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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT gender

ó FINANZMARKT gender verändern als die gerade erst abgeschlossene Implementierung des Basel-III-Regelwerks (ohne Berücksichtigung der Übergangsregelungen). Es ist anzuerkennen, dass sich der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die notwendige Zeit genommen hat, um dieses weitreichende Regelwerk für Marktrisiken in seine finale Form zu gießen. Denn nur durch überlegtes Vorgehen lassen sich missglückte Regelungsvorschläge wie das erste Konsultationspapier zum neuen Kreditrisikostandardansatz vermeiden. Ist die geplante Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten der neuen Regelungen Ende 2019 großzügig? Nein. Denn Banken werden die Zeit dringend brauchen, um notwendige Veränderungen umzusetzen. 8 Der am meisten unterschätzte Bestandteil des Reformpakets bleibt die überarbeitete Abgrenzung des Handelsbuchs. Die Auswirkungen der neuen Ansätze zur Ermittlung der Eigenmittelanforderungen wurden von einigen Banken bereits während der Konsultationsphase analysiert. Oft wurden dabei die Auswirkungen der neuen Abgrenzungskriterien des Handelsbuchs vernachlässigt. Dabei liegt gerade in diesem Bereich einer der zentralen Nachteile der derzeitigen Regelungen – und damit eine Quelle für weitreichende künftige Änderungen. Der Baseler Ausschuss schlägt bei der Handelsbuchabgrenzung weitreichende Änderungen vor. So sollen Führungsebenen bis hin zum Vorstand und der internen Revision in den Prozess der erstmaligen Zuordnung oder späteren Umwidmung eingebunden sein. Auch sollen sie klar vorgeben, in welchen Fällen eine Zuordnung zum Handelsbuch durch die Aufseher widerlegt werden kann. Hieraus ergeben sich potenziell weitere Änderungen gegenüber dem Status quo. Insbesondere kleinere Institute, die bislang kein Handelsbuch führen mussten, sollten die sich hieraus ergebenden Auswirkungen genau prüfen. Gut möglich, dass sie künftig ein Handelsbuch führen müssen, womit große organisatorische und prozessuale Herausforderungen verbunden wären. Durch den neuen, sensitivitätsbasierten Ansatz führt der Baseler Ausschuss eine Messmethode für Marktrisiken ein, die einem internen Modell ähnlicher ist als den bisher bestehenden Standardansätzen. Er ist also ein internes Modell „light“. Hierdurch steigt die Umsetzungskomplexität deutlich, nicht nur für kleinere Banken. Auch große Institute müssen künftig für alle Positionen eine Parallelrechnung mittels des Standardansatzes durchführen, selbst wenn sie über ein durch die Aufsicht abgenommenes Marktrisikomodell verfügen. Damit werden auch Themen wie Datenverfügbarkeit und Qualität wichtiger. Dagegen rücken reduzierte Kapitalanforderungen – bisher das Zuckerbrot, das den Instituten die Einführung interner Modelle schmackhaft machen konnte – durch die Kombination mit der noch final zu kalibrierenden Mindesteigenmittelanforderung auf Grundlage des Standardansatzes („Floor-Regelung“) in wei- 4 Handelstischdefinition Ein Trading Desk besitzt eine wohldefinierte Menge von Händlern und einen verantwortlichen Händler (Head Trader). Jeder Händler darf dabei lediglich einem Handelstisch zugeordnet werden. Jeder Trading Desk muss eine definierte Handels- bzw. Hedging-Strategie verfolgen, und diese muss entsprechend dokumentiert sein. Es muss eine Policy für das Risikomanagement des Trading Desks existieren, welche insbesondere die Verantwortlichkeiten für das Risikomanagement, die Limit-Setzung und das Reporting regelt. Die institutsspezifische Definition der Trading Desks muss durch die Aufsicht genehmigt werden. Hierbei muss das beantragende Institut durch geeignete Dokumente nachweisen, dass die drei zuvor genannten Kriterien erfüllt sind. Um für einzelne Handelstische (Trading Desks) eine IMA-TB Zulassung zu erhalten, müssen diverse Anforderungen erfüllt sein. Diese Anforderungen umfassen unter anderem das Backtesting und die Profit & Loss (P&L) Attribution auf Trading-Desk-Ebene. 12 diebank 05.2016

FINANZMARKT ó te Ferne. Überraschend ist, dass das finale Marktrisikopapier aus Basel keine Vorgaben mehr für die Validierung der Sensitivitäten enthält, die bankintern zu ermitteln und wesentlich für den sensitivitätsbasierten Ansatz sind. Die neuen Regelungen im Marktrisikobereich werden weitreichende Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit aller Banken haben. Sie werden nicht nur den Handel der großen internationalen Banken nachhaltig beeinflussen, sondern auch die Treasury- und Kapitalmarktgeschäfte kleinerer Institute. Insbesondere wird Handelsbuchtätigkeit künftig kein Privileg der großen Banken mehr sein. Auch kleine Retail-Institute werden wohl künftig ein Handelsbuch führen müssen. Zudem wird die Risikomessung im Handelsbuch aufgrund des sensitivitätsbasierten Standardansatzes deutlich komplexer. Auch die Eigenmittelanforderungen im Marktrisikobereich werden deutlich steigen, was auch ein Hauptziel der Neuregelungen ist. Der Baseler Ausschuss nennt einen Anstieg von 40 Prozent der Eigenmittelanforderungen im Vergleich zu den derzeitigen Regelungen. In der Branche sind sogar schon bis zu 400 Prozent für einzelne Produkte und Portfolios genannt worden. Sicher ist, dass die Neuregelungen große Auswirkungen auf die Geschäfts- und Handelsstrategien haben werden. Und diese werden die aufgrund des derzeitigen Zinsniveaus ohnehin schon angespannte Profitabilität der Institute weiter unter Druck setzen. ó Autoren: Martin Neisen ist Partner im Bereich Regulatory Management und Global Basel IV Leader bei PricewaterhouseCoopers (PwC) in Frankfurt am Main. Prof. Dr. Hermann Schulte-Mattler ist Professor für Betriebswirtschaftslehre insbesondere Finanzwirtschaft und Controlling an der Fachhochschule Dortmund. 1 Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2016a), Standards – Minimum Capital Requirements for Market Risk, 14. Januar 2016, Basel (BCBS d352). 2 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2006), Internationale Konvergenz der Eigenkapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen, Überarbeitete Rahmenvereinbarung, umfassende Version, Juni 2006, Basel (BCBS 128). 3 Vgl. EU-Kommission (2013b), Verordnung (EU) Nr. 575/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute und Wertpapierfirmen und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 646/2012, EU-Amtsblatt L 176 vom 30. November 2013, S. 1-337 („CRR“). 4 Vgl. EU-Kommission (2013a), Richtlinie 2013/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über den Zugang zur Tätigkeit von Kreditinstituten und die Beaufsichtigung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen, zur Änderung der Richtlinie 2002/87/EG und zur Aufhebung der Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG, EU- Amtsblatt L 176 vom 27. Juni 2013, S. 338-436 („CRD IV“). 5 Vgl. EU-Kommission (2013b), Art. 186 a) CRR. 6 Vgl. Carver, L. (2015), Back-testing expected shortfall: mission possible?, in: Risk Magazine, 17. Oktober 2015. 7 Vgl. Neisen, M.; Röth, S. (2016), Basel IV, Köln (Bank Verlag). 8 Vgl. Neisen, M. (2016) Risikomessung in Handelsbuch wird für Banken deutlich komplexer.

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