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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING und

ó BANKING und Überwachungspflichten sowie die nachgelagerte Produktbeobachtungspflicht. Lange: Wenn man alle neuen Regelungen unter MiFID II/MiFIR zusammen betrachtet, fällt auf, dass künftig die gesamte Wertschöpfungskette – von der Product Governance über den „Point of Sale“ bis zum Beschwerdewesen – detailliert und umfassend reguliert sein wird. So begrüßenswert dieser generelle Ansatz im Sinn einer Entzerrung und besseren Allokation der jeweiligen Verantwortlichkeiten auch sein mag, muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Gefahr der Überregulierung mit unbeabsichtigten Folgen – jedenfalls im Wertpapiergeschäft – so groß ist wie nie zuvor. diebank: Welche der Neuerungen sind gelungen? Lange: Für grundsätzlich gelungen halte ich – in systematischer Hinsicht und als konsequente Adressierung möglicher „Root Causes“ – die neue Product-Governance-Regulierung. Ob diese Einschätzung nach Vorliegen der voraussichtlich detailreichen weiteren Texte auf Level 2 und Level 3 beibehalten werden kann, muss sich allerdings noch erweisen. Feck: Wünschenswert wäre eine gesetzgeberische Klarstellung, dass die im Aufsichtsrecht verankerten Pflichten auch zivilrechtliche Pflichten begründen. Hier sehe ich noch ein Desiderat. Ob die Geeignetheitserklärung eine Verbesserung im Dr. Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik, Vergleich zum Beratungsprotokoll darstellt, Deutsches Aktieninstitut e.V. wird die Zukunft zeigen müssen. Ich bin da etwas skeptisch. Beschränkt sich die Erklärung auf allgemeine Aussagen ohne die individuelle Empfehlung zu begründen, wird sie keinen Nutzen haben. Florian Weber, Vorstandsvorsitzender der Schnigge Wertpapierhandelsbank AG. Weber: Als gesund empfinde ich diese Auswirkungen nicht, aber wir werden uns wohl oder übel mit der MiFID II arrangieren müssen. Was die Produkte anbelangt, handelt es sich um eine äußerst bunte Palette. Und das ist ja auch in Ordnung. Für jedes Finanzprodukt findet sich zumeist auch ein Käufer. Wäre dies nicht der Fall, verschwänden diese Angebote auch schnell wieder vom Markt. Von zentraler Bedeutung ist doch nur, dass Finanzprodukte für den Käufer transparent und nicht mit versteckten Risiken behaftet sind, die nicht erkennbar sind. Feck: Produktverbote halte ich auch nicht für sinnvoll. Wichtiger ist die Risikoaufklärung. Sofern ein Privatanleger das Risiko minimieren oder ausschließen will, kann er einlagengeschützte Produkte kaufen. Das bedeutet aber nicht, dass jetzt nur noch solche Produkte angeboten werden sollen. Das ist eine Frage des individuellen Risikoappetits und der persönlichen Anlagestrategie. diebank: Eines der erklärten Ziele von MiFID II ist die Verbesserung des Anlegerschutzes. Wenn Sie an die Neuerungen zu Zuwendungen (Inducements), die Aufzeichnungspflicht (Record-Taping) etc. denken, werden diese Instrumente tatsächlich zu einer Veränderung der Anlegersituation, gerade auch bei Rechtsstreitigkeiten, führen oder werden hier nur neue „Kriegsschauplätze“ eröffnet? Feck: MiFID II wird keine grundlegende Änderung bewirken. Im Übrigen muss man feststellen, dass eine Vielzahl von Regulierungsmaßnahmen, die im Gefolge der Finanzkrise entstanden sind, den Anlegerschutz nicht spürbar verbessert hat. Die EU favorisiert eher Quantität als Qualität in der Regulierung. Es geht hier eigentlich um eine verpasste Chance. Warum bleibt es auch zukünftig bei der geteilten Aufsicht bei allen Beratern und Vermittlern? Die BaFin sollte jeden beaufsichtigen, der mit der Vermittlung und Beratung von Finanzprodukten an Verbrauchern zu tun hat. Die Fragen stellten Gerrit Fey und Stefan Hirschmann. diebank: Wird MiFID II zu einer „Gesundschrumpfung“ bei Finanzdienstleistern führen, da bestimmte Produkte von bestimmten Häusern nicht mehr angeboten werden können? 22 diebank 05.2016

BANKING ó Bargeld bleibt beliebt DISKUSSION UM ABSCHAFFUNG Was in vielen Ländern bereits Realität ist, könnte bald auch in Deutschland eingeführt werden: Obergrenzen für Bargeldzahlungen. Auch der 500-Euro-Schein sieht eventuell seinem Ende entgegen. Darauf deuten zumindest Überlegungen von EZB, EU und Bundesregierung hin, die Anfang Februar bekannt wurden. Doch ist dies überhaupt erwünscht, und wie werden diese Maßnahmen bewertet? Die Ergebnisse einer aktuellen Befragung zu Bargeld und einer möglichen Beschränkungen seiner Nutzungsmöglichkeit zeichnen ein interessantes, vielschichtiges Meinungsbild jenseits von plakativen Argumenten und ideologischen Diskussionen. Sebastian Serfas Keywords: Zahlungsverkehr, Finanzwirtschaft Im Rahmen eines Forschungsprojekts der FOM Hochschule Nürnberg wurden deutschlandweit über 1.300 Berufstätige zwischen 17 und 57 Jahren ausführlich über ihr Verhältnis zu bargeldlosen Zahlungsmitteln und potenziellen Beschränkungen der Bargeld-Nutzungsmöglichkeiten befragt. Ein wichtiges Ergebnis vorweg: die Mehrheit der Befragten (81 Prozent) spricht sich klar gegen eine vollständige Abschaffung des Bargelds aus. Umgekehrt bedeutet dies jedoch auch, dass bereits jeder Fünfte eine komplette Bargeldabschaffung befürwortet. Dieser Anteil ist unter den männlichen Befragten deutlich größer (23 Prozent) als unter den weiblichen Teilnehmern (14 Prozent). Auch regional scheint es Unterschiede zu geben: Während sich in Berlin nur knapp zehn Prozent der Befragten für eine Bargeldabschaffung aussprechen, befürwortet dies in Frankfurt fast jeder vierte Befragte. Dagegen gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen Altersgruppen. Die Ablehnung einer vollständigen Bargeldabschaffung ist jedoch in keinster Weise gleichbedeutend mit einer Ablehnung von bargeldlosen Zahlungsmitteln. Bargeldlose Zahlungsmittel mit großer Bedeutung Vielmehr erfreuen sich bargeldlose Zahlungsmittel großer Beliebtheit und werden im Alltag immer wichtiger. 83 Prozent der Befragten nutzen diese bereits häufig oder sehr häufig. 93 Prozent erwarten, dass die Bedeutung bargeldloser Zahlungsmittel zukünftig zunehmen wird. Zu den bargeldlosen Zahlungsmitteln gehört dabei nicht nur die in der aktuellen Diskussion häufig stellvertretend genannte Kreditkarte, die 78 Prozent der Befragten bereits genutzt haben. Am verbreitetsten sind in Deutschland Girocards („EC-Karte“) mit 98 Prozent, Lastschriften (94 Prozent) und Online Banking (92 Prozent). Auch mit Paypal haben bereits 71 Prozent Erfahrungen gesammelt. Zahlungen per Mobiltelefon, das sogenannte Mobile Payment, haben dagegen nur 13 Prozent bisher genutzt. Alternative Online-Währungen wie Bitcoins spielen bei den Befragten keine relevante Rolle (4 Prozent). Die grundsätzliche Bereitschaft zur Nutzung von bargeldlosen Zahlungsmitteln im Alltag ist insbesondere bei mittelgroßen Transaktionen sehr hoch, zum Beispiel im Restaurant (95 Prozent), im Supermarkt (97 Prozent) oder an der Tankstelle (99 Prozent). Aber auch im Café oder Kiosk kann sich bereits jeder Zweite eine bargeldlose Bezahlung grundsätzlich vorstellen. Schon bei Beträgen ab etwa 10 € ist die tendenzielle Bereitschaft zum bargeldlosen Bezahlen relativ hoch (86 Prozent) und steigt mit wachsenden Beträgen weiter an, beispielsweise auf 93 Prozent für Beträge über 25 Euro bzw. 98 Prozent für Transaktionen über 100 €. Im Vergleich mit dem Bargeld punkten die bargeldlosen Zahlungsmittel vor allem beim Thema Bequemlichkeit: 86 Prozent der Befragten empfinden die bargeldlose Zahlung als bequemer. Andererseits wird Bargeld von 71 Prozent tendenziell als sicherer erachtet. Einen weiteren Vorteil von Bargeld sehen 76 Prozent der Befragten darin, dass die Nutzung von Bargeld eine bessere Selbstkontrolle des eigenen Ausgabeverhaltens ermöglicht: man kann im wahrsten Sinne des Wortes zusehen, wie das Geld im Geldbeutel weniger wird. Bereits existierende Bargeldbeschränkungen Beim Thema der Bargeldnutzung bzw. der Beschränkung derselben lohnt sich auch ein Blick ins Ausland. In vielen Ländern sind Einschränkungen der Bargeld-Nutzungsmöglichkeiten bereits Realität. Beispielsweise gelten in Frankreich, Portugal und Italien Obergrenzen 05.2016 diebank 23

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