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die bank 06 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT DER BVB-ANSCHLAG

MARKT DER BVB-ANSCHLAG ALS FINANZWIRTSCHAFTLICHE ANALYSE Der Gewinn wäre relativ gering ausgefallen Das Attentat auf die Spieler von Borussia Dortmund war ethisch-moralisch wie sportlich perfide und hätte noch weitaus schlimmer enden können. Zu einer raschen Aufklärung trug in diesem Fall bei, dass Banken verdächtige Geldtransfers ihrer Kunden an die Finanzaufsicht melden müssen. Das Motiv des Verdächtigen: Er wollte Profit aus dem geplanten Tod der Spieler und einem daraus resultierenden Absturz des Aktienkurses des Vereins ziehen. Unsere Autoren haben die finanziellen Vorgänge analysiert und weisen nach, dass die zunächst genannten Gewinn-Chancen weit überhöht waren. 24 06 // 2017

MARKT 1 | Optionsscheine am 11. April und bei alternativen Kursszenarien WKN Anzahl Basispreis Kaufpreis am 11. April 2017 Preis bei Aktienkurs 4 EUR Preis bei Aktienkurs 3 EUR Preis bei Aktienkurs 2 EUR DG7MN57 15.000 4,00 0,059 0,15 0,99 1,99 DGM51Y4 15.000 4,80 0,12 0,79 1,79 1,79 DG9CHE2 15.000 3,60 0,09 0,13 0,63 1,55 DGQ1VV9 15.000 5,20 0,18 1,19 2,18 3,18 DGQ1VU1 15.000 4,40 0,043 0,42 1,39 2,39 Quelle: EUWAX und www.dzbank-derivate.de. Am 11. April, dem Tag des Anschlags, wurden über die Frankfurter Börse in fünf unterschiedlichen Transaktionen jeweils 15.000 Put-Optionsscheine auf die Aktie des BVB erworben. Die Transaktionen fanden zwischen 11:12 Uhr und 16:57 Uhr und somit vor dem Anschlag statt. Bereits die hohe Anzahl der gehandelten Put-Optionsscheine ist ungewöhnlich. Das innerhalb von sechs Stunden gehandelte Gesamtvolumen war fast zehnmal höher als das Gesamtvolumen sämtlicher Put-Optionsscheine auf die BVB Aktie, die in den zwei Wochen davor gehandelt wurden. Die fünf Transaktionen weisen zusätzlich jeweils das gleiche Volumen auf, sodass der Verdacht nahe liegt, dass sie von der gleichen Person in Auftrag gegeben wurden und somit einen inneren Zusammenhang besitzen. Die fünf Transaktionen des 11. April 2017 können somit als außergewöhnlich bezeichnet werden. Mit dem Kauf dieser 75.000 Put-Optionsscheine setzte der Käufer auf einen (deutlichen) Kursverfall der BVB Aktie. Untersuchung der Handelspreise Die am 11. April gekauften Put-Optionsscheintranchen mit den Wertpapierkennnummern DG7MN5, DGM51Y4, DG9CHE2, DGQ1VV9 und DGQ1VU1 unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausstattungsmerkmale nur minimal. Während 60.000 Put-Optionsscheine bis zum 16. Juni laufen, ist bei 15.000 Put-Optionsscheinen (DG9CHE2) der 15. Dezember das Laufzeitende. Auffallend ist auch, dass sich die Basispreise mehrheitlich deutlich unter dem am 11. April notierten Kurs der BVB-Aktie von ca. 5,60 € befinden. Die Basispreise der Optionsscheine liegen bei 4,00 € (DG7MN5), 4,80 € (DGM51Y4), 3,60 € (DG9CHE2), 5,20 € (DGQ1VV9) sowie 4,40 € (DGQ1VU1). Die Optionsscheine wurden am 11. April zwischen neun und zwölf Cent gehandelt. Insgesamt mussten an diesem Tag für die 75.000 Put-Optionen 7.380 € gezahlt werden. Der gesamte Kaufpreis beläuft sich somit auf ein knappes Zehntel der in den Medien zuerst genannten Summe von 78.000 €. Und auch der mögliche Gewinn, der mit den Optionsscheinen hätte erzielt werden können, weicht erheblich von den in der Öffentlichkeit genannten 4 Mio. € ab. Für die Ermittlung des Gewinns ist zunächst zu differenzieren, ob der Inhaber die Put-Optionsscheine bis zum jeweiligen Laufzeitende gehalten hätte oder sie bereits vorab verkaufen wollte. Für den Fall eines Kurssturzes nach dem Attentat und eines vorzeitigen Verkaufs bietet sich eine Szenariobetrachtung an. Dazu können bspw. die Gewinne ermittelt werden, die bei einem Kursrückgang auf 4,00 €, 3,00 € oder 2,00 € eintreten würden, wenn der Inhaber die Optionsscheine unmittelbar nach dem Anschlag wieder verkauft hätte. Die für die einzelnen Kursstände resultierenden Optionswerte sind vor diesem Hintergrund mithilfe des von der DZ Bank – die die Optionsscheine emittiert hat – angebotenen Optionsscheinrechners ermittelt worden. Die dargestellte Beispielrechnung verdeutlicht, dass sich bei einem Kursrückgang auf 4 € der absolute Wert der Put- Optionsscheine nur in geringem Umfang verändert hätte, obwohl bereits dieses Szenario ein Kursrückgang von mehr als 30 Prozent darstellt. So wäre z. B. der Preis des Put-Optionsscheins DG7MN57 von ca. 6 Cent auf 15 Cent gestiegen. Insgesamt zeigt sich, dass die Put- Optionsscheine mit einem höheren Basispreis sensibler auf die Kursveränderung reagieren. Allgemein gilt, je niedriger der Aktienkurs ist, desto höher ist die Prämie eines Put-Optionsscheins. ÿ 1 Auf Basis der darstellten Werte kann zusätzlich der Gesamtgewinn für die einzelnen Kursszenarien ermittelt werden. ÿ 2 Wie zu erwarten, steigt der mögliche Gewinn mit sinkendem Aktienkurs der BVB-Aktie an. Der Besitzer der 75.000 Put-Optionsscheine hätte somit von einem starken Aktienkursrückgang profitiert. Wäre der Aktienkurs bis auf 2 € gesunken, ergibt sich ein Gewinn von über 150.000 €. Bei den unterstellten Aktienkursrückgängen handelt es sich jedoch um sehr extreme und vergleichsweise unrealistische Szenarien. Bereits der plötzliche Einbruch eines Aktienkurses um mehr als 30 Prozent stellt an der Börse ein Ausnahmeereignis dar. In der Tat stieg allerdings die BVB Aktie nach dem – glücklicherweise vergleichsweise glimpflich ausgegangenen – Anschlag sogar leicht an. 06 // 2017 25

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