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die bank 05 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT PERSONALENTWICKLUNG „Die Absprunghöhe hat sich verringert“ Mit Mitte 50 wollte er es noch einmal wissen. Nach 20 Jahren bei der renommierten Personalberatung Egon Zehnder tauschte Magnus Graf Lambsdorff sein Hamburger 30-Quadratmeter-Büro mit Alsterblick gegen einen Schreibtisch in einem wuseligen Berliner Großraumbüro, gab ein stattliches Beratergehalt für die Partnerschaft bei einem Start-up auf. Mit unserer Autorin sprach der Neffe des früheren Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff über Ausstieg, Absprunghöhen und Arroganz. die bank: Graf Lambsdorff, nach 20 Jahren in der Beraterbranche war 2016 plötzlich Schluss. Gab es ein Schlüsselerlebnis mit der Erkenntnis: Jetzt reicht’s? Magnus Graf Lambsdorff: Nein, das hat sich langsam entwickelt. Ich hatte immer stärker das Gefühl, dass ich etwas verpasse. Im Jahr 2000 war ich schon einmal kurz ausgestiegen. Ich gründete tallyman.de, ein Online-Buchungsportal für Reisen, das aber kein Wagniskapital mehr bekam, als die Neue-Markt- Blase platzte. Wir haben das Start-up damals zum Glück an die Lufthansa verkaufen können und so die Insolvenz vermieden. Danach bin ich zurück zu Egon Zehnder gegangen. die bank: …und 2016 endgültig ausgestiegen, um bei Jan Beckers' Hitfox Group als Chief People Officer Mitarbeiter zu gewinnen, zu integrieren und zu entwickeln. Lambsdorff: Ich war bei HitFox schon als Business Angel investiert und kannte deshalb Jan Beckers. Er hatte 2014 die finleap GmbH mitgegründet, die gerade die solarisBank auf den Weg brachte. Wir mussten erfahrene Führungskräfte mit Ba- Fin-„Führerschein“ finden für eine Bank mit einer Bilanzsumme von Null. die bank: Welchen Reiz üben die FinTechs auf gestandene Manager auf? Das Gehalt kann es wohl nicht sein. Lambsdorff: Fach- und Führungskräfte aus der Bank- und Versicherungsbranche gewinnen zunehmend Vertrauen in die Entwicklung der FinTechs. In dieser „neuen Welt“ möchten sie gern eine Rolle spielen. Man darf aber nicht vergessen: So jemand ist in der Regel Anfang 40, hat Kinder, zahlt gegebenenfalls ein Haus ab und hat bestimmte Ansprüche. Da mittlerweile die jungen Finanztechnologieunternehmen aber besser mit Kapital ausgestattet sind, können sie auch höhere Gehälter zahlen. Das Risiko ist also nicht mehr ganz so groß. Die Absprunghöhe hat sich heute auf jeden Fall verringert. die bank: Was muss ein gestandener Banker neben der fachlichen Qualifikation mitbringen, um in einem FinTech mit den meist doch sehr jungen Mitarbeitern klarzukommen? Lambsdorff: Er oder sie muss sich auf die Arbeitsweise und das Verhalten von 25- bis 30-Jährigen einstellen und sie mitreißen können. Die Balance aus professioneller Erfahrung und unbedingter Neugier ist notwendig, um etwas tatsächlich Neues, aber Solides bauen zu können. Alles passiert schneller, weniger abgesichert und teils spontan. Sie müssen damit klarkommen, dass nicht mehr rechts und links, oben und unten Sicherheitspuffer vor falschen Entscheidungen bewahren. Eine gewisse innere Unabhängigkeit gehört auch dazu. Wenn man scheitert, darf einen dies nicht zu sehr angreifen. Konzernlenker sind ja selten Unternehmer, denn sie haben nie eigenes Geld verdient. die bank: Ein halbes Jahr nach Ihrem Abschied bei Zehnder haben Sie in einem Interview gesagt: „Ich habe das Gefühl, ich werde jeden Tag jünger, weil die Geschwindigkeit und die Intensität mir helfen, alle Sinne wieder scharf zu stellen, die 16 05 // 2019

MARKT teilweise abgestumpft waren.“ Was waren Lessons Learned in den zurückliegenden drei Jahren mit Blick auf die Menschen? Lambsdorff: Ich bin geländegängiger im Umgang mit jungen Menschen geworden. Heute verstehe und spreche ich die Sprache der neuen Welt und kann diese in der alten Welt übersetzen. Gleichzeitig habe ich auch viele Schwächen bei den Gründern entdeckt. Oftmals fehlt es ihnen an der Genauigkeit in der Ausführung, hinzu kommt bei vielen eine schleichende Überheblichkeit. die bank: …eine Überheblichkeit, die sicher nicht gut ist, wenn große Herausforderungen anstehen wie die Expansion in schwierige Märkte, etwa die USA. Lambsdorff: Gründer sollen frech sein und mutig alles infrage stellen. Gleichzeitig müssen sie bodenständig genug sein, um nicht die Stärken langjährig erfolgreicher Geschäftsmodelle einfach zu negieren. „You are so corporate“, lautet ein gängiges Schimpfwort in der Szene. Das finde ich sehr arrogant. Viele FinTechs, darunter auch sehr namhafte, müssen ihren Erfolg doch erst noch unter Beweis stellen. Als gute Konstellation empfinde ich es, wenn sich die meist jungen Gründer mit erfahrenen und deshalb älteren Managern verstärken und sich beide Seiten gegenseitig respektieren und voneinander lernen. die bank: Nach einem Jahr bei HitFox haben Sie mit Jan Beckers vereinbart, ihn weiter als Mitglied des Beirats zu begleiten. Es folgte eine zweijährige Station als Partner beim Ven- ture Capital Investor Lakestar. Mittlerweile unterstützen Sie das Familienunternehmen Viessmann bei der laufenden Transformation. Als Investor haben Sie nach wie vor einen guten Einblick in die FinTech-Szene. Was hat sich seit Ihrem Start bei HitFox in der Branche verändert? Lambsdorff: Anfangs haben viele FinTechs die Banken ganz klar als Gegner gesehen. Mittlerweile ist aus der Gegnerschaft eher eine Partnerschaft geworden. FinTechs können Banken Produkte und Services liefern, die diese nicht so schnell und gut entwickeln und einführen können. Aber die Banken verfügen über jahrzehntelange Kundenbeziehungen. Rein statistisch gesehen trennt sich ein Bankkunde doch eher von seinem Ehepartner als von seinem Konto. Es wäre also völlig vermessen, wenn man die Stärke der etablierten Finanzwirtschaft unterschätzen würde. Allerdings etablieren sich derzeit auch digitale Banken als Alternativen zu den etablierten Instituten. die bank: Nach Ihrem Start bei HitFox sind Sie mit drei 30-jährigen Kollegen in eine Kreuzberger WG gezogen. Haben Sie sich gut eingelebt? Lambsdorff: In der WG lebe ich schon lange nicht mehr. Das war mir dann doch zu wuselig. Nach einem halben Jahr habe ich mir in Mitte eine Wohnung gesucht, und am Wochenende bin ich ohnehin immer bei meiner Familie in Hamburg. die bank: Graf Lambsdorff, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Eli Hamacher. 05 // 2019 17

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