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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING MiFID II:

ó BANKING MiFID II: Viel Aufwand, wenig Nutzen? ROUND TABLE Wenn die überarbeitete Finanzmarktrichtlinie MiFID II und die ergänzende Finanzmarktverordnung MiFIR wirksam werden, müssen die Weichen bei Banken und Börsen längst gestellt sein. Betroffen sind zentrale Aspekte der Marktstruktur (Handelsplätze und Clearingpflicht für Derivate, systematische Vor- und Nachhandelstransparenz, Commodity-Derivate sowie algorithmischer und hochfrequenter Handel), aber auch und vor allem eine breite Palette von Anlegerschutzthemen. Hierüber diskutierten Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf AG, Markus Feck, Leiter Gruppe Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW, KPMG- Partner Dr. Markus Lange sowie Florian Weber, Vorstandsvorsitzender der Schnigge Wertpapierhandelsbank AG, unter der Moderation von Dr. Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik beim Deutschen Aktieninstitut (DAI). diebank: Im Dschungel einer kaum mehr zu überblickenden Vielzahl von Regularien ist MiFID II nur eine von vielen. Welche Bedeutung kommt diesem bankaufsichtlichen Vorhaben zu? Lange: MiFID II und MiFIR sind eine substanzielle und keinesfalls zu unterschätzende Herausforderung für die betroffenen Marktteilnehmer. Die Umsetzung der neuen Regeln führt nicht nur zu einem erheblichen operativen Anpassungsbedarf, sondern wirft auch zentrale strategische Fragen im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen auf. Dies gilt sowohl auf der Handelsseite (Handelsplätze, Transparenz) als auch im Wertpapiergeschäft, etwa hinsichtlich der Qualitätsverbesserung bei provisionsbasierter Beratung oder der geforderten Telefonaufzeichnung. Dierkes: Das ist richtig. Der Aufwand ist gewaltig. MiFID II enthält eine Fülle von Detailregelungen, deren Umsetzung enorme Ressourcen verschlingt. Diesem Komplexitätszuwachs steht allerdings kein entsprechender Mehrwert entgegen. Der europäische Gesetzgeber ist mit MiFID II über das Ziel hinausgeschossen, weil es an Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf AG. einer Differenzierung bezogen auf die unterschiedlichen Marktmodelle und Größen der Börsen fehlt. diebank: Banken sind von etlichen Anforderungen, beispielsweise im Hinblick auf die Beratungsprotokolle, ziemlich genervt, weil die administrativen Aufwände aus dem Ruder laufen. Zu Recht? Feck: Im Grunde genommen müssen wir nüchtern konstatieren, dass die Beratungsprotokolle keinen Nutzen gebracht haben. Nicht alle, aber viele Banken haben ihre Kunden auch in der Vergangenheit vernünftig beraten. Man muss darüber hinaus vielleicht etwas stärker differenzieren zwischen einem Verkaufsgespräch in der Bank und der eigentlichen Beratung in Finanzangelegenheiten. Hier gehört euch mehr dazu als eine administrative Dokumentation. Ich sehe hier eine wichtige Aufgabe in der ökonomischen Bildung im Allgemeinen und Finanzbildung im Speziellen. Dierkes: Da kann ich nur zustimmen. Privatanleger sind oft auf sich allein gestellt, weil die Banken nach unserer Beobachtung die Beratung für diese Kundengruppe immer weiter zurückgefahren haben. Nach dem „Do it yourself“-Prinzip 20 diebank 05.2016

BANKING ó müssen die Anleger nicht nur passende Investmentmöglichkeiten finden, sondern auch Kosten im Blick behalten und manchmal sogar Nervenstärke beweisen. Zusammen mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. und unserem Skontroführer Schnigge unterstützen wir Privatanleger mit Informationsveranstaltungen vor Ort. Dabei geht es nicht um konkrete Produkt- oder Aktienempfehlungen im Sinn einer Beratung, sondern um neutrale Wissensvermittlung zu den Themen Börse und Wertpapiere. Lange: Die andauernden Diskussionen um das Beratungsprotokoll sind – bei Lichte besehen – ziemlich unergiebig, und zwar in jeder Hinsicht, d. h. sowohl aus Sicht des Beraters als auch des Kunden oder der Aufsicht. Weder das Vorhandensein noch der etwaige Wegfall des Protokolls haben eine unmittelbare Auswirkung auf die Qualität der Beratung und des Produktangebots. Das Protokoll steht am Ende des Produkt- und Beratungsprozesses, etwaige frühere Versäumnisse oder Weichenstellungen sind durch eine Protokollierung nicht mehr änderbar. Das Beratungsprotokoll ist im Übrigen möglicherweise auch nicht die maßgebliche Ursache dafür, dass insbesondere die Aktienberatung auf dem Rückzug zu sein scheint. diebank: Man könnte es auch als eine Aufgabe der Marktpositionierung sehen und die Chance nutzen, um sich innerhalb eines äußerst intensiven Wettbewerbs positiv zu profilieren. Dies gilt auch für neue Beratungsansätze, oder? Dr. Markus Lange, Head of Financial Services Legal, KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Lange: Im Rahmen der Zuwendungsdiskussion muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass es keinen denklogischen Dualismus im Sinn eines Entweder – oder von provisionsbasierter Beratung und Honorarberatung gibt. Erfolg versprechende Vertriebs- und Preismodelle der Zukunft werden sich voraussichtlich zwischen diesen vermeintlichen Polen eta- blieren. Insoweit ist nicht nur juristischregulatorischer Scharfsinn gefragt, es wird vielmehr auch auf Kreativität und Kommunikationsgeschick im Vertrieb ankommen. Weber: Ich sehe als Folge von MiFID II einen ganz anderen Wettbewerbsaspekt. In der Konsequenz wird es zu einem ruinösen Wettbewerb und einer Markus Feck, Leiter Gruppe Ausdünnung der beteiligten Unternehmen Finanzen und Versicherungen bei der kommen – mit negativen Auswirkungen Verbraucherzentrale für die gesamte Branche. Die Auswirkungen von MiFID II werden Probleme auf NRW. der Ertragsseite, auf Orderströme und Finanztransaktionen produzieren, den Margendruck im Handel erhöhen und an den Fundamenten wirtschaftlich tragender Geschäftsmodelle rütteln. Es ist scheinbar politisch gewollt, dass es zu Verwerfungen kommt. Kleine Unternehmen müssen dann zwangsweise zu großen Einheiten verschmolzen werden. Nach dem „Last Man Standing“-Prinzip wird hier eine vielfältige Börsenlandschaft kaputtgemacht. Für Deutschland ist MiFID II nicht geeignet. Dierkes: Dem Fazit würde ich bezogen auf die deutsche Börsenlandschaft zustimmen. Die Umsetzung von MiFID II stellt die deutschen Börsenplätze vor gigantische Herausforderungen. Der Dialog mit den Regulatoren ist für uns sehr viel komplexer und damit auch schwieriger geworden. In der Vergangenheit war die Börsenaufsichtsbehörde im Finanzministerium des Landes NRW als oberste Landesbehörde für die Börse Düsseldorf zuständig. Dabei geht es primär um die Einhaltung börsenrechtlicher Vorschriften und um die ordnungsgemäße Durchführung des Handels und der Geschäftsabwicklung. Jetzt sind als zusätzliche Aufsichtsinstanzen die BaFin und die ESMA in Paris hinzugekommen. Bei der Koordination der verschiedenen Aufsichtsbehörden scheint es noch Potenzial für Effizienzsteigerungen zu geben. diebank: Gibt es auch etwas Positives über MiFID II zu vermerken? Feck: Wie so häufig, gib es gute Ansätze. Aber erst der Praxistest wird zeigen, ob Geeignetheitserklärung, Überwachungspflichten oder Transparenz bei Kosten den gewünschten Effekt haben. Die erhöhte Kostentransparenz bei Wertpapierdienstleistungen ist sicherlich begrüßenswert. Diese kann aber nur dann dem Anleger nutzen, wenn die Gesamtkosten an prominenter Stelle deutlich ausgewiesen werden. Auch die Folgen der Gesamtkosten auf die zu erzielende Rendite muss an hervorgehobener Stelle dargestellt werden. Idealerweise wird dem Anleger aufgezeigt, welche Entwicklung notwendig ist, um ihn in die Gewinnzone zu bringen. Richtig sind darüber hinaus die neu eingeführten Produktentwicklungs- 05.2016 diebank 21

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