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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE halten sich die Banken zurzeit zurück. Denn noch laufen vielerorts Verhandlungen mit den Betriebsräten. Gleichzeitig gehen bei den Personalberatern immer mehr Bewerbungen ein. „Wir verzeichnen eine stark wachsende Zahl von Initiativbewerbungen, insbesondere von Führungskräften“, sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants GmbH (siehe Interview). Die Beschäftigten stünden unter dem Druck, sich verändern zu müssen. „Die Chancen auf einen adäquaten Job haben sich aber eingetrübt, weil alle großen Banken derzeit abbauen“, weiß Kracht. Wenn sich Führungskräfte an den Outplacement-Spezialisten von Rundstedt wenden, haben sie entweder bereits einen Auflösungsvertrag, der eine vom Arbeitgeber finanzierte Outplacement-Beratung einschließt. Oder sie beugen vor, weil sie erste dunkle Wolken sichten. Doch das ist die Minderheit. „Das Gros der Mitarbeiter verharrt wie das Kaninchen vor der Schlange. Das ist fatal“, findet Claus Verfürth, der selbst lange bei der Apotheker- und Ärztebank gearbeitet hat und deshalb die Branche bestens kennt. Wie bei Kienbaum melden sich bei von Rundstedt vermehrt Betroffene. Da zum Teil – wie bei der Commerzbank – Führungsebenen zusammengelegt würden, seien jetzt auch verstärkt Top-Manager betroffen, beobachtet Verfürth. Er rät Senior Executives deshalb, ihr berufliches Netzwerk kontinuierlich zu pflegen, um es im Notfall gezielt aktivieren und auch erweitern zu können (siehe Kasten). „Auf dieser Ebene sind der verdeckte Stellenmarkt und ein belastbares Netzwerk das A und O. Daher ist es wichtig, sein Ohr immer am Markt zu haben, und so die richtigen Kontakte zu den wichtigen Partnern zu knüpfen.“ Der Manager räumt allerdings auch ein, dass „die Netzwerke oftmals nicht mehr so belastbar sind, wenn der Job erst mal weg ist“. Wenn der Blitz einschlägt, begleiten die Berater den Umbruch im Idealfall bis zum neuen Job. Etwa 22 Prozent des bisherigen Jahresgehalts werden dafür zu Beginn der Beratung fällig. Möglich ist auch ein kleineres Paket, das eine zeitlich limitierte Beratung beinhaltet. Am Anfang des Prozesses stehen die berufliche und private Analyse des Arbeitnehmers, verbunden mit der Einschätzung seiner Karriereperspektiven. Verfürth: „Man muss die Fragen klären: Was macht mich als Manager aus? Was will ich, und wo ist der Markt dafür?“ Was gar nicht so schwierig klingt, ist es doch. Sich selbst einzuschätzen und zu vermarkten, fällt vor allem denen schwer, die nie oder lange nicht gewechselt haben. Auch bei Lebenslauf, Anschreiben, Interviewtraining, Stellensuche und schließlich Abschluss eines Arbeitsvertrags steht der Berater zur Seite. Anders als der Headhunter schlägt der Outplacement-Experte jedoch keine konkreten Stellen vor, er begleitet lediglich den Prozess als Sparringpartner und stellt gegebenenfalls Kontakte her zu Unternehmen und Personalberatern. Für Top-Manager rechnet man im Schnitt mit neun Monaten, für das mittlere Management mit fünf bis sechs Monaten bis zum Abschluss eines neuen Arbeitsvertrags. Der Worst Case ist für Verfürth, wenn ein Bewerber zu lange an Ideen festhalte – sei es an einer Branche, einer Gehaltsvorstellung oder einer Position. „Man muss bereit sein, Plan B zu folgen, wenn Plan A nicht funktioniert.“ Dazu gehört auch, sich gegebenenfalls von der Idee eines festen Jobs zu lösen. „In Zeiten eines Einstellungsstopps nutzen Banken verstärkt Zeitarbeit, um Projekte abwickeln zu können“, sagt Stephan Bahns, Associate Director bei der Robert Half Deutschland GmbH in Frankfurt, die u. a. für Banken-, Finanzund Rechnungswesen Zeitarbeiter vermittelt. So ergäben sich gute Chancen für Bewerber, schnell einen Anschlussjob zu finden. „Sie vermeiden damit einerseits, in ein tiefes Loch zu fallen. Andererseits erschwert es den Wiedereinstieg, wenn ein Bewerber ein Jahr aus dem Beruf ist.“ Bahns sieht zudem als Vorteil, dass man sich auf einer zeitlich befristeten Stelle ausprobieren könne. In 50 Prozent der Fälle gebe es sogar Übernahmeangebote. Viele Kandidaten fahren parallel, arbeiten mit befristeten Verträgen und schauen sich weiter um. Was die Suche erschweren kann, ist die oft lange Verweildauer der Banker in einem Institut. Diese sei höher als in anderen Branchen, weiß Bahns. Hat ein Kandidat sein 30-jähriges Dienstjubiläum beim Arbeitgeber gefeiert und das Gros der Zeit zum Beispiel eine Filiale geleitet, stehen die Chancen deutlich schlechter als bei Mitarbeitern, die sehr beweglich waren. Kandidaten mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, Studium oder Zusatzqualifikation zum Bankfachwirt, gegebenenfalls Erfahrungen bei einem der Big-Four-Wirtschaftsprüfer, sehr guten Englischkenntnissen, Auslandserfahrung und Stationen in einem der jetzt stark gefragten Bereiche wie Compliance, Regulatorik oder Risikomanagement müssten sich deutlich weniger Sorgen machen. Schließlich stünden den Bewerbern nicht nur Banken offen – allein in Frankfurt sind 467 Institute gelistet, sondern auch Finanzdienstleister, Asset Manager oder etwa Real-Estate-Firmen. Dass die Branche gewechselt wird, erlebt Bahns wie Kienbaum- Manager Kracht eher selten. „Der Großteil bleibt in der Finanzwelt – nicht weil er es müsste, sondern weil er will.“ Auf „Feuerwehreinsätze“ hat sich Antje Lenk spezialisiert. Die Geschäftsführerin von Bridge Imp in Grünwald bei München vermittelt Interim-Manager für Führungsaufgaben bei Mittelständlern und Konzernen. So überbrücken ihre Kunden temporäre Personalengpässe. Anders als bei Personalleasingfirmen übernehmen die Manager auf Zeit ausschließlich höhere Führungsaufgaben auf der ersten oder zweiten Ebene. Anfang des Jahres hat Unternehmerin Lenk Tapani Hänninen von der BHF Bank geholt. Bei Bridge Imp wird der Finne jetzt die Bereiche Banken, Finanzdienstleistungen, Private-Equity sowie IT be- 66 diebank 05.2016

BERUF & KARRIERE ó treuen und ausbauen. In der unter starkem Veränderungsdruck stehenden Branche sieht der Experte noch großes Potenzial für Interimlösungen. Um als Interim-Manager bestehen zu können, müsse man ein Unternehmertyp sein, gut vernetzt und finanziell gut aufgestellt und mit einem Jahr Vorlauf rechnen, erklärt die Chefin von Bridge Imp. „Der ideale Kandidat ist zwischen Ende 40 und Ende 50, sehr erfahren und routiniert in unterschiedlichsten Aufgabenbereichen, ein guter Kommunikator, und er sollte sich als Dienstleister sehen“, fügt sie weitere Punkte zum Wunschprofil hinzu. Der Interim-Manager wird dann entweder direkt vom Unternehmen auf Basis eines Beratervertrags angestellt oder er schließt einen Vertrag mit Bridge Imp. Die Tagessätze bewegen sich zwischen 800 und 1.200 € und hängen ab von Erfahrung, Kompetenz und Art der Aufgabe. Davon bekommt der Manager aber nur zwischen 75 bis 80 Prozent, falls er für einen Provider arbeitet. Stimmt das finanzielle Polster, weil der Ausgeschiedene eine üppige Abfindung erhalten oder lange vorgesorgt hat, lockt nicht zuletzt die umtriebige FinTech-Branche, sei es als Investor, Gründer, Business Angel oder Vorstand. Bei den aufstrebenden Finanzdienstleistern tummeln sich nicht nur technikaffine junge Gründer, sondern auch ehemalige Mitarbeiter aus Banken. So war die 2015 von der Deutschen Börse für 725 Mio. € gekaufte Devisenhandelsplattform 360T im Jahr 2000 von einem Ex-Angestellten der Dresdner Bank mit Freunden gegründet worden. So richtig in Schwung kommt die junge Branche jedoch erst seit einigen Jahren. Zwischen 2012 und 2015 hat sich das in deutsche FinTech-Firmen investierte Risikokapital nach Berechnungen der Barkow Consulting GmbH von 39 auf 374 Mio. € erhöht und allein 2015 gegenüber 2014 verdoppelt. „Bringt ein Banker regulatorische oder technologische Kompetenz mit, profitiert das FinTech nicht nur im operativen Geschäft. Das zusätzliche Know-how wissen auch die Investoren zu schätzen“, sagt Geschäftsführer Peter Barkow. Wer den gut bezahlten komfortablen Bankenjob gegen die unsichere Start-up-Welt tauscht, sollte jedoch flexibel sein. „Es kann passieren, dass man auch mal Toilettenpapier kaufen muss“, witzelt der Berater. Aber vielleicht steckt gerade in einem radikalen Umbruch eine große Chance. In der von Rundstedt-Studie gaben im Rückblick drei Viertel der befragten Senior Executives an, dass sie heute in ihrer neuen Position mehr Freiheiten und Gestaltungsspielraum genießen. Mehr als 80 Prozent haben mehr Freizeit als früher. Bei fast 90 Prozent haben sich ihre privaten Beziehungen verbessert. Alle Studienteilnehmer gaben an, ihre Lebensfreude sei nach dem überstandenen Umbruch mindestens ebenso groß wie früher, teilweise sogar größer. ó 1 Vgl. „die bank“ 12.2015 Wenn der Blitz einschlägt... Wie Führungskräfte den Weg zurück an die Spitze finden, rät Claus Verfürth, Managing Director bei der Düsseldorfer Karriereberatung von Rundstedt und verantwortlich für die neue Marke „The Boardroom“, die Top-Managern individuelle Karriereberatung und Coachings anbietet. Netzwerke pflegen Interne wie auch externe Netzwerke müssen kontinuierlich gepflegt und aufgebaut werden. Mitgliedschaften bei Xing oder LinkedIn sind mittlerweile auch in den Chefetagen hilfreich. Für den Notfall vorsorgen Die finanzielle Absicherung sollte frühzeitig organisiert werden – und zwar solange die finanziellen Ressourcen noch da sind. Juristischen Rat befolgen Im Fall einer Kündigung ist es sehr sinnvoll, juristischen Rat einzuholen. Verhandeln sollte der Betroffene in den meisten Fällen jedoch selbst. Die Chance, beim ehemaligen Arbeitgeber auf Gutwilligkeit zu stoßen und das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, ist so meist größer. Abfindung clever verhandeln Im Mittelpunkt der Ausstiegsverhandlungen sollte die Sicherung der materiellen Basis in Form einer angemessenen Abfindung oder ähnlichem stehen. Wichtig ist es, gut vorbereitet in die Verhandlungen über die Trennungsmodalitäten zu gehen. Im Guten gehen Um zu einem späteren Zeitpunkt auf den ehemaligen Arbeitgeber als glaubhaften Referenzgeber zurückgreifen zu können, sollte während des Trennungsprozesses auf kommunikative Tiefschläge verzichtet werden. Man begegnet sich im Leben immer zweimal. Zeit sinnvoll nutzen Aktivitäten außerhalb des Unternehmens haben bei der Bewältigung der Krise eine immense Bedeutung. Neben der Zeit, die mit der Familie und Freunden verbracht wird, können Hobbys oder das Engagement in Ehrenämtern, Sportvereinen oder Gremien eine positive Rolle spielen. Wiedereinstieg strukturiert planen Gemeinsam mit einem Sparringpartner sollte man strukturiert damit beginnen, eigene Alleinstellungsmerkmale zu ermitteln, Ziele zu definieren und Einsatzfelder zu suchen. Dazu gehört es, sich infrage stellen zu lassen und „Was-wäre-wenn“-Szenarien durchzugehen. Geduld haben Zunächst sollte der Topmanager die Illusion eines schnellen Wiedereinstiegs hinter sich lassen. Nur so kann er sich voll und ganz darauf konzentrieren, seinen individuellen Mehrwert sichtbar zu machen und daraus seine persönliche Marketingstrategie abzuleiten. 05.2016 diebank 67

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