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die bank 06 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | Der Goldpreis

MARKT 2 | Der Goldpreis in der großen deutschen Inflation (1918 - 1923) 1 Goldmark (0,3584 g Gold) kostete in Papiermark Preis für eine Unze Gold (31,103 g) in Papiermark bis 1913/14 1,00 87 Ende 1918 1,97 171 Ende 1920 17,48 1.517 Ende 1921 43,83 3.804 Ende 1922 1.750,83 151.940 Ende Januar 1923 11.672,00 1.012.900 Ende Februar 1923 5.407,00 469.220 Ende März 1923 4.996,00 433.550 Ende April 1923 7.099,00 616.050 Ende Mai 1923 16.556,00 1.436.730 Ende Juni 1923 36.803,00 3.193.760 Ende Juli 1923 262.030,00 22.738.960 Ende August 1923 2.454.000,00 212.958.000 Ende September 1923 38.113.000,00 3.307.446.000 Ende Oktober 1923 17.270.129.000,00 1.498.702.000.000 am 3. November 1923 100.000.000.000,00 8.678.000.000.000 ab 20. November 1923 1.000.000.000.000,00 86.780.000.000.000 Quelle: Karl Elster, Von der Mark zur Reichsmark, Jena 1928, S. 433 bis 441; Preis pro Unze; eigene Berechnung. ander von etwa 10 zu 1 – für 1 Gramm Gold also rund 50 Kilogramm Brot. Kaufkraft des Goldes säkular gesunken Im 17./18. Jahrhundert reichte 1 Gramm Gold immerhin noch für etwa 15 bis 25 Kilo Brot. Rechnet man heutzutage mit einem Brotpreis von ca. 3,50 € für 1 Kilo, so beträgt der Gegenwert von 1 Gramm Gold aktuell nur noch rund 10 Kilo Brot. Gemessen am Brotpreis ist der Wert bzw. die Kaufkraft von Gold über die Jahrhunderte hinweg offensichtlich deutlich gesunken. Wie sieht ein Zeitvergleich mit Löhnen und Einkommen aus? Vor 1.000 Jahren reichte eine Unze Gold (31,1 g) aus, um einen Tagelöhner in Deutschland ein Jahr lang zu entlohnen. Heutzutage würde, unter Berücksichtigung des aktuellen Mindestlohns, eine Unze Gold nicht einmal mehr für einen Monatslohn reichen. Martin Luther (1483 bis 1546) schätzte das Jahreseinkommen eines „guten“ Bauern oder Bürgers in seiner Zeit auf 40 Gulden. 5 Dieser Betrag entsprach bei einem Goldgehalt des damaligen Guldens von 2,5 Gramm also 100 Gramm Gold oder etwas mehr als 3 Unzen. Zur Zeit Albrecht Dürers (1471 bis 1528) galten in der damals recht bedeutenden Reichs- und Handelsstadt Nürnberg 50 Gulden im Jahr als mäßiges Bürgereinkommen, 100 Gulden als anständiges Einkommen und 600 Gulden als das höchste Bürgereinkommen. Das waren etwa 4 Unzen für ein mäßiges Bürgereinkommen und gerade mal 48 Unzen Gold im Jahr für das höchste Bürgereinkommen. Heute entsprechen 48 Unzen Gold etwa 55.000 € – ein gutes, aber längst kein hohes oder „höchstes“ Einkommen. Um 1900 betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen der Beschäftigten im deutschen Bergbau, einer Branche mit überdurchschnittlicher Bezahlung, etwa 1.200 Mark. 6 Das waren rund 14 Unzen Gold im Jahr. Ein heutiges durchschnittliches Einkommen von 40.000 € entspräche etwa 35 Unzen Gold. Die wenigen Beispiele zeigen bereits, wie sehr die Einkommen gemessen in Goldäquivalenten säkular gestiegen sind. Oder im Umkehrschluss: Der Wert des Goldes ist aus Sicht des Unternehmers oder Arbeitgebers erheblich gesunken. Gold als Stabilitätsanker bei großer Inflation Während Gold und Währung zu Zeiten des Goldstandards fest aneinander gebunden waren, eine Mark des Deutschen Reichs von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg beispielsweise immer 0,3584 g Gold entsprach, können die heutigen Papierwährungen leichter manipuliert werden. So hat Gold seit der Abkehr von der Goldwährung im 20. Jahrhundert eine neue Rolle gewonnen. Leider zeigt die bisherige historische Erfahrung, dass Papierwährungen stärker zur Inflationierung neigen als frühere Goldwährungen. 18 06 // 2019

MARKT 3 | Die größten staatlichen Goldreserven Stand Dezember 2017 Goldreserven in t Goldreserven pro Kopf der Bevölkerung in g USA 8.133,5 25 Deutschland 3.373,6 41 IWF 2.814,0 Italien 2.451,8 41 Frankreich 2.436,0 37 China 1.842,6 1,3 Russland 1.838,8 13 Schweiz 1.040,0 121 Japan 765,2 6 Niederlande 612,5 36 Quelle: Das Gold der Deutschen, hrsg. für die Deutsche Bundesbank von Carl-Ludwig Thiele, Frankfurt/Main 2018, S. 73 (nach World Gold Council). Eigene Recherchen und Berechnungen. Bei Währungsverfall kann Gold wie ein Rettungsanker sein, um Vermögen vor Entwertung zu schützen. Das haben nicht zuletzt die Deutschen im Anschluss an den Ersten Weltkrieg bei einer Hyperinflation ungeahnten Ausmaßes erfahren. Diese große Inflation wurde zu einem Trauma, das bis heute nachwirkt. Wer damals Spareinlagen oder Anleihen besaß und daran festhielt, verlor sein Vermögen. Goldbesitzer konnten ihr Vermögen dagegen weitgehend erhalten. Bis 1914 waren Papiermark und Goldmark gleichwertig. Bei Ende des Ersten Weltkriegs 1918 kostete die Goldmark bereits knapp 2 Papiermark. Bis Ende 1922 stieg der Preis für die Goldmark auf 1.750 Papiermark. ÿ 2 Die ganz große Entwertung folgte dann erst noch im folgenden Jahr. Auf dem Höhepunkt der Inflation im November 1923 musste die Goldmark mit 1 Bio. Papiermark bezahlt werden. Anders ausgedrückt: Der Preis für eine Unze Gold stieg von 87 Mark 1913/14 bis auf 86,78 Bio. Mark zehn Jahre später. Was könnte die Bedeutung von Gold als Schutz vor starker Inflation besser darstellen als dieses Beispiel? Das meiste Gold zu Schmuck verarbeitet Ein bedeutender Teil des weltweit vorhandenen Goldes ist bis heute in Münzen ausgeprägt. Goldmünzen sind beliebt, bei Sammlern und FAZIT: WERTVOLL, ABER NICHT WERTBESTÄNDIG Die Goldförderung hat seit dem 19. Jahrhundert stark zugenommen. So hat sich der Weltgoldbestand in den vergangenen 150 Jahren rund verzehnfacht. Dennoch ist Gold wertvoll geblieben, auch wenn seine Kaufkraft über die Jahrhunderte hinweg abgenommen hat. Andererseits stieg der Goldpreis seit der Abkehr von der Goldwährung erheblich, egal ob in US-Dollar, D-Mark oder Schweizer Franken gerechnet. Während Papierwährungen mehr oder weniger stark an Wert verloren, konnte Gold vor allem in Zeiten starker Inflation vor Vermögensverlusten schützen. Anlegern, auch wenn sie in keinem Land der Welt mehr als Zahlungsmittel umlaufen. Man schätzt, dass etwa ein Fünftel des Goldbestands von privaten Anlegern in Form von Goldmünzen und Goldbarren gehortet werden. Rund die Hälfte des Goldes soll freilich zu Schmuck verarbeitet worden sein, ein weiteres Fünftel ist im Besitz von Zentralbanken oder anderen staatlichen Institutionen. 7 Obwohl Gold offiziell nicht mehr zur Deckung von Währungen dient, horten Zentralbanken weltweit erhebliche Goldbestände. Die größten staatlichen Goldreserven besitzen die USA, gelagert bei der Notenbank Federal Reserve mit gut 8.133 Tonnen, gefolgt von der Bundesrepublik Deutschland bzw. der Deutschen Bundesbank mit gut 3.373 Tonnen. Die größten staatlichen Goldreserven pro Kopf der Bevölkerung hält allerdings die Schweiz: Es sind 121 Gramm Gold pro Eidgenosse. Mit großem Abstand folgen Deutschland und Italien mit je etwa 41 Gramm Gold je Einwohner. Mit nur 1,3 Gramm Gold pro Kopf der Bevölkerung weist China dagegen vergleichsweise geringe staatliche Goldreserven auf. ÿ 3 Autor Dr. Bernd Sprenger ist Diplomvolkswirt, Wirtschaftshistoriker und Numismatiker. 1 Wolfgang Schulte in „Das Gold der Deutschen“, für die Deutsche Bundesbank herausgegeben von Carl-Ludwig Thiele, Frankfurt a. M. 2018. 2 Ferdinand Friedensburg, Gold. Stuttgart 1953. 3 Zahlen nach World Gold Council. 4 Bernd Sprenger: „Das Geld der Deutschen“, Paderborn 2002. 5 Vgl. Heinrich Bechtel: „Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands“, München 1967. 6 „Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts“, hrsg. v. Walther G. Hoffmann, Berlin 1965. 7 Wolfgang Schulte in „Das Gold der Deutschen“. 06 // 2019 19

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