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die bank 06 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT Wie bei der

MANAGEMENT Wie bei der Konkurrenz können Besucher heute in der modernisierten Zweigstelle Wartezeiten in einer Lounge mit Kaffeetrinken überbrücken, Zeitungen lesen, derweil ihr Handy aufladen oder am Tablet Banking-Apps testen. Alles in allem eine deutlich abgespeckte Version des digitalen Trendlabors der Deutschen Bank mit angeschlossenem exklusiven Club. Mit dem Ergebnis der Pilotphase ist man dennoch zufrieden. Laut Commerzbank kamen in der zweijährigen Testphase rund 50 Prozent mehr Besucher, die Zahl der Neukunden stieg um etwa 30 Prozent. Nach den Pilot-Standorten Berlin und Stuttgart folgten Ende 2016 weitere Flaggschiffe in Bochum, Hannover und Bremen, in diesem Jahr sollen in weiteren sieben Städten Flagships eröffnet werden. Bleibt abzuwarten, ob die Angebote der neuen Vorzeigefilialen mit verlängerten Öffnungszeiten den Kunden zurückbringen. Bei der Deutschen Bank etwa kommen laut Vorstand Sewing 43 Prozent der Kunden nur noch einmal pro Jahr in die Filiale. Anders als die Deutsche Bank will die Nummer zwei der Branche ihr Zweigstellennetz vorerst aber nicht weiter ausdünnen und an den noch rund 1.000 Standorten festhalten. Die Commerzbank testet seit Ende 2016 das Konzept einer „City-Filiale“, um herauszufinden, was bei ihrer Klientel ankommt und auch, was sich rechnet. Den Piloten eröffnete Privatkundenvorstand Michael Mandel Anfang Dezember in Frankfurt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Europäischen Zentralbank. Wie bei der großen Schwester legen die Banker hier Wert auf eine Wohlfühlatmosphäre. „Lifestyle und Gefühl bestimmen das Design“, hieß es zur Eröffnung. Erreichen wollen das die Architekten mit Fußböden im Holz-Look, unverputzten Wänden mit roten Backsteinen und Stehtischen mit Barhockern. Zum Wohlfühlen müssen allerdings auch rund 70 Quadratmeter, zwei bis drei Mitarbeiter und ein abgespeckter Service reichen. Der Kunde kann etwa ein Konto eröffnen oder einen Ratenkredit beantragen. Wird es komplizierter, etwa mit einer komplexen Baufinanzierung, muss er zum größeren Standort weiterziehen. Von ihren 1.000 Niederlassungen will die Commerzbank 65 bis 100 in Flaggschiffe verwandeln, 300 bis 500 in City-Filialen, während der große Rest abgespeckte Flagships oder aufgemotzte City-Filialen sein sollen. So ist das Netz zwar dichter als bei der Deutschen Bank, aber auch bei der Nummer zwei müssen die Kosten runter. Mandel gab zu, dass die Zahl der Mitarbeiter im heimischen Filialgeschäft auf lange Sicht eher sinken werde. Anders ist das Ziel von CEO Martin Zielke wohl auch kaum zu erreichen. Der hatte im Herbst 2016 angekündigt, bis 2020 fast 10.000 Stellen abzubauen. Gleichzeitig soll die Zahl der Privatkunden von zwölf auf 14 Millionen deutlich steigen. Ein ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, dass zwischen 2013 und 2016 „nur“ eine Million gewonnen wurden. Zwei Drittel von ihnen seien über die Zweigstellen geworben worden, was deren Bedeutung unterstreiche. Mit Volldampf in die Digitalisierung Während die Institute für ihre neuen Filialkonzepte trommeln, treiben sie im Hintergrund mit Volldampf die Digitalisierung voran. Seit August 2016 arbeitet die Deutsche Bank mit dem Start-up-Entwickler Axel Springer Plug&Play zusammen, nutzt zudem den Innovations-Campus der Factory Berlin, der als einer der größten Brutkästen für digitale Innovationen gilt. Hier bringt die Bank u. a. klassische Mittelständler mit Startups zusammen. In den Berliner Hackeschen Höfen sitzt eines von weltweit drei „Innovation Labs“ und im Nordwesten Frankfurts die Digitalfabrik. Die entwickelte zum Beispiel die Anwendung „Deutsche Bank Multibanking“, mit der Kunden seit Ende 2016 Konten, Karten, Kredite und Depots einbinden können, die sie bei anderen Banken besitzen. Die Deutsche Bank kommt damit einer Entwicklung zuvor, die mit der neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2 von 2018 an ohnehin Pflicht für die Branche wird. Sie schreibt den Instituten vor, Drittparteien einen sicheren Zugang zur Verfügung zu stellen, um Kontodaten einzusehen und Zahlungen zu veranlassen. Eile ist deshalb geboten. Viele digitalaffine Kunden würden sich in den nächsten Monaten dafür entscheiden, ob und wo sie all ihre Finanzgeschäfte in einer App bündeln, glaubt Markus Pertlwieser, Digitalchef im Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank. Sein Haus habe Anfang April 2017 auf der App zum Beispiel auch einen kostenpflichtigen eSafe eingeführt, in dem man wichtige Dokumente wie Verträge, Policen, Ausweiskopien ebenso wie Passwörter digital speichern kann. Geplant sind zudem Infos über fehlende Freistellungsaufträge, auslaufende Zinsbindung in der Baufinanzierung oder eine Plattform, aus der man sich das günstigste Tages- und Festgeld herauspicken kann. Seit Anfang April können zudem die ersten Kunden per Handy bezahlen. Allein im Privat- und Firmenkundengeschäft investiere man bis 2020 rund 750 Mio. € in die Digitalisierung, sagt Pertlwieser. Unterdessen hat die Commerzbank als nach eigenen Angaben erste Großbank im November vergangenen Jahres bundesweit eine Multikanalplattform in allen Filialen gestartet. Auf dieser einheitlichen Benutzeroberfläche haben Kunden und Berater Zugriff auf dieselben Informationen – in der Filiale, im Online Banking und auch im Kundencenter. Unterstützung bei der weiteren Digitalisierung erhofft sich die Commerzbank von ihrer neuen Tochter, der Neugelb Studios GmbH, einer Service-Agentur für digitale Entwicklungen. Vorstand Mandel feierte Anfang März mit den mittlerweile 24 Mitarbeitern das einjährige Firmenjubiläum und die Eröffnung des Hauptsitzes in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg. Klar, dass hier typische Start-up-Atmosphäre herrscht. Einige Banker haben noch schnell am Eingang den Schlips abgelegt. Man gibt sich betont locker, in den Reden dominiert das „Du“, die Gäste nehmen auf Papphockern Platz. Mandel gibt sich kämpferisch. Aus allen Rohren wolle man schießen. Noch in diesem Jahr würden die Produkte Ratenkredit und Bau- 30 06 // 2017

MANAGEMENT Vom Mitarbeiter zum Animateur Zwei Jahre lang haben Vorstand und Mitarbeiter der Hamburger Sparkasse gemeinsam mit Kunden und Nicht-Kunden gegrübelt und getestet, wie die Filiale von morgen aussehen soll. Was Hamburger ab Juni an einem ersten Standort in Niendorf begutachten können, durften Journalisten schon im Februar auf einem Gutshof vor den Toren der Hansestadt anschauen. Hier hat Deutschlands größte Sparkasse unter strenger Geheimhaltung eine Musterfiliale aufgebaut, in der sie auch ihre Mitarbeiter schult. Denn die sollen sich künftig nicht mehr nur mit klassischem Banking auskennen. Vorstandssprecher Harald Vogelsang weist seiner Belegschaft eine viel weiter reichende Rolle zu. „Sie sind Gastgeber, Hamburg-Kenner und Tipp-Geber. Dieses Wissen über alles, was im Stadtteil passiert, teilen wir künftig noch viel stärker mit unseren Kunden. Die neue Filialgeneration bietet dafür den Rahmen.“ Die möchte sich als lokaler Treffpunkt in den Stadtteilen etablieren, in dem sich Besucher wohlfühlen, austauschen und vernetzen. Passend zum Stadtteil können die Filialteams ihre Räume aus einem Baukastensystem modular und individuell gestalten. Dabei scheint der Inhalt des Baukastens für die Filiale 4.0 aus derselben Designschmiede zu kommen wie der der privaten Konkurrenz: zentraler Empfangstresen, offene und geschlossene Besprechungszimmer mit Expertengesprächen via Video, große Holztische mit iPads, kostenloses WLAN, Kaffeebar und Kinder-Bespaßung in „Mannis Spielkiste“. Aber auch Lesungen und Konzerte sollen unter den Dächern mit dem roten Logo stattfinden, ebenso Unternehmen, Vereine und Institutionen aus der Nachbarschaft die Fläche für kostenlose Ausstellungen nutzen dürfen. „Wir wollen für die Menschen in den Stadtteilen wie ein Nachbar sein, den man kennt und zu dem man geht – und der im übertragenen Sinne zu sich einlädt“, beschreibt Vogelsang die neue Gangart. „Und wir wollen, dass auch Menschen zu uns kommen, die in dem Moment vielleicht gar nichts von der Haspa möchten.“ Indirekt auch ein Hinweis darauf, wie aufwendig es heute ist, angesichts immer härteren Wettbewerbs neue Kunden zu gewinnen. Deren Zahl stieg zwar im vergangenen Jahr bei der Haspa um 75.000, unter dem Strich blieb nach Abwanderung aber nur ein Plus von 15.000. Ihre Charme-Offensive für die rund 1,1 Millionen Kunden lässt sich die Haspa bis 2020 rund 30 Mio. € kosten, insgesamt steckt sie über 200 Mio. € in ihre mehr als 140 Zweigstellen, digitalen Angebote und ihre IT. Ungeachtet der Investitionen in Superfilialen setzen auch die Sparkassen ihr Sparprogramm fort. Im vergangenen Jahr machten laut Deutschem Sparkassenund Giroverband (DSGV) 900 Zweigstellen dicht, es blieben rund 10.600. Der Prozess werde sich „in vertretbarem Maß fortsetzen“, so DSGV-Präsident Georg Fahrenschon. Bei den 403 Sparkassen sei die Zahl der Mitarbeiter 2016 um 9.000 auf zuletzt knapp 225.000 zurückgegangen. 06 // 2017 31

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