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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE HERBERT PFENNIG Der Ruhepol fi AT THE TOP Der 61-jährige Herbert Pfennig wuchs im Frankenland auf und wurde im April 2009 an die Spitze der Düsseldorfer apoBank berufen, die sich auf Kunden aus dem Gesundheitssektor spezialisiert hat. Seine berufliche Laufbahn hatte er mit mehreren Stationen bei der Dresdner Bank in Fürth gestartet, danach arbeitete er für Dresdner Kleinwort Benson im Ausland. Vor seinem Posten als Vorstandsvorsitzender war Pfennig von 2004 bis 2009 für die Frankfurter Sparkasse tätig. „Ich habe mich immer für Naturwissenschaften interessiert und hätte mir in diesen reizvollen Disziplinen auch meinen Berufsweg vorstellen können“, sagt Herbert Pfennig. Man spürt sein Faible für die Natur, wenn er von seinen Erlebnissen im Freien berichtet, etwa von seinem gut versteckten Beobachtungsstand auf dem Grundstück eines Bekannten, von dem aus der Hobby-Fotograf Eisvögel beobachten und ablichten kann. Aus der Liebe zum Planeten Erde entwickelte er sich später jedoch in eine völlig andere Richtung: Heute ist Herbert Pfennig Vorstandsvorsitzender der apoBank in Düsseldorf. Seine Eltern und vor allem sein Patenonkel hatten andere Pläne mit ihm. „Mein Patenonkel wollte mich seinerzeit zum Nachfolger in seiner Steuerberatungs-Kanzlei machen“, erinnert sich Herbert Pfennig. Unser Interview-Treffen findet in der Top-Etage eines Wolkenkratzers in Frankfurt statt. Von hier geht der Blick hinunter auf die gespenstisch und gleichzeitig reizvoll anmutende Skyline der Main-Metropole. „Früher“, so gesteht der Banker, „wollte ich eigentlich nie in Frankfurt arbeiten.“ Im Verlauf der Jahre habe er aber eine ganz besonders positive Beziehung zu dieser Stadt entwickelt; schließlich war er nach mehreren Stationen bei der Dresdner Bank in Fürth sowie für Dresdner Kleinwort Benson im Ausland dann von 2004 bis 2009 hier in Frankfurt für die Frankfurter Sparkasse tätig – zuletzt als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Am 1. April 2009 ereilte ihn der Ruf, an die Spitze des apo- Bank-Vorstands aufzurücken. Pfennig wurde am 19. August 1954 in Fürth geboren und hat im Fränkischen auch seine Kindheit verbracht. „Nein, für Fußball interessiere ich mich nur wenig“, beantwortet er kopfschüttelnd eine entsprechende Frage. Seiner Heimatstadt Fürth ist er noch immer sehr zugetan. Aber Herbert Pfennig teilt nicht unbedingt den Fanatismus des ehemaligen US- Außenministers Henry Kissinger, der als „Fürther Junge“ bekanntermaßen von den USA aus die Leistungen der Spvgg. Fürth – heute Greuther Fürth – beobachtet und bei seinen Deutschland-Besuchen hin und wieder im Stadion ist. So wie Kissinger die gedankliche Nähe zu seiner Heimat Deutschland erhalten blieb, so outet sich Herbert Pfennig heute als ein „Fan der USA“. Pfennig hat als überzeugter Marktwirtschaftler eher schon eine gedankliche Nähe zu einer anderen Fürther Berühmtheit, nämlich zu Ludwig Erhardt. Der „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ ist ebenfalls in Fürth geboren und aufgewachsen. Nicht selten ist der Weg hin zu großen Zielen steinig und mit hohen Hürden gepflastert. Das gilt gerade für die aktuell schwierigen Zeiten. Klare Orientierung und Durchsetzungsvermögen sind in diesen problembehafteten Tagen gefragt. Das gilt sowohl im privaten Leben und nicht zuletzt auch im Geschäftsleben. Erfolgreich ist in der Regel nur der, der mit Gelassenheit und Wissen Besonderes zu leisten imstande ist. Herbert Pfennig ist einer jener deutschen Banker, die mit diesen Pfunden wuchern können. Er erweist sich als aufmerksamer Zuhörer, als ruhiger und angenehmer Gesprächspartner. Auch wegen seiner unaufdringlichen Art hat er sich in 76 diebank 05.2016

BERUF & KARRIERE ó den vergangenen Jahren mit Wissen und Beharrlichkeit in der anspruchsvollen und nicht immer als einfach geltenden deutschen Banken-Szene bestens etabliert. Bankmanager, lautet eine in den Finanzzentren der Welt immer wieder zu hörende These, können sich Sentimentalitäten angeblich nicht wirklich leisten. Sie müssen vielmehr konsequent und zielgerichtet denken, abgehärtet sein und vor allem faktenorientiert agieren. Letztlich aber zeigt sich, dass das Erfolgsrezept auch für Banker gerade in der geschickten Kombination aus Menschlichkeit und klarer Zukunftsorientierung liegt. Dabei müssen Banker nicht selten auch Härte gegenüber sich selbst zeigen. Angesichts der globalökonomischen Exzesse und der ungeheuren strukturellen und technologischen Verschiebungen verlangt der Beruf des Bankers heute extrem viel Anpassungsvermögen. Mehrere Finanzkrisen während der vergangenen beiden Dekaden haben die Kapitalanleger verunsichert. Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben viel zur anhaltend großen Nervosität beigetragen. In diesem wirren Umfeld hat das Image der Banken stark gelitten – Wiedergutmachung und Schadensbegrenzung sind angesagt. Herbert Pfennig musste also auch gerade in dieser Hinsicht nach seinem Eintritt als Vorstand als vertrauensbildender Manager aktiv werden. Das ist ihm gut gelungen, und bei der apoBank sind vertrauensbildende Not-Maßnahmen heute nicht mehr notwendig. Dem Institut geht es nach einer recht schwierigen Phase inzwischen wieder richtig gut. Herzklopfen hatten sie in Düsseldorf nicht, als es im Jahr 2014 zum Stresstest für die Bank bei der EZB kam. Schließlich wurde diese Prüfung problemlos bestanden. „Wir sind fundamental so gut aufgestellt, dass wir auch eine länger anhaltende Phase niedriger Zinsen unbeschadet bestehen und gleichzeitig aus eigener Kraft weiter Kapital für künftiges Wachstum aufbauen können“, zeigt sich Pfennig als Optimist. Seine Zuversicht bezieht sich auch auf das globalwirtschaftliche Umfeld. Man solle nicht übersehen, dass sich die Wirtschaft derzeit entschuldet, nennt er einen wichtigen Grund für seine grundsätzlich optimistische Haltung. Es sei beileibe nicht so schlecht um die Weltwirtschaft bestellt, wie zahlreiche Ökonomen sagen. Eine globale Rezession erwartet Herbert Pfennig nicht. Langfristig sei die Globalökonomie seit Beginn der Zivilisation stets auf Wachstum ausgerichtet gewesen. fl Pfennig hat als überzeugter Marktwirtschaftler eher schon eine gedankliche Nähe zu einer anderen Fürther Berühmtheit: zu Ludwig Erhardt. Er sehe beileibe nicht so schwarz wie viele Pessimisten. Selbst, wenn durch die Automatisierung, Robotisierung und Digitalisierung in Zukunft einige bisher auf „Handarbeit“ beruhende Arbeitsplätze verschwinden sollten, werden sich Auswege bieten, ist er überzeugt: „Wir müssen es schaffen, den Menschen in diesen Bereichen der Wirtschaft neue Aufgaben zu stellen“, sagt Pfennig. Wachstum werde künftig auch dadurch erzielt, den Menschen eine größere Komfortzone im Dienstleistungssektor zu bieten. Natürlich werde sich die Rolle der Banken künftig stark verändern, sagt er im Hinblick auf das Thema Digitalisierung 4.0. Der Kunde müsse künftig noch stärker die Wahl haben zwischen der direkten persönlichen Beratung, der Nutzung des PC oder mobiler Kommunikationseinrichtungen. „Bei der apoBank werden sich Filialen künftig vor allem auf die Kundenberatung fokussieren“, sagt Pfennig. Daraus resultiere die Notwendigkeit einer Steigerung der Zahl von Beratern und Standorten, zerstreut er mögliche Befürchtungen der Bank-Mitarbeiter vor einem eventuellen Personalabbau. Derzeit verfügt die apoBank über gut 80 Standorte. „Wenn wir Deutschland geografisch gut abdecken wollen, müssen wir diese Zahl weiter ausbauen“, so die Zielvorgabe des Vorstandsvorsitzenden. Das persönliche Gespräch mit dem Kunden sei sehr wichtig und mit Blick auf das Ziel einer hochqualifizierten Beratung durch nichts zu ersetzen. Wer besser sein wolle als der Großteil der Branche, müsse zuvor seine Hausaufgaben machen. Die sich im Digitalisierungs-Zeitalter am Rande des Bankenwesens bildende FinTech-Branche könne sich dabei zu einer großen Hilfe für die etablierten Banken entwickeln. Beispielhaft erwähnt Pfennig in diesem Zusammenhang die zunehmende Zahl von Crowdfunding-Unternehmen, die eine Lücke im sich breiter aufstellenden Finanzdienstleistungssektor schließen. Zahlreiche Finanzgeschäfte der Fin- Tech-Unternehmen würden künftig letztlich doch wieder im Bankensektor andocken. Eine zu starke Regulierung durch die Kontrollbehörden erschwere zweifellos das Bankgeschäft, kritisiert Pfennig die nach der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 beschlossenen Maßnahmen. Auf absehbare Zeit rechnet der Banker nicht mit einer Deregulierung. Seine auf Kunden aus dem Gesundheitssektor (Apotheker, Ärzte, Tierärzte, Heilberufe-Organisationen sowie Gesundheitsunternehmen) fokussierte Bank habe ihr Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft, gibt Pfennig das Ziel der Expansion vor. Für den Anleger hat Pfennig einen auf den ersten Blick möglicherweise wenig attraktiven Ratschlag parat: „Manchmal erweist es sich für Anleger als richtig, schlichtweg Geduld zu haben, auch wenn Bargeld, Festgeld und Sparkonten derzeit wenig attraktiv sind.“ Investoren würden gut daran tun, auf die nächsten Opportunitäten an den Kapitalmärkten zu warten. ó Jonas Dowen 05.2016 diebank 77

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