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die bank 06 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT nächsten zehn

MARKT nächsten zehn Jahre stattfinden sollte (42 Prozent). Für das Grundeinkommen innerhalb der nächsten fünf Jahre sprechen sich 39 Prozent aus. das Modell in jüngster Zeit stark in den Medien diskutiert wurde und sich prominente Wirtschaftsvertreter wie Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, und Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom, öffentlich dafür ausgesprochen haben. Die neue Popularität des Grundeinkommens in Wirtschaftskreisen ist jedoch sicher ein entscheidender Grund dafür, dass sich 43 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits intensiver mit dem Thema beschäftigt haben. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in der Automobilbranche mit 50 Prozent der Befragten, wohingegen die Bankenbranche mit 42 Prozent ziemlich genau den Durchschnitt trifft. Quer durch alle Branchen fällt auf: Diejenigen Führungskräfte, die sich bereits intensiver mit dem Thema befasst haben, befürworten das Grundeinkommen deutlich stärker, nämlich zu 23 Prozent gegenüber acht Prozent bei den Uninformierten. Das kann daran liegen, dass ihnen durch die Auseinandersetzung mit dem Thema die Vorteile stärker präsent sind. Möglicherweise haben sie sich aber auch stärker mit dem Grundeinkommen befasst, weil sie ihm von vornherein aufgeschlossener gegenüberstanden. Unter den Personalexperten, aus deren Sicht die Vorteile des bedingungslosen Grundeinkommens die Nachteile überwiegen und die Einführung sinnvoll ist, geben die meisten an, dass die Einführung innerhalb der Materielle Absicherung versus Demotivation Was die Vorteile des Grundeinkommens betrifft, führen die Befürworter ohne die Nennung von Vorgaben gleich ein ganzes Bündel an Argumenten an: materielle Absicherung für jeden, verbesserter Gemeinschaftssinn, Förderung des sozialen Friedens sowie der Abbau von Bürokratie und Verwaltungskosten durch weniger Nachweis- und Prüfaufwände und einen individuellen Freiheitsgewinn. Vergleichsweise selten genannt wird, dass durch die gestiegene Angstfreiheit der Mitarbeiter ihre Motivation und Risikofreude steigen könnte. Die Gegner fürchten in erster Linie und mit klarem Abstand vor allen anderen von ihnen genannten Argumenten gegen das Grundeinkommen die Demotivation potenzieller Arbeitnehmer, ihre sinkende Leistungsbereitschaft und die Idee, dass einige die Grundsicherung für sich ausnutzen könnten. Zudem widerspricht das bedingungslose Grundeinkommen ihrer Ansicht nach dem Gedanken der Leistungsgesellschaft, und besonders in den unteren Einkommensklassen würden Unternehmen mehr Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu finden. Auch werde das Grundeinkommen seinerseits die Gesellschaft spalten und nur für bestimmte Gruppen nützlich sein. Seltener ins Feld geführt wird aufseiten der Kritiker die mangelnde Finanzierbarkeit des Konzepts. Betrachtet man die Gruppen der Befürworter, Gegner und Unentschlossenen gemeinsam, erklären 67 Prozent aller Studienteilnehmer die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für betriebswirtschaftlich schädlich. Als positive Auswirkungen wiederum bestätigen alle Befragten, dass sich Verwaltungskosten einsparen ließen, wenn die bisherigen Sozialleistungen wegfielen. Sie erwarten zudem, dass Menschen, die eine Grundabsicherung erhalten, häufiger bereit sein werden, auch kurzfristige Jobs anzunehmen, beruflich etwas zu wagen und Risiken einzugehen. Auch dieser Vorteil wird im Finanzsektor deutlich schwächer gesehen (34 Prozent) als beispielsweise im Maschinenbau (56 Prozent) und der Automobilwirtschaft (47 Prozent). Die Befürchtungen der Führungskräfte zur demotivierenden Wirkung des Grundeinkommens betreffen dabei nicht nur die Wirtschaft allgemein. Auch was ihr eigenes Unternehmen angeht, erwarten sie unter dem Strich negative Auswirkungen auf die Motivation der Belegschaft. Von denjenigen Personalleitern, die in der Bankenbranche von einer Änderung der Einsatzbereitschaft durch das bedingungslose Grundeinkommen ausgehen, erwarten 56 Prozent, dass die Leistungsbereitschaft sinkt, wohingegen nur vier Prozent von einer steigenden Motivation ausgehen. 40 Prozent sind unentschieden. 10 06 // 2018

MARKT Auch hier zeigen sich andere Branchen zumindest einen Hauch optimistischer. So können sich im Automobilbereich 13 Prozent der Befragten vorstellen, dass die Einsatzbereitschaft steigen würde, im Handel sind es neun Prozent. Viele Fragezeichen bei der Finanzierung Sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen dennoch eingeführt werden, halten 43 Prozent der Führungskräfte aus der Banken- und Versicherungsbranche einen Betrag zwischen 751 und 1.000 € für adäquat, um die Bedürfnisse der gesellschaftlichen Teilhabe zu erfüllen. Damit nennen sie in etwa die Höhe der Einkünfte eines Hartz IV-Empfängers, wenn man alle Leistungen wie zum Beispiel auch die Übernahme der Wohnungskosten addiert. 13 Prozent halten einen Satz zwischen 1.001 und 1.250 € für angemessen, 20 Prozent sprechen sich für mehr als 1.250 € aus. Über 1.500 € geht keiner der Befragten aus der Branche hinaus, während dies zum Beispiel immerhin noch elf Prozent der Studienteilnehmer aus dem Maschinenbau tun. Was die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens angeht, trifft bei allen befragten Personalexperten von den beiden vorherrschenden Vorschlägen – einer sogenannten Roboter- oder einer Konsumsteuer – die Konsumsteuer am ehesten auf Akzeptanz. Die Konsumsteuer soll perspektivisch die Einkommenssteuer ersetzen und statt der Herstellung von Produkten nur noch deren Konsum besteuern. Das bedeutet: Wer nicht konsumiert, zahlt auch nicht. Dieser Variante stimmen 42 Prozent der Befragten zu. Die Robotersteuer, für die sich insgesamt 29 Prozent aller Befragten aussprechen, erhält speziell im Banken- und Versicherungsbereich eine etwas höhere Zustimmung von 33 Prozent. Bei dieser Finanzierungsvariante soll der Einsatz von intelligenten Maschinen, die menschliche Arbeitskräfte ersetzen, besteuert werden. Das heißt: Je stärker ein Unternehmen digitalisiert ist, desto höher sind seine Abgaben. Dass weder die Roboter- noch die Konsumsteuer eine annehmbare Lösung darstellen, erklären insgesamt 38 Prozent der Personalexperten und 37 Prozent aus dem Finanzbereich. Nach Alternativen befragt, äußern sich die Befragten aus der Banken- und Versicherungsbranche sogar besonders verhalten, die meisten scheinen keine klare Vorstellung von einer geeigneten Finanzierungsform zu haben. stärker wahr als ihre jüngeren Kollegen. Von ihnen glauben 40 Prozent, dass eines Tages ein bedingungsloses Grundeinkommen notwendig sein wird, um den sozialen Zusammenhalt zu sichern. Bei den unter 35-Jährigen sind es 29 Prozent. Bei den älteren Führungskräften sind zudem die Befürchtungen der Demotivation durch ein bedingungsloses Grundeinkommen stärker ausgeprägt. Hier geben 73 Prozent an, dass in den unteren Einkommensklassen die Motivation zur Arbeit sinken würde, bei den unter 35-Jährigen sind es 61 Prozent. Die Einsparung von Verwaltungskosten durch das bedingungslose Grundeinkommen sehen wiederum die Älteren (68 Prozent) als bedeutsamer an als die Jüngeren (52 Prozent). Aus der Auswertung nach Altersgruppen lässt sich folgern: Die jüngere Generation fühlt sich besser auf die künftigen Entwicklungen vorbereitet. Zudem hat sie bereits andere Motivationsstrukturen, der häufige Wechsel von Job und Arbeitgeber ist für sie zum Normalfall geworden. FAZIT Obwohl sie durchaus auch Vorteile sehen, halten die deutschen Führungskräfte das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens insgesamt nicht für stimmig. Dies liegt sicher auch daran, dass sich hinter dem schillernden Begriff eine Vielzahl von Konzepten verbirgt, die derzeit noch viele Fragen offenlassen. Unklar ist häufig, wer wie viel Geld erhalten soll und ob Bedürftigkeitsprüfung und Arbeitspflicht vollkommen abgeschafft werden. Insbesondere auch bei der Diskussion zur Finanzierbarkeit wird deutlich, dass noch kein wirklich ausgereiftes Konzept vorliegt. Es ist daher verständlich, dass Führungskräfte aus dem Finanzbereich bei der Bekämpfung sozialer Ungleichheit nicht gleich nach diesem ersten Strohhalm greifen wollen. Gefragt sind intelligentere Lösungen, an deren Entwicklung sich auch die Wirtschaft beteiligen sollte. Denn nur so können Modelle entwickelt werden, die auch die Bedürfnisse der Unternehmen berücksichtigen. Insbesondere dort, wo sich – wie in der Banken- und Versicherungsbranche – auch die Schattenseiten des digitalen Wandels bereits deutlich zeigen, sollten sich die Experten aus dem Personalbereich in die Diskussion einschalten. Das Alter beeinflusst die Meinung Eine merkliche Auswirkung auf die Antworten der Personalexperten hat quer durch alle Branchen das Alter der Befragten. So nehmen die Führungskräfte im Alter von über 50 Jahren eine zunehmend ungleiche Teilhabe der Bürger am Produktivitätsfortschritt und damit die Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft wesentlich Autor Nelson Taapken ist Partner im Bereich People and Organizational Change bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH. Er verantwortet dort u. a. die Themen HR Transformation und Führungskräfteentwicklung. 06 // 2018 11

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