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die bank 07 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT Aufbau

ó FINANZMARKT Aufbau des Investment Bankings Die Bank entwickelte sich sukzessive strategisch weiter, ohne am angestammten Makler-Geschäft zu rütteln. Durch die Übernahme der börsennotierten Makler Ballmaier & Schulz AG im Jahr 1996 ging das Haus auf indirektem Wege zwei Jahre später im Rahmen der Fusion selbst an die Börse. 2008 erhielt das Institut die Vollbanklizenz durch die Bankenaufsicht BaFin und wurde Mitglied im Einlagensicherungsfonds des privaten Bankgewerbes. Das mittlerweile um Kapitalmarktdienstleistungen, inklusive der Begleitung von Börsengängen, erweiterte Geschäftsmodell verlangte nach einer neuen Struktur. Dem entsprach der Vollbankcharakter am besten, auch wenn der damit verbundene Regulierungsaufwand das relativ kleine Haus durchaus erhebliche Ressourcen kostete. Die Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds des privaten Bankgewerbes sorgte für eine weitere Verbesserung bei der Refinanzierung und sicherte vor allem auch den Zugang zu langfristigen Mitteln. Die strukturellen Veränderungen im Handel, das Wachstum außerbörslicher Handelsplätze und des vollelektronischen Handels über XETRA führten zu erheblichen Marktanteilsverlusten der Regionalbörsen. Dies ließ bei Uto Baader und dem Management die Idee reifen, das Geschäftsmodell deutlich zu erweitern und ein zweites starkes Standbein aufzubauen. Dabei war klar, dass es sich um Kapitalmarktgeschäfte handeln wird, dem Geschäft, das die DNA der Bank darstellt. Die Weichenstellung erfolgte im Jahr 2010 mit der Entscheidung für den Aufbau eines fokussierten Investment Bankings. Dabei sollte der Fokus schwerpunktmäßig auf der Analyse, dem Handel und dem Vertrieb von deutschen und österreichischen Aktien liegen. Als Spezialist für diese Titel galt es, bei großen nationalen und internationalen Investoren als kompetenter Geschäftspartner geschätzt zu werden und von diesen auch Aufträge zu erhalten. Allen war klar, dass es vom Aufbau bis zur Ernte durchaus vier bis fünf Jahre dauern konnte. Der Markt hatte nicht auf die Baader Bank gewartet, und die Rahmenbedingungen waren auch nicht unbedingt ermutigend – zumindest für Marktteilnehmer mit fehlender Langfristorientierung. In den Jahren 2011 und 2012 galten Aktien nicht gerade als bevorzugte Asset- Klasse, und viele deutsche Häuser trennten sich von ihrem Aktiengeschäft oder gaben es im Rahmen von Kooperationen ab. Die Baader Bank erkannte die Chance und baute zielgerichtet, schnell und konsequent ein Team von erfahrenden Analysten, Händlern und Vertriebsmitarbeitern auf. Dabei profitierte die Bank auch von einigen Glücksfällen. Zum einen waren zwei erfahrene Investment- Banker der Unicredit wechselwillig. Oliver Riedel kümmerte sich um den Handel- und Vertrieb, Christian Bacherl hatte die Aufgabe, das Primärmarktgeschäft, also Börsengänge und Kapitalerhöhungen, aufzubauen. In den folgenden Jahren gab es die Möglichkeit, weitere erfahrene Mitarbeiter zum Wechsel zur Baader Bank zu bewegen. Darunter waren viele Kollegen, die sich ganz bewusst für die Herausforderung, etwas Neues aufzubauen, entschieden haben. Alle wussten, dass es schwierig sein und ein paar Jahre Zeit in Anspruch nehmen würde. Ein wichtiger Hebel für die Tragfähigkeit dieser Entscheidung war der Erfolg des Primärmarktgeschäfts mit seinen Kapitalmarkttransaktionen. Diese Erfolge stellten sich schnell ein und sollten sich fortsetzen. 2013 ergab sich die Möglichkeit, den führenden unabhängigen Broker für schweizerische Aktien, Helvea, zu übernehmen. Das bei Investoren sehr angesehene Unternehmen gehörte dem Management und den Mitarbeitern. Diese entschieden sich für den Verkauf an die langfristig orientierte Baader Bank. Damit konnte die Bank ihr Leistungsspektrum um schweizerische Titel erweitern. Helvea brachte auch Niederlassungen an wichtigen Finanzplätzen wie beispielsweise Genf, London, Montreal, New York und Zürich mit. Standorte, an denen sich Investoren stark mit der DACH-Region befassen und einen lokalen Spezialisten schätzen. Der Aufbau eines vergleichbaren Netzes von Auslandsstützpunkten und der Erwerb von Broker-Lizenzen in Großbritannien und den USA durch die Baader Bank selbst wären äußerst zeitaufwändig und teuer gewesen. Mittlerweile sind im Investment Banking rund 100 Mitarbeiter tätig. Primärmarktgeschäft mit Kapitalmarkttransaktionen 2013 war auch das Jahr, in dem das Geschäftsmodell um weitere Aktivitäten erweitert wurde, überwiegend im Bereich Asset Management und Services. Dazu gehört auch die indirekte Beteiligung an der Skalis Asset Management, einer auf Mischfonds spezialisierten Fonds-Boutique. Beteiligungen dieser Art gab es aber auch in den 2000er Jahren. So beteiligte sich die Bank an einem der führenden Vermittler von Geldmarktanlagen und Schuldscheindarlehen (Baader & Heins) und an einem spezialisierten Asset-Manager für Absolute-Return-Anlagestrategien (Conservative Concept Portfolio Management). Auch Auslandsinvestments gab es, beispielsweise an Gulf Baader Capital Markets im Oman, einem der stabilsten und wachstumsstärksten Länder in den Arabischen Emiraten. Enttäuschende Entwicklungen und Ergebnisse beendete die Bank konsequent. So wurde das Beteiligungsgeschäft (Venture Capital) bereits nach drei Jahren (2001) wieder eingestellt. 2004 wurde antizyklisch – und von der Konkurrenz damals belächelt – das institutionelle Vermittlungsgeschäft für Renten aufgebaut, das insbesondere von 2008 bis 2010 sehr erfreuliche Ergebnisbeiträge brachte. Die strukturellen und regulatorischen Veränderungen in diesem Geschäftsfeld führten 2014 zur Schließung. Die oftmals antizyklischen Entscheidungen und die langfristige Ausrichtung brachten häufig Kostenvorteile mit sich. Sie waren und sind aber auch nur möglich, da sich die Bank zu knapp 70 Prozent in Händen der Familie Baader befindet. ó Autor: Nico Baader ist Vorstandsvorsitzender der Baader Bank AG. 10 diebank 7.2015

FINANZMARKT ó Die Rechtsfalle COMPLIANCE Die Streitereien vor Gericht und mit Regulierern kosten internationale Kreditinstitute Milliardensummen. Oft handelt es sich um Verstöße, die bereits viele Jahre zurückliegen. Kaum verwunderlich: Die Erkenntnis, dass bankinterne Compliance- und Risikomanagement-Systeme nicht nur Kostenfaktoren sind, sondern auch wertsteigernd wirken können, ist relativ jung. Die Banken weltweit arbeiten nun seit geraumer Zeit Altlasten auf, um wieder unbeschwert ihren Geschäften nachgehen zu können. Insgesamt haben die Behörden den Top-10-Instituten in Europa und den USA umgerechnet fast 50 Mrd. € Strafen im Jahr 2014 auferlegt, wovon etwa ein Fünftel auf die europäischen Banken entfällt. Fast zwei Jahre hat „die bank“ auf der Grundlage der Arbeit von internationalen Agenturjournalisten von Dow Jones Newswires diese Strafzahlungen gesammelt und kategorisiert. Das Ergebnis zeigt, dass eine Risikokategorie zuletzt massiv an Bedeutung gewonnen hat: das Rechtsrisiko. Stefan Hirschmann Keywords: Risikomanagement, Auslandsgeschäfte, Rechtsverfahren Offene Rechtsstreitigkeiten werden in zunehmendem Maße zu einer dauerhaften Belastung für international tätige Banken. Vor allem die Aufarbeitung von möglichen Verfehlungen vor der Finanzkrise beansprucht in vielen Instituten erhebliche Ressourcen. So betragen die Rechtskosten der Deutschen Bank allein im ersten Quartal 2015 rund 1,5 Mrd. €, die Rückstellungen für Streitigkeiten zum Ende vergangenen Jahres sogar 3,2 Mrd. €. Im Haus müssen sich die Juristen um 7.000 Rechtsstreitigkeiten kümmern, die nicht nur Planungsunsicherheiten verursachen, sondern auch seit langem schwer auf der Aktie lasten 1 . Insgesamt haben die Behörden den jeweils zehn nach Bilanzsumme größten Instituten in Europa und den USA umgerechnet knapp 47 Mrd. € Strafen im Jahr 2014 auferlegt. Das geht aus einer Aufstellung des Beratungsunternehmens EY hervor. Der Löwenanteil der Strafzahlungen (36,3 Mrd. €) entfiel auf Banken in den USA. Die europäischen Top-Banken mussten zusammen 10,5 Mrd. € zahlen. Geahndet wurden unter anderem Verstö- ße gegen Wirtschaftssanktionen sowie Manipulationen von Zinssätzen, Edelmetallpreisen und Devisenkursen. Allein die großen Wall-Street-Banken mussten seit 2008 mehr als 100 Mrd. US-$ aufbringen, um für ihre Fehler vor und in der Krise zu büßen. Entsprechend stark unter Druck geraten die Gewinne der US-Banken: Das Konzernergebnis der zehn größten Kreditinstitute der USA sank 2014 – bereinigt um positive Steuereffekte im Vorjahreszeitraum – um 24 Prozent auf 82 Mrd. €. Am härtesten traf es die Bank of America, bei der sich die im Jahr 2014 verhängten Strafzahlungen auf 22,4 Mrd. € addieren ” 1. Die hohen Strafzahlungen, mit denen Verstöße gegen Compliance- Vorschriften geahndet werden, lassen sich grob in acht Themenfelder einteilen. Kreditausfall-Swaps Das Verfahren, von dem u. a. die Deutsche Bank berührt ist, läuft auf kartellrechtlicher Ebene bei der Europäischen Kommission. Dabei geht es um den Vorwurf, dass mehrere Institute, der Datenanbieter Markit sowie die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) zwischen 2006 und 2009 Absprachen im Handel mit börsengehandelten ungedeckten Kreditderivaten getroffen hätten. Die EU-Kommis- sion hat mittlerweile weitere Untersuchungen angekündigt. Parallel laufen zivilrechtliche Sammelklagen in den USA. Der Vorwurf der Kläger lautet, dass die Institute den Handel mit börsennotierten Kreditausfall-Swaps verhindern wollten, um so die Preise für außerbörslich gehandelte Kreditausfall-Swaps in die Höhe zu treiben. Die Kläger haben diese Swaps von den Beklagten in den USA gekauft oder dort an diese verkauft. Einige der Klagen wurden bereits abgewiesen, bei den übrigen läuft das Beweisverfahren. Referenzzinssätze und Devisenhandel Bei den Untersuchungen zum Devisenhandel lautet der Vorwurf, dass mehrere Institute Devisenkurse manipuliert hätten. Dazu läuft mindestens eine Sammelklage in den USA. Britische und US-Behörden verhängten jüngst gegen die Deutsche Bank empfindliche Strafen von insgesamt 2,5 Mrd. US-$ wegen mangelnder Compliance-Kontrollen. Die britische Finanzdienstleistungsaufsicht FCA kassierte allein 227 Mio. GBP, was die höchste bisher für Fehlverhalten bei der Festlegung der Referenzzinssätze Libor und Euribor verhängte Strafe darstellt. In den USA einigte sich die Deutsche Bank mit der Commodity Futures Trading Commission 7.2015 diebank 11

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