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die bank 06 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT BREXIT-AUSWIRKUNGEN AUF FRANKFURT Die Banker-Wanderung Der Countdown läuft. Nur noch neun Monate, dann tritt das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus. Welche Auswirkungen sich daraus für Unternehmen und Banken in der EU ergeben, steht immer noch nicht fest. Es droht ein ungeregelter Austritt ohne Abkommen und Übergangszeit. Die Zeit drängt, während die Verunsicherung über den Ausgang der Verhandlungen wächst. Nach jüngsten Umfragen könnte aus der erwarteten großen Bankerwanderung bis März 2019 doch nur eine deutlich kleinere werden. Banker und Unternehmer brauchen in diesen Tagen besonders gute Nerven. Beim Thema Brexit liegen die Nerven eher blank. Kein Wunder: Der Verlauf der Brexit-Verhandlungen sorgt für immer größere Verunsicherung. Im Frühjahr 2018 hatten sich Großbritannien und EU zwar grundsätzlich auf eine 21-monatige Übergangsphase geeinigt. Da bei den Gesprächen aber das Prinzip „Nothing is agreed until everything is agreed“ gilt, droht ein ungeregelter Austritt ohne Abkommen und Übergangszeit. „Der Anteil derjenigen, die eine starke oder sehr starke Entfernung Großbritanniens von der EU befürchten, wuchs von 16 auf 37 Prozent“, heißt es in einer Anfang Mai 2018 präsentierten neuen Studie von Hessen Trade & Invest. ÿ 1 Demnach rechnen zwei Drittel der Unternehmen bei einem ungeregelten Austritt ohne Abkommen und Übergangszeit mit negativen Auswirkungen auf das eigene Geschäft. „Es ist belastend für Unternehmen und Arbeitnehmer, dass die Wirtschaft zehn Monate vor dem Brexit noch immer nicht weiß, was im Endeffekt auf sie zukommt“, sagte Professor Dr. Wolfram Wrabetz bei der Vorstellung der Studie. Für den Vizepräsidenten des Hessischen Industrie- und Handelskammertags nimmt zwar die vereinbarte Übergangsfrist bis Ende 2020 „etwas Druck aus dem Kessel“, aber die Zeit müsse genutzt werden, um rasch ein umfassendes Freihandelsabkommen auszuhandeln, das den engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Seiten gerecht werde. Für den Bundesverband deutscher Banken führt die Unsicherheit zu einer klaren Empfehlung an seine Mitglieder: Stellt Euch auf einen harten Brexit ein. „Auch wenn es derzeit danach aussieht, dass es eine Übergangsphase geben könnte, gibt es hierzu erst Gewissheit, wenn das Austrittsabkommen als Ganzes steht“, sagt Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Wie stark die Bedeutung des Finanzmekkas Londons mittelfristig sinken wird und wie andere internationale Finanzplätze unter anderem durch Verlagerung von Arbeitsplätzen davon profitieren werden, darüber wird seit Monaten heftig spekuliert. An Prognosen mangelt es nicht. Dabei kommt fast jede Studie zu einem anderen Ergebnis, was einen einfachen Grund hat: Die Autoren blicken auf stark abweichende Zeiträume. Mal betrachtet man die Zeit „bis zum Austritt im März 2019“, mal einen nicht näher definierten Zeitraum „in den nächsten Jahren“, und an anderer Stelle heißt es konkreter „in den nächsten drei 12 06 // 2018

MARKT bis vier Jahren“. Doch der Tenor zeigt in eine klare Richtung: War anfangs von massiven Verlagerungen die Rede, scheint jetzt aus der großen Bankerwanderung zumindest vorerst doch nur eine deutlich kleinere zu werden. Weniger Umzüge als ursprünglich erwartet Nach einer Ende März 2018 veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters sollen wegen des Brexit bis März kommenden Jahres „nur“ 5.000 Jobs aus London abgezogen oder in der EU 27 neu geschaffen werden. Sechs Monate zuvor hatten die befragten 119 Finanzfirmen noch mit doppelt so vielen Umzügen gerechnet. Ihre Pläne hätten viele Institute zurückgeschraubt, nachdem sie genauer analysiert hätten, welche Jobs tatsächlich umziehen müssen. Zu ihnen gehört auch die Deutsche Bank. Der deutsche Branchenprimus beschäftigt an der Themse rund 8.600 Mitarbeiter. Schon im Januar 2018 hatte Ex-CEO John Cryan die in den Medien immer wieder genannte Zahl von 4.000 Verlagerungen nach Frankfurt als viel zu hoch eingestuft und nur noch von einigen hundert Jobs gesprochen. Die Commerzbank, die vor Ort aktuell noch 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat bereits in den vergangenen Jahren laut deren Sprecher Richard Lips Kapazitäten aus den Front- und Backoffice-Bereichen von London und New York nach Kontinentaleuropa, Asien und vor allem nach Frankreich verlagert und „sieht sich für mögliche Veränderungen sehr gut aufgestellt“. Die schlechte Nachricht für Frankfurt: Paris hat in der Reuters- Umfrage die Main-Metropole abgehängt und wurde zum populärsten Ziel der Brexit-Abwanderer. 2.280 Arbeitsplätze sollen laut Umfrage bis März 2019 an der Seine entstehen, 1.420 in Frankfurt, 612 in Dublin und 407 in Luxemburg. Ausgezahlt haben dürfte sich laut Reuters, dass Frankreich unter dem ehemaligen Investmentbanker und heutigen Präsidenten Emmanuel Macron unter anderem den Kündigungsschutz gelockert und Steuern gesenkt hat. Vertreter der deutschen Finanzszene wie Andreas Krautscheid vom Bankenverband hoffen deshalb darauf, dass die von CDU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbarte Lockerung des Kündigungsschutzes für hoch bezahlte Banker nach der Sommerpause zügig umgesetzt wird. Zu den Befürwortern gehört auch der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, der seit längerem davor warnt, dass der strenge deutsche Kün- 06 // 2018 13

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