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die bank 05 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 | Indirekte

MARKT 1 | Indirekte CIPS-Teilnehmer 0 100 200 300 400 500 600 China 528 Asien ohne China 353 Europa 153 Afrika 42 Nordamerika 26 Ozeanien 23 Südamerika 17 Quelle: Eigene Darstellung nach https://www.cips.com.cn/cipsen/7050/index.html (letzte Meldung: Mai 2021). Definition China: „Festlandchina“, d. h. insbesondere ohne Hongkong. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu SWIFT, das nach eigenen Angaben im Jahr 2021 durchschnittlich 42 Millionen Mitteilungen pro Tag abwickelte. Die „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication“ wurde 1973 von 239 Banken aus 15 Ländern in Belgien gegründet. Sie schuf ein technisch standardisiertes Format für Auslandsüberweisungen – damals eine sensationelle Innovation gegenüber unsicheren und fehleranfälligen Textnachrichten per Telex. SWIFT kümmert sich also nicht selbst um die Zahlungsabrechnung und -abwicklung. Sein zentrales Computersystem validiert und übermittelt lediglich Mitteilungen, die frei von technischen oder sprachlichen Schnittstellen sind. Ohne dieses automatische Nachrichtensystem lassen sich allerdings grenzüberschreitende Überweisungen heutzutage kaum ausführen. Dementsprechend gehören dem Netzwerk über 11.000 Institute aus mehr als 200 Ländern an. Sein 25-köpfiges Board repräsentiert ganz überwiegend Finanzdienstleister aus westlichen Demokratien. Auch CIPS tauscht Nachrichten größtenteils über SWIFT aus, weil Chinas System vornehmlich dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr dient. Ein Gegenbeispiel wäre der Fedwire Funds Service der US-Zentralbank: Fedwire transferiert per eigenem Nachrichtenprotokoll US-$ zwischen Finanzdienstleistern, die ein Konto bei der Federal Reserve Bank unterhalten. Hier kann es also zwischen inländischen Instituten auch zu grenzüberschreitenden Überweisungen ohne SWIFT kommen. Übrigens lässt sich CIPS leicht mit CHIPS verwechseln. Bei CHIPS handelt es sich jedoch um das zweite große US-Zahlungssystem neben Fedwire, das ebenfalls vornehmlich inländischen Transaktionen dient. 1 SWIFT in der Defensive Jahrzehntelang arbeitete SWIFT weitgehend geräuschlos. Praktisch die ganze Welt nahm regelbasiert, vertrauensvoll und kooperativ daran teil. Seine monopolartige Stellung gerät aber von politischer und technologischer Seite unter Druck. Hinlänglich bekannt ist, dass die USA und zunehmend auch ihre Verbündeten SWIFT als politisches Sanktionsmittel nutzen. Kleinere bestrafte Volkswirtschaften wie Nordkorea, Kuba, Venezuela, Syrien und der Iran waren und wären jedoch nicht annähernd in der Lage, eine SWIFT-Alternative zu entwickeln. 2014 startete allerdings Russland mit dem als „System zur Übermittlung von Finanzmitteilungen“ übersetzbaren SPFS ein System, um sich von den schon damals verhängten Sanktionen der USA und EU abzukoppeln. Außerdem arbeiten laut Medienberichten seit 2019 die russische, indische und chinesische Regierung daran, grenzüberschreitende Zahlungen ohne SWIFT abwickeln zu können. Ein erster Schritt lag darin, wie in Indiens Iran-Geschäft im bilateralen Handel häufiger Rupien und Rubel statt US-$ zu nutzen. Daneben sollten Russlands SPFS und Chinas CIPS verknüpft werden. Schließlich wagten Deutschland, Frankreich und Großbritannien 2019 einen bescheidenen Vorstoß gegen SWIFT: Aus Unzufriedenheit mit Donald Trumps Iran-Sanktionen gründeten sie INSTEX, das „Instrument In Support Of Trade Exchange“. Es beschränkte sich darauf, humanitäre Güter wie Medikamente an SWIFT vorbei in den Iran zu liefern. Faktisch verlief diese Initiative im Sand – auch weil sich große europäische Unternehmen angesichts drohender US-Sanktionen nicht daran beteiligten. Aus technologischer Sicht gilt SWIFT zunehmend als teuer, langsam, umständlich, intransparent und unsicher. Soweit zahlende und empfangende Banken nicht direkt miteinander verbunden sind, durchlaufen die Nachrichten mitunter mehrere Korrespondenzbanken. Jede davon verlangt Gebühren und muss die Transaktion gemäß örtlicher Bestimmungen wie dem Geldwäschegesetz prüfen. Der gesamte Prozess kann mehrere Tage dauern, in denen nicht klar ist, wo sich der Auftrag gerade befindet. 10 05 | 2022

MARKT Daneben erhöht die Zahl der Netzwerkteilnehmer die Gefahr von Cyber-Angriffen. Tatsächlich haben die Hackerangriffe auf SWIFT in den letzten Jahren zugenommen. Zwar hat SWIFT die Kritik aufgegriffen und 2017 die preiswertere und transparentere Cloud-Lösung gpi eingeführt, was für „Global Payments Innovation“ steht. Dennoch bleibt die neue Konkurrenz, die im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr aus digitalem Geld resultiert. Private FinTechs bieten Blockchain-basierte Transfermöglichkeiten, die sicherer, transparenter, preiswerter und schneller als SWIFTs zentrale Plattform arbeiten. Beispiele sind RippleNet oder J. P. Morgans LIINK. Auch einige Notenbanken experimentieren gemeinsam daran, große Mengen elektronischen Zentralbankgelds per Blockchain-Technologie über Landesgrenzen zwischen Finanzinstituten zu transferieren. Darunter befindet sich auch China, das über das Projekt „mCBDC Bridge“ mit Thailand, Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten kooperiert. „mCBDC“ steht für „multiple Central Bank Digital Currency“, also das neue digitale Zentralbankgeld der teilnehmenden Notenbanken. 2 CIPS und digitaler Renminbi eng verknüpft Auf kurze Sicht wird die Blockchain ebenso wenig wie CIPS dafür sorgen, dass SWIFT überflüssig wird. Das liegt zum einen daran, dass sich private Krypto-Währungen (noch) nicht vollständig weltweit etabliert haben. Zum anderen wurde Chinas elektronische Währung eher als zentralstaatlicher Gegenentwurf zur dezentralen Blockchain konstruiert. Der E-CNY, e-RMB, E-Yuan oder „Chinas CBDC“, wie diese Währung wahlweise genannt wird, ist im Vergleich zu den Digitalprojekten anderer großer Volkswirtschaften weit entwickelt. Nur die Notenbank emittiert dieses digitale Zentralbankgeld. Sie kann faktisch jede noch so kleine Zahlung persönlich zuordnen. 3 Auf lange Sicht könnte der E-Yuan damit die Rolle des Renminbis im internationalen Zahlungsverkehr stärken, was wiederum eine Voraussetzung dafür wäre, die SWIFT-Dominanz zu senken. Wie das? Bis heute spielt der traditionelle Renminbi im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr eine konstant untergeordnete Rolle: Gemäß Abbildung ÿ 2 lag sein Anteil zuletzt bei gerade einmal 2,2 Prozent aller SWIFT- Transfers. Auch der Internationale Währungsfonds belegt, dass seit Jahrzehnten ein stabiler Anteil der weltweiten Ein- und Ausfuhren in US-$ und € bezahlt wird. Dabei hat Chinas Anteil am globalen Handel stark zu- und derjenige der USA und Europas abgenommen. Offensichtlich bevorzugen viele weitere Währungsräume Rechnungen in US-$ und €, wenn sie miteinander Geschäfte abwickeln. Das gilt insbesondere auch für asiatische Schwellenländer. 4 Denn Chinas Renminbi unterliegt bis heute weitreichenden Kapitalverkehrskontrollen. 05 | 2022 11

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