugehen oder zu vermeiden. Denn Risikoverständnis und Risikosteuerung sind fundamentale Voraussetzungen dafür, Chancen zu nutzen und Ziele zu erreichen. Wir befinden uns momentan in einem alternden Bullenmarkt, also einer bereits fortgeschrittenen Aktien-Hausse. Niemand kann genau sagen, wie lange die Kurse noch steigen. Klar ist aber auch, Dr. Thomas Rüschen ist seit 1990 für die Deutsche-Bank-Gruppe tätig, zunächst in Frankfurt im Bereich Strategie Firmenkundengeschäft und Kreditrisikomanagement. Anschließend war er im Bereich Structured Finance in London tätig und hatte bis 2000 als Bereichsleiter die Verantwortung für das Firmenkundengeschäft in Kontinentaleuropa außerhalb Deutschlands. Danach war er Country Manager der Deutschen Bank in Italien und bis Anfang 2011 weltweit verantwortlich für den Bereich Asset Finance & Leasing. Seit September 2014 ist er Vorstandsvorsitzender der Deutsche Oppenheim Family Office AG. dass der Markt nie eine Wiederholung der Vergangenheit ist. Es ist unmöglich, aus den Entwicklungen von gestern die Kurse von morgen vorherzusagen. Daher lautet einer der wesentlichen Grundsätze, stark zu diversifizieren und die Anlagestrategie breit aufzustellen. Wichtig ist jedoch, dass die vorgeschlagenen Investitionsalternativen genau zum Mandanten, seinem Risikoappetit und seinen Renditeerwartungen passen müssen. Denn ein hohes Maß an Individualität ist eine der Besonderheiten, die Family Offices ausmachen. Die Unterschiedlichkeit der Mandanten und die Vielzahl der Handlungsalternativen erfordern eine umfassende Beratung, die durch ein breit aufgestelltes und erfahrenes Family Office in besonderer Weise erbracht werden kann. Fazit In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 100 Family Offices, die sich um den Erhalt der Besitztümer mehrerer vermögender Familien kümmern. Dabei steht neben den klassischen Aufgaben einer Vermögensverwaltung besonders eine ganzheitliche Familienstrategie im Vordergrund, die an die individuellen Anforderungen der Mandanten angepasst wird. Der Fokus liegt dabei oft auf dem Werterhalt bei gleichzeitiger Mehrung des Familienvermögens. ó Autor: Dr. Thomas Rüschen ist Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Oppenheim Family Office AG. 7.2015 diebank 39

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