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die bank 05 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG 1 |

REGULIERUNG 1 | Ausprägung von Kennzahlen für die Krisenampel ROCE Kapitalkosten Insolvenzwahrscheinlichkeit (p) Sonstige Strategische Krise x > y p < 2 % Erfolgspotenzial geschwächt oder bedroht durch strategische Risiken Rentabilitätskrise ROCE Kapitalkosten Insolvenzwahrscheinlichkeit (p) x < y p < 5 % Sonstige Erfolgspotenzial geschwächt oder bedroht durch strategische Risiken Ertragskrise Liquiditätskrise ROCE ROCE Kapitalkosten Kapitalkosten Insolvenzwahrscheinlichkeit (p) x < y p < 5 % Insolvenzwahrscheinlichkeit (p) p < 10 % Sonstige Drohende Verluste oder hohe Wahrscheinlichkeit einer bestandsgefährdenden Entwicklung (aus Risikoaggregation) Sonstige Akuter oder risikobedingt zu erwartender Liquiditätsengpass „bestandsgefährdende Entwicklung” (§ 91 AKIG / § StaRUG) Insolvenz Quelle: Gleißner W. (2021): Unternehmerische Entscheidungen. Haftungsrisiken vermeiden (§ 93 AktG, Business Judgement Rule), in: Controller Magazin, Heft 1, S. 22). Z Z Z Z Z Existiert eine Risikokultur, die einen offenen Umgang mit Risiken – Chancen und Gefahren – gewährleistet? Sind alle Regelungen zu Identifikation, Quantifizierung und Überwachung von Risiken angemessen, wirksam und für Dritte nachvollziehbar dokumentiert? Werden strategische Risiken, wie Bedrohungen der Erfolgsfaktoren, und makroökonomische Risiken systematisch erfasst? Werden unsichere Planannahmen und operative Leistungsrisiken systematisch erfasst? Werden die Risiken geeignet quantifiziert, z. B. durch (a) Mindestwert, (b) wahrscheinlichsten Wert und (c) Maximalwert der Auswirkungen? Z Z Z Z Erfolgt eine Risikoaggregation mittels Monte-Carlo-Simulation im Kontext der integrierten Planungsrechnung zur Früherkennung „bestandsgefährdender Entwicklungen" (zum Beispiel durch Verletzung der Mindestanforderungen an das Rating)? Werden Risikoanalysen zur Vorbereitung „unternehmerischer Entscheidungen" durchgeführt (§ 93 AktG)? Ist klar erläutert, was eine „bestandsgefährdende Entwicklung“ (§ 91 AktG) ist (z. B. Verletzung von Covenants)? Ist ein Schwellenwert für die Risikotragfähigkeit festgelegt, ab dem das Aufsichtsgremium informiert und die Geschäftsleitung geeignete „Gegenmaßnahmen“ ergreifen muss (§ 1 StaRUG)? Z Existieren umfassende und dokumentierte Risikomanagement- und IKS-Systeme, die eine kontinuierliche Überwachung und Steuerung / Bewältigung wesentlicher Risiken gewährleisten (gemäß FISG / § 91 (3) AktG? Risiken identifizieren, quantifizieren, aggregieren, dokumentieren und schließlich bewältigen Schwere Krisen, also Entwicklungen, die ein Unternehmen in seinem Bestand gefährden, sind meist das Resultat eingetretener Risiken. Bei der Krisenfrüherkennung ist deshalb neben der Identifikation die systematische Quantifizierung und Aggregation von Risiken erforderlich. 1 Die Risikoidentifikation zielt darauf ab, die Wahrnehmung von Risiken und den Um- 28 05 | 2022

MANAGEMENT REGULIERUNG WEITAUS MEHR ALS GRÜN, GELB, ROT: DIE KRISENAMPEL Paragraph 1 des Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetzes (StaRUG) richtet sich an alle Unternehmen und fordert die Geschäftsleitung auf, ein wirksames Krisen- Früherkennungssystem zu implementieren. Ergänzend dazu bietet es sich für Unternehmen, aber auch für die sie finanzierenden Banken an, eine sogenannte Krisenampel zu etablieren. Sie zeigt direkt und leicht verständlich an, in welcher Krisenphase sich das Unternehmen befindet. Die Beurteilung der Krisenphase setzt jedoch wiederum voraus, dass das Unternehmen sich potenzieller Risiken bewusst ist und diese (frühzeitig) erkennt. Nachfolgend werden beispielhaft mögliche Phasen einer Krisenampel aufgezeigt. Z Keine Krise: Grüne Ampel Das Unternehmen befindet sich nicht in einer Krise, und es droht auch keine solche. Das Unternehmen weist eine hohe finanzielle Stabilität auf, insbesondere ein gutes Rating, und es besitzt solide Erfolgspotenziale. Z Strategische Krise: Grün-Gelbe Ampel Die finanzielle Nachhaltigkeit des Unternehmens ist nicht gefährdet. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit und das Ertragsrisiko sind niedrig, und die Kapitalrendite liegt oberhalb der risikogerechten Kapitalkosten. Man erkennt allerdings bereits Schwächen bei für die Zukunft wesentlichen Erfolgspotenzialen oder aber strategische Risiken, die die Erfolgspotenziale zerstören könnten. Z Rentabilitätskrise: Gelbe Ampel In diesem Fall liegt die Rentabilität bereits nachhaltig unter den risikoadäquaten Kapitalkosten. Z Ertragskrise oder (drohende) „bestandsgefährdende Entwicklungen“: Gelb-Orangefarbene Ampel Bei einer Ertragskrise treten bereits nachhaltig Verluste auf oder das Rating zeigt bereits ein erhöhtes Insolvenzrisiko (B+ oder schlechter). Aus der Risikoanalyse und Risikoaggregation lässt sich ableiten, dass es im Fall des Eintritts schwerwiegender Risiken zu einer „bestandsgefährdenden Entwicklung“ mit einer nicht mehr zu vernachlässigenden Wahrscheinlichkeit kommen kann. Z Liquiditätskrise / bestandsgefährdende Entwicklung: Orangefarbene Ampel Während sich in einer Ertragskrise eine drohende Bestandsgefährdung erst dann in eine akute verwandelt, wenn sich vorhandene Risiken tatsächlich materialisieren, ist im Stadium der Liquiditätskrise schon bei einem „planmäßigen“ weiteren Verlauf die Existenz des Unternehmens gefährdet. Aus der integrierten Unternehmensplanung mit der daraus abgeleiteten Liquiditätsprognose ergibt sich nämlich, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre mit einer erheblichen Wahrscheinlichkeit Liquiditätsengpässe auftreten. Besonderes „Pech“ durch das Eintreten von gravierenden Risiken, die negative Planabweichungen auslösen, ist gar nicht mehr erforderlich. Z Insolvenz: Rote Ampel Aus der akuten Krise wird eine Insolvenz im Sinne der Insolvenzordnung mit den dort geregelten Verfahren. 05 | 2022 29

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