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die bank 06 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 | Erwartungen an

MARKT 1 | Erwartungen an das Verhandlungsergebnis und an die Auswirkungen des Brexit auf das Unternehmen in Prozent Erwartungen 2017 Erwartungen 2018 Auswirkungen 2017 Auswirkungen 2018 Auswirkungen Harter Brexit 1 2 1,6 14,7 3,8 eindeutig positiv eher positiv 1,0 3,4 0,3 8,1 0,7 5,0 3 27,4 33,0 neutral/ ohne Auswikrungen 49,9 44,1 30,2 4 26,6 37,2 46,6 eher negativ 39,9 37,6 5 25,3 19,4 6 4,5 4,5 1,0 eindeutig negativ 5,7 9,6 17,4 1 UK entfernt sich stark von der EU 2 UK entfernt sich unwesentlich von der EU digungsschutz ein gewichtiger Hinderungsgrund für Auslandsbanken sei, sich in Frankfurt niederzulassen. „Die denken doch: Einen Arbeitnehmer wird man in Deutschland schwieriger los als den Ehepartner.“ Zuwächse in Paris und Frankfurt Auch bei der britischen HSBC schlägt das Herz für Paris. Das Institut besitzt mit HSBC France und HSBC Deutschland zwei Töchter auf dem Kontinent, die als Vollbanken alle regulatorischen Anforderungen erfüllen. „HSBC ist deshalb auf alle Szenarien, auch den harten Brexit mit Verlust des Passportings, vorbereitet. Wenn Kunden nicht mehr in Großbritannien ihre Hauptverbindung zu HSBC unterhalten dürfen oder Produkte nicht mehr aus London heraus angeboten werden dürfen, dann transferieren wir sie in erster Linie nach Paris“, sagt HSBC- Sprecher Robert von Heusinger. Mit mehr als 8.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 170 Mrd. € sei HSBC France das sechstgrößte Institut des Landes und damit problemlos in der Lage, als Alternative auf dem Kontinent zu dienen. Wie die Deutsche Bank tritt aber auch die HSBC etwas auf die Bremse. War bei der Reuters-Umfrage Ende 2017 noch von rund 1.000 Stellen die Rede, die nach Paris gehen sollten, sprach das Institut Anfang Mai gegenüber „die bank“ noch „von deutlich unter 1.000 Arbeitsplätzen“. Welche Bereiche verlagert werden, hänge von den abschließenden Brexit-Verhandlungen ab, so von Heusinger. Auch nach dem Brexit werde HSBC in UK aber mehr als 42.000 Mitarbeiter beschäftigen. Dass viele Banken mehrgleisig fahren wollen, hat die Reuters-Umfrage ebenfalls belegt. Die Amerikaner Goldman Sachs und Morgan Stanley verstärken sich gleichfalls nicht nur an der Seine, sondern gehören auch zu den rund 20 ausländischen Instituten, die laut Hessen Trade & Invest (HTAI) am Main expandieren. „Bisher haben 18 Banken Entscheidungen zugunsten von Frankfurt bekanntgegeben. Wir gehen davon aus, dass weitere folgen werden. Zuletzt hat die Bank of Taiwan angekündigt, eine Repräsentanz in Frankfurt zu eröffnen“, sagt HTAI- Geschäftsführer Dr. Rainer Waldschmidt zu „die bank“. Zudem komme die kanadische Ratingagentur DBRS mit einem Büro nach Frankfurt. Wie überschaubar die Dimensionen zum Teil sind, zeigt das Beispiel der UBS. Rund 5.200 Mitarbeiter arbeiten für die Schweizer in London. Und gerade mal 150 Arbeitsplätze sollen laut UBS nach Frankfurt und an andere Standorte verlegt werden. Deutscher Kündigungsschutz wird oft unterschätzt Die meisten Institute haben allerdings noch gar nicht begonnen, Arbeitsplätze zu verlagern oder vor Ort neue Mitarbeiter einzustellen. „Momentan herrscht noch große Unsicherheit. Viele Banken warten deshalb ab, wie genau der Austritt Großbritanniens aus der EU geregelt wird“, beobachtet Dagmar-Elena Markworth, Partner beim Executive Search-Spezialisten Odgers & Berndtson in Frankfurt. Je nach finaler Ausgestaltung der Verträge könnte sich die Situation am Frankfurter Arbeitsmarkt aber im dritten Quartal deutlich verschärfen. „Aus- 14 06 // 2018

MARKT ländische Großbanken unterschätzen oftmals das rigide deutsche Kündigungsrecht. Vielen ist nicht klar, dass sechsmonatige Kündigungsfristen hierzulande nicht selten sind.“ Ein erhöhter Druck könnte sich zudem ergeben, wenn die Arbeitgeber feststellten, dass sich ihre schon beschlossenen Verlagerungen von Geschäftsfeldern und Beschäftigten nicht so einfach umsetzen ließen – wenn also nicht so viele Mitarbeiter von London etwa nach Frankfurt mitziehen wollen wie erwartet oder gewünscht. Erste Brexit-Mandate hat die Personalberaterin bereits erfolgreich abgearbeitet. Zu den Kunden zählen internationale Großbanken, die zum Beispiel von einer Niederlassung auf eine Vollbank umstellen und dafür bei der BaFin eine Lizenz beantragt haben. Sie müssen die Geschäftsleitung entsprechend besetzen. Doch längst nicht jede Suche landet als Auftrag bei den Headhuntern. „Aus Kostengründen schauen einige Player zunächst in der eigenen Organisation“, sagt Markworth, die damit rechnet, dass vermehrt deutsche Mitarbeiter etwa aus Asien oder den USA zurückgerufen und nach Frankfurt versetzt werden. Kein „erbitterter Kampf um Talente“ Aleksander Montalbetti, Partner bei der Executive Search-Beratung Signium in Frankfurt, teilt die Zurückhaltung der Kollegin. Von einem erbitterten Kampf um Talente, wie an einigen Stellen zu lesen war, könne nicht die Rede sein. Gesucht würden Spezialisten für den Backoffice- Bereich, etwa für Regulatorik und Compliance, jedoch kaum Führungskräfte. Sein Fazit: „Das Thema Brexit wird heißer gekocht als es wirklich ist“, sagt der auf die Bankbranche spezialisierte Personalberater. „Die riesige Party findet hier nicht statt.“ Über Arbeitsmangel klagt er allerdings nicht. Die Auftragslage sei sehr gut. Vor allem die Digitalisierung und die damit einhergehende Transformation der Branche trieben die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften. Top-Thema bei der Digitalisierung sei, die Effizienz bei den Prozessen zu steigern, Kosten zu senken und attraktive Produkte für die Kunden zu schaffen. Erfahrene Manager mit gutem Gespür für Technologien und Innovationen findet er vor allem bei den großen Beratungshäusern, bei FinTechs und zunehmend sogar in anderen Branchen. Ulrike Bischoff, Autorin der Helaba-Studie „Finanzplatz Frankfurt: In der Pole-Position für Brexit-Banker“, hält derweil an ihrer Prognose fest, dass „mindestens die Hälfte der aus London abwandernden Finanzjobs nach Frankfurt verlagert wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern“. Trotz der Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt sieht die Helaba deshalb einen Beschäftigtenanstieg um vier Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter bis Ende 2019. Unter den europäischen Finanzplätzen rangiere Frankfurt klar nach London und vor Paris. Auch die Ende 2017 gefällte Entscheidung, die Europäische Bankenaufsicht (EBA) mit ihren knapp 200 Beschäftigten von London nach Paris umzusiedeln, habe an der Rangordnung nichts geändert. Wichtigste Standortvorteile von Frankfurt seien die Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB mit der Doppelfunktion als Aufsichtsbehörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, die relativ günstigen Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland. Positiv bewertet die Finanzplatz-Expertin auch die im Frühjahr 2017 geplatzte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange, die einen Bedeutungsverlust für Frankfurt nach sich gezogen hätte. Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. (VAB) und Mitglied im Vorstand der UBS Europe SE, sieht einen deutlichen Bedeutungszuwachs der Auslandsbanken. Im Falle eines Brexit werde sich die Bilanzsumme der VAB- Mitglieder von 430 Mrd. € bis Ende 2019 verdoppeln. Sollte es zu einer Übergangsfrist kommen, werde sich der Zeitpunkt entsprechend verschieben. „Wir rechnen mit rund 20 Instituten, die ihre Präsenz hier ausbauen werden. Damit verbunden sind in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 5.000 Stellen, die zur Hälfte lokal rekrutiert werden.“ Die andere Hälfte der Stellen würden die Banken durch konzerninterne Versetzungen besetzen. Der Clinch um das Clearing Weitere Bewegung könnte in das Thema Arbeitsplätze kommen, wenn der Clinch um das Euro-Clearing für Euro-Geschäfte beigelegt wird. Die britische Hauptstadt ist der wichtigste Handelsplatz für Transaktionen in Euro. Mit LCH, einer Tochter der London Stock Exchange, hat das größte Clearinghaus für Derivate an der Themse seinen Sitz. Beaufsichtigt werden die Clearing-Häuser von der britischen Notenbank. Da die Häuser nicht nur Transaktionen zwischen zwei Handelspartnern abwickeln, sondern auch die Risiken übernehmen, die dabei entstehen, müsse das Clearing – so die Meinung vieler Politiker und Regulierer – auch in der Euro-Zone stattfinden. Denn die Bündelung von Kreditund Liquiditätsrisiken könne zu Systemkrisen führen. 06 // 2018 15

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