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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE Helden gesucht fi INTERVIEW INTERVIEW Mit Jobwechseln kennt sich Tiemo Kracht bestens aus. Seit mehr als 20 Jahren sucht der Headhunter für Konzerne Spitzenkräfte und organisiert Nachfolgeregelungen für Mittelständler. Den Bankensektor hat der 51-Jährige besonders gut im Blick: Als Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants GmbH ist der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler u. a. für Anbieter von Finanzdienstleistungen verantwortlich. Welche Perspektiven erwarten Führungskräfte, wenn sie ihre Position bei privaten, genossenschaftlichen oder öffentlich-rechtlichen Instituten verlieren – Führungskräfte, die nicht selten ein Leben lang demselben Arbeitgeber gedient und deshalb keinerlei Erfahrungen mit Bewerbungen sowie dem Start bei einem neuen Arbeitgeber haben? diebank: Herr Kracht, die Finanzbranche steht vor einem weiteren massiven Personalabbau. Wie macht sich das Thema bei Ihnen bemerkbar? Kracht: Neben der verstärkten Mandatierung zur Besetzung von Organ- und Führungsfunktionen verzeichnen wir eine stark wachsende Zahl von Initiativbewerbungen, insbesondere von Führungskräften. Die Beschäftigten stehen unter dem Druck, sich verändern zu müssen. Die Chancen auf eine adäquate Positionierung haben sich aber eingetrübt, weil Belegschaften aller großen Banken derzeit abschmelzen. Deshalb müssen die Bewerber ihr Visier weiter öffnen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ein Teil temporär arbeitslos wird. Bill Gates hat es treffend zugespitzt: Banking is necessary, banks are not. diebank: Unterscheidet sich diese Entlassungswelle von früheren? Kracht: Die letzten beiden Wellen wurden durch aktuelle Ereignisse ausgelöst, einmal durch den Terrorakt 9/11 in 2001, das nächste Mal durch den Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise 2008 und 2011. Jetzt ist die Krise Folge eines strukturellen Umbruchs. Die Banken sind gewissermaßen die Stahl- und Kohleindustrie des 21. Jahrhunderts. Der demografische Wandel, online-basierte Geschäftsmodelle, das Erstarken der FinTechs, das veränderte Konsumentenverhalten der Generation Y und Z, der Wettbewerbsdruck durch ausländische Institute, die langanhaltende Niedrigzinsphase, die massive Regulatorik und Vertrauenskrisen bilden das Rahmenwerk für diese Umwälzung. diebank: Was raten Sie Führungskräften, die ihren Job verlieren? Kracht: Sie sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und erst einmal Abstand gewinnen, um mit der Vergangenheit abzuschließen und die Zäsur im Berufsleben anzunehmen. Auch ein zeitweiliges Cocooning in der Familie kann guttun. Viele machen den Fehler, zu früh in den Markt zu gehen und Gespräche zu führen. Oftmals sind sie dann nicht souverän genug und wirken gebrochen, mindestens aber emotional und mental belastet. Bis zur neuen guten Aufgabe können durchaus sechs bis zehn Monate vergehen. Schwierig wird es für Beschäftigte, die ausschließlich in Filialorganisationen gearbeitet haben. Denn hier bauen nicht nur die privaten Banken ab, sondern auch Volksbanken und Sparkassen. diebank: Wo bieten sich Chancen am Arbeitsmarkt? Kracht: Viele Führungskräfte haben die Bank als sichere Bank empfunden, immer nur in dieser Branche gearbeitet, manchmal sogar stets in einem Wirkungskreis und so nie die berufliche Komfortzone verlassen. Anders als im angelsächsischen Raum wird eine Jobrotation als Bedrohung empfunden und nicht als Chance für einen Aufstieg. Führungskräfte können zum Beispiel auch in kaufmännische Leitungsfunktionen oder als CFO in andere Branchen wechseln. Wer Erfahrungen in der Gesamtbanksteuerung, im Risi- 68 diebank 05.2016

BERUF & KARRIERE ó kocontrolling, im Produktmanagement oder im Bereich IT/Prozesse mitbringt, kann zu einem FinTech gehen. Dieses Know-how ist stark gefragt. Beschäftigte aus dem Asset Management machen sich auch schon mal als unabhängiger Vermögensverwalter selbstständig. Wieder andere gehen in die Beratung oder zu einem Finanzdienstleister. Last but not least bleibt der Wechsel innerhalb der Bankenbranche. diebank: Wie oft wird tatsächlich die Branche gewechselt? Kracht: Das Gros bleibt mit 80 Prozent im Finanzdienstleistungssektor, der Rest wagt sich auf neues Terrain. diebank: Und wie durchlässig sind die drei Bankblöcke – privat, öffentlich-rechtlich und genossenschaftlich – wenn Führungskräfte einen neuen Job suchen? Kracht: Wir haben in der Vergangenheit häufiger Führungskräfte von großen privaten Banken in Managementpositionen von Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken vermittelt. Besonders oft kommt das allerdings nicht vor. Offenbar ist man immer noch der Meinung, dass eine Sozialisierung innerhalb des jeweiligen Verbunds kulturell am besten passt. Die Durchlässigkeit zwischen den drei Säulen sollte wachsen, das erschließt Innovationsräume. diebank: Bietet das Ausland Chancen? Kracht: Durchaus. Insbesondere in Österreich, in der Schweiz, teilweise auch in Benelux und damit in kleinen Märkten, finden mobile, flexible Manager adäquate Führungsaufgaben. Im Lebenslauf sollte es dann natürlich internationale Stationen geben. Auch in Asien genießen deutsche Führungskräfte einen guten Ruf. Chinesische Kreditinstitute haben großes Interesse an europäischen Führungskräften, um eine Schnittstelle zu einem ihrer wichtigen Wachstumsmärkte zu schaffen. Weniger gut sieht es in den USA aus. Die von einer starken Konsenskultur samt Mitbestimmung geprägten deutschen Manager haben dort keine Konjunktur, sondern agieren meist in den europäischen Ablegern. diebank: Wenn so viele Stellen abgebaut werden, besteht dann überhaupt die Chance, wie sonst üblich, beim Wechsel zehn bis 20 Prozent mehr Gehalt durchsetzen zu können? Kracht: Wer bereits die Stelle verloren hat oder freigestellt wurde, muss durchaus mit einer Senkung des Fixgehalts von 10 bis 30 Prozent rechnen. Das trifft auf schätzungsweise 40 Prozent der Bewerber zu. Wird jemand aus einem festen Job abgeworben, ist dieser Anteil mit 25 Prozent aber deutlich geringer. diebank: Eine gute Nachricht zum Schluss? Kracht: Aufgrund der demografischen Entwicklung werden Fachund Führungskräfte in Deutschland knapp. Banker sind gut ausgebildet. Die Unternehmen können es sich gar nicht leisten, dieses Potenzial nicht auszuschöpfen. Und in einer Krise werden immer auch neue Helden geboren. In den oberen Führungsetagen stellt sich die Frage, ob die Neuausrichtung des Instituts mit dem bestehenden Management bewältigt werden kann oder ob man es besser auswechselt. Das schafft Räume für Karrieresprünge. diebank: Das waren sogar zwei gute Nachrichten. Herr Kracht, vielen Dank für das Gespräch. Gut zu wissen: Interim-Management Interim-Manager werden von sogenannten Providern an ein Unternehmen vermittelt oder schließen direkt mit diesem einen Beratungsvertrag. Zwei Verbände vertreten Interim-Manager: die Dachgesellschaft Deutsches Interim-Management www.ddim.de sowie der Arbeitskreis Interim Management Provider www.aimp.de Beim DDIM kann man sich auf regionaler Ebene vernetzen und sich mit Interim-Managern austauschen. Auch auf Xing haben sich Gruppen etabliert. Zeitarbeit Die Mitarbeiter sind bei der Zeitarbeitsfirma fest angestellt und werden von dieser für eine gewisse Zeit an den Arbeitgeber, also den Kunden der Zeitarbeitsfirma, ausgeliehen. Die Zeitarbeit kann auch in eine feste Anstellung bei diesem Kunden münden. Zu den führenden Anbietern mit dem Branchenschwerpunkt Banken zählen unter anderem Robert Half, DIS AG, Amadeus FiRe, Hays Temp oder Bankpower. Informationen der Branchenverbände unter: http://luenendonk-shop.de/ Luenendonk-Listen/Zeitarbeit/. Informationen der Branchenverbände können abgerufen werden unter www.ig-zeitarbeit.de oder unter www.personaldienstleister.de Outplacement, New Placement Diese meist vom Arbeitgeber finanzierte Dienstleistung soll es dem Mitarbeiter ermöglichen, sich mit professioneller Hilfe beruflich neu zu orientieren, sei es als Angestellter oder als Unternehmer. Zu den Pionieren der Branche zählt in Deutschland die 1985 gegründete v. Rundstedt & Partner GmbH in Düsseldorf mit mittlerweile 20 Standorten in der DACH-Region. Aber auch im Executive Search tätige Personalberater wie Kienbaum haben seit vielen Jahren sogenannte New-Placement-Berater. Im Gegensatz zum Outplacement werden beim New Placement auch Kandidaten angesprochen, die eine feste Anstellung haben und aktiv ihre Karriere planen wollen. Die in Deutschland führenden Outplacement-Experten haben sich im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. zusammengeschlossen: http://www.bdu.de 05.2016 diebank 69

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